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Einleitung 2
1. Das Kommunitaristische Programm
1.1 Was ist Kommunitarismus ? 3
1.2 Die Stimme der Moral 3
2. Anwendbarkeit des Kommunitaristischen Konzepts
2.1 Unterschiedliche Voraussetzungen in Europa 5
2.2 Diskussion am Beispiel der kommunitären Familie 6
2.3 Zwang und Gewalt 8
3. Der Kommunitarismus - eine neue Perspektive?
3.1 Historisch-Philosophische Parallelen 10
3.2 Der Kommunitarismus als praktikable Alternative 12
3.3 Fazit 13
Literaturverzeichnis 14
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In den westlichen Industrienationen wird zunehmend die Tendenz hin zu mehr Individualismus verbunden mit einem vermeintlichen Verlust von Werten beklagt. Basierend auf dieser Kritik formierte sich Ende der 80er Jahre in den Vereinigten Staaten die kommunitaristische Bewegung, die eine gesellschaftsweite Diskussion über das Verhältnis von Rechten und Pflichten jedes Einzelnen fördern will 1 . Der amerikanische Soziologe Amitai Etzioni gilt als Motor dieser Bewegung. Die von ihm vertretene sozialphilosophische Denkschule des Kommunitarismus und das darauf basierende Modell einer „Verantwortungsgesellschaft“ wendet sich gegen die Tendenzen eines übertriebenen Individualismus und will durch eine Erneuerung gemeinsamer Werte wieder ein Fundament für eine gerechte politische Ordnung schaffen.
In dieser Hausarbeit soll der Versuch unternommen werden, die Grundzüge des kommunitaristischen Projekts darzustellen.
Der Kommunitarismus will eine Veränderung auf allen Ebenen der Gesellschaft erreichen - sozial, politisch und wirtschaftlich. Da er diese Veränderung vor allem durch Erziehung und Bildung erreichen will, wird die kommunitaristische Familienpolitik näher betrachtet .
Zunächst wird untersucht, ob der Kommunitarismus tatsächlich eine globale Alternative sein kann, wie sie Etzioni fordert; vor allem im Hinblick auf die unterschiedlichen Voraussetzungen in Deutschland und den USA. Schließlich soll am Beispiel historisch-philosophischer Parallelen die Diskussion angerissen werden, ob der Kommunitarismus wirklich neue Alternativen bietet, oder ob nicht jene Aspekte der kommunitaristischen Forderungen, die weitgehend akzeptiert werden können, selbstverständlicher Teil der sozialphilosophischen Tradition sind. Durch den begrenzten Umfang einer Hausarbeit kann das Thema nicht erschöpfend erläutert werden, vielmehr soll eine Diskussionsgrundlagen geschaffen werden, um das von Etzioni entworfene Bild einer „neuen Verantwortungsgesellschaft“ kritisch zu hinterfragen.
Grundlage der Betrachtungen ist Etzionis 1993 in den USA erschienenes Buch „Die Entdeckung des Gemeinwesens - das Programm des Kommunitarismus“. Die Begriffe Kommunitarist und Kommunitarier werden synonym verwendet. 'HU$XWRU
Amitai Etzioni wurde 1929 in Köln als Werner Falk geboren. Nach der Flucht mit seinen Eltern nach Palästina 1935 nahm er den hebräischen Namen Amitai Etzioni an. Nach seinem Studium an der hebräischen Universität in Jerusalem siedelte er in die USA über, wo er heute als Professor an der George Washington University lehrt. 1994 gründete er das „Communitarian Network“ und ist Herausgeber der vierteljährlich erscheinenden kommunitaristischen Zeitschrift „The Responsive Community: Rights and Responsibilities“. 1995 veröffentlichte er in Deutschland sein Buch „Die Entdeckung des Gemeinwesens - Das Programm des Kommunitarismus“, 1997 erschien sein zweites Buch „Die Verantwortungsgesellschaft“.
