Inhalt
Einleitung
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Das Erbe des Krieges 5
Regionale Machthaber und die Tradition regionaler Herrschaft 5
„Gewaltmarkt“ und Kriegsökonomien 6
Die Rolle der Warlords im nation-building Prozess 8
Teil des Problems - Teil der Lösung? 5
F öderalismus - Ein tragfähiges Konzept?
12
Fazit
14
Literaturangaben
17
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Einleitung
Ein Jahr nach den Präsidentschaftswahlen und knapp einen Monat vor den für den 18. September anberaumten Parlamentswahlen in Afghanistan ist die Sicherheitslage im Land noch immer äußerst prekär. Die Macht der Zentralregierung unter Präsident Hamid Karzai beschränkt sich noch immer fast ausschließlich auf Kabul. In den Provinzen jedoch herrschen regionale Machthaber, ehemalige Kommandeure der Mudschaheddin mit ihren Milizen und untergraben die Autorität der Kabuler Administration.
Beinahe täglich werden militärische Zwischenfälle oder Übergriffe bewaffneter Milizionäre auf die Zivilbevölkerung oder Mitarbeiter internationaler Organisationen registriert. Die noch im Aufbau befindliche Nationalarmee sowie die polizeilichen Sicherheitskräfte können aus eigener Kraft den fragilen Frieden nicht sichern. Ohne die International Security Assistance Force (ISAF), deren Kommando die NATO innehat, würde die Situation im Land eskalieren. Selbst für diese Truppen gibt es noch so genannte „no-go areas“, Gebiete, die aufgrund des hohen Sicherheitsrisikos nicht überwacht werden. Diese Gebiete liegen vor allem im Süden und Südosten des Landes, in den Provinzen Zabul und Uruzgan. 1 Im paschtunisch dominierten Süden formieren sich erneut versprengte Talibankämpfer und andere islamistischen Kräfte unter dem Kommando des Warlords Gulbuddin Hekmatyar. Die Aktivitäten der regionalen Warlords und deren Milizen behindern den Prozess des Wiederaufbaus und der Demokratisierung Afghanistans erheblich. Übergriffe auf die Zivilbevölkerung und zivile Mitarbeiter von Hilfsorganisationen, militärische Zusammenstöße zwischen Milizen verfeindeter Warlords, sowie Einschüchterungen, Erpressungen und Landnahme durch bewaffnete Kämpfer sind immer noch alltäglich. Die nach der Absetzung der Talibanregierung sprunghaft angestiegene Opiumproduktion sowie der damit verbundene Schmuggel von Drogen und Waffen ist ein weiteres großes Problemfeld, in dem die Warlords stark involviert sind. Viele der Problemfelder und Hindernisse für den nation-building Prozess kulminieren in den Aktivitäten der Warlords. Ziel dieser Arbeit ist es zu untersuchen, inwiefern die Warlords und ihre „Gewaltökonomien“ 2 zentrale Hindernisse für die Demokratisierung und den Wiederaufbau Afghanistans darstellen.
1 Siehe: WIELAND-KARIMI, Almut: Präsidentschaftswahlen in Afghanistan - Ein noch wackeliger Schritt in Richtung Demokratie; http://library.fes.de/pdf-files/iez/02540.pdf
2 SCHETTER, Conrad: Gewaltwirtschaft und „Warlords“
In: Blätter für deutsche und internationale Politik; Heft 10/03; S: 1233-1236
3
Kernfragen der vorliegenden Arbeit sind unter anderem die Frage nach den historischen Ursachen der gegenwärtigen Gewaltstrukturen in Afghanistan, sowie die Frage, wie sich diese „Privatisierung von Gewalt“ 3 auf den Demokratisierungsprozess auswirkt. Dabei wird hier besonders auf die ökonomischen Grundlagen der Macht der Warlords eingegangen werden. Besonderen Raum wird dabei dem Opiumanbau eingeräumt, der in der agrarisch geprägten Wirtschaft Afghanistans eine dominierende Rolle spielt und die Kabuler Regierung vor enorme Probleme stellt.
Eine weitere zentrale Frage ist, ob und inwiefern sich die Ambitionen der Warlords unter Umständen in den nation-building Prozess einbinden lassen können, und welche Gefahren eine Einbeziehung der Warlords in die Regierung mit sich bringen könnte. Im Anschluss an die Situationsanalyse soll im Folgenden dann die Frage untersucht werden, ob aufgrund der ethnischen und tribalistischen Strukturen in Afghanistan sowie dem Herrschaftsanspruch regionaler Führer eine föderale Organisation des Landes eine tragfähige Konzeption zur Lösung politischer Machtkämpfe darstellen würde.
