II
Inhaltsübersicht
Inhaltsübersicht II
Inhaltsverzeichnis.............................................................................................. III
Abbildungsverzeichnis V
Abk ürzungsverzeichnis VII
Einf ührung und Zielsetzung 1
1 Grundlagen zu Zertifikaten 2
2 Die geläufigsten Zertifikatetypen 12
3 Strategien für ein besseres Portfolioergebnis. 37
4 Rendite-Risiko-Vergleich zu klassischen Finanzanlagen 50
Fazit 68
Anhang. VIII
Literaturverzeichnis XVI
III
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsübersicht II
Inhaltsverzeichnis.............................................................................................. III
Abbildungsverzeichnis V
Abk ürzungsverzeichnis VII
Einf ührung und Zielsetzung 1
1 Grundlagen zu Zertifikaten 2
1.1 Definition der Zertifikate. 2
1.2 Bestandteile der Zertifikate 2
1.2.1 Die Kauf-Option auf einen Call (Long-Call) 3
1.2.2 Die Verkaufsoption auf einen Call (Short-Call) 5
1.2.3 Die Kaufoption auf einen Put (Long-Put) 6
1.2.4 Die Verkaufsoption auf einen Put (Short-Put) 7
1.2.5 Die Risiken und Chancen bei Optionen 9
1.2.5.1 Das Kursrisiko der Optionen. 9
1.2.5.2 Die Kursveränderung des Basiswertes. 9
1.2.5.3 Der Einfluss der Volatilität 9
1.2.5.4 Der Wertverfall durch die Zeit 10
1.2.5.5 Die Hebelwirkung (Leverage-Effekt) 10
1.2.5.6 Das Emittentenrisiko. 10
1.2.5.7 Transaktionskosten bei einem Optionsgeschäft 10
1.3 Basiswerte der Zertifikate 11
1.4 Laufzeiten der Zertifikate 11
2 Die geläufigsten Zertifikatetypen 12
2.1 Indexzertifikate 12
2.1.1 Die Konstruktion von Indexzertifikaten 13
2.1.2 Zertifikate auf Performance oder Kursindex 14
2.1.3 Laufzeiten bei Indexzertifikaten. 15
2.1.4 Kosten bei Indexzertifikaten 16
2.1.5 Besteuerung von Indexzertifikaten 17
2.2 Discount-Zertifikate. 18
2.2.1 Die Konstruktion von Discount-Zertifikaten 18
2.2.2 Laufzeiten von Discount-Zertifikaten 21
2.2.3 Kosten bei Discountzertifikaten 22
2.2.4 Besteuerung von Discountzertifikaten. 23
2.2.5 Strategien mit Discountzertifikaten. 23
2.2.5.1 Konservative Strategie 23
2.2.5.2 Neutrale Strategie. 24
2.2.5.3 Offensive Strategie 25
IV
2.3 Garantiezertifikate. 26
2.3.1 Die Konstruktion von Garantiezertifikaten 26
2.3.2 Laufzeiten von Garantiezertifikaten. 30
2.3.3 Kosten bei Garantiezertifikaten 30
2.3.4 Besteuerung von Garantiezertifikaten 31
2.4 Bonuszertifikate 32
2.4.1 Die Konstruktion von Bonuszertifikaten. 32
2.4.2 Laufzeiten von Bonuszertifikaten 35
2.4.3 Kosten bei Bonuszertifikaten. 35
2.4.4 Besteuerung von Bonuszertifikaten. 36
3 Strategien für ein besseres Portfolioergebnis. 37
3.1 Das Rendite-Risiko-Liquiditäts-Dilemma 37
3.2 Strategien mit Stop-Loss-Orders 38
3.3 Der Cost-Average-Effekt. 39
3.4 Die Diversifikation und der Korrelationszusammenhang 42
3.5 Die Volatilität als Risikobarometer 43
3.6 Chance-Risiko-Profil 43
3.7 Die Netto-Rendite 47
3.8 Portfoliomanagement bei Investments. 48
3.8.1 Das aktive Portfoliomanagement 48
3.8.2 Das passive Portfoliomanagement. 49
4 Rendite-Risiko-Vergleich zu klassischen Finanzanlagen 50
4.1 Indexzertifikat vs. Aktienfondsanlage. 50
4.1.1 Renditevergleich Indexzertifikat vs. Aktienfonds 50
4.1.2 Chancen und Risiken bei Indexzertifikaten 53
4.2 Discountzertifikat vs. Aktienanlage 55
4.2.1 Renditevergleich Discountzertifikat vs. Aktie. 55
4.2.2 Chancen und Risiken bei Discountzertifikaten 58
4.3 Garantiezertifikat vs. Sparanlage. 60
4.3.1 Renditevergleich Garantiezertifikat vs. Sparanlage. 60
4.3.2 Chancen und Risiken bei Garantiezertifikaten 63
4.4 Bonuszertifikat vs. Aktienanlage. 64
4.4.1 Renditevergleich Bonuszertifikat vs. Aktienanlage. 64
4.4.2 Chancen und Risiken bei Bonuszertifikaten 66
Fazit 68
Anhang. VIII
Literaturverzeichnis XVI
V
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Long-Call-Option.