1 Siehe auch: Das Kommunitaristische Programm: Rechte und Verantwortlichkeiten (Etzioni 1995, S.282ff)
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„Kommunitarismus bezeichnet eine sozial-philosophische Theorie, die sich gegen die Tendenz zum (Hyper-) Individualismus stellt, für eine Erneuerung gemeinsamer Werte eintritt und damit ein Fundament für eine gerechte politische Ordnung schaffen will. Das gemeinsame, durch sozialen Austausch geschaffene Gute hat daher höhere Priorität als (kurzfristig) individuelle Interessen.“ (Lexikon der Politik 1995) Etzioni selbst formuliert das Anliegen der Kommunitaristen im Vorwort. Es geht den Kommunitariern um „die Rekonstruktion der Gemeinschaft, der community, um die Wiederherstellung der Bürgertugenden, um ein neues Verantwortungsbewußtsein der Menschen, um die Stärkung der moralischen Grundlagen unserer Gesellschaft.“ (Etzioni 1995, S. IX). Dabei unterscheidet er zwei Typen sozialer Bindungen. In einer *HVHOOVFKDIW VRFLHW\ seien „Gruppen von Menschen, die nur wenig verbindet, wie die Menschenmenge oder die Massengesellschaft“ (Etzioni 1995, S. 137), dagegen seien *HPHLQVFKDIWHQ FRPPXQLW\ „soziale Netze von Menschen, die einander persönlich kennen - und zugleich moralische Instanzen. Sie nutzen interpersonelle Bande, um ihre Mitglieder zur Beachtung gemeinsamer Werte und Normen ... zu erziehen. Sie tadeln jene, die gemeinsame moralische Normen verletzen, und loben jene, die sie beachten. Den Staat (Justiz, Polizei) rufen sie erst, wenn alle anderen Mittel versagen.“ (Ebd. S. IX) In den Gemeinschaften soll ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Individualrechten und sozialen Pflichten hergestellt werden, sie darf „weder zur Anarchie des Extremindividualismus und zur Vernachlässigung des Gemeinwohls tendieren noch zum Kollektivismus [exzessiver Sozialkonservatismus (vgl. Ebd., S.74)], der das Individuum abwertet“ (Etzioni 1995, S.X). Ordnung und Autonomie stehen sich in Etzionis Gesellschaftsbild nicht kontradiktorisch gegenüber. Vielmehr hat er hierfür die Theorie einer inversen Symbiose 2 entwickelt, bei der er davon ausgeht, daß sich die Elemente Ordnung und Autonomie bis zu einem gewissen Grad gegenseitig befruchten, so daß in einer Gesellschaft, in der eines der beiden Elemente stärker vertreten ist, automatisch auch das andere zunimmt. Erst wenn ein Element über einen bestimmten Punkt hinauswächst, mindert es das andere und die Symbiose schlägt in Antagonismus um. Wann aber jener kritische Punkt erreicht ist, darüber sagt Etzioni nichts. Ordnung entspricht in Etzionis Schema den moralischen Bindungen der Gesellschaftsmitglieder und beruht maßgeblich auf normativen Mitteln. Als solche führt er Erziehung, Konsens und Gruppendruck an. Autonomie muß in eine „soziale Struktur von Bindungen und Werten eingebettet und darf nicht von ungebundenem Charakter sein.“ (Etzioni 1997, S. 96f)
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Kommunitaristen sehen eine Diskrepanz zwischen Recht und (moralischer) Richtigkeit. Eines der normativen Mittel, mit denen diese Lücke geschlossen werden soll, ist die „Stimme der Moral“, das soziale Gewissen jedes Einzelnen, das durch Erziehung, Bildung und Förderung von Gemeinschaften wie Familie, Schule und Vereine geformt werden soll. Nur gegen die Minderheit der „Unverbesserlichen“ wollen Kommunitaristen mit staatlichem Zwang vorgehen. (Etzioni 1997, S. 59f)
2 in Anlehnung an symbiotische Beziehungen in der Biologie
Arbeit zitieren:
Thorsten Kadel, 1999, Der Kommunitarismus - Amitai Etzionis Idee einer Verantwortungsgesellschaft, München, GRIN Verlag GmbH
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