Inhaltsverzeichnis
1. Einbettung in das Seminarthema 3
2. Zentrale Aussagen 3
2.1 Die Entstehung des Kritischen Rationalismus 3
2.2 Die Theoretiker und ihre Ideen 4
2.2.1 Karl Raimund Popper (1902 1994) 4
2.2.2 Hans Albert (geb 1921) 5
2.2.3 Wolfgang Brezinka (geb 1928) 5
2.3 Der Positivismusstreit 5
3. Anwendungen in der Praxis 6
3.1 Theoretische Ergänzungen 6
3.2 Vorgehen bei wissenschaftlichen Experimenten 7
3.2.1 Bildung des Hypothesenpaars 8
3.2.2 Operationalisierung der Variablen 8
3.3.3 Quantifizierung 9
3.3.4 Festlegung von Population und Stichprobe 10
3.3.5 Festlegung der Untersuchungsform 10
3.3.6 Pretest 11
3.3.7 Datenerhebung 11
3.3.8 Datenauswertung 11
3.3 Praktische Umsetzungen 12
3.3.1 Pädagogische Verhaltensmodifikation 12
3.3.2 Verhaltentraining 13
4. Konsequenzen für die Berufsbildung Eigene Stellungnahme 13
5. Anhang 14
5.1 Das Forschungsexperiment 14
6. Literatur 14
2
1. Einbettung in das Seminarthema Das Seminarthema lautet „Wissenschaftstheoretische Grundlagen der Berufspädago-
gik“. Hierin werden die verschiedenen wissenstheoretischen Ansichten genauer unter
die Lupe genommen. Das in der Berufspädagogik agierende Personal muss für die
Wissensvermittlung die verschiedenen Ansätze kennen. Einer dieser Ansätze ist der
Kritische Rationalismus nach Popper/ Brezinka. In ihren Aussagen betonen sie die
Bedeutung der Theorieprüfung für die Wissenschaft und Praxis. Dies werde ich be-
handeln und außerdem dem kontrastierenden Verfahren der Theoriebildung gege n-
überstellen.
2. Zentrale Aussagen
2.1 Die Entstehung des Kritischen Rationalismus
Wissenschaftliche Forschung im Bereich der empirischen Erziehungswissenschaft
hat sich erst relativ spät im Vergleich zu anderen geistigen Wissenschaftsdisziplinen
entwickelt. Als Zeitpunkt sind die ersten Jahrzehnte des letzten Jahrhunderts zu ne n-
nen. Von besonderer Bedeutung war dabei die Grundannahme, dass die Erkenntnis-
bildung mithilfe von Beobachtung und Experimenten geschieht und daraus objektive
Resultate geschlossen werden können. Ein weiterer Punkt war die Korrespondenz zu
den naturwissenschaftlichen Forschungsmethoden. 1 Dabei ergeben sich einige Fragen: Ist dieser Ansatz überhaupt haltbar? Beginnt die
Erkenntnisbildung nicht schon bereits bei der Begriffswahl, die das angeblich objek-
tive Erscheinungsbild verzerren kann? Kann man die Methode der Induktion oder
Deduktion 2 für die wissenschaftliche Forschung anwenden?
Ich möchte mich im Folgenden mit den theoretischen Ausprägungen auseinanderset-
zen, sie vorstellen und in einem weiteren Punkt die praktische Umsetzung in der ver-
haltensorientierten Erziehungswissenschaft dem Leser näher bringen.
1 vgl. König/ Zedler 1998, S. 45
2 Induktion und Deduktion: Das Induktionsprinzip basiert auf der Annahme, dass sich aus Beobach-
tungsaussagen Gesetze und Theorien ableiten lassen, d.h. also vom Einfachen auf das Allgemeine.
Dem gegenüber steht die Annahme der Deduktion, d.h. aus Gesetzen und Theorien lassen sich Erklä-
rungen und Vorhersagen (Hypothesen) formulieren.
3
2.2 Die Theoretiker und ihre Ideen
2.2.1 Karl Raimund Popper (1902 – 1994)
Der ausgebildete Mathematik- und Physiklehrer und spätere Professor für Logik und Wissenschaftsmethodologie in London kann als Begründer des Kritischen Rationa- lismus angesehen werden. In seinem bedeutendsten Werk „Logik der Forschung“ befasst er sich mit dem „I nduktionsproblem“. Für die Erziehungswissenschaft hält er es für instabil, aus Einzelbeobachtungen „hier so etwas wie ein Naturgesetz anzu-
nehmen.“ 3 Wissenschaftlicher Fortschritt verläuft für ihn nach der Falsifizierung. Eine allgemeine Theorie bleibt solange gültig und bewährt, bis sie falsifiziert wurde: ’Bekanntlich berechtigen uns noch so viele Beobachtungen von weißen Schwänen
nicht zu dem Satz, dass alle Schwäne weiß sind’ 4 . Es reicht eine einzige Sic htung eines schwarzen Schwanes aus, um den Grundsatz „Alle Schwäne sind weiß.“ zu widerlegen.
