INHALTSVERZEICHNIS 2
Inhaltsverzeichnis
1 W¨ ahrungskrisenmodelle erster Generation 3
1.1 Das W¨ ahrungskrisenmodell von Krugman . . . . . . . . . . . . . . . .
1.2 Das W¨ ahrungskrisenmodell von Flood und Garber . . . . . . . . . . 7
1.3 Erweiterungen der klassischen W¨ ahrungsattackenmodelle . . . . . . . . 10
1.4 Modelle erster und zweiter Generation im Vergleich . . . . . . . . . . . 10
2 W¨ ahrungskrisenmodelle zweiter Generation 12
3 W¨ ahrungskrisenmodelle dritter Generation 16
Literatur 17
1 W ¨
AHRUNGSKRISENMODELLE ERSTER GENERATION 3
1 W¨ ahrungskrisenmodelle erster Generation
Von den ¨ okonomischen Arbeiten zur Modellierung von W¨ ahrungskrisen, die als Folge der schweren W¨ ahrungskrisen in Mexiko und Argentinien in den siebziger Jahren des
20. Jahrhunderts entstanden sind, sind vor allem diejenigen von Krugman (1979) und
von Flood und Garber (1984) ber¨ uhmt geworden. Diese W¨ ahrungskrisenmodelle erster Generation lieferten f¨ ur die bis dahin beobachteten Krisen angemessene Abbil- dungen und Erkl¨ arungen. Sie basierten auf einer von Salent und Henderson (1978) entwickelten Theorie zur Stabilisierung der Preise ersch¨ opfbarer Ressourcen. Kern der Modelle ist das Ph¨ anomen der spekulativen Attacke. Im Modell von Salent und Hen- derson versucht eine Regierung, den Preis p von Gold auf einem niedrigen Niveau zu fixieren. Wenn jedoch dieser fixierte Preis von dem (h¨ oheren) potenziellen Marktpreis P ( Schattenpreis“), der sich ohne Eingriff einstellen w¨ urde, zu stark abweicht, ist es f¨ ur ”
Wirtschaftssubjekte rational, große Goldmengen zu erwerben, in der Hoffnung dass der Goldbestand der Regierung dadurch ganz aufgebraucht wird und sie durch Goldk¨ aufe und -verk¨ aufe den Preis nicht mehr k¨ unstlich stabilisieren kann. Hat diese spekulative Attacke Erfolg, wird der Goldpreis freigegeben und die Spekulanten realisieren einen Gewinn in H¨ ohe von P − p pro Einheit Gold.
Die W¨ ahrungskrisenmodelle erster Generation ¨ ubertrugen nun diese Logik auf Re- servebest¨ ande an Devisen und feste Wechselkursregime. Untersucht werden kleine of- fene Volkswirtschaften, in denen Vollbesch¨ aftigung herrscht (L¨ ohne und G¨ uterpreise sind vollst¨ andig flexibel) und die ihre W¨ ahrung an eine ausl¨ andische Hartw¨ ahrung wie den US-Dollar anbinden, um die Glaubw¨ urdigkeit ihrer Geldpolitik zu erh¨ ohen. Die Stabilisierung des Wechselkurses geschieht ausschließlich durch direkte Interventionen der Zentralbank eines solchen Landes auf dem Devisenmarkt, wo sie durch Kauf oder Verkauf von Devisen deren Angebot und Nachfrage zum Ausgleich bringt und somit den Wechselkurs fixiert. 1 Typischerweise gab es in den Krisenl¨ andern zus¨ atzlich zum festen Wechselkursregime eine stark expansive Geldpolitik, mit deren Hilfe der Staat sein (persistentes) Budgetdefizit zu finanzieren pflegte. Bei konstanter Geldnachfrage seitens der Privaten setzt aber eine sich st¨ andig ausweitende inl¨ andische Geldmenge die W¨ ahrung unter Abwertungsdruck, da das ¨ Uberschussangebot an inl¨ andischer W¨ ahrung im Vergleich zur ausl¨ andischen W¨ ahrung deren Preis, also den Wechselkurs, unter Druck setzt. Dem muss die Zentralbank durch Verkauf von Devisen entgegensteuern, so dass ihr Reservebestand schrumpft. Sobald nun die Wirtschaftssubjekte glauben, 1 Andere Politikoptionen wie z. B. Kapitalverkehrskontrollen werden in den Grundmodellen ver-
nachl¨ assigt, lassen sich aber als Erweiterung ber¨ ucksichtigen.
