Johann Wolfgang Goethe-Universität
Seminars: „Übersetzen in der frühen Neuzeit: Die Americana“
Sommersemester 2004
Bartolomé de Las Casas und seine Brevísima Relación -
Deutsche Übersetzungen des 16. und 17. Jahrhunderts
im Kontext der Leyenda Negra
von: Katharina Heiß
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung Seite 3
II. Bartolomé de Las Casas Seite 6
III. Der geschichtliche Kontext Seite 7
1. Spanien im 16. und 17. Jahrhundert Seite 6
2. Die Legitimationsfrage Spaniens Seite 8
3. Der Schmalkaldische Krieg Seite 9
IV. Die Brevísima Relación Seite 10
1. Allgemeines Seite 10
2. Die Semantik Seite 11
3. Die Pragmatik Seite 11
4. Politische Folgen Seite 11
V. Die Leyenda Negra Seite 12
1. Allgemeines zur Leyenda Negra Seite 12
2. Deutschland und die Leyenda Negra Seite 14
3. Die Niederlande und die Leyenda Negra Seite 16
4. Die wichtigsten Topoi Seite 18
5. Las Casas, die BR und die Leyenda Negra Seite 19
6. Die deutsche Streitschriftenliteratur und Flugtexte und die Leyenda Negra Seite 20
VI. Buchdruck Seite 23
1. Der Buchdruck und die Neue Welt Seite 23
2 Bücherzensur Seite 23
3. Buchdruck und öffentliche Meinung Seite 24
VII. Übersetzungsgeschichte Seite 26
1. Allgemeines Seite 26
2. Spanische Übersetzungen in Deutschland Seite 26
3. Die Brevísima Relación Seite 27
VIII. Die deutschen Übersetzungen der BR Seite 29
1. Die erste deutsche Übersetzung 1597 Seite 29
2. Die Übersetzung von 1613 Seite 30
3. Die Übersetzung von 1665 Seite 31
4. Vergleich der Prologe Seite 32
IX Zusammenfassung Seite 35
X Anhang Seite 38
1. Originaler Aufbau der BR Seite 38
2. Der Miggrodsche Prolog Seite 39
3. Der Prolog von 1665 Seite 40
XI Bibliographie Seite 41
1. Primärliteratur Seite 41
2. Nachschlagewerke Seite 42
3. Sekundärliteratur Seite 42
A Bücher Seite 42
B Zeitschriftenartikel Seite 46
C Internet Seite 46
I Einleitung
El dominico Bartolomé de Las Casas con su Brevísima relación de la destrucción de las Indias (1552) puso en marcha lo que, a la postre, sería la vertiente americana de la leyenda negra. Esta obra, impresionante descripción de los comportamientos violentos y crueles de los conquistadores, sirvió perfectamente a los intereses extranjeros. Sus reiteradas ediciones, la flagrante manipulación de muchas de ellas o las tendenciosas ilustraciones que acompañaron al texto, constituyen un fenómeno sin igual en la publicística europea. Nunca una obra había sido objeto de una atención tal, ni había contribuido en ese alto grado a la propagación de los sentimientos antihispánicos. Desde entonces, el carácter español quedó marcado por el estigma de la codicia y la crueldad.1
Vor noch nicht allzu langer Zeit hätte eine Übersetzungswissenschaftlerin in diesem Zitat nur die Bestätigung gefunden, dass ein Übersetzungsvergleich von immanenter Bedeutung ist.
Auch für mich stellt sich die Frage nach dem Treuegrad der Übersetzungen der Brevísima relación (die ich im Folgenden mit BR abkürzen werde). Original und Übersetzung scheinen laut Martinez voneinander abzuweichen. Doch wäre es einfach zu beschränkend und nicht erschöpfend, sich nur im engen Feld des Übersetzungsvergleichs aufzuhalten. Vielmehr lenkt das Zitat von Martinez den Blick auf die historische Situierung – wann wurden die Übersetzungen wo angefertigt und vor allem: warum. Diese drei Fragen stellen mein Erkenntnisinteresse für die vorliegende Arbeit dar. Zu diesem Zweck habe ich mich den europäischen Übersetzungen des 16. und 17. Jahrhunderts zugewendet. Von 6 deutschen Übersetzungen aus diesem Zeitraum konzentriere ich mich auf drei. Zum einen die erste deutsche Übersetzung überhaupt von 1597 mit dem Titel „Newe Welt“, die Version von 1613 „Warhafftiger und gründlicher Bericht“ und von 1665 die Übersetzung „Umbständige warhafftige Beschreibung“. Ausgehend von meinem Erkenntnisinteresse und in Bezug auch zu Martinez Zitat kristallisierte sich schnell mein Untersuchungsschwerpunkt heraus: die Wirkung der BR auf und der Zusammenhang mit der Leyenda Negra. Folgende Fragestellungen scheinen mir im Hinblick auf die Übersetzungswissenschaft der Americanatexte, hier im Speziellen die BR, als fundamental und doch bisher noch nicht beachtet:
- Welchen Zusammenhang gibt es zwischen den deutschen Übersetzungen der BR und der Leyenda Negra?
-Warum wurden die deutschen Übersetzungen angefertigt, welche Wirkungen hatten sie in ihrer Zeit und wo zeigten sich diese?
- Welches Bild der Spanier hatten die Deutschen, wurde dies in den Übersetzungen widergespiegelt?
Selbst renommierte Las Casas – Forscher wie Hanke oder Wissenschaftler der Leyenda – Negra – Forschung wie Andersson und Juderías haben zwar immer wieder die Bedeutung der BR für die europäische Leyenda Negra betont und sogar die Wirkung der Übersetzungen erwähnt, sind aber nie intensiver in die Untersuchung der einzelnen Übersetzungen eingestiegen. Und auch innerhalb der Übersetzungswissenschaft – hier sind vor allem Hart und Durán Luzio zu nennen – sind die deutschen Translationen der BR eher stiefmütterlich behandelt worden. Für die deutsche Leyenda – Negra – Forschung ist Hoffmeister hervorzuheben, der sich zwar intensiv mit der Textproduktion in diesem Zusammenhang beschäftigt hat, es jedoch leider versäumte, gezielter auf die in Deutschland angefertigten Übersetzungen im 16. und 17. Jahrhundert einzugehen. Für mich leitet sich aus der Tatsache, dass immer wieder der Name Las Casas im Zusammenhang mit der Leyenda Negra genannt wird und auch, dass interdisziplinär die Bedeutung der Übersetzungen der BR für die europäische und speziell die deutsche Leyenda Negra – Bildung anerkannt wird, ab, dass die deutschen Übersetzungen der BR nicht nur Teil der deutschen Leyenda Negra sind.
Vielmehr beeinflusste das darin vermittelte Spanierbild grenzüberschreitend die Menschen; so wie die Übersetzungen selbst unter ausländischen Einflüssen, besonders niederländischen, entstanden. Aber auch die deutschen Auseinandersetzungen mit den Spaniern wie beispielsweise der Schmalkaldische Krieg gaben Übersetzern Anlass dazu, sich der BR zuzuwenden und für ein breites deutsches Publikum zugänglich zu machen. Um meine obengenannten Hypothesen zu verifizieren (oder eventuell auch zu falsifizieren), werde ich im Folgenden eine historische Situierung der drei obengenannten Übersetzungen vornehmen. Besonders interessant erscheinen mir die Prologe, die ich schwerpunktmäßig in Augenschein nehmen werde. Wer die Grundzüge der Geschichte der betroffenen Länder und die parallelen Entwicklungen der Leyenda Negra in Europa nicht kennt, kann meiner Meinung nach nicht die komplexen Zusammenhänge meines Themengebietes erfassen. Daher erachte ich es als unumgänglich, neben dem Autoren auch auf die spanische Geschichte, die Buchdruck- und Übersetzungsgeschichte sowie die allgemeine europäische Leyenda Negra einzugehen, bevor ich dann explizit die einzelnen Übersetzungen analysieren und ihren Zusammenhang mit der deutschen Leyenda Negra aufzeigen kann.
II Bartolomé de Las Casas
Im Jahre 1484 kam Bartolomé de Las Casas in Sevilla zur Welt. Sein Vater, Kaufmann von Beruf, war wahrscheinlich bei der zweiten Entdeckungsreise Kolumbus dabei. Als Geschenk für seinen Sohn brachte er einen indigenen Sklaven mit.2 So verwundert es nicht, dass nach Studien der Theologie und Rechtswissenschaften auch Bartolomé de Las Casas 1502 als Eroberer der Neuen Welt anheuerte. Die nächsten 12 Jahre lebte er wie die meisten anderen Spanier als Encomendero, Priester und Gruben- und Plantagenbesitzer, die er zum Dank für seinen Einsatz bei der Eroberung Kubas zugesprochen bekam. Er selbst übte viele Jahre später Kritik an sich und seinem Umgang mit den Eingeborenen zu jener Zeit.
Bis zu seinem 30. Lebensjahr trat er also nicht auffällig in Erscheinung. Allerdings sprach er mehrere Indianerdialekte. 1514 schloss er sich bei seiner Predigt der Kritik der Dominikaner am Encomienda-System an und änderte sein Leben schlagartig. Auf seinen Grundbesitz verzichtete er und gab den für ihn arbeitenden Indigenen die Freiheit zurück. Ein Jahr später fuhr er nach Spanien zurück, um beim König persönlich Beschwerde einzulegen. 1516 führte man für ihn den Titel „universaler Prokurator aller Indios in Westindien“ ein; er wurde so zur Vermittlerstelle zwischen dem Hof und den Indigenen und kehrte wieder nach Amerika zurück. Wieder in Spanien gelang es ihm allerdings erst im Jahre 1542, nachdem er in einem Gerichtsprozess des Hochverrats für unschuldig erklärt wurde, Schutzgesetze für die Eingeborenen zu bewirken, deren Umsetzung jedoch zumeist unterblieb. Keine drei Jahre später wurden sie dann aufgrund des Lobbydrucks der Kolonialisten wieder zurückgezogen. Bis zu seinem Tod im Jahre 1566 blieb er in Spanien und setzte sich durch öffentliche Dispute und seine Schriften für die Belange der Indigenen ein. 3
III Der geschichtliche Kontext
1. Spanien im 16. und 17. Jahrhundert4
[...]
1 Martinez, Miguel Molina (1991): La leyenda negra. Editorial, Madrid. S. 16-17.
2 Vgl.: Hanke, Lewis (1951): Bartolomé de Las Casas – An Interpretation of his life and writings. Nijhoff, Den Haag. S. 19.
3 vgl.: Weyhofen, Hans-Theo (1996): Der Verteidiger der Indianer – Bartolomé de las Casas. http://www.wirtschaft.bos-muenchen.by.schule.de/~hsweyhof/kapitel5.htm
4 vgl.: Meyers Lexikonredaktion (1999): Meyers Taschenlexikon; Band 9. Weltbild, Augsburg. S. 3227. und Kreienbrink, Axel: Arbeitsmigration und Exil. http://www.matices.de/16/16skreie.htm.
Arbeit zitieren:
Katharina Heiß, 2004, Bartolomé de Las Casas und seine Brevísima Relación - Deutsche Übersetzungen des 16. und 17. Jahrhunderts im Kontext der Leyenda Negra, München, GRIN Verlag GmbH
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