Inhalt
1 Einleitung 3
2 Die 68er- wer waren sie 5
2.1 Die Außerparlamentarische Opposition (APO) und der
Sozialistische Deutsche Studentenbund (SDS) 6
3 Ziele und Feindbilder 9
4 Begründungstheorie 10
5 Berlin als Ausgangszentrum des Protestes 13
6 Radikalisierung des SDS 14
7. Kritikkatalog des SDS 16
7.1 Springerkonzern und Pressekonzentration 16
7.2 Demokratieverständnis 17
7.3 Hochschulpolitik 19
7.4 Lebensformen 20
8 Schlussbemerkungen 21
9 Bibliografie 24
1 Einleitung
Wenn der Begriff „Die 68er“ fällt, so werden damit häufig langhaarige Kommunenmitglieder verbunden, die freie Liebe praktizierten, olivfarbene Parkas trugen, Beatles hörten, Salinger lasen und rebellierend auf die Straße gingen.
Diese Darstellung, die nur einem Teil des Bildes der jungen Menschen gerecht wird, soll in meiner Arbeit differenziert betrachtet werden und durch eine politische Dimension ergänzt werden. Ihre Errungenschaften waren mehr als ein Klischee. Gerade diese Mischung aus politischer und jugendkultureller Sprengkraft verlieh der Protestbewegung ihre Massenwirkung.
Auch heute, knapp 40 Jahre nach der unruhigen Zeit der späten 60er, bleibt die Frage, ob die Studentenbewegung eine revolutionäre oder nur eine rebellierende Gruppierung war, unbeantwortet. Christoph Kleßmann greift diese polare Spannbreite schon im fragenden Titel seines Aufsatzes „1968- Studentenrevolte oder Kulturrevolution?“ 1 auf. Es existieren mehrere Denkmodelle und Analysen von Historikern, die die studentischen Aktivitäten beurteilen. Diese stelle ich in meiner Arbeit gegenüber.
Die historische Debatte um die `68er ist nicht abgeschlossen. Sie wird u.a. aktuell und konkret mit dem Politiker Joschka Fischer verbunden, dem Presseberichten zufolge vorgeworfen wurde, die spätere Terroristin Magrit Schiller beherbergt und Molotowcoctails geworfen zu haben. Das eingeleitete Verfahren wurde eingestellt. Ich werde in meiner vorliegenden Arbeit die Beweggründe der `68er für ihr Aufbegehren gegen überkommene kulturelle, politische und soziale Normen schildern. Durch die deutliche Dominanz von Studenten wird die Bewegung auch häufig Studentenbewegung genannt, woran ich mich begrifflich anschließe. Obwohl die Studentenbewegung auch in anderen Ländern Wellen schlug und keineswegs ein deutsches, sondern ein weltweites Phänomen war- man denke dabei an ähnliche Aktionen in Frankreich, die Kritiker des Vietnam- Krieges in den USA, die
1 Kleßmann, Christoph, „1968 – Studentenrevolte oder Kulturrevolution“. In: Revolution in Deutschland? 1789-
1989. Hrsg. von Manfred Hettling. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 1991.S.90
3
unter Mao Zedong inszenierte Kulturrevolution oder auch an die Befreiungskämpfe unter Che Guevara in Cuba- so will ich mich auf die nationalen Geschehnisse beschränken.
