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Inhaltsverzeichnis
I Einleitung 3
II Sol invictus.........................................................................................................4
III Sol invictus Elagabal 6
IV Der Sol invictus des Aurelian 8
V Solarer Monotheismus 10
VI Sol und das Ende des Heidentums 12
VII Schlußüberlegungen 13
VIII Abkürzungsverzeichnis 16
IX Literaturverzeichnis 17
IX 1 Quellen 17
IX 2 Sekundärliteratur 17
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I Einleitung Betrachtet man die religiöse Landschaft im römischen Kaiserreich, geraten unweigerlich die orientalischen Religionen ins Blickfeld, denn zunehmend übten sie Einfluß aus auf das individuelle und gesellschaftliche Leben im römischen Imperium.
Sehr früh bereits, seit dem Ende des 3. Jh. v. Chr. war der kleinasiatische Kult der Magna Mater und des Attis in Rom zu Ansehen gelangt und noch vor dem Beginn der Kaiserzeit hielten ägyptische Götter wie Isis und Serapis in der Hauptstadt des Reiches Einzug. In den ersten nachchristlichen Jahrhunderten folgten syrische Ba’alim, die unter Namen wie Iupiter Dolichenus und Iupiter Heliopolitanus prominent wurden 1 . Die Mysterien des iranischen Mithras und das junge Christentum fanden in der gesamten römischen Welt neue Anhänger und babylonische Astrologie erfreute sich einiger Beliebtheit.
Gewissermaßen war das römische Kaiserreich ein riesiger, offener Markt der Religionen, auf den orientalische Exporte drängten. Zeugnisse aus Rom und Italien, von Britannien bis an den Rand der Sahara, vom Rhein und von der Donau bis zum Euphrat zeichnen ein ausgesprochen heterogenes Bild der religiösen Welt jener Zeit 2 . Pluralismus und Synkretismus, Hellenisierung und Latinisierung machen es indessen nicht immer leicht, Herkunft und ursprüngliche Gestalt der fremdem Kulte zu identifizieren.
Die Ausbreitung der östlichen Kulte und Glaubensvorstellungen wurde durch verschiedene Faktoren begünstigt. Zum einen wuchsen im geeinten Kaiserreich Handel und Verkehr und leisteten auf diese Weise auch dem Austausch und Transport ideeller Güter Vorschub 3 . Ebenso trugen Soldaten und Sklaven aus dem Osten zur Verbreitung der orientalischen Religionen bei, wenn sie in der Fremde die heimatlichen Riten pflegten 4 . Zum anderen war der Charakter der Religionen selbst ausschlaggebend für den Zulauf, den die östlichen Kulte besonders ab dem 2. Jh. n. Chr. erfuhren 5 . So boten die orientalischen Religionen - anders als die öffentlichen römischen Kulte, die uns eher spröde und formal erscheinen - den Menschen die 1 Um nur einige Beispiele zu nennen; zur Ausbreitung der verschiedenen orientalischen Religionen im einzelnen vgl. die Abhandlungen zur römischen Religionsgeschichte von Preller (Mythologie), Wissowa (Religion und Kultus) und Latte (Religionsgeschichte).
2 Ein Bild, welches der Gegenwart durchaus ähnelt, denkt man an die Synagogen, Moscheen und buddhistischen Tempel in unseren Städten, an die Zeugen Jehovas und die Mormonen, die an unseren Türen klingeln, oder an die Krishna-Anhänger, denen man auf der Straße begegnet. Ähnlich bunt und vielfältig - vielleicht auch irritiert von der Vielfalt der Lebensmodelle - muß man sich m.E. die westliche Welt vorstellen in der Zeit vor dem Sieg des Christentums.
3 Die frühesten Belege für die Anwesenheit fremder Kulte im lateinischen Westen finden sich in blühenden Hafenstädten wie Puteoli, Brundisium und Ostia; vgl. hierzu Wissowa (Religion und Kultus, S.360) im Falle der Dea Syria oder E. Wüst (RE I 30 [1932] s.v. Mithras, Sp.2137) für Mithras.
4 Hierbei ist zu bedenken, daß der Orient im Gegensatz zum romanisierten Okzident seine kulturelle Eigenständigkeit weitgehend bewahren konnte.
