II
Inhaltsverzeichnis
Abk ürzungsverzeichnis. III
1 Einleitung. 1
2 Begriffserläuterungen 3
2.1 Pflegebedürftigkeit 3
2.2 Pflegende Angehörige. 3
3 Situationsbeschreibung Pflegender. 4
3.1 Gesellschaftliche Rollenverteilung. 4
3.2 Pflegemotive und Motivation. 5
3.3 Pflegeaufgaben und Pflegeintensität 7
4 Belastung und Problematik. 8
4.1 Das Belastungserleben 8
4.2 Gefühlsüberflutung 9
4.3 Persönlichkeitsveränderung der gepflegten Person 11
4.4 Rollenkonflikte und Beziehungsveränderung 11
4.5 Gesundheitliche Belastung. 12
4.6 Einschränkung der Erwerbstätigkeit. 13
4.7 Pflegebedingte Isolation 14
4.8 Finanzielle Belastung 15
5 Unterstützungsbedarf und -angebote 16
5.1 Information und Beratung 16
5.2 Aktive Unterstützung 17
5.3 Patientenberatungsstellen und Selbsthilfegruppen 18
5.4 Gesundheitsförderung 19
6 Die Pflegeversicherung 20
6.1 Hilfsangebote. 20
6.2 Finanzierung der privaten Pflege 22
6.3 Pflegehinzukaufmöglichkeiten. 23
6.4 Soziale Sicherung von Pflegepersonen 24
7 Schlussbetrachtung. 25
Literaturverzeichnis. 26
Anlage I: Leistungsüberblick der Pflegeversicherung 28
III
Abkürzungsverzeichnis
Abs. Absatz BGBI. I Bundesgesetzblatt Teil 1 BKK Betriebskrankenkassen bzw. beziehungsweise ca. circa d. h. das heißt ebd. ebenda e. V. eingetragener Verein f. folgende ff. fortfolgende ggf. gegebenenfalls Hrsg. Herausgeber i.V.m. in Verbindung mit Nr. Nummer o. J. ohne Jahresangabe o. V. ohne Verfasser S. Seite SGB V Sozialgesetzbuch, fünftes Buch, Gesetzliche Krankenversicherung SGB XI Sozialgesetzbuch, elftes Buch, Soziale Pflegeversicherung u. a. und anderenorts usw. und so weiter vgl. vergleiche z. B. zum Beispiel
1
1 Einleitung
Der Bedarf an Hilfe und Pflege war noch nie so groß wie heute. Im Rahmen der Pflegeversicherung, bei welcher die soziale und private Pflege-Pflichtversicherung berücksichtigt wird, nehmen ca. 2,03 Millionen Menschen Leistungen in Anspruch. Von diesen pflegebedürftigen Menschen werden rund 70,7 Prozent (1,435 Millionen Menschen) zu Hause von Ihren Angehörigen bzw. Familien betreut und 29,3 Prozent (594.000 Menschen) werden in Pflegeheimen versorgt. 1 Durch die zunehmende Alterung der Gesellschaft ist auch von einem Anstieg der Zahl der Pflegebedürftigen auszugehen. So werden im Jahr 2010 2,36 Millionen Pflegebedürftige und im Jahr 2020 etwa 2,83 Millionen Pflegebedürftige erwartet. 2
Hinzukommt, dass in früheren Jahrhunderten die Dauer der Pflege oft nur wenige Wochen oder höchstens Monate betrug. Heute liegt die durchschnittliche häusliche Pflegedauer zwischen drei und fünf Jahren, mit steigender Tendenz. In Verbindung mit dem demographischen Fak-tor führt eine längere Pflegespanne dazu, dass für die Pflege von immer mehr Menschen immer weniger Angehörige zur Verfügung stehen. 3 Auch die Anzahl der Menschen, die Hilfe und Betreuung bei Aktivitäten des täglichen Lebens durch Ihre Angehörigen erfahren, liegt bei weitem höher als die Zahl derer, die Leistungen aus der Pflegeversicherung beziehen. Denn nicht jeder ist im engeren Sinne pflegebedürftig, nach den Kriterien der Pflegeversicherung. 4
Die Pflege eines Familienmitgliedes stellt für viele Angehörige eine große Belastung dar. Auch wenn professionelle Hilfe in Anspruch genommen wird, müssen die pflegenden Angehörigen die Hauptlast tragen. Traditionell werden die Pflegebedürftigen in den Fokus der Betrachtung gestellt und nicht die pflegenden Angehörigen. Diese sind oftmals der verlängerte Arm der beruflich Pflegenden, auf der anderen Seite wer-
1 Vgl.Statistisches Bundesamt, Sonderbericht: Lebenslagen der Pflegebedürftigen,
2004, S. 7.