Dieses plastische Beispiel lässt sich generalisieren: Alle Erkenntnisse bleiben vorläu- fig; die Theorien, die „wahrheitsnäher“ sind, setzen sich durch und sicheres Wissen ist eine Illusion. Dadurch stellt Popper eine Forderung auf: „Wissenschaftler sollten versuchen, ihre Theorien zu widerlegen bzw. mit entscheidenden Experimenten […]
Theorien auszusieben.“ 5 Das Prüfungsverfahren ist nunmehr ein deduktives Vorge- hen. Die bisher anerkannte Formel wird zugrunde gelegt und daraus Hypothesen abge leitet, die mittels Forschungsmethoden überprüft werden. Fällt das Ergebnis im Sinne der Hypothese aus, ist der Ansatz verifiziert. Im gegenteiligen Fall ist der An- satz falsifiziert und die Formel verworfen: „In einer Art evolutionärem Turnier von Hypothesen werden brauchbare Hypothesen sich als überlebensfähig herausstellen; falsifizierte Hypothesen hingegen in den Fossilienfundus der Wissenschaftsgeschich-
te eingehen.“ 6 Poppers Ideen beziehen sich auch auf ein Werkzeug der Wissenschaft, nämlich die Sprache und deren Semantik. Die Tatsachen beruhen auf Erkenntnis und werden in Basissätzen beschrieben; diese stellen für ihn nur ein vorläufiges Ergebnis dar. Das-
selbe gilt für die objektive Wissenschaft, die nicht auf Felsengrund gebaut ist. 7
3 König/ Zedler 1998, S. 46
4 Popper, K.R.: Logik der Forschung. Tübingen (10.Auflage) 1994, S.3 in König/ Zedler 1998, S.46
5 http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Popper mit Stand vom 27.10.2005
6 Diekmann 2004, S. 153
7 vgl. Popper, K.R.: Logik der Forschung. Tübingen (10.Auflage) 1994, S. 75f in König/ Zedler 1998,
S. 47
4
Popper vereinheitlicht diese Methode zum Prüfverfahren nach dem „Kritischen Rati-
onalismus“.
In seinen Ausführungen wird die Affinität zu den Naturwissenschaften immer wieder
deutlich. Denn eigentlich war sein Konzept der kritischen Prüfung für dieses Gebiet
vorgesehen. Die Sozialwissenschaften meinte er damit jedoch auch, indem er es dar-
auf übertrug.
2.2.2 Hans Albert (geb. 1921)
Der deutsche Philosoph und vormalige Schüler Poppers hat sich dem Konzept des
Kritischen Rationalismus nach Popper angenommen und dieses im deutschen
Sprachraum etabliert.
2.2.3 Wolfgang Brezinka (geb. 1928)
Auch der Pädagoge Brezinka rezipierte Popper und ebnete dem „Kritischen Rationa-
lismus“ den Weg in die Praxis – insbesondere für die empirische Erziehungswissen-
schaft. Er ist Vertreter eines empirisch-analytischen Wissenschaftskonzeptes. In sei-
nen eigenen Werken sagt er u.a., dass Erkenntnisgewinn nur durch Verwendung der
wissenschaftlichen Methode stattfindet. Darüber hinaus fordert er eine intersubjekti-
ve Überprüfbarkeit von Erziehungswissenschaft, die dazu wertfrei sein muss.
2.3 Der Positivis musstreit
Anhand des Positivismusstreites möchte ich dem Leser die sich differenzierenden
Meinungen über Wertfreiheit und Wertung in wissenschaftlichen Aussagen näher
bringen.
Was der „Kritische Rationalismus“ bei Popper und Albert darstellt („Die Kölner
Schule“), stellt dazu im Gegensatz die „Kritische Theorie“ bei Theodor Adorno, Max
Horkheimer und Jürgen Habermas dar („Die Frankfurter Schule“). Für sie sind Wis-
senschaftstheorien normativ, die Werturteile enthalten. Zugrunde liegen dabei Nor-
men, die beschreiben, was getan werden soll. Die Auseinandersetzung wurde auf
einer Fachtagung in Tübingen im Jahr 1961 ausgetragen und auch die nächsten Jahre
weitergeführt.
Popper und Albert betonen die Objektivität von Wissenschaft und sprechen sich für
die positive, deskriptive und somit wertfreie Theorie aus (Beschreibung der Welt und
nicht, wie die Welt sein soll). Der einzige normative Aspekt in den Ausführungen
Poppers bzw. Alberts liegt in der Voraussetzung, wie Wissenschaft vorzugehen hat:
„Wissenschaft, […], setzt mit der Wertbasis selbstverständlich Wertentscheidungen
5
Arbeit zitieren:
Torsten Strecke, 2005, Kritischer Rationalismus, München, GRIN Verlag GmbH
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