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Gliederung
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Gliederung ..................................................................................................... 1
II Einleitung 2
III Geschichte des Surrealismus in Belgien 3
IV Die Idee des belgischen Surrealismus 7
V Das Verhältnis zwischen belgischen und französischen Surrealisten 9
VI René Magritte (1898 1967) 10
1. Chronologisch 10
2. Systematisch 11
a Magrittes Intention 11
b Wort und Bild 12
c Formal 14
d Themen 14
VII Paul Delvaux 16
VIII Schluß 19
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II. Einleitung
„Ließ man bei den französischen Surrealisten seiner Unvernunft freien Lauf wie einer seine Hunde in die abendliche Natur schickt, so führten die Brüsseler ihre Vernunft an der Leine wie der Bürger, der um die Mittagszeit mit Hektor ausgeht. Das änderte jedoch nichts an der Tatsache, dass beide Gruppen von dem gleichen Geist der Subversion getragen waren.“
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Dieses Zitat von den belgischen Surrealisten Irène Hamoir und Louis Scutenaire verdeutlicht, dass der Surrealismus in Belgien eine eigenständige Bewegung ist, die sich ganz anders äußert als die in Frankreich entstandene Form. Zwar gibt es Phasen der engen Zusammenarbeit, aber ihr Verständnis des Surrealismus ist verschieden, auch wenn sie das selbe Ziel verfolgen. Dieser Unterschiede sind die Belgier sich bewusst und sie betonen sie auch.
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In dieser Hausarbeit werde ich zunächst die Geschichte des belgischen Surrealismus darstellten. Dabei werde ich das wenige, was mir über die Kunst in Belgien vor dem Beginn des Surrealismus bekannt ist, berücksichtigen. Hierbei wird es sich jedoch nur um einen kurzen Absatz handeln, da es eine unmittelbar vorausgehende, die Entstehung des Surrealismus wesentlich beeinflussende Bewegung in Belgien nicht gegeben hat. In diese chronologische Darstellung werde ich kurz das surrealistische Werk der belgischen Künstler einordnen. Dann werde ich die Idee des belgischen Surrealismus einkreisen, die Unterschiede zwischen dem belgischen und dem französischen Surrealismus, aber vor allem auch ihre gemeinsame Grundlage verdeutlichen. In einem letzten Teil werde ich dann exemplarisch auf das Werk von René Magritte und Paul Delvaux eingehen.
1
Hamoir / Scutenaire 1982, S. 9.
2 Vgl. Mariën 1982, S. 15.
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III. Geschichte des Surrealismus in Belgien
Der Dadaismus spielte in Belgien nur eine untergeordnete Rolle.
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Clément Pansaers ist der einzige belgische Vertreter des Dada, zu einer wirklichen Dadabewegung in Belgien kam es jedoch nicht. Pansaers ist ein einsamer Sucher, der sich erst Ende 1919 / Anfang 1920 der Dadabewegung in Frankreich anschließt, indem er einen Brief an Tristan Tzara schreibt und Kontakt zu Francis Picabia, Louis Aragon, Soupault und André Breton aufnimmt. Pansaers trägt von außen aber Fragen und Zweifel an die Bewegung heran und wird in der Zeitschrift
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unmissverständlich als „alte moralische Sau“ bezeichnet.
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Er hält sich für dadaistischer als die Dadisten und zieht sich aus der Bewegung zurück.
Man kann also diese Ansätze einer belgischen Avantgarde nicht als maßgebend für einen belgischen Surrealismus ansehen, zumal Pansaers zwar von Geburt Belgier ist, sein Schaffen aber mit dem der französischen Surrealisten in Verbindung steht.
Im Oktober 1924 kündigt E.L.T. Mesens das bevorstehende Erscheinen einer Zeitschrift an. Die Gruppe um ihn zerbricht jedoch, bevor die Zeitschrift erscheinen kann und spaltet sich in zwei Lager. In dieser Zeit entsteht der Surrealismus in Belgien.
Auf der einen Seite stehen in dieser Anfangsphase René Magritte und E.L.T. Mesens, die 1925 die dadaistische Zeitschrift Œsophage gründen, von der aber nur eine Ausgabe, in der Beiträge von Magritte, Mesens, Paul Joostens, Max Ernst, Kurt Schwitters und Tristan Tzara veröffentlicht werden, erscheint. 1926 rufen sie die Zeitschrift Marie ins Leben, von der zwei Ausgaben publiziert werden.
Die zweite Gruppierung besteht aus Paul Nougé, der ursprünglich Biologe ist und 1919 die erste kommunistische Partei in Belgien gründete, Camille Goemans und Marcel Lecomte, sowie den beiden Musikern Paul Hooreman und André Souris. Sie geben ab November 1924 eine Zeitschrift heraus, die in Form von Flugblättern erscheint und den Titel Correspondance trägt. In diesen Flugblättern werden renommierte Autoren, neben Gide und Proust ganz besonders André Breton, verspottet.
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Im August 1925 reisen André Breton und Paul Eluard nach Brüssel, um Kontakt zu den Belgiern aufzunehmen und um Goemans und Nougé zur Unterzeichnung eines Flugblattes gegen den Marokko-Krieg zu bewegen, was diese im Namen von Correspondance auch tun.