Abbildung 2: Short-Call-Option
Abbildung 3: Long-Put-Option
Abbildung 4: Short-Put-Option.
Abbildung 5: Profil eines Indexzertifikates
Abbildung 6: Zertifikate auf Performance- und Kursindizes
Abbildung 7: Performanceindex und Kursindex im Vergleich
Abbildung 8: Spread bei einem Indexzertifikat.
Abbildung 9: Profil eines Discountzertifikates an einem Index.
Abbildung 10: Beispiele von Discountzertifikaten
Abbildung 11: Konservative Strategie bei einem Discountzertifikat
Abbildung 12: Neutrale Strategie bei einem Discountzertifikat
Abbildung 13: Offensive Strategie mit einem Discountzertifikat.
Abbildung 14: Profil eines Garantiezertifikates
Abbildung 15: Verzinsung des Garantiezertifikates VR Sachsen-Anhalt
Garant (a)
Abbildung 16: Verzinsung des Garantiezertifikates VR Sachsen-Anhalt
Garant (b)
Abbildung 17: Garantiezertifikate einiger namhafter Emittenten.
Abbildung 18: Steuerliche Behandlung von Garantiezertifikaten
Abbildung 19: Bonuszertifikat zwischen 2 Schwellen
Abbildung 20: Profil eines Bonuszertifikates.
Abbildung 21: Beispiele von Bonuszertifikaten
Abbildung 22: Verschiedene Renditemöglichkeiten.
Abbildung 23: Ertragsvorteil durch den Cost-Average-Effekt.
Abbildung 24: Verminderter Verlust durch den Cost-Average-Effekt
Abbildung 25: Cost-Average-Effekt vs. Einmalanlage
Abbildung 26: Ermittlung der Korrelation (a)
Abbildung 27: Ermittlung der Korrelation (b)
Abbildung 28: Die optimale Balance zwischen MSCI und GSCI.
Abbildung 29: Übersicht des Fonds und des zugehörigem Indexzertifikates.
Abbildung 30: Kosten bei Kauf von Fondsanteilen Uni Deutschland
Abbildung 31: Kosten bei Kauf des DAX-Indexzertifikates
Abbildung 32: Rendite von Fonds und Indexzertifikat.
Abbildung 33: Gewichtungen der im Fonds und im
vertretenen Unternehmen
Abbildung 34: Vor- und Nachteile bei Indexzertifikaten
Abbildung 35: Übersicht zur Aktie und zum zugehörigen DZ.
Abbildung 36: Kosten bei Investment in Aktien.
Abbildung 37: Kosten bei Kauf der Discountzertifikate
Abbildung 38: Rendite von Aktie und DZ vor Fälligkeit
Abbildung 39: Rendite von Aktie und DZ bei Erreichen des Cap.
Abbildung 40: Renditevorteil bei einem Discountzertifikat
VI
Abbildung 41: Ausstattungsmerkmale des Garantiezertifikates der
DZ -Bank (Auszug)
Abbildung 42: Verzinsung des Garantiezertifikates VR Sachsen-Anhalt
Garant (c)
Abbildung 43: Übersicht der Aktie und zugehörigem BZ
Abbildung 44: Kosten bei Kauf der Bonuszertifikate
Abbildung 45: Kosten bei Kauf der Aktien
Abbildung 46: Rendite von Aktie und BZ
Abbildung 47: Zertifikate Gesamtübersicht, geordnet nach Emittenten
Abbildung 48: Indexzertifikate diverser Emittenten
Abbildung 49: Übersicht Ratingsymbole
Abbildung 50: Kosten bei Wertpapiergeschäften.
