Inhalt
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1. Einleitung 1
2. Definition des Stereotypenbegriffs 2
2.1. Der Lippmannsche Stereotypenbegriff
in den Sozialwissenschaften 2
2.2. Abgrenzung der Begriffe Vorurteil’ und Stereotyp’ 5
2 . 3. Stereotyp in der Linguistik 6
2.3.1. Wertende Stereotype 8
2.3.2. Normative Stereotype 9
3. Soziologischer Aspekt des Stereotyps 10
3.1. Die Entstehung und das Erlernen von Stereotypen 10
3.2. Ethnozentrismus 11
3.3. Gruppenaspekte 13
4. Funktionen von Stereotypen 14
4.1. Kognitive Kategorisierung 14
4.2. Soziale Funktionen 16
4.3. Psychische Funktionen 17
5. Schlussbetrachtung 20
6. Literaturverzeichnis 22
II
2. Definitionen des Stereotypenbegriffs
2.1. Der Lippmansche Stereotypenbegriff in den Sozialwissenschaften
Walter Lippmann, Publizist und Sozialwissenschaftler, entnahm den Begriff Stereotyp aus der Buchdrucksprache und verwendete ihn sozialwissenschaftlich zum ersten Mal 1922 in seinem Buch „Public Opinion“. In der Sprache des Buchdrucks bedeutet ‚Stereotypie’, so erklärt Angelika Wenzel, ein Verfahren zur Vervielfältigung von Hochdruckformen, dessen Ergebnis Schriftsätze sind, „die aus unbeweglich verbundenen Druckzeilen bestehen“. 1 Zur weiteren Bestimmung des Begriffs tragen die Gleichförmigkeit und die Unveränderlichkeit der in diesem Verfahren entstandenen Sätze bei. Der Begriff Stereotyp wird seit dem 19. Jh. auch in übertragener Bedeutung von ‚feststehend’, ‚unveränderlich’, ‚sinnentleert’ und ‚ständig wiederkehrend’ gebraucht. 2 Die eigentliche Verwendung dieses Begriffs in der Sozialwissenschaft geht jedoch über die umgangssprachliche Verwendung hinaus. Lippmann führt diesen Begriff ein, um damit die Prozesse der sozialen Urteilsbildung zu benennen. „Er versteht das Stereotyp als ein rationelles Verfahren des Individuums zur Reduktion der Komplexität seiner realen Umwelt.“ 3
Der Lippmannsche Stereotypenbegriff wird von verschiedenen Autoren in ähnlicher Interpretation aufgegriffen. Die Sozialpsychologin Waldemar Lilli bemerkt, ebenso wie andere Autoren, dass Lippmann Stereotype als ‚Bilder in unserem Kopf’ bezeichnet, mit denen er die Vorstellungen meint, die wir über die äußere Welt haben, die aber mit der wirklichen Welt nicht übereinstimmen müssen, jedoch unser Verhalten stärker beeinflussen als die wirklich bestehenden Bedingungen. In dem er die ‚Pseudo-Welt’ bzw. die ‚Bilder in unserem Kopf’ und die äußere, wirkliche Welt grundlegend voneinander trennt, weist Lippmann, so interpretiert Lilli, auf den Zwiespalt zwischen den inneren Vorgängen des Wahrnehmens und Denkens und den äußeren Vorgängen in der Umwelt hin, sowie darauf, dass die im Kopf entstehenden Bilder Vorstellungen sind, die noch
1 Wenzel: Stereotype in gesprochener Sprache, S. 19.
2 Siehe: Duden. Fremdwörterbuch.
3 Heringer: Interkulturelle Kommunikation, S. 198.
2
vor der wirklichen Erfahrung entstehen. 4 Die Grundlage für das menschliche Handeln ist also nicht die Welt so wie sie in der Wirklichkeit existiert, sondern die Welt so wie wir sie kennen.
Angelika Wenzel erklärt den Stereotypenbegriff bei Lippmann in ähnlicher Weise als Bezeichnung für Konzepte, mit denen man die äußere Welt wahrnimmt und interpretiert. Diese Konzepte der Wahrnehmung sind von der Kulturgemeinschaft vorgeprägt und werden dem Individuum z.B. durch bildende Kunst, Literatur, Philosophie, Erziehung und Religion als Denkschemata vermittelt. Folgendes Zitat von Lippmann belegt die Aussagen von Lilli und Wenzel: We do not first see and then define, we define first, and then see. In the great blooming, buzzing confusion of the outer world we pick out what our culture has already defined for us, and we tend to perceive that which we have picked out in the form stereotyped for us by our culture. 5
Also ist der Prozess der Stereotypisierung als wichtiger Wahrnehmungs- und Kategorisierungsprozess für die Ermöglichung einer erfolgreichen Bewältigung der äußeren Welt zu verstehen.