5 Vgl. Cumont, Heidentum, S.18ff. und Halsberghe, Sol Invictus, S.42ff.
4 Möglichkeit einer persönlichen, religiösen Identität 6 . Mit rätselhaften Mysterien, berauschenden Festen, mit sinnlichen, leidenden und sterbenden Göttern, mit der Hoffnung auf ein besseres Leben im Jenseits und mit ihrem universellen Anspruch wußten sie, die emotionalen Bedürfnisse der Menschen zu befriedigen 7 . Während Beamte und Privatmänner die italische Religion besorgten, existierte im Orient ein gelehrter Klerus 8 , der den Glauben intellektuell durchdrang und ihm Dynamik und Anpassungsfähigkeit verlieh, so daß er nicht nur für die Massen, sondern gleichermaßen für Intellektuelle und Eliten Anziehungskraft besaß. Im Bund mit der Gelehrsamkeit verarbeitete die Theologie auch wissenschaftliche Erkenntnisse und verlieh zum Beispiel der Sonne als Spenderin von Licht und Leben eine bedeutsame religiöse Symbolik 9 .
Der Kult der unbesiegbaren Sonne, des Sol invictus, zählt zu den interessantesten Phänomenen im Zuge der Ausbreitung der orientalischen Religionen. Im römischen Kaiserreich dominierte Sol invictus im 3. Jh. n. Chr. das religiöse und politische Leben. An seinem Kult läßt sich die religiöse Stimmung jener Zeit veranschaulichen und die Sonnentheologie ist aufschlußreich für den Wandel der paganen Religionen in der Spätantike.
Ziel dieser Arbeit ist es, Entstehen, Bestehen und Vergehen des Sonnenkultes zu skizzieren 10 und die Bedeutung des Sol invictus für die Religionsgeschichte der Spätantike herauszustellen.
II Sol invictus
Über den Sonnenkult im römischen Reich sind wir größtenteils durch Inschriften und Münzen unterrichtet 11 . Die Gepflogenheit der Römer, fremde Götter mit den eigenen zu identifizieren, ihre Namen in latinisierter Form wiederzugeben und entsprechend die Ikonographie anzupassen, erschwert es dem heutigen Betrachter im Falle des Sol, zwischen verschiedenen Sonnengöttern zu unterscheiden. Problematisch ist dies nicht nur für die Frage, ob mehrere orientalische Sonnenkulte sich im römischen Reich ausbreiteten, sondern auch für die Chronologie ihrer Verbreitung, zumal das alte, italische Pantheon einen eigenen Sol kannte. Gemeinhin geht die 6 Cumont, Heidentum, S.178: „Der blendende Glanz der Sonne des Orients hatte die Sterne an dem gemäßigten Himmel Italiens verbleichen lassen.“ 7 Besonders deutlich hat sich dieser Umstand im 3. Jh. n. Chr. ausgewirkt, da das römische Reich an einer allgemeinen Krise laborierte; vgl. Latte, Religionsgeschichte, S.342ff.
8 Vgl. Cumont, Heidentum, S.29.
9 Damit soll nicht gesagt sein, daß Wissenschaft zur Entstehung eines Sonnenkultes vonnöten ist, doch ist in diesem Fall an die Astrologie zu denken; vgl. Kap.V.
10 Einzelheiten über Lehre und Praxis des Kultes lassen sich aus den Quellen allerdings kaum rekonstruieren. 11 Die wichtigsten literarischen Quellen sind bei Halsberghe (Sol Invictus, S.1-25) zusammengestellt.
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Forschung 12 davon aus, daß etwa ab dem 2. Jh. n. Chr. unter Sol stets der
orientalische Sonnengott verstanden werden muß 13 , wofür besonders der Beiname
invictus als Indiz gilt 14 , anhand dessen sich die Trennlinie zum italischen Sol indiges
ziehen läßt.
Dieser Sol indiges spielte im öffentlichen römischen Kult wie auch in der Mythologie
nur eine marginale Rolle 15 . Er zählte zu den alten italischen Göttern 16 und wurde
häufig zusammen mit der Mondgöttin Luna verehrt. Im Circus Maximus befand sich
ein gemeinsamer Tempel 17 und dem Sol oblag der Schutz des Viergespanns.
Außerdem galt er als allwissend und als Verkünder des Verborgenen 18 . Die
Darstellungen des Sol indiges 19 orientierten sich an griechischen Vorbildern 20 und
wurden weitgehend auch für Sol invictus beibehalten 21 . Insgesamt sind die
Nachrichten über den italischen Sonnengott selten 22 .
Spätestens seit dem 2. Jh. n. Chr. wurde Sol indiges von Sol invictus verdrängt. Das
Kaiserreich erlebte einen nie dagewesenen Austausch von Waren, Menschen und
Ideen zwischen Orient und Okzident. Händler und Sklaven aus dem Orient hingen in
der Fremde weiter der Religion ihrer Heimat an 23 . Seit dem 1. Jh. n. Chr. machte
man in Rom speziell mit den Göttern des syrischen Raumes Bekanntschaft 24 . Über
lange Perioden hinweg befand sich in Syrien die größte Truppenkonzentration im
12 Vgl. die Arbeiten von Wissowa (Religion und Kultus, S.359ff.) und Latte (Religionsgeschichte, S.342ff.)
sowie die entsprechenden Artikel in RE und LGRM und unter den Studien neueren Datums Halsberghe (Sol Invictus) und Clauss (Sol Invictus Mithras).
13 Neuerdings tauchen gewichtige Einwände auf, die die orientalische Herkunft des Sol bezweifeln, doch
bedürfen sie noch einer eingehenden Überprüfung und können deshalb hier nur am Rande erwähnt werden; vgl. die Zurückhaltung schon bei Usener (Sol invictus, S.469), ferner R. Gordon (Neuer Pauly 11 [2001] s.v. Sol, Sp.693f.) und den lesenswerten Beitrag von Hijmans (The Sun), der eine scharfsichtige Analyse der Unzulänglichkeiten der älteren Sol-Forschung gibt.
14 Gleiches gilt für Beinamen wie aeternus und divinus (vgl. F. Richter, LGRM IV [ 3 1992] s.v. Sol, Sp.1142f.);
das älteste datierbare Zeugnis ist eine Inschrift aus dem Jahre 158 n.Chr.: CIL VI 717 (Soli invicto deo); vgl. für die Folgezeit CIL III 1111 und VI 740 (Soli invicto); zu Recht weist Hijmans (The Sun, S.124) darauf hin, daß zuvor bereits andere Götter des römischen Pantheons den Beinamen invictus führten, doch gilt dies nicht für den italischen Sol; zu den theologischen und politischen Implikationen dieses Beinamens siehe Kap.V.
15 Clauss, Sol Invictus Mithras, S.431.
16 Varro l.l. 5, 74; Wissowas Ansatz (Religion und Kultus, S.315ff.), bereits in diesem Sol einen Import aus dem
Osten zu sehen, nämlich den griechischen Helios, erwies sich als nicht haltbar; vgl. Marbach, RE II 5 (1927) s.v. Sol, Sp.902.
17 Tac. ann. 15, 74.
18 Ebd.
19 Mit Sonnenwagen, Strahlenhaupt, Peitsche und Weltkugel, als halbnackter Jüngling; für Einzelheiten zur
Ikonographie siehe Hijmans, The Sun, S.124f.127ff.
20 Latte, Religionsgeschichte, S.232.
21 Marbach, RE II 5 (1927) s.v. Sol, Sp.905; ähnlich Hijmans (The Sun), der jedoch von der griechisch-
römischen Darstellung auf einen griechisch-römischen Sol invictus schließt.
22 Wenn, wie Hijmans (The Sun) darzulegen versucht, Sol indiges mit dem späteren Sol invictus identisch sein
soll, so ist zumindest verwunderlich, daß der Sonnengott nicht schon in der frühen Kaiserzeit deutlicher in Erscheinung trat, als man die alten Sitten und Kulte restaurierte, sondern erst Jahrhunderte später, da der orientalische Einfluß auf sämtliche Lebensbereiche nicht von der Hand zu weisen ist. Wenigstens müßte Hijmans eine geistige, konzeptionelle Einflußnahme seitens des Ostens anerkennen; vgl. Kap.V.
23 Vgl. Cumont, Heidentum, S.102f.; inschriftliche Belege bei Wissowa (Religion und Kultus, S.360ff.) und bei
Latte (Religionsgeschichte, S.345ff.), der sogar von „zielbewußter Propaganda“ spricht (ebd. S.345).
24 Wie zum Beispiel mit Atargatis, der Dea Suria, deren Kult sich bereits in der Mitte des 1. Jh. in Rom findet
(CIL VI 396-399).
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Mathias Pfeiffer, 2004, Sol invictus - Die Ausbreitung orientalischer Religionen im römischen Kaiserreich, München, GRIN Verlag GmbH
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