2 Vgl. Statistisches Bundesamt, Sozialhilfe in Deutschland 2003 - Entwicklung, Um-
fang und Strukturen, 2003, S. 41.
3 Vgl. Hedtke-Becker, A., Die Pflegenden pflegen, 1990, S. 19.
4 Vgl. Blom, M., Duijnstee, M., Wie soll ich das nur aushalten?, 1999, S. 7.
2
den Sie jedoch zumeist nur als Kommandoempfänger und Ausführender betrachtet und selten als gleichwertiger Ansprechpartner gesehen. 5 Die Pflege eines Angehörigen kann sowohl physisch als auch psychisch sehr belastend sein. Diese stressreiche Aufgabe kann einerseits sehr befriedigen sein, aber auch zu viel Kummer und Schmerz führen. Es ist keine Seltenheit, dass es bei Pflegenden zu Gesundheitsproblemen kommt. 6
Auffallend ist, dass viele Pflegepersonen, die gepflegt haben, dieses nicht von ihren Kindern erwarten. Vielmehr wird ausdrücklich betont, dass sie ihren Kindern auf keinen Fall zumuten möchten, sie zu Hause zu pflegen. 7
Im Rahmen dieses Referates wird geklärt, unter welchen Motiven und von welcher Personengruppe hauptsächlich die Rolle des Pflegenden 8 übernommen wird. Die Belastungen, welchen die pflegenden Angehörigen ausgesetzt sind, werden verdeutlicht und mögliche Lösungswege und Hilfsangebote ausgezeigt. Es wird auch dargestellt, welche Leistungen die Pflegeversicherung bietet.
Vorab werden wichtige Begrifflichkeiten aus diesem Bereich erläutert, um eine Basis für das gewählte Thema zu schaffen.
5 Vgl. Arnold, K., Koltermann, W., Schnetz, D., Dir zu Liebe - pflege in einer Familie,
1997, S. 66 und vgl. Blom, M., Duijnstee M., Wie soll ich das nur aushalten?, 1999,
S. 11 f.
6 Vgl. Buijssen, H., Die Beratung von pflegenden Angehörigen, 1997, S. 22.
7 Vgl. Hedtke-Becker, A., Die Pflegenden pflegen, 1990, S. 26.
8 Im Folgenden wird in der gesamten Arbeit das generische Maskulinum verwendet.
3
2 Begriffserläuterungen
2.1 Pflegebedürftigkeit
Der Begriff der Pflegebedürftigkeit wird gesetzlich seit 1995 durch das elfte Buch des Sozialgesetzbuches (SGB XI 9 ) geregelt. Wer aufgrund einer Krankheit und/oder Behinderung dauerhaft Hilfe bei den regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen des täglichen Lebens benötigt, ist pflegebedürftig (§ 14 SGB XI).
Es erhalten nur diejenigen Personen Leistungen aufgrund Pflegebedürftigkeit 10 , die erheblich pflegebedürftig sind. Maßgeblich für die Beurteilung sollen die erforderlichen Hilfen sein, welche mittels eines 21 Verrichtungen umfassenden Katalogs klassifiziert werden (§ 14 SGB XI i.V.m. § 15 SGB XI).
Es werden jedoch nicht alle Tätigkeiten, die erfahrungsgemäß von einer Pflegekraft bei der täglichen Pflege geleistet werden müssen, erfasst. Notwendige psychosoziale Beaufsichtigungen und Betreuung von Dementen ohne körperliche Einschränkungen, die Beziehungspflege oder therapeutische Maßnahmen werden nicht oder nur im sehr begrenzten Umfang berücksichtigt. 11
2.2 Pflegende Angehörige
Auch der Begriff der Pflegeperson wird rechtlich im Rahmen des SGB XI definiert. Im Sinne dieses Gesetzes sind Personen, die nicht erwerbsmäßig einen Pflegebedürftigen in häuslicher Umgebung pflegen, Pflegende. Nicht erwerbsmäßig bedeutet, dass die Pflege ehrenamtlich, also im Rahmen familiärer, nachbarschaftlicher oder freundschaftlicher Hilfe ausgeübt wird. Die Pflegetätigkeit gilt auch dann noch als ehrenamtlich, wenn daneben in begrenztem Umfang - maximal 30
9 SGB XI, BGBl. I 1994 S. 1014, zuletzt geändert durch Gesetz vom 21.03.2005,
BGBI. I 2005 S. 818.
10 Ein Leistungsüberblick der Pflegeversicherung liegt als Anlage I an.
11 Vgl. Gültekin, J. E., Liebchen, A., Pflegerische Begutachtung - Datenerhebungsme-
thoden, Pflegebedarfs- und Pflegequalitätsermittlung, 2003, S. 29 und vgl. Hargens,
W., Drouve, G., Angehörigenintegration in der ambulanten Pflege, 2003, S. 147 so-
wie vgl. Dühring, A., Grundpflege und Beziehungspflege, 1996, S. 88.
4
Stunden wöchentlich - eine Berufstätigkeit besteht (§ 19 Abs. 1 SGB XI).
Das SGB XI unterscheidet jedoch auch hier wieder zwischen einer generellen Begriffsbestimmung und einem leistungsfähigen Personenkreis. Leistungen zur sozialen Sicherung aufgrund der Pflegetätigkeit erhalten Pflegepersonen, wenn sie wenigstens 14 Stunden wöchentlich pflegen (§ 19 Abs. 2 SGB XI).
Die pflegenden Angehörigen sind nicht nur die wichtigsten Bezugspersonen der Pflegebedürftigen, sondern sind gleichzeitig die bedeutendsten Ansprechpartner für Ärzte, Therapeuten und professionelle Pflegekräfte. 12
3 Situationsbeschreibung Pflegender
3.1 Gesellschaftliche Rollenverteilung
Erkrankte Personen senden oftmals Hilfeappelle aus. Diese werden am ehesten von demjenigen Angehörigen gefühlt, welcher die engste Beziehung zu dem Erkrankten hat. Partner, Mutter oder Vater, Tochter oder Sohn, Bruder oder Schwester werden die meiste Pflege leisten, falls es die Gesundheit zulässt. 13
Die Frauen stellen dennoch die wichtigsten pflegenden Angehörigen dar. Bei der Betreuung von Kindern nimmt meistens die Frau den Pflegedienst auf, denn Hausmänner sind eher selten. Bei Ehepartnern wird die Pflege in der Regel durch den gesunden Ehepartner vorgenommen. Bei hilfsbedürftigen, allein stehenden Elternteilen wird die Pflege oftmals durch die Kinder sichergestellt. Sind sowohl Söhne als auch Töchter vorhanden, wird die Pflege in den meisten Fällen durch eine Tochter erfolgen. Die Wohnortnähe und die Zahl der Verpflichtungen, wie Ehegatte, Kinder, Berufstätigkeit, haben einen wichtigen Einfluss. Der moralische Druck für die Übernahme der Pflege ist größer, wenn man in der Nähe des Pflegebedürftigen wohnt und keine eigene Familie hat. Söhne übernehmen oft erst die Verantwortung, wenn sie keine Schwes-
