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Titel: Der Drache (Fachbuch)
Der Drache

Untertitel: Wie die Sagen über Lindwürmer entstanden

Fachbuch, 2001, 56 Seiten
Autor: Ernst Probst
Fach: Germanistik - Sonstiges

Details

Kategorie: Fachbuch
Jahr: 2001
Seiten: 56
Sprache: Deutsch

Archivnummer: V539
ISBN (E-Book): 978-3-638-10370-1
ISBN (Buch): 978-3-638-93371-1
Dateigröße: 719 KB
Anmerkungen :
Der Drache schildert, wie die Sagen über Lindwürmer entstanden. Zahlreiche Abbildungen.


Zusammenfassung / Abstract

Seit Jahrtausenden kursieren Beschreibungen des Landstriche verheerenden, Jungfrauen raubenden, meistens in einer dunklen Höhle hausenden Untieres, das schließlich von einem kühnen Drachentöter besiegt wird. Diese gleichförmig lautenden Schilderungen erscheinen Literaturwissenschaftlern, Völkerkundlern und anderen Forschern als merkwürdig. Es ist oft gefragt worden, wie es zu dieser immer wiederkehrenden Vorstellung vom Drachen gekommen ist. War es die Begegnung mit dem Krokodil oder dem Großwaran, oder waren es Funde von Knochenresten längst ausgestorbener Urzeittiere, welche die Phantasie der Menschen zu allen Zeiten beflügelt haben? Oder lebt gar in den Bildern vom Drachen die Urerinnerung an prähistorische Großsaurier?


Textauszug (computergeneriert)

MANUAL

ERNST PROBST

Drachen

Drachen sind meistens Jägerlatein
Wie die Sagen über Lindwürmer entstanden sind

Riesengroß, den Furcht erregenden Rachen weit aufgerissen, geifernd, Feuer speiend, die Luft verpestend und wild mit dem kräftigen Schwanz um sich schlagend - so wird der Drache in vielen Märchen und Sagen beschrieben. In den germanischen Mythen kämpfte Thor, der Gott des Donners, gegen die Midgardschlange. Der Drache Nidhögg nagte an den Wurzeln der Weltesche Yggdrasil, bis sie in der Götterdämmerung zusammenstürzte. Und Siegfried von Xanten tötete den Riesen Fafnir, der in Drachengestalt einen großen Goldschatz hütete.

In Indien priesen Sänger den Sieg des Gewittergottes Indra über die Vritra-Schlange: ,,Kläglich wie ein geknicktes Rohr liegt der Drache." Bei den Griechen bezwang der Gott Apollon den Python-Drachen, und der Halbgott Herakles tötete die neunköpfige Lernäische Hydra. Die Sumerer rühmten den Blitze schleudernden Göttersohn Marduk, der die Urgöttin der Finsternis, das Meeresungeheuer Tiamat, in zwei Teile spaltete, aus denen er dann Himmel und Erde bildete. Und der semitische Fruchtbarkeitsgott Baal erschlug den Chaosdrachen, den ,,Fürsten Meer", mit einer Zauberkeule, wie auf 3000 Jahre alten Tontafeln von Ugarit zu lesen ist. Ähnliche Beispiele ließen sich in Hülle und Fülle auf- führen. Die sich durch ein paar Jahrtausende hinziehende Gleichförmigkeit von Beschreibungen des ganze Landstriche verheerenden, Jungfrauen raubenden, meistens in einer dunklen Höhle hausenden Untieres, das schließlich von einem kühnen Drachentöter besiegt wird, erscheint Literaturwissenschaftlern, Völkerkundlern und anderen Forschern als merkwürdig. Es ist oft gefragt worden, wie es zu dieser immer wiederkehrenden Vorstellung vom Drachen gekommen ist. War es die Begegnung mit dem Krokodil oder dem Großwaran, oder waren es Funde von Knochenresten längst ausgestorbener Urzeittiere, welche die Phantasie der Menschen zu allen Zeiten beflügelt haben? Oder lebt gar in den Bildern vom Drachen die Urerinnerung an prähistorische Großsaurier?

Wenn es nach Carl Sagan (1934-1996) gegangen wäre, dem Professor für Astronomie und Weltraumwissenschaften sowie Direktor des Forschungslaboratoriums für Planetarische Studien an der Cornell-Universität in Ithaca im amerikanischen Bundesstaat New York, dann hätten zumindest im Garten Eden Drachen gelebt. Der Wissenschaftler sagte: ,,Das jüngste Fossil eines Dinosauriers ist etwa 65 Millionen Jahre alt, die Familie des Menschen (nicht die heutige Gattung Homo) einige zehn Millionen Jahre. Kann es menschenähnliche Geschöpfe gegeben haben, die tatsächlich dem Tyrannosaurus rex (einem der größten Raubdinosaurier) begegnet sind? Kann es Dinosaurier gegeben haben, die der Vernichtung in der späten Kreidezeit entgingen?" Sagan fragte auch, ob die Angst vor Ungeheuern, von Kindern bald nach dem Erlernen der Sprache entwickelt, nicht Überbleibsel einer Reaktion auf ,,Drachen" der Urzeit sind.


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