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Die Söhnegeneration im Melusinenroman von Thüring von Ringoltingen

Hauptseminararbeit, 2004, 24 Seiten
Autor: Maike Alberti
Fach: Germanistik - ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Details

Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2004
Seiten: 24
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 17  Einträge
Sprache: Deutsch

Archivnummer: V57377
ISBN (E-Book): 978-3-638-51859-8

Dateigröße: 182 KB


Textauszug (computergeneriert)

Georg-August-Universität Göttingen
Seminar für deutsche Philologie
Hauptseminar: Romanwelten im 16. Jahrhundert
WS 2003/2004

Die Söhnegeneration im Melusinenroman
von Thüring von Ringoltingen

von: Maike Alberti

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung  3

2. Allgemeine Einführung ins Thema  4

2.1 Genealogische und inhaltliche Grundlagen der Melusine 4
2.2 Die allgemeine Söhnekonstellation  6

3. Betrachtung der einzelnen Söhne 9

3.1 Uriens & Gyot und Anthoni & Reinhart 9
3.2 Gedes  13
3.3 Dietrich und Raimund 14
3.4 Freimund und Horrible  15
3.5 Geoffroy 18

4. Fazit  21

5. Literaturverzeichnis  23



 

 

1. Einleitung

Im Rahmen der vorliegenden Hausarbeit soll sich der thematische Schwerpunkt um die Söhnegeneration im Melusinenroman von Thüring von Ringoltingen drehen. In besonderer Betrachtung stehen dabei die prägnanten Körperzeichen der einzelnen Söhne, da sich schließlich darauf die Frage anschließen soll, inwieweit eine Verbindung zwischen den durch Körperzeichen gekennzeichneten Söhnen und ihren „Heldentaten“ im Verlauf des Romans hergestellt werden kann. Zur Klärung dieser Fragestellung muss sicherlich notwendigerweise auf die Mutter Melusine eingegangen werden, jedoch kann die Einbeziehung ihres eigenen Schicksals nur zur Verdeutlichung und Argumentation der „Besonderheit“ der einzelnen Söhne herangezogen werden. Eine nähere Hinterfragung der Melusine als Protagonistin des Romans muss diese Hausarbeit aufgrund des Umfangs ausklammern. Die Argumentationsstruktur bezieht sich daher vornehmlich auf die Textanalyse und soll durch weiterführende Literaturgrundlagen bekräftigt werden. Zunächst wird es deshalb darum gehen, eine kurze Einführung in das Werk an sich zu geben, um diese als Ausgangs- und Bezugspunkt zur Vorstellung der allgemeinen Söhnekonstellation zu nehmen. Im folgenden sollen dann die einzelnen Söhne verstärkt textanalytisch vorgestellt und ihre Vielschichtigkeit sowie ihre Ambivalenz zueinander thematisiert werden. Ein Fazit über den allgemeinen Charakter von Körperzeichen und ihre dämonische Struktur stellt den Abschluss dieser Seminararbeit dar.

2. Allgemeine Einführung ins Thema

2.1 Genealogische und inhaltliche Grundlagen der Melusine

Der „Melusinenroman“ gehört wohl zu den Leittexten der spätmittelalterlichfrühneuzeitlichen Ära und ist in verschiedenen Formen überliefert und von drei Autoren (Jean d’Arras, Couldrette, Thüring von Ringoltingen) dargestellt worden. In dieser Seminararbeit steht nun die Fassung von Thüring von Ringoltingen im Mittelpunkt, die er 1456 in deutsche Prosa aus der französischen Versromangrundlage von Couldrette (Ende 14. Jahrhundert) übertragen hat.1 Couldrette schrieb sein Werk im Auftrag der adligen Herren Guillaume de Parthenay- Larchevêque und dessen Sohn Jean II, die zu einer Seitenlinie des Hauses der Lusignan gehören. Aber wozu ist dieser Einschub wichtig für die Thematik der Söhnegeneration in Thürings Bearbeitung? Bei der Betrachtung der Söhne darf eines nicht unberücksichtig bleiben. Die Absonderlichkeiten, die Thüring an Melusines Söhnen schildert, basieren zum Teil, bereits dargestellt in Couldrettes Vorlage, auf dem genealogischen Interesse seiner Auftraggeber.2 Dieser Bezug äußert sich daher vor allem in den Handlungen der Söhne und wird daher zu einem späteren Zeitpunkt immer wieder dargestellt werden.