Experten, wie der Soziologe Helmut Schelsky, glaubten nicht an eine revolutionäre Jugend und waren von der Ruhe überzeugt, die keinen Sturm andeutete: „Aber was sich auch ereignen mag, diese Generation wird nie revolutionär, in flammender kollektiver Leidenschaft auf die Dinge reagieren. Sie trägt kein Bedürfnis in sich, elitäre Gemeinschaften zu stiften oder Ordnungsprinzipien zu verwirklichen.“ 2 Auch Ludwig von Friedeburg, der spätere hessische Kultusminister, schloss sich diesem sicheren Gefühl an:
Überall erscheint die Welt ohne Alternativen, paßt man sich den jeweiligen Gegebenheiten an, ohne sich zu engagieren, und sucht sein persönliches Glück im Familienleben oder Berufskarriere. In der modernen Gesellschaft bilden Studenten kaum mehr ein Ferment produktiver Unruhe. Es geht nicht mehr darum, sein Leben oder gar die Welt zu verändern, sondern dessen Angebote bereitwillig anzunehmen, um sich in ihr so wie es nun einmal ist, angemessen und distanziert einzurichten. 3
Darin hatten sich die beiden getäuscht. Die Studenten überraschten. Langguth weist jedoch in seiner Feststellung: „Allerdings ist die Vermutung falsch, erst mit jener Studentenrevolte habe es ein Aufbegehren gegen die Politik im Nachkriegsdeutschland gegeben“ 4 auf den Umstand hin, dass viele Protestaktivitäten in den 50ern und zu Beginn der 60er wie die „Ohne- Mich“ Bewegung oder die „Schwabinger Krawalle“ nicht die nötige Aufmerksamkeit erhalten hatten, um sie ernst zu nehmen. Der Boden war folglich bereits bereitet.
2 Schelsky, Helmut zitiert in: Langguth, Gerd: Mythos 68`. Die Gewaltphilosophie von Rudi Dutschke. München: Olzog 2001. S. 17.
3 Von Friedeburg, Ludwig zitiert in: ebd.
4 Ebd. S. 18
4
2. Die 68er- wer waren sie?
Die 68er Bewegung kann weder eindimensional als Jugendbewegung noch als einfacher Generationskonflikt verstanden werden. Sie war mehr als das, denn sie war eindeutig von Studenten und Schülern dominiert, während die große Jugendmasse zunächst nur am Rand stand. Diese intellektuelle Dominanz schloss einen großen Teil der Jugendlichen aus.
Margarita von Brentano spricht sogar von einem “privilegiertem Protest“ 5 , der Intellektuelle in ihren Informations- und Bildungschancen gegenüber der Arbeiterschaft bevorzuge.
Ferner war die Veränderung der Gesellschaft nach 1968 beträchtlich, wie Ingrid Gilcher- Holtey es ausdrückt: „Eine Veränderung der Mentalitätsstrukturen mitbewirkt zu haben ist eine Wirkung, die der 68er – Bewegung zugerechnet werden kann“ 6 . Ein solches Umdenken kann nicht nur als eine von der Universität auf die Straße getragene Studentenrevolte definiert werden.
Genausowenig können die Auseinandersetzungen als schlichter Generationskonflikt betrachtet werden. Brüche zwischen Älteren und Jüngeren existierten stets, wie z. B. in der Wandervogelbewegung zu Beginn des letzten Jahrhunderts. Der Unterschied liegt vor allem in den vordergründig politischen Motiven der Studentenbewegung.
5 Margarita von Brentano zitiert in: Kleßmann Christoph, Revolution in Deutschland? 1789-1989. Hrsg: Manfred
Hettling, Vandenhoeck & Ruprecht, Goettingen 1991.S. 93.
6 Gilcher-Holtey, Ingrid: Die 68er Bewegung. Deutschland Westeuropa USA. 2. Auflage. München:. Beck 2003. S.127.
5
2.1 Die Außerparlamentarische Opposition (APO) und der Sozialistische
Deutsche Studentenbund (SDS)
Der Sozialistische Deutsche Studentenbund (SDS) galt als Zentrum der Protestbewegung.
In ihm waren größtenteils Studenten, Oberschüler, Künstler beteiligt, die im Fokus der politischen Aktionen standen. Lediglich 5% der nichtakademischen Jugend nahm Max Kaases Untersuchungen zufolge an den Sommerdemonstrationen im Jahre 1968 teil. 7 Gerade die Studenten waren, wie empirische Untersuchungen belegen, keine Gammler oder Hippies, wie sie oftmals von Zeitgenossen dargestellt wurden, sondern eine ernst zu nehmende Gruppe politisch engagierter, häufig älterer Studenten. 8 Ihr fehlendes, klar umrissenes Programm und die damit verbundene Orientierung an vielfältigen Strömungen sowie die Beschäftigung mit verschiedensten Themen, von Sexualität über bildungs- und regierungspolitischen Diskursen bis hin zu Öffentlichkeitsarbeit, verschaffte Jugendlichen mit unterschiedlichen Interessen eine breite Integrationsfähigkeit.
