Verleger Axel Springer:
- Vorwurf der verfälschten und polemisierenden Berichterstattung über die linke Bewegung in den von ihm vertretenen Presseorganen
- Vorwurf des Monopolismus (Motto: „Enteignet Springer!“) Rolle des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS)
- 1946 gegründet als der SPD nahestehende Studentenorganisation
- 6. 11. 1961: SPD-Beschluß: Mitgliedschaft in der SPD unvereinbar mit Migliedschaft im SDS, der sich nicht auf das Godesberger Programm festlegen wollte
- 1961: „Hochschuldenkschrift“ des SDS
- ab 1966 zentrales Organ der APO
- Struktur wenig homogen Forderungen des SDS im Hochschulbereich „Demokratisierung der Hochschule“:
- Abschaffung der Ordinarien-Universität
- Einführung studentischer Mitbestimmung: Drittelparität zwischen Professoren, Assistenten und Studenten in den Entscheidungsgremien, politisches Mandat für Studenten
- absolute Meinungsfreiheit innerhalb der Hochschulen
- Reformierung der Studiengänge und Prüfungsordnungen Formen des Protests:
- aus den USA übernommene Aktionen wie „Go-in“, „Sit-in“, „Teach-in“
- Boykott des Lehrbetriebs
- Preisgabe von bestehenden Normen zur Lächerlichkeit Theoretische Grundlagen und Vorbilder „Frankfurter Schule“:
- benannt nach Frankfurter Institut für Sozialforschung (IfS) → 1950 von Max Horkheimer und
Th. W. Adorno wiedergegründet
- zentraler Gegenstand: „Kritische Theorie“: marxistisch geprägte Gesellschaftsanalyse, Kritik an Leistungs- und Konsumzwang, Kulturindustrie, technischer Rationalität und Wirtschaftsapparat
- Horkheimer (1895-1973): Dekan und Rektor, bei Ausbruch der Studentenrevolte bereits emeritiert
- Adorno (1903-1969): Sympathie für Absichten des SDS, lehnte jedoch Beteiligung ab und verurteilte Gewalt → Bruch mit Studentenbewegung
- Herbert Marcuse (1898-1970): entwickelte den Begriff des Spätkapitalismus, Repräsentant der Studenten, Unterstützung in Wort und Tat. 1967 erschien sein Werk „Der eindimensionale Mensch“ in dt. Übersetzung, starke Rezeption in der Studentenschaft
- Jürgen Habermas (*1929): gilt nach dem Tod Adornos als Hauptvertreter der Frankfurter Schule, übernahm 1964 Horkheimers Lehrstuhl. Studie „Student und Politik“ (1961) traf auf große Resonanz im SDS, von Studentenbewegung nach seinem Werk „Theorie und Praxis“ (1963) als Reformmarxist aufgefasst, geriet jedoch durch die Bezeichnung des „linken Faschismus“ in die Kritik des SDS
Ernst Bloch (1885-1977): befreundet mit R. Dutschke, für Radikalität im Wortsinn Georg Lukács (1885-1971): ungar. Intellektueller, dessen Schriften in der Führung des SDS Echo fanden, Ziel: „humaner Sozialismus“ Entwicklungsphasen/Ereignisse
1. Phase (Mai 1965 bis Mai 1967):
- Focus der Ereignisse hauptsächlich Berlin
- vorwiegend hochschulinterne Aktionen, v.a. gegen die Verwaltung der Freien Universität Berlin gerichtet
- lediglich vereinzelte Protestaktionen und Störungen des Lehrbetriebs in den neuen Formen
2. Phase (2. Juni 1967 bis Sommer 1968)
- Ausweitung des Protests auf das gesamte Bundesgebiet
- Öffnung zu hochschulfremden Themenkomplexen
- gesteigerte Radikalität
2. Juni 1967:
- Demonstration in Berlin anlässlich des Staatsbesuchs des persischen Schahs Reza Pahlewi: Konfrontation persischer und dt. Schahgegner mit „Jubel-Persern“, nach Eingreifen der Polizei wurde der 26jährige Student Benno Ohnesorg von einem Polizeibeamten erschossen → Unruhen im gesamten Bundesgebiet, v.a. in Berlin
Ostern 1968:
- 11. 4. 1968: Attentat auf Rudi Dutschke, verübt von dem 23jährigen Anstreicher Josef Bachmann
- Anschlag löste landesweite Betroffenheit aus
- Tat wurde von der Studentenbewegung -und nach Angabe Bachmanns selbst- mit der Berichterstattung der Springer-Presse assoziiert
→ 11.4.-15.4.: schwerste Straßenunruhen in der Geschichte der Bundesrepublik
- Belagerungen und Blockaden von Verlags- und Druckhäusern des Springer-Konzerns führten zu schweren Auseinandersetzungen mit der Polizei
- Opfer: der 32jährige Fotoreporter Klaus Frings und der 24jährige Student Rüdiger Schreck Die Haltung des Staates
- Gustav Heinemann (SPD), Bundesjustizminister: entwickelte überraschenderweise eine zurückhaltende bis partiell verständnisvolle Position unter kritischer Reflektierung der eigenen Generation
- Bundeskanzler Georg Kiesinger: zeigte zwar differenzierte Sicht der Dinge, war jedoch nicht zu einer konstruktiven öffentlichen Reaktion zu bewegen, ließ Selbstkritik vermissen
- nach Strategie der SPD sollte ihr Kanzlerkandidat Willy Brandt eine dezidierte Position gegenüber den Aufständischen zeigen
Zur Person Rudi Dutschkes
* 7. 3. 1940 in Schönefeld bei Berlin
- in der Jugend großes Engagement in der ev. Kirche
- 1961: Übersiedelung aus der DDR nach West-Berlin, Studium der Soziologie
- 1962: Gründung eines West-Berliner Verbandes der „Subversiven Aktion“ mit Bernd Rabehl
- 1963 in den Landesbeirat des West-Berliner SDS gewählt
- geprägt von „moralischem Rigorismus“
- propagierte „Focus-Theorie“ (Organisation von weltweiten Brennpunkten des Widerstands) und Theorie vom „langen Marsch durch die Institutionen“
- 1974 Dissertation: „Lenin, Lucács und die Komintern“
- 1979: Eintritt in die Bremer „Grünen“, Wahl zum Delegierten für den 1. Bundeskongreß, jedoch:
Arbeit zitieren:
2000, 1968 – Die Studentenbewegung, München, GRIN Verlag GmbH
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