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Institut für höheres Pflegemanagement Kaisersesch
Transkulturelle Kompetenz in der Altenpflege - Informationen, Fakten und praktische Lösungsvorschläge vor dem Hintergrund der Migration
von: Gerhard Schauf
Coautor: Michelle Schauf
Inhaltsverzeichnis
Einleitung ... 4
1. Beschreibung der Begrifflichkeiten „Trans – und Interkulturalität“ anhand Darstellungen unserer „eigenen“ Auswanderungsgeschichte zur Mitte des 19. Jhdt.... 5
1.1 Geschichte der Migration „in“ Deutschland und wie es zu vielen Vorurteilen kam ... 7
1.2 Die fünf Weltreligionen - ihre Verbreitung und Bedeutung sowie einige ihrer wichtigsten Rituale ... 10
1.2.1 Buddhismus ... 11
1.2.2 Christentum ... 12
1.2.3 Hinduismus ... 15
1.2.4 Islam ... 16
1.2.5 Judentum ... 21
2. Statistische Aufzeichnungen zur Migration ... 24
2.1 50 Jahre Migration in Deutschland ... 25
2.1.1 Bevölkerung m. Migrationshintergrund 50 Jahre und älter ... 26
2.1.2 meine Prognosen bezüglich der zu erwartenden Altenpflegesituation in Deutschland vor dem Hintergrund der Migration ... 31
2.1.3 Lösungsstrategien ... 32
3. Wegbereiter / Innen der „Transkulturellen Pflege“ ... 33
3.1 Madeleine Leininger , Theorie der „Transkulturellen Pflege“ ... 33
3.2 Monika Habermann , Das „Interkulturelle Kompetenzmodell“ ... 34
3.3 Dagmar Domenig, „Professionelle Transkulturelle Pflege“ ... 35
4. Bestehende Einrichtung der Altenpflege in ihrer bereits erfolgreichen Umsetzung ... 36
4.1 Multikulturelles Seniorenzentrum "Haus Am Sandberg" Duisburg ... 37
4.1.1 Auszüge aus dem Clearing – Bericht des Heimleiters Ralf K., der ihn 2005 verfasste ... 37
4.1.2 Auszüge aus einem Fernsehbericht des WDR und einem Interview mit Heimleiter Ralf K. ... 39
4.1.3 Mein Interview mit Frau E., Pflegerin im selben Haus ... 41
5. Transkulturelle Pflegeprozesse mit muslimischen Bewohnern ... 44
MERHABA ! – Sei willkommen !
5.1 Checkliste für den kultursensiblen Leiter einer Pflegeeinrichtung ... 44
5.2 Die „kultursensible“ Pflegeplanung ... 45
6. Kultursensible Mitarbeiter ... 46
6.1 interne Qualitätszirkel zum Thema :Multikulturalismus ... 46
7. Wo ich Informationen und ggf. Unterstützung erhalten kann, wenn Bewohner aus anderen Kulturkreisen auf meiner Station leben? ... 48
7.1 Adressen von Behörden, Verbänden und Vereinen ... 48
8. Schlusswort ... 55
9. Literaturhinweise ... 56
Einleitung
Kriege, wirtschaftliche Unruhen, Arbeitslosigkeit und Naturkatastrophen beunruhigen die Menschheit in Europa. Die damit verbundenen existenziellen Ängste gelten als Auslöser für eine Völkerwanderung, wie wir sie alltäglich erleben Immer wieder gibt es Ereignisse, welche, bis dahin sesshafte Menschen, aus ihrem angestammten Kulturkreis und dem Mittelpunkt ihres Lebens vertreiben. Glücklich Der, dem auf der Suche nach politischer Sicherheit oder einer wirtschaftlichen Existenz der Schritt in die Fremde gelingt. Noch glücklicher aber Derjenige, der Fuß fassen kann, der eine gute Anstellung und eine wohnliche Bleibe findet und der seinen Kindern eine zukunftsweisende Ausbildung sowie eine Erziehung ermöglicht, die mit den eigenen, überlieferten Traditionen und Werten einhergehen kann.
Heute sind viele der „Wanderer zwischen den Kulturen“, die es bereits vor 40 J. zu uns nach Deutschland verschlagen hatte , im Rentenalter. Von ihrer ursprünglichen Vision, dann wieder in die Heimat zurückzukehren blieb nicht viel. Da sind Kinder und Kindeskinder die sich im „ehemaligen“ Gastland Zuhause fühlen weil sie dort zur Welt gekommen sind. Sie beherrschen seine Sprache, erleben seine Kultur, sind gar selbst Bestandteil seiner Kultur geworden. Auch die alten Freunde von damals sind nicht mehr; wen würde man also noch antreffen? Und mit den im Alter verstärkt auftretenden Beschwerden und Krankheiten kann man sich im Gesundheitssystem der neuen Heimat noch einigermaßen gut arrangieren, während man mit dem Gesundheitssystem der alten Heimat nicht sonderlich vertraut ist. Wen wundert `s also, wenn hier alt gewordene Menschen ihren Lebensabend in diesem Land, welches ihnen längst zur Heimat wurde, verbringen möchten.
Bei meinen Recherchen zum Fachthema bin ich mit vielen Menschen und ihren unterschiedliche Ansichten in Kontakt gekommen. Verwandte, Freunde und Bekannte, die privat oder beruflich mit Menschen aus anderen Kulturkreisen zu tun haben, Mitarbeiter von Behörden, Ministerien, aber auch Kolleg/Innen aus der bereits praktizierenden „Transkulturellen Pflege“ (Dagmar Domenig, Schweiz) und der „Kultursensiblen Altenpflege“ , wie es sie bereits seit 10 Jahren bei uns in Deutschland gibt (Multikulturelles Seniorenzentrum – Haus Am Sandberg – Duisburg, Frau E. und HL – R. K. ), haben mich dabei mit Hinweisen und Informationen so gut versorgt, dass es mich vom Ballast vieler der bereits in meinem Kopf existierenden Vorurteile befreite, während andere Denkmuster gleichzeitig eine Bestätigung fanden. Fragen nach dem „Religiös-Anderssein“ haben mich besonders beschäftigt. Entsprechend ihrer Gewichtung werden sie deshalb von mir auch sehr ausführlich behandelt.
Meistens verursacht das, was uns fremd vorkommt, unbehagliche Gefühle. Wenn wir aber ausreichend informiert sind, sehen wir manche Dinge aus ganz anderen Blickwinkeln – und schon sind wir wieder eine ganze Spur toleranter. Mir persönlich hat das Beschreiben des Islam, des Judentums und der anderen Religionen zu manch neuer Erkenntnis verholfen. Läge heute ein hilfloser, alter Mensch jüdischen oder islamischen Glaubens auf meiner Pflegestation, so würde ich viel beherzter in seinem Sinne handeln können. Seine Riten und Gebräuche sind mir jetzt kein „Buch mit sieben Siegeln“ mehr.
Zahlen und Fakten, wie ich sie im Titel bereits ankündigte, spielten für mich eine große Rolle, als ich mir über die Ist-Situation und die möglicherweise zu erwartende Situation der Migration in Deutschland Klarheit verschaffen wollte.
Jeder Planung muss eine solide Bestandsaufnahme vorausgehen – und meine Pläne gehen dahin, zur Transkulturellen Kompetenz in der Altenpflege heranzu-wachsen.
1. Beschreibung der Begrifflichkeiten „Trans – und Interkulturalität“ anhand Darstellungen unserer „eigenen“ Auswanderungsgeschichte zur Mitte des 19. Jhdt .
Noch zur Mitte des 19.Jahrhunderts, also um 1850 wanderten viele Deutsche aus wirtschaftlichen und politischen Gründen aus. Nord – und Südamerika,
Kanada und Australien waren dabei die beliebtesten Ziele, denn dort konnte man als freier (nicht Leibeigener) Mensch sich und seine Familie am besten über die Runden bringen. Aber es gab auch bereits frühere Auswanderungsbewegungen Deutscher auf den Balkan und nach Russland. (Siebenbürgen, Moldavien, Wolga-Region, Sibirien) Mit kostenlosem Grundbesitz , Freiheit von der Leibeigenschaft ,unsäglichen Goldvorkommen u.s.w. lockte man auch hier die Menschen. Und sie gingen scharenweise, mit Sack und Pack. Die Daheimgebliebenen, welche in der glücklichen Lage waren, jemals wieder etwas von ihren Angehörigen in Erfahrung zu bringen, erfüllte es mit Stolz und einem, für die damaligen Verhältnisse seltenem Selbstbewusstsein, wenn ihnen zugetragen wurde, wie gut es die Angehörigen in der neuen Heimat hatten. Viele folgten ihren Verwandten in die neue Freiheit – und viele zog es nie wieder zurück in ihr Ursprungsland. Mit welch, oft brutalen Mitteln das viel gelobte Land aber von den ersten Siedlern in Besitz genommen worden war, interessierte die Wenigsten. In Nordamerika beispielsweise wurden im Rahmen erster Besiedelungsvorgänge etliche Indianerstämme vollkommen ausgerottet – aber auch von den Wolga – Deutschen erfuhr man nicht viel Besseres. Die dort ursprünglich beheimateten Kosakenvölker mussten der Flut der Deutschen nach Norden entweichen und waren ab dato heimatlos. Diese Auswanderungsbewegungen brachten Deutsche, (die bis 1871 noch zum preußischem Königreich gehörten) zum ersten Mal in dieser Größenordnung mit fremden Kulturen in Verbindung. Da es jedoch zu keinen nennenswerten Vermischungen zwischen den Völkern kam (es war Vertreibung und Ausrottung), und da Deutsche ihre eigene Kultur mitsamt ihrem Glauben in die Fremde exportierten (sie wurden ihnen zur Heimat in der Fremde), kann man diese historischen Begebenheiten allenfalls mit ersten „Interkulturellen Kontakten“ bezeichnen. Ganz anders stellt sich die „“Transkulturelle Situation“ dar. Wir jetten um die ganze Welt, essen Pizza, Döner und Sushi, erlernen fremde Sprachen, heiraten Menschen aus anderen Nationen und nehmen teilweise auch deren Glauben an, den wir dann inbrünstig praktizieren. Gesundheitliche Heilung erhoffen wir uns vom indischen Guru, indianischen Schamanen oder von der traditionellen chinesischen Medizin. Unsere Kinder kommen weiß, gelb oder schwarz auf die Welt und wir erreichen es immer öfter, dass sie deswegen in der U-Bahn nicht dumm begafft werden. Wir haben somit Grenzen zu anderen Kulturen durchlässig gemacht und sind auf dem besten Wege, diese Grenzen für immer zu überwinden. Spötter behaupten, dass wir bald nur noch eine einzige, nämlich eine „Global-Kultur“ haben werden.
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