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3. Überblick der Gönnersprüche Walthers von der
Vogelweide......................................
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Walther von der Vogelweide gilt als einer der bekanntesten Dichter des 12. und 13. Jahrhunderts. Neben seinen zahlreichen Liedern, insbesondere die der Minnelyrik, ist auch seine Spruchlyrik hervorzuheben. Diese soll in dieser Arbeit näher untersucht werden. Der zentrale Untersuchungsgegenstand ist dabei das Sänger - Gönner - Verhältnis. Dieses Verhältnis wird auf der Grundlage einer sprachlichen Analyse der Sprüche herausgearbeitet. Es gibt zahlreiche Sprüche, die auf die Gönner Walthers referieren. Zunächst soll der Gesamtbestand kurz vorgestellt werden. Diesem Überblick folgt die sprachliche Analyse einiger ausgewählter Sprüche, an denen sich das Sänger - Gönner - Verhältnis besonders deutlich zeigt. Diese Untersuchung hat das Ziel, an Hand spezieller Beispiele allgemeinere Aussagen über die Beziehung Walthers zu seinen Auftraggebern treffen zu können. Ein Hauptaugenmerk der Analyse liegt auf der näheren Betrachtung der Kommunikationsstruktur, die in den Strophen vorliegt. Ebenso wird auf die rhetorischen Eigenarten sowie auf das Verhältnis von Text und Metrik näher eingegangen. Das übergeordnete Ziel dieser Arbeit besteht darin, auf dem Weg einer sprachlichen Analyse das generelle Verhältnis zwischen Mäzen und Sänger im Mittelalter näher zu erfassen und zu konkretisieren.
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Vorab sei zu diesem und auch den weiteren Kapiteln bemerkt, daß viele der Aussagen auf Vermutungen beruhen und damit selten als gesichert, sondern meist nur als wahrscheinlich angesehen werden können. Auch der Lebensweg beziehungsweise das Werk Walthers von der Vogelweide ist in großen Teilen rekonstruiert und beruht keinesfalls auf gesicherten Tatsachen. Dies ist auch ein Grund dafür, daß diese Arbeit eher textnah angelegt ist und sich auf die sprachliche Untersuchung der Texte konzentriert. Dennoch ist eine Betrachtung der Auftraggeber Walthers auch für die sprachliche Analyse fruchtbar und von großer Bedeutung, da sie besonders bei den Apostrophen direkt benannt werden.
Außerdem sind einige der ironischen Anspielungen und Seitenhiebe in den Sprüchen, nur vor dem historischen Hintergrund zu verstehen. Scholz´ Übersicht über den mutmaßlichen Lebenslauf Walthers verweist auf einige Gönner Walthers. Allerdings darf dabei nicht übersehen werden, daß der Großteil der Quellen dieser Vermutungen aus Walthers Werk entnommen und konstruiert sind.
„Die Übersicht ergibt sich in erster Linie aus einer Reihe im Herrendienst gedichteter Sangsprüche, da oft unsicher bleibt, ob ein Spruch im Auftrag entstanden oder als ´ Bewerbungsstrophe´ zu verstehen ist, wurden neutrale Formulierungen wie ´für´, ´bei´ oder ´am Hof
von...´ gewählt [...].“ 1
Diese Aussage unterstützt, wie unsicher und vorsichtig mit diesen historischen Daten umgegangen werden muß. Die wichtigsten Gönner Walthers sind nach Scholz: Herzog Friedrich I. von Österreich, König Philipp von Schwaben, Landgraf Hermann von Thüringen, Otto IV., Markgraf Dietrich von Meißen, König Friedrich II., Herzog Bernhard II. von Kärnten, Graf Dieter II. von Katzenellenbogen und der Erzbischof Engelbert von Köln. 2 Bumke gelangt zu ähnlichen Überzeugungen bezüglich der Auftraggeber Walthers. Besonders Walthers Verhältnis zu Hermann von Thüringen wird hervorgehoben. In L35,7 3 spricht Walther davon, sich zum „ingesinde“ des Fürsten zu zählen. Daraus kann man entnehmen, daß sich Walther als Hofdichter des Grafen betrachtete. Dennoch sieht Bumke darin nicht den Beweis dafür, daß dieser Hof den ständigen Bezugspunkt für Walthers politische Spruchdichtung darstellte. So sollte man auch nicht „Walthers Wechsel von Philipp von Schwaben
1 Scholz, Walther, S.14
2 vgl.: ebd.
