was jemand macht und denkt für gut zu befinden. Jemand zu tolerieren bedeutet, zu dulden, was jemand denkt oder macht, obwohl man mit ihm nicht übereinstimmt, obwohl man es gar für falsch hält. Mit diesen Begriffen ist jedoch noch nicht viel gewonnen, wenn es darum geht, hier Unterschiede in den Wertigkeiten der Begriffe zu konkretisieren. Es gibt eine Reihe von Literatur, durch die es möglich ist, den Begriff Toleranz weiter zu reflektieren und mit der Akzeptanz zu vergleichen.
In dem Beitrag „Toleranz braucht man da, wo etwas fehlt.“ (Reemtsma, 2002) steht Toleranz im Gegensatz zu Recht. Reemtsma schreibt, dass da, wo Recht gegeben ist, Toleranz überflüssig wird. Toleranz kann also nur im rechtsfreien Raum existieren. Reemtsma begründet diese These mit den Voraussetzungen, mit den Bedingungen, die für die Ausübung der Toleranz zwischen den Personen X und Y notwendig sind, die da lauten:
o => X ist mächtiger als Y
o => X missbilligt Y o => X verzichtet darauf, Macht gegenüber Y einzusetzen.
Toleranz steht daher bei Reemtsma, denke ich, im Gegensatz zu Akzeptanz. Da wo Akzeptanz gegeben ist, in dem Sinne also Recht gegeben ist, wird Toleranz überflüssig:
„Wir reden also dann nicht von Toleranz, wo eine Mehrheit durch staatlich garantierte Rechtsverhältnisse zu einer Kooperation mit einer ungebliebten Minderheit gezwungen wäre.“ (Reemtsma, 2002)
In diesem Zusammenhang wird die Forderung „Akzeptanz statt Toleranz“ schlüssig, denn die Forderung der Homosexuellen nach Akzeptanz ist nach Reemtsma die Forderung nach Recht. Es geht darum, Homosexuelle nicht nur zu ertragen, zu dulden, sondern sie anzunehmen, indem man diese Minderheit in die Gesellschaft integriert, indem man sie mit Rechten ausstattet, um zu verhindern, dass gegen sie Macht ausgeübt werden kann. Aufgrund dessen brauchen Homosexuelle auch keine Toleranz im Sinne
von Interesse und Offenheit, was Reemtsma „Herzenstoleranz“ nennt, die in dem Sinne aber keine Toleranz im eigentliche Sinne des Verzichts auf Machtausübung ist.
John Stuart Locke forderte in seinem „Brief über die Toleranz“ (Locke, 1689) ebenfalls Rechte, v.a. das Recht auf freie Religionsausübung und beschrieb Toleranz ebenfalls, wie Reemtsma, als ein Verzicht auf die Macht des Staates, weit weg jeder Akzeptanz, jeder Integration von Rechte für Minderheiten.
„Toleranz, so meine Folgerung, setzt ein angemessenes Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl voraus.
Nur wer sich seiner kulturellen Identität sicher ist und sie (…) anerkannt hat, ist imstande auch Fremde
und Fremdartiges als legitim zu akzeptieren“ (Fetscher, 1990)
Klaus Deis, OStR für evangelische Religion in Limurg, schreibt über die Forderung
„Akzeptanz statt Toleranz“ folgendes:
Arbeit zitieren:
Udo Lihs, 2006, Akzeptanz statt Toleranz - Eine Seminarreflexion über die Wertigkeit der Begriffe Toleranz und Akzeptanz, München, GRIN Verlag GmbH
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