Technische Universität Dresden, Institut für Geschichte
Lehrstuhl für Mittelalterliche Geschichte
Proseminar: Die Karolinger
Wintersemester 2005/2006, 3. Fachsemester
Die Kaiserkrönung Karls des Großen. Voraussetzungen
und begünstigende Faktoren des neuen Kaisertums
von: Janina Kraus
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Weg zur Kaiserkrönung
2.1. Karl der Große
2.2. Vorgänge bis zum Heiligen Abend 800
3. Zeitgenössische Quellen
3.1. Einhard
3.2. Annalen von Lorsch
3.3. Kritik
4. Deutungsversuche der Ereignisse um 800 – Welche Faktoren verhalfen Karl zum Kaisertitel?
4.1. Innenpolitische Faktoren
4.2. Außenpolitische Faktoren
4.3. Religiöse Faktoren
4.4. Soziale Faktoren
5. Fazit
6. Quellen- und Literaturverzeichnis
1. Einleitung
Die Krönung Karls des Großen zum Kaiser im Jahr 800 hatte große Bedeutung und weitreichende Folgen für den Werdegang des europäischen Kontinents, denn mit dem mittelalterlichen Kaisertum wurde die antike Kaiseridee verchristlicht. Gleichzeitig ergab sich eine erste abendländische Absetzung vom byzantinischen Herrschaftsanspruch, da die bis dato höchste weltliche Gewalt der oströmischen Kaiser in Frage gestellt wurde. Die Schwere dieser Ereignisse wird deutlich, wenn man sich klarmacht, dass Karls herausragende Regierungszeit, auf Basis der Errungenschaften seines Vaters Pippins des Jüngeren, das karolingische Europa schuf 1.
Diese einschneidenden Folgen machen die Ereignisse um die Kaiserkrönung zu einem interessanten Forschungsthema. Aufgrund der widersprüchlichen Quellenlage ergeben sich allerdings noch heute Fragen über die tatsächlichen Vorgänge. So ist relativ unklar, inwieweit die Umstände der Krönung vom Papst Leo III. oder Karl selbst geplant waren. Häufig wird der Frankenkönig einer Bemerkung seines Biographen Einhards zufolge als „Kaiser wider Willen“ bezeichnet. Auch führen die verschiedenen Kaiserideen des Papsttums und der Franken zu Unklarheiten. Daher soll in dieser Arbeit geklärt werden, unter welchen Umständen es Karl dem Großen tatsächlich gelingen konnte, Kaiser zu werden. Anhand zweier Quellen soll die Überlieferung der Ereignisse dargestellt werden, um dann die verschiedenen Faktoren, die sich positiv auf die Kaiserkrönung ausgewirkt haben, zu erläutern.
Auf die Kaiserkrönung gehen einige überlieferte Quellen ein: die Biographie Leos III. im Liber Pontificalis, die Annales Regni Francorum, das Paderborner Epos, die Vita Karoli Magni Einhards und die Annalen von Lorsch. Keine dieser Quellen gibt eine vollständige oder überzeugende Abhandlung der Ereignisse wieder, zumal jeweils verschiedene Motivationen zugrunde liegen. Für diese Arbeit sollen die beiden letzteren eine Rolle spielen, da sie jeweils eine Besonderheit aufweisen. Viele Historiker haben sich bereits mit dieser Thematik auseinandergesetzt, eine völlig neue Sichtweise und den Anstoß zu neuen Forschungen lieferte 1952 Percy E. Schramm2, der erstmal Aspekte außerhalb der schriftlichen Quellen für eine Interpretation zu Rate zog. Stellvertretend für die aktuellen Beiträge wäre Roger Collins3 zu nennen, der Einhards Bemerkung über Karls ablehnende Haltung anhand antiker politischer Verhaltensweisen deutet und somit den Begriff „Kaiser wider Willen“ entkräftet. Einleitend werden in dieser Arbeit der Wirkungskreis Karls des Großen sowie die Ereignisse vor Weihnachten 800 beschrieben. Anschließend werden im dritten Kapitel Einhards Biographie und die Annalen von Lorsch zunächst vorgestellt und dann kritisiert. Im vierten Kapitel und Kern dieser Arbeit werden, unter Bezugnahme auf die Forschungsergebnisse einiger Historiker, die Faktoren dargestellt, die die Ereignisse um die Kaiserkrönung maßgeblich beeinflusst haben. Im Fazit werden die Ergebnisse zusammengefasst und abschließend geklärt, warum es Karl dem Großen gelingen konnte, ein neues Kaisertum zu schaffen.
2. Der Weg zur Kaiserkrönung
2.1. Karl der Große
Der Aufstieg der Karolinger zur führenden Adelsfamilie Europas begann bereits im 6. Jahrhundert. Laut Pierre Riché war Karl der Große am Ende des 8. Jahrhunderts, auch wenn er nicht ganz Europa unterworfen hatte, „unbestritten der mächtigste Herrscher des Abendlandes“.4 Bereits bei seinem Machtantritt 768 war das Frankenreich die wichtigste Macht in Europa.5 Als sein jüngerer Bruder Karlmann 771 starb, wurde Karl zum König des gesamten Reiches, schon 774 entthronte er das langobardische Königshaus und wurde somit zum „König der Franken und Langobarden“.6
Aufgrund seiner Königsweihen sah er sich als christlichen Vorkämpfer gegen das Heidentum und die Ungläubigen. Die Päpste hatten zwar bis zum Pontifikat Hadrians den Kaiser in Konstantinopel in theologischen Angelegenheiten als Partner gesehen7, Bündnisse und Schutzversprechen für die römische Kirche brachten den Karolingern aber von jeher die Anerkennung ihrer Dynastie. Daher konnte Karl sich auch „Patricius der Römer“ nennen. Dieses beiderseitige Verhältnis von Papst und Karolinger war eine Voraussetzung für die weiteren Ereignisse.
2.2. Vorgänge vor dem Heiligen Abend 800
[...]
1 Riché, Pierre: Die Karolinger. Eine Familie formt Europa; München 1992; S. 85.
2 Schramm, Percy E.: Die Anerkennung Karls des Großen als Kaiser; in: Historische Zeitschrift Bd. 172, 1952; S. 449-515.
3 Collins, Roger: Charlemagne’s imperial coronation and the Annals of Lorsch; in: Story, Joanna (Hrsg.): Charlemagne. Empire and Society; Manchester 2005; S. 52-70.
4 Riché, S. 149.
5 Becher, Matthias: Karl der Große; München 1999; S. 22.
6 Der Einfachheit halber wird der Titel im Folgenden auf „Frankenkönig“ abgekürzt.
7 Becher, S. 13.
Arbeit zitieren:
Janina Kraus, 2006, Die Kaiserkrönung Karls des Großen.Voraussetzungen und begünstigende Faktoren des neuen Kaisertums., München, GRIN Verlag GmbH
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esther
karl des große.
Die Krönung Karls des Großen zum Kaiser im Jahr 800 hatte große Bedeutung und weitreichende Folgen für den Werdegang des europäischen Kontinents, denn mit dem mittelalterlichen Kaisertum wurde die antike Kaiseridee verchristlicht. Gleichzeitig ergab sich eine erste abendländische Absetzung vom byzantinischen Herrschaftsanspruch, da die bis dato höchste weltliche Gewalt der oströmischen Kaiser in Frage gestellt wurde. Die Schwere dieser Ereignisse wird deutlich, wenn man sich klarmacht, dass Karls herausragende Regierungszeit, auf Basis der Errungenschaften seines Vaters Pippins des Jüngeren, das karolingische Europa schuf . Diese einschneidenden Folgen machen die Ereignisse um die Kaiserkrönung zu einem interessanten Forschungsthema. Aufgrund der widersprüchlichen Quellenlage ergeben sich allerdings noch heute Fragen über die tatsächlichen Vorgänge. So ist relativ unklar, inwieweit die Umstände der Krönung vom Papst Leo III. oder Karl selbst geplant waren. Häufig wird der Frankenkönig einer Bemerkung seines Biographen Einhards zufolge als „Kaiser wider Willen“ bezeichnet. Auch führen die verschiedenen Kaiserideen des Papsttums und der Franken zu Unklarheiten. Daher soll in dieser Arbeit geklärt werden, unter welchen Umständen es Karl dem Großen tatsächlich gelingen konnte, Kaiser zu werden. Anhand zweier Quellen soll die Überlieferung der Ereignisse dargestellt werden, um dann die verschiedenen Faktoren, die sich positiv auf die Kaiserkrönung ausgewirkt haben, zu erläutern.
Der Aufstieg der Karolinger zur führenden Adelsfamilie Europas begann bereits im 6. Jahrhundert. Laut Pierre Riché war Karl der Große am Ende des 8. Jahrhunderts, auch wenn er nicht ganz Europa unterworfen hatte, „unbestritten der mächtigste Herrscher des Abendlandes“.4 Bereits bei seinem Machtantritt 768 war das Frankenreich die wichtigste Macht in Europa.5 Als sein jüngerer Bruder Karlmann 771 starb, wurde Karl zum König des gesamten Reiches, schon 774 entthronte er das langobardische Königshaus und wurde somit zum „König der Franken und Langobarden“.6
Aufgrund seiner Königsweihen sah er sich als christlichen Vorkämpfer gegen das Heidentum und die Ungläubigen. Die Päpste hatten zwar bis zum Pontifikat Hadrians den Kaiser in Konstantinopel in theologischen Angelegenheiten als Partner gesehen7, Bündnisse und Schutzversprechen für die römische Kirche brachten den Karolingern aber von jeher die Anerkennung ihrer Dynastie. Daher konnte Karl sich auch „Patricius der Römer“ nennen. Dieses beiderseitige Verhältnis von Papst und Karolinger war eine Voraussetzung für die weiteren Ereignisse
Eigentlich weis keiner genau wie es war, aber Karl der Große muss mit viel Gewallt alle zum Christen Glauben bringen wollen.
am Monday, October 06, 2008-