3 Anm.: Die Textgrundlage für diese Arbeit ist die Edition von Schweikle, Walther von der
Vogelweide. Werke. Band 1: Spruchdichtung 1994. Die Strophenzählung wird aber von
Lachmann übernommen. Gegebenenfalls wird auch Cormeaus Ausgabe: Walther von der
Vogelweide. Leich - Lieder - Sangsprüche (1996) bei der Untersuchung berücksichtigt.
zu Otto IV. und später von Otto IV. zu Friedrich II. in eine enge kausale Beziehung zur Politik Hermanns I. zu bringen.“ 4 Außerdem ist der Wechsel der Dichter von Hof zu Hof charakteristisch für die Spruchdichtung. 5 Welche Rolle die einzelnen historischen Gönner für die Sprüche Walthers spielen, wird noch an anderer Stelle zu sehen sein. Im folgenden soll zunächst ein Überblick über das vorhandene Textmaterial, welches Walther zugeschrieben wird und sich mit der zu untersuchenden Thematik beschäftigt, gegeben werden.
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Schweikle schlägt vor, die Gönnersprüche Walthers in fünf Kategorien einzuteilen. 6 Gemäß dieser Einschätzung läßt sich folgendes Bild skizzieren:
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Die Sprüche lassen sich selbstverständlich nicht so stark voneinander abgrenzen, wie in dieser Tabelle dargestellt. Viele Sprüche sind so komplex, daß sie auch in mehrere Kategorien passen könnten. Diese Übersicht soll auch lediglich einen groben Überblick über die Sprüche Walthers geben, welche das Verhältnis von Gönner und Sänger thematisieren.
4 Bumke, Mäzene, S.163
5 vgl., ebd. S.133
6 Schweikle, Walther, S. 27f.
Allerdings verweist diese Einteilung bereits darauf, wie kritisch und auch unterschiedlich Walther seine einzelnen Gönner betrachtet hat. In den nächsten Kapiteln wird die sprachliche Analyse drei dieser Sprüche im Mittelpunkt stehen. Die Auswahl der Sprüche begründet sich dadurch, daß an Hand dieser das Verhältnis von Gönner und Sänger besonders deutlich wird. Vorher folgt noch ein Exkurs über die Entstehung von Spruchdichtung im deutschen Sprachraum, sowie den Einfluß Walthers auf diese.
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Die deutsche Spruchdichtung vor Walther von der Vogelweide wird hauptsächlich durch den Spruchdichter Spervogel repräsentiert. Dieser ist in der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts in den Handschriften A,C und J bezeugt. In der Handschrift A wird ein großer Teil des Corpus von C einem „Jungen Spervogel“ zugeschrieben. Die Sprüche Spervogels sind durch eine einfache Bauart (insb. Einstrophigkeit) und den engen Themenkreis der Didaxe gekennzeichnet. Diese Thematik der Didaxe, der Fahrenden und Weltklage taucht auch in einer Vielzahl von Walthers Sprüchen auf. Er gilt allerdings als der erste, der Minnelyrik und Spruchdichtung auf sich vereinigen konnte. Es gibt unterschiedliche Theorien darüber, wie es dazu gekommen ist. Die Minnelyrik galt lange Zeit als höfische Dichtung, die sich auf soziologischer Ebene von der Spruchdichtung abhebt, die als Lyrik der Fahrenden und Wanderer galt. Nellmann vertritt daher folgende These:
„Der Grund dafür, daß der Minnesänger Walther zum Sangspruch greift, liegt ausschließlich im Wechsel vom Leben am Hof zum Leben als Fahrender. Durch den Tod des Gönners (sic. Herzog Friedrich 1198) wird Walther zum Fahrenden; als solcher, fern von Wien, übernimmt
er die Lyrikgattung der fahrenden Literaten: die Spruchdichtung.“ 7
Unabhängig davon, ob man sich Walther als höfischen Minnelyriker, der auch Spruchdichtung betreibt, oder als Fahrenden Spruchdichter, der ebenfalls die Minnelyrik beherrscht, vorstellt, läßt sich festhalten, daß Walther den
7 Nellmann, Spruchdichter, S. 39
Arbeit zitieren:
Dominik Kemper, 2001, Walther von der Vogelweide, München, GRIN Verlag GmbH
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