Inhaltsverzeichnis:
I Einleitung 2 3
II Die Entwicklung des elementaren Lese und Schreibunterrichts 4 8
II 1 Die Verbreitung der deutschen Schriftsprache und die Entstehung von
Schreibschulen 4 5
II 2 Der Katechismusunterricht Die deutsche Sprache im Dienst der
Glaubens und Sittenlehre 6 7
II 3 Die zunehmende Bedeutung der deutschen Volkssprache als
Nationalsprache im 17 und 18 Jahrhundert 8
III Die Reformierung des Schulsystems 9 10
III 1 Das Elementarschulwesen vor und nach dem preußischen
Generallandschulreglement vom 12 August 1763
IV Friedrich Eberhard von Rochows Der Kinderfreund
Neue Aspekte der Erziehung 11 16
IV 1 Strukturelle und inhaltliche Schwerpunkte des Buches 12
IV 2 Die Verbreitung und Wirkung des Volkslesebuches
Der Kinderfreund 13 14
IV 3 Aufklärung und moralische Erziehung
Erläuterung neuer Lehrmethoden an einem ausgewählten Beispiel 15
IV 4 Die Umsetzung der Neuerungen an der Reckahnschule 16
V Zusammenfassung 17
VI Literaturverzeichnis 18
VII Anhang
1
I. Einleitung:
„Was nützliches lernen schadet niemals, und kann oft viel helfen.“ 1 ( Friedrich Eberhard von Rochow )
Seit je her wird das Sprichwort „Wissen ist Macht“ mit Gelehrsamkeit in Verbindung gebracht. Jahrhunderte lang galt Wissen als Privileg der Reichen und Mächtigen und war demnach nur einem geringen Bevölkerungsteil zugänglich. Aber nichts unterliegt mehr den gesellschaftlichen und politischen Gegebenheiten als Bildung und Erziehung. Bis zur Verstaatlichung des Schulsystems und somit der Einführung der allgemeinen Schulpflicht durchliefen die deutsche Gesellschaft, das Schulwesen, aber auch die deutsche Sprache, verschiedene Stadien der Entwicklung.
Ziel dieser Hausarbeit ist es, Schwerpunkte der Entwicklung des elementaren Lese- und Schreibunterrichts bis hin zum elementaren Deutschunterricht im 18. Jahrhundert herauszuarbeiten und unter historischen, politischen, aber auch sozialen Gesichtspunkten zu betrachten.
Da regulärer Deutschunterricht an Schulen das Resultat eines langen Entwicklungsprozesses darstellt, werde ich zunächst auf die Anfänge des Lese- und Schreibunterrichts zurückblicken und dabei didaktische Besonderheiten hervorheben. Im Anschluss daran folgen einige Erläuterungen hinsichtlich der Methodik und des Wesens des Katechismusunterrichts. Des Weiteren gehe ich auf die zunehmende Bedeutung der deutschen Sprache als Nationalsprache im 18. Jahrhundert ein, da das Zeitalter der Aufklärung zu Reformen anregte und maßgeblich zur Entwicklung des Deutschunterrichts beitrug. Bezüglich der Reformierung des Elementarschulwesens beziehe ich mich anschließend auf das preußische Generallandschulreglement von 1763 und werde die Schulsituation vor und nach dem Erlass vergleichend darstellen.
Während der Bewegung des Philanthropinismus` kennzeichneten Moral und Vernunft die weitere Entwicklung des Deutschunterrichts im 18. Jahrhundert. Zur Erläuterung dieses Sachverhaltes bediene ich mich des Volkslesebuches „Der Kinderfreund“ von F. E. v. ROCHOW und werde an einem ausgewählten
1 Vgl. Rochow, 1776, S.17
2
Textbeispiel die Grundsätze der neuen moralischen Erziehung verdeutlichen. Abschließend folgen eine kurze Zusammenfassung und das Literaturverzeichnis.
Als Grundlage für diese Hausarbeit dienen mir zum einen „Geschichte des Deutschunterrichts – Von den Anfängen bis 1945“ von HORST JOACHIM
FRANK ( 1973 ) und zum anderen „Sprache und Bürgertum – Sozialgeschichte
sprachlicher Verkehrsformen im Deutschland des 18. Jahrhunderts“ von
JOACHIM GESSINGER ( 1980 ). Darüber hinaus fließen OTTO FRIEDRICHS´
„Das niedere Schulwesen im linksrheinischen Herzogtum Kleve 1614 – 1816 – Ein Beitrag zur Regionalgeschichte der Elementarschulen in Brandenburg – Preußen“ ( 2000 ), Informationen aus verschiedenen Lexika sowie zahlreiche im Internet publizierte Artikel und Aufsätze ein.