12 Vgl.George, W., George, U., Angehörigenintegration in der Pflege, 2003, 13.
13 Vgl. Buijssen, H., Die Beratung von pflegenden Angehörigen, 1997, S. 13.
5
tern haben oder diese absolut nicht in der Lage ist, die Pflege sicherzustellen. Bei verheirateten Söhnen wird ein Großteil der Pflege der Ehefrau überlassen. Daher wird ein Großteil der hilfsbedürftigen Angehörigen durch Frauen gepflegt, wobei der Anteil weiblicher Pflegekräfte mit steigender Pflegebedürftigkeit noch zunimmt. 14 Die Kerngruppe der familiären Pflegenden sind Frauen im Alter von 40 bis 70 Jahren. Man rechnet mit einem Bevölkerungsrückgang der Frauen von 7,5 Prozent bis zum Jahr 2040 und mit einem um einiges höheren Anstieg der Pflegebedürftigen im gleichen Zeitraum. Durch steigende Emanzipation und Mobilität in der modernen Gesellschaft wird des Weiteren davon ausgegangen, dass immer weniger Frauen zu Gunsten der Pflege auf eine Berufstätigkeit verzichten werden. Unter Berücksichtigung des Trends zum Ein-Personen-Haushalt und nicht ehelichen Partnerschaften reduziert sich das bisherige häusliche Pflegepotenzial in der Zukunft weiter. Es ist daher anzunehmen, dass der Anteil der Männer als pflegende Angehörige von derzeit ca. 20 Prozent steigen wird. 15
3.2 Pflegemotive und Motivation
In vielen Fällen müssen Entscheidung zur Pflege eines Angehörigen plötzlich und unter besonderem Druck getroffen werden. Denn bei Schlaganfall oder Unfällen tritt plötzlich eine Situation auf, welche vorher nicht erkennbar war. Bei anderen Menschen entwickeln sich Krankheiten und Gebrechlichkeiten eher langsam. Oftmals beginnt die Übernahme der Pflege schon mit häufigeren Besuchen und Hilfen im Haushalt. Viele Pflegende Angehörige geben an, dass es nie eine bewusste Entscheidung gegeben hat. Es sind oft Entscheidungen nach Abwägen des Für und Wider. So spielen oftmals unklare Gründe eine Rolle, wie
14 Vgl. Buijssen, H., Die Beratung von pflegenden Angehörigen, 1997, S. 14 ff. und
vgl. Hargens, W., Drouve, G., Angehörigenintegration in der ambulanten Pflege,
2003, S. 153 sowie vgl. Hedtke-Becker, A., Die Pflegenden pflegen, 1990, S. 16 und
vgl. Blinkert, B., Klie, T., Pflege im sozialen Wandel - Studie zur Situation häuslich-
versorgter Pflegebedürftiger, 1999, S. 122.
15 Vgl. Pick, P., Auswirkungen der demographischen Entwicklung auf die Zahl der
Pflegefälle und das Potenzial an Pflegekräften, 2004, S. 283 f.
Arbeit zitieren:
Ralf Babuke, 2005, Pflegeorganisation - Problematik und Situation von pflegenden Angehörigen, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Die Situation pflegender Angehöriger älterer Menschen - Darstellung de...
Hausarbeit, 38 Seiten
Marketing im Gesundheitswesen - Marketingansätze, Werberechte und Verb...
Hausarbeit, 26 Seiten
Motivationstheorien: Prozesstheorien
Wie können Führungspositionen ...
BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation
Hausarbeit, 36 Seiten
Schulsozialarbeit - Modelle, Prinzipien, Probleme und Lösungsansätze i...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 21 Seiten
Von der systemischen Familientherapie zur systemischen Organisationsbe...
Systemisches Coaching als umfa...
Soziologie - Soziales System, Sozialstruktur, Klasse, Schichtung
Hausarbeit, 54 Seiten
Hermeneutik und Hermeneutisches Fallverstehen in der Pflege
Pflegemanagement / Sozialmanagement
Hausarbeit, 26 Seiten
Reklamationsmanagement als Kundenbindungsinstrument im eCommerce
Am praktischen Beispiel der Me...
BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung
Diplomarbeit, 101 Seiten
Inklusion und Exklusion pflegender Angehöriger
Eine Analyse politischer, inst...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Diplomarbeit, 88 Seiten
Die System- und Kommunikationstheorie von Niklas Luhmann, einem der be...
Seminararbeit, 27 Seiten
Methoden zur Vermeidung von Demotivation in Unternehmen
BWL - Personal und Organisation
Hausarbeit, 20 Seiten
Didaktisches Prinzip - Kreativität
Pädagogik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden
Hausarbeit, 14 Seiten
Formen der Intervention und Voraussetzungen erfolgreicher Systementwic...
Seminararbeit, 18 Seiten
Sinn und Funktion von Systemen nach Niklas Luhmann
Soziologie - Soziales System, Sozialstruktur, Klasse, Schichtung
Hausarbeit, 15 Seiten
Ralf Babuke's Text Pflegeorganisation - Problematik und Situation von pflegenden Angehörigen ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Ralf Babuke hat den Text Pflegeorganisation - Problematik und Situation von pflegenden Angehörigen veröffentlicht
Ralf Babuke hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare