Katholische Universität Eichstätt
Sprach- und Literaturwissenschaftliche Fakultät
Hauptseminar „Expressionismus“
Referat mit Hausarbeit
Referent: Klaus Hohn
WS 00/01
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1. Georg Kaiser - Überblick über Leben und Werk
2. Entstehungsgeschichte, Uraufführung und Rezeption des Stücks „Von morgens bis mitternachts“
3. Darstellung und Interpretation des Handlungsganges und der agierenden Personen
4. Themen und Thesen zur weiteren Diskussion 5. Literatur
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• geboren am 25.11.1878 in Magdeburg
• Buchhändlerlehre, Arbeit bei einem Import-Export-Unternehmen, Einschiffen nach Buenos Aires (1898) und Rückkehr nach Deutschland
• 1901-1905 Beginn seiner schriftstellerischen Laufbahn
• 1908 Heirat mit Margarethe Habenicht
• 1917-1923 schöpferischer Höhepunkt
• Einteilung Kaisers Werk in folgende Phasen:
1. Phase der ersten dramatischen Übungen
2. Phase des expressionistischen Schaffens
3. Phase der Schaffung leichterer Unterhaltung in den Goldenen Zwanzigern
4. Phase von Regimekritik, Exil und Tod in der Schweiz
• verstorben am 04.06.1945 in Ascona
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• Idee der Konzeption während einer Italienreise Kaisers
• Verarbeitung eines persönlichen Erlebnisses
• Vollendung 1912, Publikation 1916
• Uraufführung am 28.4.1917 in den Münchner Kammerspielen
• internationaler Erfolg des Stückes
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Die unvermutete Begegnung mit einer eleganten Dame von Welt, die an seinem Schalter Geld abheben will, ohne im Besitz der nötigen Unterlagen zu sein, wirft den Bankkassierer in der Kleinstadt W. aus dem Geleise seines bislang ereignislosen Beamtendaseins. Er entwendet ihretwegen 60.000 Mark aus der Kasse, doch hält sie die versprochene Verabredung zur Flucht nicht ein. Er sucht alleine sein neues Leben in der Großstadt B. Alleingelassen und gehetzt von der Begierde, das ´echte Leben` zu finden, durchlebt der aus Verzweiflung und Sehnsucht zum ´Wanderer` Gewordene von morgens bis mitternachts in symbolischer Raffung typische Existenzsituationen, an deren Ende der Tod steht. Die Erlebnisse beim Sechstagerennen, im Ballhaus und bei der Versammlung der Heilsarmee steigern
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nur noch seinen Ekel an der Welt, und als ihn das Mädchen von der Heilsarmee schließlich für ein paar Groschen an die Polizei verrät, jagt er sich eine Kugel durch den Kopf.
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$GOLQJ, Winfried: Georg Kaisers Drama „Von morgens bis mitternachts und die Zersetzung des dramatischen Stils. In: WB, 5, 1959, S.369-386. %HQVRQ, Renate: Deutsches expressionistisches Drama. Ernst Toller und Georg Kaiser. New York 1987.
'XU]DN, Manfred: Das expressionistische Drama. Carl Sternheim - Georg Kaiser. München 1978.
6FKUHU, Ernst: Georg Kaiser. Von morgens bis mitternachts. Erläuterungen und Dokumente. Stuttgart 1975.
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Georg Kaiser wird am 25.11.1878 in Magdeburg als fünfter von sechs Söhnen eines wohlhabenden Kaufmanns geboren. Da sein Vater die finanziellen Mittel nicht aufbringen kann, ihm ein Universitätsstudium zu ermöglichen, beginnt Kaiser anfangs eine Buchhändlerlehre, die er allerdings bald wieder beendet. Im folgenden arbeitet er bei einem Import-Export-Unternehmen und begibt sich 1898 als Schiffsjunge auf einem Frachtdampfer nach Übersee und arbeitet als Angestellter eines AEG-Büros in Buenos Aires. Aus Krankheitsgründen - so gibt er an - kehrt er 1901 über Spanien und Italien allerdings wieder nach Deutschland zurück und behauptet, er habe sich in Argentinien mit Malaria infiziert, doch die Forschung bezweifelt diese Tatsache. An dieser Stelle sei nur auf ein medizinisches Gutachten hingewiesen.
Der Zeitraum 1901 bis 1905 ist als die Phase seines Lebens zu betrachten, in der sich Kaiser zunehmend zum Schriftsteller berufen fühlt. Da er sich zu krank fühlt, um einer erträglichen beruflichen Tätigkeit nachzugehen, verfasst Kaiser bei finanzieller Unterstützung durch seine Brüder bereits 8 Stücke. Durch die 1908 mit Margarethe
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Habenicht geschlossene Ehe kann sich Kaiser - aufgrund der beachtlichen Mitgift - in finanzieller Sicherheit wissen und seine Existenz als Künstler aufbauen. Allerdings führt sein extravaganter Lebensstil recht bald zu großen Schulden. 1920 wird Kaiser sogar zu einem Jahr Gefängnisstrafe verurteilt.