3
II. Die Entwicklung des Elementaren Lese- und Schreibunterrichts:
II.1. Die Verbreitung der deutschen Schriftsprache und die Entstehung von Schreibschulen
Die Anfänge des deutschen Schriftverkehrs lassen sich laut FRANK „ bis ins dreizehnte Jahrhundert zurückverfolgen.“ 2 Die guten wirtschaftlichen und politischen Bedingungen trieben den Handel und das Gewerbe in den Städten des Reichs voran. Die zunehmende Komplexität des Rechts- und Geschäftswesens forderten Kenntnisse im Lesen und Schreiben. Was vorher nur den Klerikern und der Oberschicht vorbehalten war, fand nun immer mehr Vertreter im allgemeinen Bürgertum. Die Formen der deutschen Schriftlichkeit beschränkten sich im Mittelalter vorwiegend auf „ Schriftformen der Mitteilung und Vereinbarung, des Gesuchs und der Verfügung“ 3 , die von lateinischen Vorlagen ins Deutsche übersetzt wurden und zur Herausbildung des „deutsche(n) Kanzelstil(s)“ 4 beitrugen. Die Verbreitung des Buchdrucks in den Jahren nach 1440 hatte maßgeblichen Anteil daran, dass zahlreiche Rhetoriken veröffentlicht wurden, die das Verfassen von Briefen und Urkunden didaktisch aufarbeiteten und eine Vorlage für die Vermittlung dieser Kenntnisse im Rahmen von Schreibschulen bildeten. Hierbei handelte es sich meist um privaten Unterricht im Haus von Gelehrten, die auf Grund ihrer Kenntnisse im Lesen und Schreiben und ihrer Fähigkeiten im Verfassen von Briefen und Schriften neben dem Amt des Stadtschreibers oftmals als Lehrer fungierten. Die Aussicht auf ein nebenberufliches Einkommen regte auch andere gelehrte Bürger an der Tätigkeit des Hauslehrers nachzugehen. Wo ausreichend Schüler vorhanden waren, entstanden nun Winkel- oder Beischulen, die sich zu einem „städtischen Gewerbe“ 5 entwickelten und neue Berufgruppen herausbildeten. Gegen die Bezahlung eines Schulgeldes versicherten die Lehrmeister und Lehrgehilfen jeden in die Kunst des Lesens- und Schreibens einzuführen.
Neben einfachen Bürgern wurden die Schreibschulen auch von Handwerkern und Kaufleuten besucht, die alternativ zu den traditionellen Lateinschulen Fähigkeiten
2 Vgl. Frank, 1973, S. 20
3 Vgl. Frank, 1973, S. 21
4 Vgl. Frank, 1973, S. 21
5 Vgl. Frank, 1973, S. 23
4
in deutscher Schrift und Sprache erwerben wollten. Nach einigen Differenzen zwischen diesen Schulformen sicherte, laut FRANK, beispielsweise die „Braunschweiger Schulordnung“ von 1478 den Fortbestand der Schreibschulen und ordnete an, dass sich diese nur auf die Verwendung deutscher Bücher und Briefe zu beschränken habe und nicht in den Lernbereich der Lateinschulen eindringen dürfe. Auf Grund solcher Regelungen konnte sich die Schreibschule als deutsche Schule etablieren und somit die Voraussetzungen für den späteren regulären Elementarunterricht schaffen.
Anfänglich bediente sich der Unterricht vorwiegend der Literalmethode. Hier lag der Schwerpunkt zunächst auf dem Erkennen einzelner Buchstaben, die dann zu Silben und schließlich zu ganzen Wörtern zusammengesetzt wurden. Dabei gestaltete sich der Unterricht wenig flexibel und in einer bestimmten Ordnung, die auf „Parzellierung, Isolierung und feste Sequenzierung“ 6 abzielte. Da man hier die sprachliche Form eines Wortes von dessen Bedeutung trennte und kein maximaler Lernerfolg zu erzielen war, wurde diese Methode Gegenstand massiver Kritik.
GESSINGER zufolge würde die „Isolierung von Buchstaben“ und deren
„Anordnung zum ABC“ die „Sprache verstümmel(n)“ 7 . Erst VALENTIN ICKELSAMERs Lautiermethode, die akustische Analyse von Wörtern, stellte eine Neuerung dar, konnte sich aber gegenüber der Literalmethode, die bis ins 20. Jahrhundert Anwendung fand, nicht durchsetzen.
6 Vgl. Gessinger, 1980, S. 46
7 Vgl. Gessinger, 1980, S. 47
5
Arbeit zitieren:
Mirjam Letz, 2006, Deutschunterricht an Elementarschulen im 18. Jahrhundert, München, GRIN Verlag GmbH
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