1 W ¨
AHRUNGSKRISENMODELLE ERSTER GENERATION 4
durch Ankauf einer großen Devisenmenge die Reserven der Zentralbank vollst¨ andig aufl¨ osen zu k¨ onnen, werden sie auf die Aufgabe spekulieren und dies tun, was dann wiederum den Staat dazu zwingt, sein Regime fester Wechselkurse aufgeben zu m¨ ussen. Die Spekulanten k¨ onnen nach erfolgreicher Attacke und Abwertung der W¨ ahrung ihre Devisen zu einem h¨ oheren Wechselkurs Gewinn bringend wieder verkaufen. Vorgestellt werden im Folgenden die beiden grundlegenden W¨ ahrungskrisenmodelle, die dieser Logik folgen, und die die Basis f¨ ur eine Reihe von Fortentwicklungen und Erweiterungen sind.
1.1 Das W¨ ahrungskrisenmodell von Krugman
Krugman (1979) betrachtet eine Modell-Volkswirtschaft der oben beschriebenen Art, in der nur ein handelbares Gut produziert wird, das zum ausl¨ andischen Gut ein perfek- tes Substitut ist. Wenn flexible Wechselkurse vorliegen, gilt außerdem die Kaufkraft- parit¨ at, so dass sich das inl¨ andische Preisniveau P und das ausl¨ andische Preisniveau
P ∗ ¨
uber G¨ uterarbitrage stets angleichen:
P = sP ∗ .
s bezeichnet den Wechselkurs. Ohne Beschr¨ ankung der Allgemeinheit kann man P ∗ = 1 setzen, so dass der Wechselkurs dem inl¨ andischen Preisniveau und die Abwertungsrate der Inflationsrate entspricht. Das reale Verm¨ ogen W aller Wirtschaftssubjekte setzt sich zusammen aus der Menge M/P = m, die sie an inl¨ andischem Geld nachfragen und der Nachfrage F/P ∗ = F nach Devisen:
W = m + F.
Herrscht ein Regime flexibler Wechselkurse, interveniert die Zentralbank nie auf den Devisenm¨ arkten zur St¨ utzung des Wechselkurses. Da Ausl¨ ander annahmegem¨ aß kein Inlandsgeld halten, gibt es f¨ ur die Inl¨ ander dann keinen Handelspartner f¨ ur Devisen, so dass die von ihnen gehaltene Devisenmenge F sich nur durch Handel auf dem G¨ uter- markt ¨ andern kann und somit dem Saldo (Ex − Im) der Leistungsbilanz entspricht. Sieht man von Investitionen ab und nimmt an, dass der gesamtwirtschaftliche Konsum vom verf¨ ugbaren Einkommen Y − T (T : Steuerbetrag) und dem Verm¨ ogen W abh¨ angt, setzt sich das Nationaleinkommen, also der gesamtwirtschaftliche Vollbesch¨ aftigungs- Output, aus Konsum C, Staatsausgaben G und Außenhandelsbeitrag (Ex − Im) zu-
1 W ¨
AHRUNGSKRISENMODELLE ERSTER GENERATION 5
sammen. Da dieser der ¨
Anderung der Devisenmenge entspricht, gilt 2
F = Ex − Im = Y − G − C(Y − T, W ).