Dennoch gelang es den Studenten in Deutschland nicht wie beispielsweise der parallel in Frankreich stattfindenden Bewegung, einen Solidarisierungseffekt in nichtakademischen Kreisen der Bevölkerung zu erreichen. Dies lag nach Meinung Wolfgang Kraushaars nicht zuletzt an der Verhinderung durch deutsche Gewerkschaften, die ein Aktionsbündnis mit den Studenten, wie es in Frankreich geschah, verhindern wollten. Während in Frankreich die Gewerkschaften zu einem 24-stündigem Generalstreik aufriefen, um eine Solidarisierung mit den Studenten herbeizuführen, rief der DGB hierzulande zeitgleich zum Sternenmarsch der Studentenbewegung eine groß angelegte Kundgebung aus. Kraushaar fasst diesen Eindruck zusammen: „Während es in Frankreich zu einer spektakulären Fusion
7 Vgl. Max Kaase zitiert in: Langguth, Gerd: Mythos` 68. Die Gewaltphilosophie von Rudi Dutschke. München:
Olzog 2001. S.17.
8 Vgl. Kleßmann, Christoph: Zwei Staaten, eine Nation. Deutsche Geschichte 1955-1970. Bonn: Bundeszentrale
für politische Bildung 1988. S. 285.
6
Arbeit zitieren:
Maria Kalaitzi, 2005, Die politischen Ziele und Feindbilder der Studentenbewegung , München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Die Ursachen der Studentenproteste in den sechziger Jahren
Geschichte Europa - Deutschland - Nachkriegszeit, Kalter Krieg
Seminararbeit, 17 Seiten
Psychoanalytische und lerntheoretische Erklärung der Angstentstehung
Referat (Handout), 22 Seiten
Der Umgang mit politisch motivierter Kriminalität zu Beginn der Weimar...
Gesch. Europa - Deutschland - I. Weltkrieg, Weimarer Republik
Seminararbeit, 32 Seiten
Ein Wendepunkt in der französi...
Geschichte Europa - and. Länder - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung
Hauptseminararbeit, 12 Seiten
Politik - Internationale Politik - Thema: Frieden und Konflikte, Sicherheit
Hauptseminararbeit, 26 Seiten
Hohe und Niedere Minne im Vergleich
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Zwischenprüfungsarbeit, 15 Seiten
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Seminararbeit, 25 Seiten
Die Frau im demokratischen Athen
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Hausarbeit, 18 Seiten
Heinrich der Löwe und der Wendenkreuzzug 1147
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Hauptseminararbeit, 26 Seiten
Globales Lernen im Geographieunterricht
Eine fachdidaktische Studie zu...
Geowissenschaften / Geographie - Didaktik d. Geographie
Examensarbeit, 107 Seiten
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Polenbilder in der deutsch-jüdischen Gegenwartsprosa
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Magisterarbeit, 119 Seiten
Rezension zu: Kastner, Jens, David Mayer (Hgg.), Weltwende 1968? Ein J...
Geschichte Europa - and. Länder - Neueste Geschichte, Europäische Einigung
Rezension / Literaturbericht, 8 Seiten
Ulrich von Zatzikhovens "Lanzelet"
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Seminararbeit, 27 Seiten
Die Ausserparlamentarische Opposition - der Mythos der 68er
Soziologie - Politische Soziologie, Majoritäten, Minoritäten
Seminararbeit, 26 Seiten
Konfliktanalyse nach Giesecke - Theoretische Grundlagen und Beispiel
Politik - Didaktik, politische Bildung
Hausarbeit, 33 Seiten
Entgrenzung der Politik durch die Globalisierung?
Der Niedergang der Politik und...
Politik - Internationale Politik - Thema: Globalisierung, pol. Ökonomie
Referat (Ausarbeitung), 12 Seiten
Maria Kalaitzi's Text Die politischen Ziele und Feindbilder der Studentenbewegung ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Maria Kalaitzi hat den Text Die politischen Ziele und Feindbilder der Studentenbewegung veröffentlicht
Maria Kalaitzi hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare