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Hauptseminararbeit, 2006, 20 Seiten
Autor: Jonas Ole Langner
Fach: Germanistik - ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Details
Institution/Hochschule: Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (Germanistisches Institut)
Tags: Konzept, Minne, Minnesang
Jahr: 2006
Seiten: 20
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 15 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-52712-5
Dateigröße: 127 KB
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Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Fachbereich Sprach- und Literaturwissenschaften
Germanistisches Institut
Wissenschaftliche Seminararbeit
Zum Hauptseminar „Minnesang“
Thema:
Das Konzept der ‚niederen Minne’ im Minnesang
Eingereicht von:
Langner, Jonas Ole
WS 2005/2006
Datum: 02.05.2006
I. Einleitung -1-
II.1 Beschreibung der ‚niederen Minne’ im Minnesang:
Walthers „Aller werdekeit ein füegerinne“ (46,32) -3-
II.2 Forschungsdiskussion zum Konzept der ‚niederen Minne’ im Minnesang -7-
II.3 Überprüfung der Forschungsthesen an Hand von Walthers
„Nemt, frowe, disen kranz!“ (74,20) -11-
II.4 Diskurs über Liebe statt Konzepte von Liebe im Minnesang? -13-
III. Fazit und Perspektiven -16-
IV. Bibliografie -18-
I. Einleitung
Die Vorstellung vieler vom Minnesang ist geprägt durch die so genannte ‚hohe Minne’ bzw. die Minnekanzone. In ihr glaubt man die Beschreibung des höfischen Liebesideals zu finden und läuft Gefahr dieses eins zu eins auf die damalige höfische Gesellschaft zu übertragen, ohne zu wissen, ob dem wirklich so war. Beeinflusst ist dieses Empfinden durch Sammlungen von Minneliedern, in denen sich vorherrschend Kanzonen, und kaum andere Gattungstypen, befinden. Außerdem wird das Augenmerk in der Schule hauptsächlich auf die ‚hohe Minne’ gelegt und die Forschungsliteratur beschäftigt sich in der Mehrzahl ebenfalls mit ihr. Da verwundert es, dass die Kanzone bzw. das ‚minneliet’ in einer Spottstrophe Reinmars des Fiedlers nicht genannt wird, obwohl er ansonsten keine andere Gattung unerwähnt zu lassen scheint. Bedeutet dies, dass die Minnekanzone von ihren Zeitgenossen doch nicht als so dominierend wahrgenommen wurde oder war es andernfalls selbstverständlich, dass sie zum Repertoire eines jeden Minnesängers gehörte?1 Doch gibt es auch andere Gattungstypen.
Vom Konzept der ‚hohen Minne’ scheint sich zumindest allein begrifflich das der ‚niederen’ abzugrenzen. Wenn die Dominanz der Kanzone im Minnesang bestätigt werden kann, handelt es sich bei der ‚niederen Minne’ folglich um eine Kategorie, zu der weniger Minnelieder gezählt werden können. Dass solche Lieder in der Aufzählung Reinmars keine Erwähnung finden, ist nicht verwunderlich, da es sich hier um ein Liebeskonzept und nicht um eine Gattung handelt.
Da in der vorliegenden Arbeit dem Konzept der ‚niederen Minne’ im Minnesang und dem, was sich dahinter verbirgt, auf den Grund gegangen werden soll, ist es hilfreich, dieses in Abgrenzung zur ‚hohen Minne’ zu definieren. Letztere ist folgendermaßen gekennzeichnet:
In den Liedern der Hohen Minne äußert sich […] ein männliches lyrisches Ich. Das Werberitual ist […] eingeengt auf eine bestimmte Konstellation – auf die Werbung um eine Frau, die der Werbende als gleichgültig, hochmütig, unnahbar, abweisend, ja feindselig erfährt. Er stilisiert sie als Minneherrin, erhebt sie in eine dominierende ethische Position, entrückt sie geradezu […]. Diesem Idol unterwirft sich der Mann als demütigerdienstman [sic!]. Er bittet sie, als seine >Herrin<, seinen dienst anzunehmen, in der ständigen Hoffnung auf letztlichen Lohn für seine Treue. Aus dieser Unterwerfungsgeste resultieren ethische und gesellschaftliche Werte: Steigerung des Lebensgefühls und Anerkennung in der Gesellschaft.2
Es liegt in der Natur des Menschen, dass er Dinge nur wahrnehmen kann, wenn er sie von anderen unterscheiden kann. Doch das allein reicht noch nicht. Um das Konzept der ‚niederen Minne’ zu untersuchen, braucht es ebenfalls eine Arbeitsdefinition für dieses Konzept. Nach Schweikle wird der ‚hohen Minne’ eine „[…] auf trivialen Lustgewinn ausgehende[…] >niedere Minne< entgegen[gesetzt] […]“3 Beide Konzepte haben zunächst gemein, dass es um das Verhältnis eines Mannes zu einer Frau geht. Während es sich in der ‚hohen Minne’ jedoch um ein langes Werben um eine Frau, das zur Vervollkommnung des Werbenden führt, handelt, steht in der ‚niederen Minne’ das Ziel der sexuellen Erfüllung im Vordergrund. Deshalb wird die ‚niedere Minne’, vom „[…] höfischen Wertekodex aus gesehen, auch moralisch verurteilt.“4 Es ist für die Zuordnung eines Liedes zum Konzept der ‚niederen Minne’ jedoch nicht zwingend, dass es zur sexuellen Erfüllung kommt, somit kann der Mann auch in dieser Beziehung Leid erfahren, was somit nicht mehr zur Unterscheidung dient. Im weiteren Verlauf der Untersuchung wird auf folgendes zu achten sein:
Bei der Bewertung der niederen Minne müssen also zwei Kategorien – ethisch und ständisch – auseinandergehalten werden. Ethisch definiert sich die niedere Minne v.a. in den Begriffsproklamationen, ständisch in den sogenannten Mädchenliedern, u.a. auch durch die Bezeichnung der Figuren.5
Es wird in dieser Arbeit allerdings nicht darum gehen, diese Definition zu bestätigen zu versuchen, sondern ihre Gültigkeit soll anhand von Beispielen aus dem Minnesang und von anderen Thesen der Forschungsliteratur kritisch überprüft werden. Denn auch für Schweikle ist es trotz dieser Definition fraglich, ob es sich dabei um ein Programm von allgemeiner Gültigkeit oder nur um eine Theorie bei Walther von der Vogelweide handelt.
Aus diesen Gründen soll zu Beginn überprüft werden, welche Belegstellen und Hinweise uns der Minnesang an sich zum Konzept der ‚niederen Minne’ gibt. Bevor ein Bild von diesem Konzept aus heutiger Sicht entworfen wird, ist es ratsam zunächst Quellen aus dieser Zeit zu erkunden.
[....]
1 Cf. Tervooren, Helmut: Schoeniu wort mit süezeme sange. Berlin: Erich Schmidt, 2000, 166-169.
2 Schweikle, Günther: Minnesang. Stuttgart: Metzler, 1989, 171.
3 Ebd., 176.
4 Ebd.
5 Ebd., 177.
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