Das annahmegem¨ aß vorhandene, st¨ andig wachsende Budgetdefizit finanziert die Re- gierung ¨ uber die Notenpresse. Die inl¨ andische Geldmenge w¨ achst also um die Neuver- schuldung G − T , welche proportional zur realen Geldmenge angenommen wird: ˙
P
F¨ ur die Ver¨ anderung der realen Geldmenge ergibt sich damit unter Verwendung der Inflationsrate
π
≡
˙
Unter der Annahme, dass die Geldnachfrage m der Privaten proportional zu ihrem Verm¨ ogen W ist und der Proportionalit¨ atsfaktor L negativ von der Inflationsrate π abh¨ angt, l¨ asst sich unter Verwendung von Gleichung (2) herleiten, dass die Inflations- rate von m/F abh¨ angt. Alles zusammengesetzt erh¨ alt man ein lineares Differentialglei- chungssystem in den Variablen m und F :
m = [g − π(m/F )]m,
Dieses System besitzt einen positiven und einen negativen Eigenwert, so dass im m-F - Diagramm nur ein einziger stabiler dynamischer Pfad besteht. Dieser ist in Abbildung 1 durch SAS gekennzeichnet. Bei flexiblen Wechselkursen wird sich das System also zum Punkt A hin entwickeln, wenn man von einem Punkt auf der SAS-Gerade startet. Abbildung 1 enth¨ alt zudem den Expansionspfad 0X; dies sind alle Kombinationen der beiden Verm¨ ogensarten bei variierendem Verm¨ ogen im Falle fixer Wechselkurse. Dann n¨ amlich ¨ andert sich das Verh¨ altnis der beiden Verm¨ ogensarten im Portfolio bei variierendem Verm¨ ogen nicht, da mit dem Wechselkurs auch das Preisniveau konstant bleibt. Schließlich beinhaltet Abbildung 1 noch die WW-Kurve, auf der alle Punkte konstanten Verm¨ ogens liegen.
Anfangs herrscht in der betrachteten Volkswirtschaft ein Regime fixer Wechsel- kurse. Die Regierung besitzt einen Devisenbestand in H¨ ohe von R. Es liegt außerdem ein permanentes staatliches Budgetdefizit vor, dass die Regierung entweder durch Neu- ausgabe von Inlandsgeld oder Antasten ihrer Devisenreserven finanzieren kann. Al- lerdings kann der Staat die inl¨ andische Geldmenge nur in dem Ausmaß erh¨ ohen, in
Arbeit zitieren:
Dr. Oliver Fohrmann, 2006, Drei Generationen ökonomischer Währungskrisenmodelle - Ein zusammenfassender Überblick mit dem Schwerpunkt auf der ersten Generation, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Banken-, Währungskrisen und Twin Crisis: Stilisierte Fakten und theore...
VWL - Geldtheorie, Geldpolitik
Seminararbeit, 28 Seiten
Ursache von Finanzkrisen: Lateinamerika und Skandinavien im Vergleich
VWL - Fallstudien, Länderstudien
Diplomarbeit, 70 Seiten
Chancen- /Risikoprofile von Bonus-Zertifikaten: 'Teilkasko' fü...
BWL - Investition und Finanzierung
Hausarbeit, 32 Seiten
Spieltheorie - Erklärung und Anwendung im Marketing
BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung
Seminararbeit, 24 Seiten
Gemeinsam ist schöner: Herding - Erklärungsansätze und Empirie
Hauptseminararbeit, 22 Seiten
Agency Probleme bei mehreren Aktionen
BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation
Seminararbeit, 35 Seiten
New Public Management in der deutschen Bundesverwaltung
Politik - Politische Systeme - Politisches System Deutschlands
Seminararbeit, 18 Seiten
Wahl des Wechselkursregimes - Spekulative Attacken
VWL - Geldtheorie, Geldpolitik
Seminararbeit, 20 Seiten
Bedeutung und Aktivitäten von Private Equity und Venture Capital-Gesel...
BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation
Wissenschaftlicher Aufsatz, 31 Seiten
Theory of mind - Was Kinder über das Denken denken
Psychologie - Entwicklungspsychologie
Hausarbeit, 22 Seiten
Deutschland - Die Single-Gesellschaft
Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter
Seminararbeit, 19 Seiten
Die Rolle der Ratingagenturen bei Verbriefungen
BWL - Bank, Börse, Versicherung
Diplomarbeit, 60 Seiten
Die Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt vom Normalarbeitsverhältnis zum...
Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation
Vordiplomarbeit, 28 Seiten
Dollarisierung zur Überwindung von Finanzkrisen
Eine volkswirtschaftliche Anal...
VWL - Fallstudien, Länderstudien
Bachelorarbeit, 74 Seiten
Oliver Fohrmann's Text Drei Generationen ökonomischer Währungskrisenmodelle - Ein zusammenfassender Überblick mit dem Schwerpunkt auf der ersten Generation ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Oliver Fohrmann hat den Text Drei Generationen ökonomischer Währungskrisenmodelle - Ein zusammenfassender Überblick mit dem Schwerpunkt auf der ersten Generation veröffentlicht
Oliver Fohrmann hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare