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Richard Wagner und Johann Wolfgang v. Goethe

Anderes, 2006, 22 Seiten
Autor: Prof. Dr. Peter P. Pachl
Fach: Musikwissenschaft

Details

Veranstaltung: Vortrag beim Faust-Symposion
Institution/Hochschule: Ruhr-Universität Bochum (Musikalisches Zentrum)
Tags: Richard, Wagner, Johann, Wolfgang, Goethe, Vortrag, Faust-Symposion
Kategorie: Anderes
Jahr: 2006
Seiten: 22
Sprache: Deutsch

Archivnummer: V57072
ISBN (E-Book): 978-3-638-51610-5
ISBN (Buch): 978-3-638-66508-7
Dateigröße: 245 KB

Zusammenfassung / Abstract

Goethes Werke und Brief¬wechsel gehörten zeitlebens zu Wag¬ners Lektüre, wodurch ebenfalls Anregungen in sein eigenes Schaffen einflossen. Darüber hinaus suchte Wagner Erfahrungen und Erlebnisse Goethes nachzuemp¬finden. Wagner übernahm Goethesche Ge¬danken in seine Lebensphilosophie und erkannte in Goethe bereits Schopenhauersches Ideengut vorgeprägt. In seinen Träumen unterhielt er sich mit Goethe. Der „Faust'-Rezeption Wagners gilt ein Schwerpunkt der Arbeit. Für die Aufführung von Beethovens 9. Symphonie zog Wagner Zitate aus Goethes „Faust" heran, und in seinem theoretischen Hauptwerk „Oper und Drama" setzt er Goethes künstlerische Gestaltung des griechischen Lebens ebenfalls mit der Komposition von Beethovens „wichtig¬sten symphonischen Sätzen" gleich. Goethes Oeuvre fand aber auch Niederschlag in Wagners Kompositionen, von den frühen„Sieben Kompositionen zu Goethes Faust“ über die geplante „Faust-Symphonie" zur „Faust-Ouvertüre" über das Motto zum späten Festmarsch für Nordamerika. Immerhin dachte sich Wagner für den „Faust" eine dem Totaltheater ver¬wandte Bühne aus und diskutierte Fragen zur Kostümierung mit seiner Frau Cosima. Weiter zieht die Arbeit Parallelen in der Arbeit beider Theaterdirektoren, wobei Eckermanns Gespräche auf der einen, Cosima Wagners Tagebücher auf der anderen Seite wichtige Quellen darstellen. Dabei kommt der Autor zu dem Ergebnis einer deutlichen Divergenz hinsichtlich der theatralischen Realisierung der Pläne beider Theaterdirektoren.


Textauszug (computergeneriert)

FAUST-SYMPOSION BOCHUM - 07. 01. 2006

Richard Wagner und Johann Wolfgang v. Goethe

von

Peter P. Pachl

 

 

 

 

Präambel

Der Komponist Hans Pfitzner - dem Dank Hans Jaskulsky hier in Bochum ein vorangegangenes Symposion zu einem Konzert des Musikdirektors galt - hat die "Sternenfreundschaft" von Richard Wagner und Schumann beschworen. Jener Musikdramatiker, der auch in der Kammermusik zuhause war, projektierte über einige Jahre einen Aufsatz zum Thema Wagner-Schumann und hielt zu diesem Thema einen Vortrag in Detmold.

Bekanntlich hat Wagner in seiner Pariser Notzeit Berichte über die musikalischen Events der Seine-Metropole für die von Schumann herausgegebene Zeitschrift für Musik verfasst.
Die Verwandtschaft des musikalischen Oeuvres dieser Zeitgenossen beschränkt sich jedoch greifbar primär darauf, dass beide Komponisten Heines "Zwei Grenadiere" vertont und dabei - unabhängig voneinander - die Marseillaise zitiert haben.

Am 29. Dezember 1840 schreibt Wagner an Robert Schumann:

"Allervortrefflichster Herr Schumann,
seit fast anderthalb Jahren bin ich in Paris. Es geht mir herrlich, da ich noch nicht verhungert bin. Nächstens werden Sie wichtige Dinge von mir hören, denn ich stehe im Begriff, gränzenlos berühmt zu werden. - Vorläufig - die Veranlassung dieser Zeilen. Ich höre daß Sie die Heineschen Grenadiere componirt haben, u. daß zum Schluß die MARSEILLAISE darin vorkommt. Vorigen Winter habe ich sie auch componirt, u. zum Schluß auch die MARSEILLAISE angebracht. Das hat etwas zu bedeuten! Meine Grenadiere habe ich sogleich auf eine französische Uebersetzung componirt, die ich mir hier machen ließ u. mit der Heine zufrieden war. Sie wurden hie u. da gesungen, u. haben mir den Orden der Ehrenlegion u. 20,000 fr. jährliche Pension eingebracht, die ich direkt aus LOUIS PHILIPPE′S Privat-Casse beziehe. - Diese Ehren machen mich nicht stolz, u. ich dedicire Ihnen hiermit ganz privatim meine Composition noch einmal, trotzdem sie schon Heine gewidmet ist. Sie werden diese Auszeichnung anzuerkennen wissen, u. davon die gehörige Anzeige machen. In Gleichem er kläre ich Ihnen, daß ich die Privat-Dedication Ihrer Grenadire herzlich gern annehme, u. das Widmungs- Exemplar erwarte.
Beginnen Sie gefälligst, mich ein ganz klein Wenig in Ihr Herz zu schließen u. seien Sie versichert, daß u.s.w.

Ihr Verehrer
Richard Wagner,
25, rue du Helder.

P.S. Lassen Sie doch Meyerbeer nicht mehr so herunterreißen; dem Manne verdank′ ich Alles u. zumal meine sehr baldige Berühmtheit.
R.W."

[Sämtliche Briefe: Bd. 1: Briefe bis März 1842, S. 452. Digitale Bibliothek Band 107: Richard Wagner: Werke, Schriften und Briefe, S. 7696 (vgl. Wagner-SB Bd. 1, S. 429)] -

Lesen sich Wagners Briefe an Schumann opportun freundschaftlich und amüsant, so ist in Wagners Schriften zunehmend wenig Löbliches über den Komponisten Schumann zu lesen, der - nach Wagners Meinung - zusehends dem Einflusse jüdischer Musik erlegen sei.

In Wagners eigenwilliger Musikgeschichtsdarstellung heißt es:
"Es war daher aus dem großen Beethoven eine ganz neue Erkenntniß des Wesens der Musik zu gewinnen, die Wurzel, aus welcher sie gerade zu dieser Höhe und Bedeutung erwachsen, sinnvoll durch Bach auf Palestrina zu verfolgen, und somit ein ganz anderes System für ihre ästhetische Beurtheilung zu begründen, als dasjenige sein konnte, welches sich auf die Kenntnißnahme einer von diesen Meistern weit abliegenden Entwickelung der Musik stützte.

Das richtige Gefühl hiervon war ganz instinktiv in den deutschen Musikern dieser Periode lebendig, und ich nenne Ihnen hier Robert Schumann als den sinnvollsten und begabtesten dieser Musiker. An dem Verlaufe seiner Entwickelung als Komponist läßt sich recht ersichtlich der Einfluß nachweisen, welchen die von mir bezeichnete Einmischung des jüdischen Wesens auf unsere Kunst ausübte. Vergleichen Sie den Robert Schumann der ersten, und den der zweiten Hälfte seines Schaffens: dort plastischer Gestaltungstrieb, hier Verfließen in schwülstige Fläche bis zur geheimnißvoll sich ausnehmenden Seichtigkeit. Dem entspricht es, daß Schumann in dieser zweiten Periode misgünstig, mürrisch und verdrossen auf Diejenigen blickte, welchen er in seiner ersten Periode als Herausgeber der "Neuen Zeitschrift für Musik" so warm und deutsch liebenswürdig die Hand gereicht hatte. An der Haltung dieser Zeitschrift, in welcher Schumann (mit ebenfalls sehr richtigem Instinkte) auch schriftstellerisch für die große uns obliegende Aufgabe sich bethätigte, können Sie gleichfalls ersehen, mit welchem Geiste ich mich zu berathen gehabt hätte, wenn ich mit ihm allein über die mich anregenden Probleme mich verständigen sollte: hier treffen wir wahrlich auf eine andere Sprache, als den endlich in unsere neue Ästhetik hinübergeleiteten dialektischen Judenjargon, und - ich bleibe dabei! - in dieser Sprache wär es zu einem fördernden Einvernehmen gekommen.

[Sämtliche Schriften und Dichtungen: Achter Band, S. 442. Digitale Bibliothek Band 107: Richard Wagner: Werke, Schriften und Briefe, S. 3971 (vgl. Wagner-SuD Bd. 8, S. 255)]

[....]


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