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Seminararbeit, 2005, 17 Seiten
Autor: Solveig Höchst
Fach: Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Details
Institution/Hochschule: Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main (Institut für Deutsche Sprache und Literatur II)
Tags: Eduard, Mörike, Lampe, Einführung, Neuere, Literaturwissenschaft, Textanalyse, Textanalytische Übung, Auf eine Lampe, Kunstobjekt, Dinggedicht, syntaktische Struktur, syntaktische Figur, Metrum, Reimschema, Tropen, Kadenzen, Klangfiguren, Substitutionsfiguren, Wiederholungsfiguren
Jahr: 2005
Seiten: 17
Note: 2,0
Literaturverzeichnis: ~ 9 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-52421-6
Dateigröße: 206 KB
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Zusammenfassung / Abstract
Der deutsche Dichter Eduard Mörike schrieb im Jahr 1846 das Gedicht „Auf eine Lampe“. Es entstand in der Epoche des Biedermeier und zählt zu den Dinggedichten, in dem ein Gegenstand weitgehend ohne subjektive Empfindung einer lyrischen Aussageinstanz beschrieben wird. Im vorherrschenden Gedichttypus soll die äußere Wirklichkeit eines wahrgenommenen Gegenstandes zur Geltung gebracht werden, indem das von allem Zufälligen losgelöste Wesentliche in Erscheinung tritt. „Es gehört zum Wesen der Lyrik, dass sie alles Gemeinte auch anzusprechen vermag: Gegenstände (...).“ In Mörikes Gedicht ist eine Lampe das zentrale Motiv des Textes und gilt als Symbol des Kunstschönen. Die Symbolik äußert sich darin, dass der betreffende Gegenstand stets mit Schönheit erfüllt ist, welche in ihm selbst scheint - unabhängig davon, ob der Gegenstand von seinem Betrachter als „schön“ beurteilt oder gar missachtet wird. „Wir können in dieser Hinsicht die heitere Ruhe und Seligkeit, dieses Sichselbstgenügen in der eigenen Beschlossenheit und Befriedigung als den Grundzug des Ideals (d. h. des Kunstwerks) an die Spitze stellen. Die ideale Kunstgestalt steht wie ein seliger Gott vor uns da.“ Mörikes Gedicht selbst steht in enger Beziehung zum Leitmotiv, dem Kunstobjekt. Die vorliegende Textanalyse möchte klären, wie diese Verbindung aufgrund des inneren und äußeren Gedichtaufbaus zustande kommt.
Textauszug (computergeneriert)
Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt am Main
Einführung in die Neuere deutsche Literaturwissenschaft
SS 2005
Textanalytische Übung zu Eduard Mörike "Auf eine Lampe"
von: Solveig Höchst
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Aufbau des Textes
3. Aussageinstanzen mit Inhaltsbezug
4. Vers- und Satzstruktur
4.1. Syntaktische Struktur
4.2. Syntaktische Figuren
5. Metrum, Reimschema und Kadenzen
6. Rhetorische Techniken
6.1. Klangfiguren
6.2. Substitutionsfiguren (Tropen)
6.3. Wiederholungsfiguren
7. Schlussbemerkung
8. Literaturverzeichnis
Anhang: Gedicht „Auf eine Lampe 12
1. Einleitung
Der deutsche Dichter Eduard Mörike schrieb im Jahr 1846 das Gedicht „Auf eine Lampe“. Es entstand in der Epoche des Biedermeier und zählt zu den Dinggedichten, in dem ein Gegenstand weitgehend ohne subjektive Empfindung einer lyrischen Aussageinstanz beschrieben wird. Im vorherrschenden Gedichttypus soll die äußere Wirklichkeit eines wahrgenommenen Gegenstandes zur Geltung gebracht werden, indem das von allem Zufälligen losgelöste Wesentliche in Erscheinung tritt.