Abbildung 51: Kursentwicklungen der Einzelwerte im Aktienkorb
a.a.O. .......... .................... ................ am angegebenen Ort Abs.............. .................... ................ Absatz abzgl. .......... .................... ................ abzüglich bspw............ .................... ................ beispielsweise BGBL .......... .................... ................ Bundesgesetzblatt BZ ............... .................... ................ Bonuszertifikat(e) bzw.............. .................... ................ beziehungsweise ca. ............... .................... ................ circa DAX............. .................... ................ Deutscher Aktienindex DZ ............... .................... ................ Discountzertifikat(e) EStG ........... .................... ................ Einkommensteuergesetz f. .................. .................... ................ folgende ff. ................. .................... ................ fortfolgende FWP ............ .................... ................ Frankfurter Wertpapierbörse GSCI ........... .................... ................ Rohstoffindex (Goldman Sachs Commodity Index)
Hrsg. ........... .................... ................ Herausgeber i.d.F.d.B.v. ... .................... ................ in der Fassung der Bekanntmachung vom i.d.R............. .................... ................ in der Regel IZ................. .................... ................ Indexzertifikat(e) KESt............ .................... ................ Kapitalertragsteuer MSCI Index . .................... ................ Vergleichsindex (Weltindex von Morgan Stanley Capital International)
Nr. ............... .................... ................ Nummer S.................. .................... ................ Seite u.a. .............. .................... ................ und andere versch. ........ .................... ................ verschiedene(r) Vgl............... .................... ................ Vergleiche
vs. .............. .................... ................ versus (lat.: gegen, gegenüber gestellt) WKN............ .................... ................ Wertpapier-Kenn-Nummer z.B............... .................... ................ zum Beispiel zzgl.............. .................... ................ zuzüglich
1
Einführung und Zielsetzung
Den Anfang der Zertifikate machte die Dresdner Bank im Jahre 1990. Sie emittierte ein Indexzertifikat auf den DAX für die langfristige Geldanlage ihrer Kunden. 1 Seitdem haben sich Anlagezertifikate zu festen Bestandteilen in den Wertpapierdepots der Kapitalanleger entwickelt. Bis April 2005 waren bereits 3,9 Millionen 2 Bundesbürger in Besitz dieser innovativen Anlageinstrumente, die den klassischen Anlageformen wie z.B. Investmentfonds und Aktien immer mehr Marktanteile abnehmen.
Statistische Aufzeichnungen der Orderbuchumsätze an der Frankfurter Wertpapierbörse belegen den stetigen Vormarsch der Anlagezertifikate. Von 1.226 Millionen Euro Umsatz (20.157 Stück) im Februar 2005 stieg dieser Umsatz der Zertifikate kontinuierlich. Im Juli verzeichnete die FWP bei den Anlagezertifikaten bereits 1.782 Millionen Euro Umsatz (24.633 Stück) und im Dezember 2005 wurde die 2 Milliarden Marke beinahe durchbrochen. 1.991 Millionen Euro Umsatz (31.007 Stück) im Monat Dezember zeigen einen eindeutigen Aufwärtstrend und eine hohe Akzeptanz in diesem Segment. 3
Die vorliegende Arbeit stellt aufgrund jener positiven Entwicklung die wesentlichen Modelle der Anlagezertifikate dar. Des Weiteren werden mit diesen neuen Kapitalanlageformen Vergleiche zu den klassischen Anlagealternativen, wie die zugrunde liegenden Basiswerte bzw. Fondskonstruktionen, durchgeführt und die Chancen und Risiken aus der Sicht der Kapitalanleger analysiert. Auf Basis dieser Analyse erfolgt für die hier dargestellten Zertifikateformen eine Gesamtbewertung.