Neben Carl Sternheim, Ernst Toller, Fritz von Unruh und Reinhard Goering zählt Georg Kaiser zu den herausragendsten Vertretern der expressionistischen Dramatik. Die Zeit von 1917 bis 1923 ist sein schöpferischer Höhepunkt und was sein Lebenswerk anbelangt gilt Kaiser mit insgesamt 74 verfassten Dramen, 3 Romanen, über 170 Gedichten, mehrerer Film-Exposées und einer Vielzahl an Skizzen und prosaischen Kurztexten zweifelsohne als einer der produktivsten Autoren dieser Epoche. Von 1921 bis 1933 ist er zudem - mit Gerhart Hauptmann - der wohl meistgespielte Bühnenautor in Deutschland, wobei zu sagen ist, dass Kaiser mit 41 Uraufführungen in allein 20 Jahren sogar die Bühnenkarriere von Hauptmann überrundet hat.
Georg Kaisers literarisches Werk kann in folgende vier Phasen unterteilt werden: 1. Phase der ersten dramatischen Übungen
Mit bereits 17 Jahren beginnt Kaiser mit dem Einakter „6FKHOOHQN|QLJ“ (1895) seine ersten literarischen Gehversuche, in der insgesamt 21 Stücke entstehen und als
die beiden herausragendsten Werke „'LH MGLVFKH :LWZH“ (1904) und „.|QLJ +DKQHQVFKUHL“ (1910) anzuführen sind.
2. Phase des expressionistischen Schaffens
Diese zweite Schaffensphase beginnt mit dem hier zu analysierenden Drama „9RQ
PRUJHQV ELV PLWWHUQDFKWV“ (1912) und endet 1924 mit „*DWV“, während der auch das bekannte Stück „'LH %UJHU YRQ &DODLV“ (1912/13) entsteht, mit dem sein
internationaler Aufstieg und die Begründung des sog. Frankfurter Expressionismus zu verbinden ist.
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3. Phase der Schaffung leichterer Unterhaltung in den Goldenen Zwanzigern Ab etwa 1923 verfasst Kaiser eine Vielzahl von Komödien und Tragikomödien, deren Entstehungshintergrund in der Tatsache zu sehen ist, dass das Theaterpublikum in der ökonomischen, politischen und gesellschaftlichen Umbruchssituation eine leichtere Unterhaltung den problemhaltigen, zudem meist unbequemen Themen des expressionistischen Dramas vorzieht, was Kaiser rasch erkannt hatte. Weiteren Einfluss darauf hatte auch die Entstehung von Kino, Kabarett und Varieté.
4. Phase von Regimekritik, Exil und Tod
Kaiser wird seit den Aufführungen der Stücke „'LH /HGHUN|SIH“ (1928) und
„0LVVLVVLSSL“ (1930) von den Nationalsozialisten überwacht und seine Inszenierungen werden systematisch gestört und sabotiert, da - wie bei Ernst Toller - eine Gefahr für das faschistische Regime befürchtet wurde und er so beim Publikum unbeliebt und letztlich zum Schweigen gebracht werden sollte. Schließlich wird Kaiser als ein mit dem Judentum sympathisierender Kulturbolschewik verunglimpft.
Als Konsequenz daraus spricht man Kaiser am 5.5.1935 die 1926 erworbene Mitgliedschaft in der Akademie der Künste ab, am 10.5.1935 fallen seine Werke den nationalsozialistischen Buchverbrennungen zum Opfer und am 8.6.1935 wird ihm sogar die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt. Goebbels hatte mehrere vergebliche Versuche unternommen, Kaiser für die Nationalsozialistische Idee zu gewinnen, und schließlich dann die Anweisung gegeben, ihn auszuhungern. Kaiser pflegt in Berlin Kontakte zu verschiedenen Untergrundbewegungen und bleibt bis 1938 in Deutschland. Anlass für seine Emigration sind einerseits die brieflich 1937 gemachte Bekanntschaft mit dem Schweizer Dramatiker Cäsar von Ar und anderseits die für den 25.6.1938 von der Gestapo angesetzte Hausdurchsuchung, von der Kaiser heimlich erfahren hatte. Am 7.7.1938 verlässt Kaiser Deutschland, bleibt für kurze Zeit in Amsterdam und begibt sich am 21.8. 1938 in die Schweiz. Seine Frau bleibt in Deutschland zurück, und er teilt ihr mit, dass eine Trennung das beste sei, da er die Erschütterung einer nochmaligen Trennung nicht ertragen könne. Allerdings verschweigt er ihr, dass seine Geliebte Maria von Mühlfeld und ihre gemeinsame Tochter Olivia mit ihm in die Schweiz
Arbeit zitieren:
Klaus Ludwig Hohn, 2001, Georg Kaiser: Von morgens bis mitternachts - Beispiel für ein Stationendrama des Expressionismus, München, GRIN Verlag GmbH
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