„Es gehört zum Wesen der Lyrik, dass sie alles Gemeinte auch anzusprechen vermag: Gegenstände (...).“1 In Mörikes Gedicht ist eine Lampe das zentrale Motiv des Textes und gilt als Symbol des Kunstschönen. Die Symbolik äußert sich darin, dass der betreffende Gegenstand stets mit Schönheit erfüllt ist, welche in ihm selbst scheint - unabhängig davon, ob der Gegenstand von seinem Betrachter als „schön“ beurteilt oder gar missachtet wird. „Wir können in dieser Hinsicht die heitere Ruhe und Seligkeit, dieses Sichselbstgenügen in der eigenen Beschlossenheit und Befriedigung als den Grundzug des Ideals (d. h. des Kunstwerks) an die Spitze stellen. Die ideale Kunstgestalt steht wie ein seliger Gott vor uns da.“2
Mörikes Gedicht selbst steht in enger Beziehung zum Leitmotiv, dem Kunstobjekt. Die vorliegende Textanalyse möchte klären, wie diese Verbindung aufgrund des inneren und äußeren Gedichtaufbaus zustande kommt.
2. Aufbau des Textes
Das Gedicht ist durch eine auffällige Geschlossenheit im Maß gekennzeichnet. Es besteht aus einer Strophe, welche sich aus nahezu gleich langen Versen zusammensetzt. Die Strophe ist weder durch Einschnitte, etwa durch eine Leerzeile, noch durch ein Spatium gekennzeichnet. Außer dem klassifizierenden Titel, welcher das Motiv des Gedichtes beinhaltet, ist kein Untertitel oder eine Widmung vorzufinden.
3. Aussageinstanzen mit Inhaltsbezug
Der Inhalt des Gedichtes lässt eine lyrische Aussageinstanz erkennen, welche das Objekt Lampe auf appellativer, räsonierender Ebene betrachtet und sich mit ihm auseinandersetzt. In den ersten beiden Sätzen (Vers 1 – 6) wird die Lampe vom lyrischen Ich direkt angesprochen und in ihrer Form und ihrem Aussehen beschrieben. Der Leser des Textes erfährt von einer weißen, marmornen Lampe, die mit einem goldbronzefarbenen (V. 5: „[...] goldengrünem Erz [...]“) Efeukranz und einem Kinderreigen (V.6: „Schlingt fröhlich eine Kinderschar den Ringelreih’n.“) verziert ist. Weiterhin kommt zum Ausdruck, dass die Lampe ungeachtet in einem Schlafzimmer hängt, welches in vergangener Zeit noch genutzt wurde (V. 3: „[...] nun fast vergess’nen Lustgemachs.“).
Mit Hilfe eines spontanen exklamativen Sprechaktes (V. 7: „Wie reizend alles!“) artikuliert das lyrische Ich seine augenblickliche, dezidiert positive und ästhetische Empfindung gegenüber der Lampe. In Vers neun wird durch die gedankliche Unterredung „Wer achtet sein?“ in Form einer rhetorischen, monologischen Fragestellung eine dialogische Ich-Aufspaltung geschaffen, worauf sich eine differenzierte Subjekt-Objekt-Beziehung und ein daraus resultierendes Spannungsverhältnis aufbaut. Das lyrische Ich bespricht die Lampe in ihrer Symbolik, welche sich in der einzigartigen Schönheit als Kunstgegenstand äußert. Zudem entfernt sich das lyrische Ich von dem Gegenstand „Lampe“ und entwickelt sich zu einem nachdenklichen Betrachter des Kunstwerks „Lampe“.
Die Beobachterrolle der Aussageinstanz zeigt sich nunmehr subjektiv. Das lyrische Ich erkennt, dass in dem recht gewöhnlichen Gegenstand „Lampe“ eine tiefere Bedeutung steckt als seine Dinglichkeit. Es reagiert mit melancholischen Gefühlen, aufgrund dass niemand den wesentlichen Gehalt der Lampe entdeckt und sie deshalb verlassen als alltäglicher Gegenstand an einer Zimmerdecke hängt.
[...]
1 Horst J. Frank: Wie interpretiere ich ein Gedicht?, Tübingen / Basel 2003.
2 Georg Friedrich Wilhelm Hegel: Ästhetik. Werke, Band X (1835), S.202, zitiert von Peter Gerhard Klussmann: Wissenschaft und Kunst der Interpretation, in: Orbis Linguarum 21 (2002), S. 50.
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