Eine andere Interpretin des Lippmanschen Stereotypenbegriffs, Uta Quasthoff, weist auf weitere Aspekte seiner Definition hin. Stereotype sind, so zitiert sie Lippmann, „ein geordnetes mehr oder minder beständiges Weltbild, dem sich unsere Gewohnheiten, unser Geschmack, unsere Fähigkeiten, unser Trost und unsere Hoffnung angepaßt haben. Sie bieten vielleicht kein vollständiges Weltbild, aber sie sind das Bild einer möglichen Welt, auf das wir uns eingestellt haben.“ 6 In diesem Sinne stellen Stereotype ein System von Einstellungen, Meinungen und Überzeugungen dar, das die Wahrnehmung strukturiert und selektiv steuert. 7
Wenzel führt aus, dass laut Lippmann Stereotype nicht neutral sind, sondern sowohl positive, als auch negative Funktionen erfüllen. Stereotype haben die positive Funktion der Verteidigung; das bedeutet, dass der Mensch durch Orientierung und Kategorisierung seinen eigenen Platz in der Gesellschaft
4 Lilli: Grundlagen der Stereotypisierung, S.3.
5 Wenzel: Stereotype in gesprochener Sprache, S. 19 -20.
6 Quasthoff: Soziales Vorurteil und Kommunikation, S. 18.
7 Vgl. Ebd.
3
bestimmt. Ohne Stereotype wäre man also nicht imstande in der Welt zurecht zu kommen. Darüber hinaus sparen Stereotype Zeit und Mühe beim menschlichen Handeln. Sie erfüllen also eine ökonomische Funktion: There is economy in this. For the attempt to see all things freshly and in detail, rather than as types and generalities, is exhausting […] There is neither time nor opportunity for intimate acquaintance. Instead we notice a trait which marks a well known type, and fill in the rest of the picture by means of the stereotypes we carry about in our heads. (Lippmann 1922 […] ) 8
Die negative Seite der Stereotype beruht darauf, dass der Mensch durch die vorgeprägten Denkschemata zur Schablonenhaftigkeit veranlasst wird und auf diese Weise seine Umweltwahrnehmung reduziert wird. Für diese Neigung des Menschen macht Lippmann das menschliche Verlangen nach Bequemlichkeit und Simplifizierung verantwortlich.
Den Unterschied zwischen dem Lippmannschen und dem gegenwärtigen Begriff des Stereotyps in der Sozialwissenschaft benennt Wenzel deutlicher; bei Lippmann stand der Begriff im Zusammenhang mit einer konstanten, überdauernden Struktur einer Kulturgemeinschaft. Doch der gegenwärtige Begriff des Stereotyps beschränkt sich „auf das Typische und Auffällige von Gruppen von Menschen verschiedener Herkunft [...], die miteinander in Interaktion treten.“ 9
Zusammenfassend ist es wichtig auf zwei Aspekte des Stereotypenbegriffs hinzuweisen. Bei Lippmann, sowie bei seinen Interpreten, wird unter Stereotyp sowohl eine Projektion unseres Wertbewusstseins verstanden, in der die Welt nicht so ist wie sie wirklich ist, sondern als die Welt unserer Erwartungen dargestellt wird, als auch eine Methode, der Welt eine Ordnung zu geben. Diese zwei Aspekte, der negative Aspekt einer von der Wirklichkeit entfernten Projektion und der positive Aspekt einer Orientierung, sorgen für unterschiedliches Umgehen mit Stereotypen. Quasthoff und Wenzel grenzen den Begriff des Stereotyps in der Linguistik genau ein. Doch bevor auf den linguistischen Stereotypenbegriff eingegangen werden soll folgt erst noch eine Abgrenzung des Begriffs Stereotyp vom Begriff des Vorurteils.
8 Heringer: Interkulturelle Kommunikation, S. 198.
9 Wenzel: Stereotype in gesprochener Sprache, S. 21.
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Arbeit zitieren:
Kader Aki, 2004, Stereotype in der soziologischen und soziolinguistischen Forschung, München, GRIN Verlag GmbH
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