1 Vgl. Schmidt (2005) S.12
2 Vgl. Deutsches Derivate Institut (DDI), Pressemitteilung v. 06.04.2005, Frankfurt a.M.
3 Vgl. Deutsche Börse AG, monatliche Kassamarktstatistik Februar, Juli, Dezember 2005
2
1 Grundlagen zu Zertifikaten
1.1 Definition der Zertifikate
Unter dem Begriff „Zertifikate“, für den keine klaren Definitionen und Vorschriften existieren, verstehen sich in der Finanzwelt sehr unterschiedliche Konstellationen an Anlageprodukten. 4 Zertifikate sind ein Oberbegriff für Zusammenstellungen verschiedener Basiswerte (= Underlying) mit derivativen Wertpapieren 5 .
Von der juristischen Seite aus betrachtet, handelt es sich bei dem Anlageinstrument „Zertifikat“ um eine Schuldverschreibung des Emittenten, welche mit einem zusätzlichen Optionsrecht verbrieft ist. Zertifikate werden i.d.R. von Kreditinstituten emittiert. Diese jungen innovativen Anleihen sind über die Börse jederzeitig handelbare Wertpapiere, für die der Emittent börsentäglich als „Market-Maker“ An- und Verkaufskurse für die Kapitalanleger zur Verfügung stellt. Diese An- und Verkaufskurse 6 spiegeln die Kursbewegungen des Basiswertes wieder und verlaufen im Allgemeinen mit dem Kurs des Basiswertes parallel. 7
Bei Fälligkeit eines Zertifikates erwirbt der Anleger nicht generell einen Anspruch auf die Lieferung des zugrunde liegenden Basiswertes. Dieser wird bei Fälligkeit beziehungsweise Rückgabe des Zertifikates häufig auch durch eine entsprechende Zahlung in Geld bedient (cash-settlement).
1.2 Bestandteile der Zertifikate
Wie anfänglich bereits erwähnt, werden Zertifikate aus mehreren Instrumenten von den Produktentwicklern der emittierenden Institute konzipiert. Die Emittenten gehen dabei aber nicht von einer festen Marktmeinung aus sondern stellen sich die Frage, welche Produktkombinationen für die Investoren sehr gute Chancen bieten, wenn in der Zukunft ein gewisses Szenario am Markt eintritt. Es ist also deren Absicht, für nahezu alle möglichen Szenarien am Finanzmarkt immer ein passendes Produkt für den Anleger anbieten zu können. 8
4 Vgl. Salomon Oppenheim (Hrsg.), Publikation „Discount-Zertifikate“ (2005) S. 3
5 Derivative Wertpapiere sind Finanzinstrumente, deren Werte sich nach den Preisen/Kursen anderer Finanztitel richten. Sie berechtigen häufig zum Erwerb oder Verkauf des zugrunde liegenden Finanztitels. Beispiele derivativer Papiere sind Optionen, Futures und anderweitige spekulative Produkte, die strengen Kontrollen durch die Aufsichtsbehörden unterliegen (vgl. Jungblut (2001) S. 130).
6 In Finanzkreisen als Geld- und Briefkurs bezeichnet, wobei der Geldkurs meist niedriger ist
7 Vgl. Schmidt (2005) S. 12ff.
8 Vgl. Schmidt (2005) S. 19
3
Dabei ist das Hauptinstrument eines Zertifikates immer ein Basiswert der mit einem Optionsrecht verknüpft wird. Dieses Optionsrecht kann unterschiedlichster Art sein bezüglich Kursentwicklung des Basiswertes (Call / Put) und der Verbriefung der Rechte und Pflichten (Long / Short) des Investors. 9
Während der letzten Jahre haben sich bei den Optionsgeschäften die sonderbarsten und exotischsten Modelle entwickelt, die in dieser Arbeit aber eher vernachlässigt werden sollen. Vielmehr soll im nachfolgenden Unterabschnitt das Grundgerüst, die traditionellen Optionen, vorgestellt werden, mit denen die Basiswerte kombiniert werden können und letztlich unter dem Begriff Zertifikat an die Anleger emittiert werden.
1.2.1 Die Kauf-Option auf einen Call (Long-Call)
Bei dieser Optionsvariante erwirbt der Käufer des Optionsscheines das Recht, innerhalb einer vorher festgelegten Frist (oder am Laufzeitende) und zu einem vorher festgelegten Preis (Basispreis) vom Verkäufer die Lieferung des Basiswertes zum Basispreis zu verlangen. 10 Der Käufer des Optionsscheines geht davon aus, dass der Kurs des Basiswertes während der Laufzeit steigt und am Laufzeitende einen höheren Wert besitzt als bei Vertragsabschluss. Tritt dieser Fall ein, wird der Käufer sein Recht ausüben und vom Verkäufer des Calls die Lieferung der Papiere zum ursprünglich festgelegten Basispreis verlangen.