Aufgrund der Aktualität und der zeitlichen Nähe des in dieser Arbeit behandelten Themas zur Gegenwart stützt diese sich stark auf Quellen aus dem Internet, wie Nachrichtenberichte, Analysen von UN-Organisationen und Nicht-Regierungsorganisationen (NGO’s), sowie Arbeiten und Essays von verschiedenen Stiftungen und Zeitschriftenliteratur. Literatur zu diesem speziellen Themengebiet in Form von Monographien oder Sammelbänden lag dem Verfasser zum Zeitpunkt der Abfassung dieser Arbeit nicht vor.
An dieser Stelle soll hier noch ein Wort zur verwendeten Zitierweise verloren werden: Sofern es sich um eine Internetquelle handelt, werden in den Fußnoten nur der Verfasser, Titel der zitierten Arbeit und die Homepage angeführt, da die Fußnoten ansonsten unnötig viel Raum einnehmen würden. Die exakten Quellenangaben werden im Literaturverzeichnis aufgelistet werden.
3 DEBIEL, Tobias: Staatsversagen, Gewaltstrukturen und blockierte Entwicklung: Haben Krisenländer noch eine Chance?
In: Aus Politik und Zeitgeschichte; B13-14 / 2003; S:15-23; S:17
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Das Erbe des Krieges
Regionale Machthaber und die Tradition regionaler Herrschaft
Afghanistan hat seit jeher kaum eine Tradition einer starken Zentralgewalt. Der Kontakt zwischen der Hauptstadt Kabul und den zum Teil schwer zugänglichen Provinzen ist traditionell eher schwach. 4 Das moderne Konzept des Staates als Versorger der Grundbedürfnisse der Menschen ist weitestgehend unbekannt, politischen Parteien steht die Bevölkerung aufgrund der Erfahrungen in den Bürgerkriegen äußerst misstrauisch gegenüber. Jahrzehntelange Machtkämpfe und bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen den verfeindeten Parteien und Gruppierungen um die Macht in Kabul haben eine zentralistisch ausgerichtete Politik in den Augen der Menschen diskreditiert. Loyalität richtet sich noch immer hauptsächlich nach der eigenen Stammeszugehörigkeit bzw. nach der ethnischen Zugehörigkeit, wobei die einzelnen Ethnien alles andere als monolithische Blöcke darstellen. 5 Vielmehr setzen sich diese selbst aus jeweils mehreren (zum Teil untereinander verfeindeten) Stammesverbänden zusammen. Die stark ausgeprägte ethnische Aufspaltung Afghanistans wurde bei den Präsidentschaftswahlen im Oktober 2004 evident. Karzai wurde zwar mehrheitlich gewählt, jedoch stellt sich aufgrund der ersichtlichen Spaltung Afghanistans entlang ethnischer Grenzen die Frage nach dem Umfang seines Mandates. 6 Die ethnische und tribalistische Struktur und Zusammensetzung des Landes sind konstitutiv für das politische Machtgefüge Afghanistans, welches „(…) auf einem tradierten System des Interessenausgleichs zwischen den Stammeskonföderationen und Ethnien auf der einen und der städtischen Gesellschaft auf der anderen Seite“ 7 beruhte. Der nach dem Abzug der sowjetischen Truppen 1989 entbrannte Kampf um Macht und Herrschaft jedoch führte zu tief greifenden Veränderungen im sozialen, wirtschaftlichen und vor allem politischen Bereich: Dieses System des Interessensausgleichs kollabierte, unter den vormalig im Kampf gegen die „gottlosen“ Sowjets geeinten Gruppierungen entbrannte ein Kampf um Macht und Einfluss, nicht nur um die Macht in Kabul, sondern auch um Einfluss in einzelnen Regionen.
4 Vgl.: LEHMANN, Lennart: Neues, altes Afghanistan nach den Taliban In: Das Parlament, jg. 55, Nr. 32/33; 2005; S:16
5 Vgl.: ALI, Tariq: Fundamentalismus im Kampf um die Weltordnung - Die Krisenherde unserer Zeit und ihre historischen Wurzeln; München 2003, S: 322
6 Vgl.: ENTEKHABI-FARD, Camelia: Afghan Election: Ethnic Divisions Evident http://www. Eurasianet.org/departments/insight/articles
7 SCHULZE, Reinhard: Geschichte der Islamischen Welt im 20. Jahrhundert München 2003; S: 289f.
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Arbeit zitieren:
Marius Sauter, 2005, Nation-building im Schatten der Warlords - Konfliktlinien in Afghanistan, München, GRIN Verlag GmbH
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