Der inhaltliche Schwerpunkt des Melusinenromans behandelt verstärkt die Frage nach der Entstehung des Geschlechts der Lusignan und die Legitimation von Herrschaft überhaupt. Bei Thüring verallgemeinert sich diese Fragestellung in Richtung der Diskussion nach dem Ursprung, dem Aufstieg und schließlich der Legitimation von Adelsgeschlechtern allgemein. Die Melusine kann dabei als „Signatur des Ursprungs der Lusignan“3 verstanden werden.4 Ihre mythische Gestalt, der Fee bzw. eines dämonischen Wesens, wird bei manchem Adelsgeschlecht daher als Ahnfrau oder Stammmutter verehrt.5 Ihre eigene Genealogie wird dem Rezipienten jedoch erst am Ende des Romans durch ihren Sohn, Geoffroy, aufgedeckt. Für die Söhne bleibt allgemein festzustellen, dass sie die „Besonderheit“ der Melusine mit in ihr eigenes Leben nehmen. Die Melusine selbst wird durch Thüring bivalent, mit einer doppelten Natur, dargestellt. Zum einen als böser Geist, dämonisches Wesen, zum anderen als gute christliche Frau. Dieser Umstand wird bereits im Vorwort angesprochen. (S.12, Z.2-4)6 Mit der Heirat Raymonds, der ebenfalls durch den unbeabsichtigten „Mord“ an seinem Onkel, Graf Amrich von Poitou, seit der Jagd schwer belastet ist (S.20, Z.3- 6), und dem daraus hervorgehenden Versprechen gegenüber Melusine nimmt die gestörte Mahrtenehe7 ihren Beginn. Im Wesen der Melusine werden dabei die Grenzen zwischen Mensch und Gespenst/Dämon, Gut und Böse, Zufall und Vorsehung immer wieder deutlich und in Bezug zu ihrer Familie kontrovers dargestellt.8

Mit den Geburten überträgt sich diese Diskussion auf ihre Söhne und wird damit im zweiten Teil des Romans schwerpunktmäßig thematisiert.

2.2 Die allgemeine Söhnekonstellation

[...]


1 Vgl. Mühlherr, Anna: Melusine und Fortunatus. Verrätselter und verewigter Sinn. Tübingen: Niemeyer-Verlag 1993 (Fortuna vitrea 10), S.1 & S.7.

2 Vgl. Störmer-Caysa, Uta: Melusines Kinder bei Thüring von Ringoltingen. In: Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur (PBB), Band 121, hg. von Klaus Grubmüller u.a., Tübingen: Niemeyer Verlag 1999, S.243.

3 Vgl. Kellner, Beate: Genealogie in der Melusinengeschichte. In: Genealogie als Denkform im Mittelalter und Früher Neuzeit. Studien und Texte zur Sozialgeschichte der Literatur, Band 80, hg. von Wolfgang Frühwald, Georg Jäger u.a., Tübingen: Niemeyer-Verlag 2000, S.21.

4 Anmerkung: Zum ersten Mal wird dieser Bezug zum Haus Lusignan von Melusine selber ausgesprochen, in dem sie das Schloss „Lusignan“ erbauen lässt. „Als nun das Schloss zu aller were starck und veste zugericht was / do nampte es Melusina ze teyl nach irem tauffnamen / und sprach Diß schloß sol und muß Lusinia geheissen ....“. Vgl. Thüring von Ringoltingen: Melusine. In: Romane des 15. und 16. Jahrhunderts. Nach den Erstdrucken mit sämtlichen Holzschnitten, hg. von Jan-Dirk Müller, Frankfurt a. M. 1990 (Bibliothek deutscher Klassiker 54. Bibliothek der Frühen Neuzeit 1), S.46, Z.6/7.

5 Vgl. Ruh, Kurt: Die ‚Melusine’ des Thüring von Ringoltingen. München (Verlag der Bayerischen Akademie der Wissenschaften u. München): Beck 1985, Heft 5, S.14.

6 Vgl. Thüring: Melusine (Anm. 4), S.12. „... einer frawen genannt Melusina / die ein merfeyin gewesen und noch ist / das sy nit nach ganczer menschlicher natur ein weyb gewesen ist ...“.

7 Erläuterung: Mit der gestörten Mahrtenehe geht die Erzählung einer Liebesgeschichte, zwischen einem sterblichen Mann mit einer überirdischen, dämonischen Frau einher. Grundlage dafür ist ein Tabu, die Zeugung von Nachkommen, dem Tabubruch und der Offenlegung des dämonischen Wesens und der Trennung der Partner. Vgl. Kellner, Beate: Melusinengeschichten im Mittelalter. Formen und Möglichkeiten ihrer diskursiven Vernetzung. In: Text und Kultur. Mittelalterliche Literatur 1150-1450, hg. von Ursula Peters, Stuttgart/Weimar (Germanistische-Symposien- Berichtsbände 23): Metzler Verlag 2001, S.275.

8 Vgl. Papenberg, Stephanie B.: Vorsehung, Zufall und das Böse in der Melusine des Thüring von Ringoltingen. In: Colloquia Germanica – Internationale Zeitschrift für Germanistik, Band 28, hg. von Theodor Fiedler u.a., Tübingen u. Basel: Franke Verlag 1995, S.266.


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