Für dieses Recht hat der Käufer dem Verkäufer bei Abschluss des Geschäftes eine Optionsprämie gezahlt. Diese Mehrkosten müssen durch den steigenden Kurs des Basiswertes ebenfalls erwirtschaftet werden damit sich das Geschäft für den Käufer richtig lohnt. Sollte der Kurs nur leicht über dem vereinbarten Basispreis liegen, wird der Käufer sein Recht dennoch ausüben, da alle Erlöse über dem Basispreis seine Kosten verringern. 11
9 Vgl. Eller (Hrsg.), (1999) S. 14ff.
10 Vgl. Uszczapowski (1999) S. 46
11 Vgl. Müller (2000) S. 48
4
Abbildung 1: Long-Call-Option
(Quelle: Vgl. Eller (1999) S. 16)
Beispiele:
Der Basiswert (z.B. eine Aktie) notiert bei 100 Euro, die Optionsprämie, die der Käufer für das Optionsgeschäft bezahlt, beträgt 10 Euro.
a) Der Aktienkurs steigt auf 130 Euro an. Abzüglich der Optionsprämie hat der Käufer der Option 20 Euro Gewinn erwirtschaftet, wenn er die Aktie vom Verkäufer für die vereinbarten 100 Euro bezieht und sofort für 130 Euro am Kassamarkt verkauft. Er bekommt also für seine 10 Euro Einsatz aus diesem Geschäft 20 Euro zurück. Der Gewinn beträgt 100%.
b) Der Aktienkurs steigt nur auf 108 Euro an. Für den Käufer ist es ratsam trotzdem sein Recht auszuüben da er seinen Einsatz von diesen 10 Euro durch 8 Euro Erlös mindert und so nur 2 Euro verliert.
c) Der Kurs der Aktie fällt auf 90 Euro. Der Käufer wird in diesem Fall nichts unternehmen, da er die Aktie in diesem Fall nicht auf dem Terminmarkt für 100 Euro sondern direkt am Kassamarkt für 90 Euro günstiger beziehen kann. Er hat durch dieses Optionsgeschäft keinen positiven Nutzen erhalten und 10 Euro Einsatz verloren.
5
1.2.2 Die Verkaufsoption auf einen Call (Short-Call)
Bei einem Short-Call geht der Verkäufer als Stillhalter die Pflicht ein, dem Käufer auf sein Verlangen zu einem vorher festgelegten Preis (Basispreis) und in einer vorher festgelegten Frist den Basiswert zu liefern. Für dieses an den Käufer verkauftes Recht erhält der Verkäufer eine Optionsprämie die er in jedem Fall behalten darf. Der Verkäufer geht davon aus, dass die Kurse des Basiswertes bis maximal zum festgelegten Laufzeitende in einer Seitwärtsbewegung verharren oder sogar sinken und dem Call-Käufer keinen wirklichen Anlass geben, sein erworbenes Recht der Ausübung wahrzunehmen.
Gewinn
Verlust
Abbildung 2: Short-Call-Option
(Quelle: Vgl. Eller (1999) S. 17)
Beispiele:
Der Basispreis wurde wieder bei 100 Euro festgelegt. Der Verkäufer erhält wieder eine Optionsprämie in Höhe von 10 Euro.
a) Der Kurs der Aktie steigt auf 140 Euro an. In diesem Fall wird der Käufer definitiv sein Recht wahrnehmen und vom Verkäufer die Lieferung der Aktie zum ausgemachten Preis von 100 Euro verlangen. Inklusive der erhaltenen Optionsprämie erwirtschaftet der Verkäufer einen Verlust von 30 Euro.
b) Der Kurs bewegt sich seitwärts und steigt nur sehr leicht auf 103 Euro an. Macht der Käufer von seinem Recht Gebrauch, muss ihm der Verkäufer die Aktie für 100 Euro liefern. Wenn er sie nicht schon besitzt und sie extra auf dem Kassamarkt für 103 Euro erwerben muss, hat er mit den vereinnahm-
6
ten 10 Euro Optionsprämie 7 Euro erwirtschaftet (10 Euro erhalten abzüglich 3 Euro Mehrausgaben).