Ende 1926 verbinden sich die Gruppe Correspondance und die Initiatoren von Marie schließlich und geben gemeinsam im Januar 1927 die Zeitschrift Adieu à Marie heraus, die den Abgesang der Zeitschrift Marie bedeutet. Dies wird in der Rückschau als die Gründung der belgischen Surrealistengruppe gewertet.
Wenige Monate später, im April 27, findet die erste Magritte-Ausstellung in der Galerie Le Centaure statt. Anschließend zieht Magritte für drei Jahre nach Paris, um in engeren Kontakt mit Max Ernst und Giorgio de Chirico zu treten. Kurze Zeit später stößt Louis Scutenaire zu der Gruppe der belgischen Surrealisten. Alle zu einer Gruppe vereint geben nun gemeinsam von Februar bis April 1928 die Zeitschrift Distances heraus.
Ende der 20er Jahre sind die belgischen Surrealisten offenbar sehr aktiv. Es finden verschiedene Konzerte, Ausstellungen und Lesungen statt, sie gründen Zeitschriften. Die Zusammenarbeit zwischen den Musikern, Dichtern und bildenden Künstlern ist eng. So vertonen die Musiker Gedichte ihrer literarischen Kollegen, die Maler illustrieren Texte, Gedichte und Flugblätter. Immer wieder finden sich Zeugnisse einer Zusammenarbeit, die ich hier nicht einzeln vorstellen kann. Ein Beispiel für diese Kooperationen ist der 1933 in Brüssel erscheinend Band zur Verteidigung von Violette Noizières, die ihren Vater umgebracht hatte, nachdem dieser sie missbraucht hatte. In der Publikation erscheinen vor allem Arbeiten der Pariser Surrealisten, 5 unter diesen wird aber auch eine Zusammenarbeit von Mesens und Magritte veröffentlicht.
Im Winter 1929 / 30 entsteht eine Reihe von Fotografien von Paul Nougé, die erst 1968 unter dem Titel Subversion des Images (Umsturz der Bilder) veröffentlicht werden. Die Fotos werden von Texten begleitet. Ein Bild aus dieser Reihe ist Femme effrayée par une ficelle (Frau erschreckt von einem Bindfaden). Zu diesem Bild stellt Nougé dem Betrachter unter anderem folgende Fragen: „Welches Gefühl, welche Reaktion kann in uns ein Fächer
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Zitiert nach Dachy 1982, S. 45.
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hervorrufen, eine Streichholzschachtel, ein Kamm (...)? (...) Welche Wirkung kann das Schauspiel dieser sonderbaren Reaktion auf uns ausüben (...)? (...) a) wir sympathisieren mit der Person (...) b) wir sympathisieren so weit, dass wir den Schrecken zulassen, ohne ihn indessen wirklich zu empfinden; (...) c) Keinerlei Sympathie. Wir lassen das Schreckensgefühl nicht zu. Lächerlich. Komisch. Gleichgültigkeit (...) Welche anomale Beziehungen kann ein menschliches Wesen zu einem gewöhnlichen Gegenstand unterhalten? Es lässt sich dies imaginieren: eine Frau, die eine Uhr, einen Garderobenständer, einen leeren Käfig streichelt, eine Frau näht eine Kerze an eine Scheibe Brot (...)“ 6 Ein weiteres Bild aus dieser Serie ist Les buveurs (Die Trinker), auf dem zwei Männer mit der Gestik von anstoßenden Trinkern zusehen sind. Auch hier erläutert Nougé sein Verfahren: „Man wählt eine mittels eines Gegenstandes oder an einem Gegenstand ausgeführte Aktion und verändert diesen Gegenstand unter strenger Bewahrung der Gebärde oder der Haltung in der gewählten Aktion.“ 7 So lichtet er einen Schreibenden ohne Schreibfeder ab oder eine Frau, die ihren Mantel an einem nicht vorhandenen Kleiderhaken aufhängt. Auch Magritte zeigt zu dieser Zeit übrigens ein Interesse an der Fotografie.
Einige Jahre später, im März 1934, beginnt sich in Hainaut die Gruppe Rupture zu formieren, die den Ausgangspunkt für die später von Achille Chavée und Fernand Dumont in Hainaut gegründete autonome Surrealistengruppe bildet. Diese Gruppe steht den französischen Surrealisten und Breton, zu dem sie Beziehungen anknüpft, näher als den Brüsselern. 8 Im selben Jahr kommt Paul Colinet zu den Brüsselern dazu, während nach Paul Hooreman und Marcel Lecomte 1936 auch André Souris ausgeschlossen wird. Auch die Belgier sind also kein loser Zusammenschluss von Künstlern mit zufällig ähnlicher Zielsetzung. Sie verstehen sich im Gegenteil als Gruppe mit umrissenen Leitlinien und haben eine klare Vorstellung davon, was ihr Surrealismus ist.
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u. a. Breton, Dali, Char, Tanguy, Eluard, Ernst, Arp, Giacometti.
6 Zitiert nach: Surrealismus in Belgien 1982, S. 128.
7 Zitiert nach: Surrealismus in Belgien 1982, S. 129-130.
8 Groupe Surréaliste en Hainaut: Fernand Dumont, Marcel Lefrancq, Armand Simon, Achille Chavée, Louis van de Spiegele.
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Arbeit zitieren:
Marie von Massow, 2006, Der Surrealismus in Belgien, München, GRIN Verlag GmbH
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