c) Nun fällt aber der Kurs seit dem Vertragsabschluss auf 80 Euro herab. Die ideale Situation für den Verkäufer, auf die er zu Beginn seiner Investition spekuliert hat. Der Käufer wird in diesem Fall nichts unternehmen, da wie oben bereits erwähnt, die Aktie auf dem Kassamarkt (hier für 80 Euro) günstiger erhältlich ist. Der Verkäufer kann von der Optionsprämie die gesamten 10 Euro als zusätzliches Einkommen behandeln.
1.2.3 Die Kaufoption auf einen Put (Long-Put)
Bei dieser Optionsvariante erwartet der Käufer vom Basiswert sinkende Kurse und hat gegenüber dem Verkäufer das Recht, ihm den Basiswert zu einem festgelegten Preis, während eines festgelegten Zeitraumes (oder am Laufzeitende) zu verkaufen. 12 Der Verkäufer erhält dafür wieder eine Entschädigungsprämie und muss auf Verlangen des Käufers den Basiswert abnehmen.
Gewinn
Verlust
Abbildung 3: Long-Put-Option
(Quelle: Vgl. Eller (1999) S. 18)
12 Vgl. Uszczapowski (1999) S. 46
7
Beispiele:
Der Basispreis (Basiswert: Aktie) ist auf 100 Euro festgelegt. Der Käufer zahlt an den Verkäufer eine Optionsprämie von 10 Euro.
a) Der Kurs der Aktie steigt auf 130 Euro an. Der Käufer wird in diesem Fall nichts unternehmen und vom Verkäufer nicht verlangen ihm die Aktie für 100 abzunehmen, da sie am Kassamarkt für 130 Euro erhältlich ist.
b) Der Kurs sinkt leicht auf 98 Euro. Hier kann der Käufer sein Recht wahrnehmen und Abnahme verlangen. Er erwirtschaftet damit noch keinen Gewinn, kann aber seine bezahlte Optionsprämie um 2 Euro mindern (10 Euro abzüglich [100 Euro - 98 Euro]). Seine effektiven Ausgaben betrugen somit nicht mehr 10 Euro sondern 8 Euro.
c) Der Kurs der Aktie sinkt erheblich auf 70 Euro herab. Das Geschäft des Käufers geht auf. Er wird jetzt vom Verkäufer die Abnahme zum vereinbarten Preis verlangen. Der Käufer kauft die Aktie auf dem Kassamarkt und verkauft sie an den Verkäufer für 100 Euro weiter. Abzüglich der 10 Euro Optionsprämie hat er einen Gewinn von 20 Euro erwirtschaftet.
1.2.4 Die Verkaufsoption auf einen Put (Short-Put)
Bei der Verkaufsoption geht der Verkäufer davon aus, dass die Kurse stabil bleiben oder steigen. Er verpflichtet sich bei diesem Geschäft, den Basiswert auf Verlangen von dem Käufer dieser Option abzunehmen. Der Basispreis und die Laufzeit des Geschäftes wurden vorher von beiden Vertragsparteien verein- bart.
8
Gewinn
Verlust
Abbildung 4: Short-Put-Option
(Quelle: Vgl. Eller (1999) S. 19)
Beispiele:
Der Basispreis wurde zu 100 Euro festgelegt. Für diese Option erhält der Verkäufer eine Prämie in Höhe von 10 Euro.
a) Der Kurs des Basiswertes steigt auf 120 Euro an. Dies ist ganz nach dem Willen des Verkäufers. Er kann sich ganz sicher sein dass der Käufer die Abnahme des Basiswertes nicht von ihm verlangt und hat somit durch dieses Geschäft die komplette Optionsprämie vereinnahmt.
b) Der Kurs sinkt auf 97 Euro. In diesem Fall wird der Käufer sinnvollerweise das Geschäft ausüben und die Abnahme der Papiere verlangen. Der Käufer mindert dadurch seine an den Verkäufer bezahlte Optionsprämie um effektive 3 Euro. Auch der Verkäufer verringert seine Einnahme um denselben Betrag. Er hat bei diesem Geschäft nur 7 Euro verdient und muss vom Käufer den Basiswert abnehmen.
c) Der Kurs sinkt auf 70 Euro herab. Der Verkäufer muss nun seine Verpflichtung erfüllen, da der Käufer die Abnahme des Basiswertes zu den vorher festgelegten 100 Euro verlangen wird. Mit Verrechnung der vereinnahmten 10 Euro Optionsprämie macht der Verkäufer infolge dieses gesunkenen Kurses 20 Euro Verlust, der Käufer im Gegenzug 20 Euro Gewinn.
9
1.2.5 Die Risiken und Chancen bei Optionen
Bei Investments die mit Optionsgeschäften verknüpft sind, existieren durch diese nicht nur überproportionale Chancen. Auch dürfen die Risiken nicht ausser Acht gelassen werden. Daher sollte eine eingehende Analyse des Investors beziehungsweise Aufklärung durch die entsprechenden Kreditinstitute bei diesen Wertpapieranlagen Voraussetzung sein. 13
Die wichtigsten Risiken und Chancen, die mit Optionsgeschäften verbunden sind, sollen im Folgenden dargestellt werden.
1.2.5.1 Das Kursrisiko der Optionen
Optionen können an den Wertpapierbörsen als selbstständige Wertpapiere ge-handelt werden. Die dafür abgegebenen Nachfragen und Angebote können den Markt hingehend seiner Liquidität stark beeinflussen. Anleger sollten darauf achten, dass für das gewünschte Wertpapier auch ein ausreichend liquider Markt existiert bzw. die Emittenten als Market-Maker am Markt auftreten. Die An- und Verkaufskurse können sehr stark voneinander abweichen, daher sollte sicherheitshalber bei Orderaufträgen immer ein Kauflimit bzw. Verkaufslimit gesetzt werden, um nicht Gefahr zu laufen, mit extrem überteuerten oder Dumping-Kursen bedient zu werden. Das Auslassen eines Limitbetrages kann im ungünstigsten Fall zu einem höheren Kaufkurs als beabsichtigt führen und im günstigsten Fall auch zu niedrigeren Kaufkursen. 14
1.2.5.2 Die Kursveränderung des Basiswertes
Durch die Verknüpfung der Optionsgeschäfte mit einem zugrunde liegenden Basiswert ändert sich durch dessen Kursbewegung auch der Kurs des Optionspapieres. Aufgrund der Hebelwirkungen 15 , die Optionsgeschäfte ertrags-und risikoreicher gestalten, kann dies sogar bis zum Totalverlust des Investments oder zu sehr hohen Kursgewinnen führen. Bei Call-Optionen wirkt sich für den Käufer ein steigender Kurs des Basiswertes positiv in seiner Anlagenbilanz aus, während ein Käufer im Put-Optionsgeschäft von sinkenden Kursen des Basiswertes profitiert. 16
1.2.5.3 Der Einfluss der Volatilität
Die Volatilität gibt die Häufigkeit und Intensität der Kursschwankung des Basiswertes wieder. Diese Schwankungsbreite kann wertmindernde Auswirkungen haben auch wenn der Kurs des Basiswertes sich nicht ändert. Dies geschieht
13 Demzufolge ist dies auch zutreffend bei Investments in Zertifikate.
14 Vgl. Commerzbank (1999), S. 143ff.
15 siehe auch 1.2.5.5
16 Vgl. Entrium Direct Bankers AG (2002) S.119f.
10
im Besonderen wenn die Volatilität eine negative Tendenz aufweist. Dann kann auch ein ansteigender Kurs des Basiswertes nicht zum Erfolg führen. Andererseits führt eine positiv wirkende und steigende Volatilität auch zu Kursanstiegen des Optionsscheines. 17
1.2.5.4 Der Wertverfall durch die Zeit
Je näher ein Optionsgeschäft dem Laufzeitende kommt, desto mehr nimmt der im Preis eingebundene Zeitwert 18 ab. Folglich wird am Anfang der Laufzeit noch ein hoher Zeitwert eingerechnet (durch die höhere Chance, dass der Optionsschein bis Laufzeitende an Wert gewinnen kann) welcher am Laufzeitende nahezu Null beträgt. 19
1.2.5.5 Die Hebelwirkung (Leverage-Effekt)
Die aus Optionsgeschäften resultierenden hohen Gewinnchancen sind den Verlustmöglichkeiten gewissermaßen gleichgestellt. Die höhere Reaktion auf Kursveränderung des Basiswertes ist durch die Hebelwirkung ein typisches Merkmal für Optionsscheine. Dieser ist nicht nur einflussreich bei steigenden Kursen des Basiswertes sondern erhöht andererseits auch die Verluste in fallenden Marktphasen. Das Risiko bei einem Optionsschein steigt, je höher sein Hebel ist. 20
1.2.5.6 Das Emittentenrisiko
Die Bonität des Emittenten sollte bei einer Wertpapieranlage nicht ausser Acht gelassen werden. Diese trifft auch auf den zugrunde liegenden Basiswert des Optionsgeschäftes zu. Insolvenzen bei Unternehmen, auf den sich der Basiswert bezieht, haben ebenso negative Einflüsse auf die Anlageentwicklung wie Zahlungsschwierigkeiten beim Emittenten des Optionsgeschäftes. Ersteres lässt durch den sinkenden Kurs des Basiswertes den Kurs der Option ebenfalls sinken. Zahlungsschwierigkeiten beim Emittenten der eigentlichen Option wirken sich ebenfalls Erfolgsmindern aus. 21
1.2.5.7 Transaktionskosten bei einem Optionsgeschäft
Die Kosten bei Eintritt in ein Wertpapierinvestment sind häufig nicht unerheblich. Die Anleger sollten vorher genau informiert sein wie hoch diese bei Erwerb und evtl. bei Schließung des Geschäftes ausfallen werden. Durch diese Trans-
17 Vgl. Müller (2000) S. 87f.
18 Der Zeitwert ist der Aufschlag der über dem inneren Wert des Optionsscheines liegt, (Innerer Wert: bei Call-Option = Kurs des Basiswert abzgl. Basispreis; bei Put-Option = Basispreis abzgl. Kurs des Basiswertes).
19 Vgl. Entrium Direct Bankers AG (2002) S. 120f.
20 a.a.O.
21 a.a.O.
11
aktionskosten kann sich abhängig von deren Höhe die eintretende Gewinnschwelle weit nach hinten hinaus verschieben.
1.3 Basiswerte der Zertifikate
Für die unterschiedlichsten Typen der über 45.000 existierenden Zertifikate 22 wurden die Optionsmodelle an eine Vielzahl verschiedener Basiswerte geknüpft. Diese Basiswerte können z.B. sein:
● einzelne Aktien (Allianz AG, Beiersdorf, E.ON, Wienerberger,
● Indizes
● Währungen
● Rohstoffe ● Baskets
1.4 Laufzeiten der Zertifikate
Durch ihre rechtliche Struktur einer Inhaberschuldverschreibung geht der Anleger in erster Linie davon aus, sein erworbenes Zertifikat besitzt eine begrenzte Laufzeit und hat somit immer einen festen Rückzahlungstermin. Diese Eigenschaft wurde durch die innovative Kraft der Emittenten in den letzten Jahren verändert. Aufgrund der Angebotserweiterung für eine langfristige Orientierung zum Vermögensaufbau mit Zertifikaten, wurde diese Laufzeitbegrenzung aufgehoben. Es wäre auch für den Anleger umständlich und kostspielig, nach Ablauf immer wieder neue Zertifikate zu erwerben. Vor allem bei den Indexzertifikaten, die sich 1:1 am Index orientieren, erweist sich die Endlos-Variante als sehr praktisch und kostengünstiger. 23
Wie auch bei vielen anderen Anlageprodukten auf dem Kapitalmarkt, haben sich die Emittenten bei den Zertifikaten ebenfalls die Möglichkeit einer Kündigung während der Laufzeit offen gelassen. Diese kann je nach Emissionshaus unterschiedlich ausfallen und ist in den Emissionsbedingungen der Verkaufsprospekte über die einzelnen Papiere nachlesbar. Somit unterliegen die „open- 22 Quelle: Finanzportal „www.onvista.de“, (Übersicht siehe Anhang), Stand: Dez. 2005
23 Vgl. Schmidt (2005) S. 14ff.
Arbeit zitieren:
Christian Held, 2006, Zertifikate als neue Form der Kapitalanlage - Chancen und Risiken aus der Sicht der Kapitalanleger, München, GRIN Verlag GmbH
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