Exegese zu Exodus 15,22-27 Seite 0
Inhaltsverzeichnis
0 Vorbesinnung 1
1
Ubersetzungsvergleich 1
2 Abgrenzung des Textes und Kontext 2
2.1 Abgrenzung 2
2.2 Kontext 2
3 Gliederung des Textabschnitts 3
4 Literarkritik 3
5 Formkritik 5
5.1 Form und Gattung 5
5.2 Sitz im Leben 5
6 M undliche
Uberlieferungsgeschichte 6
7 Redaktionsgeschichte 6
8 Begriffserkl arungen aus der Zeitgeschichte 7
9 Traditionsgeschichte 7
10 Religionsgeschichtlicher Vergleich 8
11 Einzelexegese 8
12 Skopus 11
13 Verk undigungsansatz 12
13.1 Zielgruppe und Situation 12
13.2 Aktueller Verk undigungsansatz 12
Gero W Waßweiler
Exegese zu Exodus 15,22-27 Seite 1
0 Vorbesinnung
Nachdem das Volk Israel mit Gottes Hilfe aus ¨ Agypten geflohen ist, zieht es auf
Moses Anordnung hin weiter, vom Schilfmeer in die W¨ uste Schur. Dabei gelangt es an eine Wasserquelle bei welcher das Wasser ” bitter“, d.h. ungenießbar war.
Das Volk welches auf Mose und sein Wort - und damit auch auf Gottes Wortvertraute, zweifelt nach drei durstigen Tagen und beschwert sich bei ihm. Dies tun sie, obwohl ER sie aus ¨ Agypten gef¨ uhrt hat. Mose wendet sich an Gott und
bringt die Verzweiflung des Volkes vor IHN. Er schreit IHN an! Und Gott erh¨ ort sein Gebet. Er geht sogar noch weiter und gibt dem Volk das Gesetz und fordert das Volk zum Gehorsam gegen¨ uber dem Gesetz und den Geboten Gottes aufdann wird ER sie vor der Strafe (den Krankheiten), wie sie den ¨ Agyptern zuteil
geworden ist, bewahren. Es folgt die bestimmte Zusage ” . . . Denn ich bin der
Herr, dein Arzt.“ 1 . Ist es bei uns nicht oft genauso: Gott hilft uns offensichtlich
und wir vertrauen IHM sp¨ ater doch nicht?
1 ¨ Ubersetzungsvergleich
F¨ ur den ¨ Ubersetzungsvergleich wurden nachstehend genannte ¨ Ubersetzungen herangezogen.
• Rev. Luther 1984 (LUT)
• Einheits¨ ubersetzung (EH ¨ U)
• Martin Noth ATD (ATD)
Die relevanten Unterschiede von 15,22-27 werden im Folgenden dargestellt: Verse 25 und 26: LUT und EH ¨ U schreiben hier vom ” HERRN“, das ATD von ” Jahwe“. Da beide das gleiche meinen (JHWH) und LUT / EH ¨ U dies in ihren Bibelausgaben
kenntlich machen ist dieser Unterschied zu vernachl¨ assigen. Das ATD ist hier sprachlich genauer.
Weitere Unterschiede sind im zweiten Teil des Verses 25 zu sehen.
. . . Dort gab er ihnen Gesetz und Recht und versuchte sie“. 2 • LUT: ”
• EH ¨ U: ” . . . Dort gab Gott dem Volk Gesetz und Rechtsentscheidungen und dort stellte er es auf die Probe.“. 3
• ATD: ” . . . Dort setzte er ihm Satzung und Recht, und dort versuchte er es.“. 4
1 Vgl. [19] LUT, Ex 15,26
2 [19] LUT, Ex 15,25
3 [9] EH ¨ U, Ex 15,25
4 [16] ATD Bd. 5, Ex 15,25
Gero W. Waßweiler
Exegese zu Exodus 15,22-27 Seite 2
Der Unterschied ist hier recht gravierend, da sich hier evtl. das Subjekt des Verses entscheidet. Wer gibt hier wem Satzungen und Recht? Gott Moses oder Gott dem Volk? Oder Moses dem Volk? Bei der ATD Variante ist zun¨ achst beides m¨ oglich. Wer hier das Subjekt bzw. Gesetzesempf¨ anger ist, ist im weiteren Verlauf zu kl¨ aren.
Bei der Verwendung der Begriffe Gesetz (LUT/EH ¨ U) und Satzung (ATD) so-
wie Recht (LUT/ATD) und Rechtsentscheidungen (EH ¨ U) bestehen weitere Unter. . . , durch schriftl. Niederlegung gesetztes Recht.“ 5 schiede. Das Wort Satzung ist ”
Ob dieses Recht nun schriftlich oder m¨ undlich erfolgte ist evtl. in einem sp¨ ateren Schritt zu ergr¨ unden. Ich denke, dass die ¨ Ubersetzung von Martin Noth im ATD f¨ ur die Exegese die geeignetste ¨ Ubersetzung ist. Sie scheint nahe an den urspr¨ unglichen Text zu kommen und gibt die M¨ oglichkeit, wichtige Begriffe und Zusammenh¨ ange im weiteren Verlauf zu kl¨ aren ohne sie vorher inhaltlich festzulegen. Zitate werden, soweit nicht anders benannt, im weiteren Verlauf dieser ¨ Ubersetzung entnommen.
2 Abgrenzung des Textes und Kontext
2.1 Abgrenzung
Eine sinnvolle Abgrenzung des Textabschnittes ergeben zun¨ achst die Verse 15,22-
26. In Vers 22 und 27 liegt jeweils ein Personen und Ortswechsel vor, was aus dem Inhalt der jeweiligen Verse leicht zu ersehen ist. Des weiteren ¨ andert sich die Textart. Die Verse vor Vers 22 sind zum einen der Lobgesang des Mose und der Miriam. In Vers 22 setzt mit dem Weg in die W¨ uste eine neue Handlung ein. Vers 27 kann allerdings auch als Fortsetzung bzw. Abschluss der vorherigen Handlung gesehen werden. Er w¨ urde bei einer Abgrenzung mit Vers 26 einzeln dastehen, da in Vers 16,1 bereits ein weiterer Ortswechsel vorliegt. Die Verse 22 und 27 k¨ onnen des weiteren als Umgrenzung der weiteren Handlung dienen, welche den Rest der Handlung nach Art eines Intinerar rahmt. 6,7 Vers 27 kann auch als redaktionelle ¨ Uberleitung zu dem darauf folgenden Text dienen (Wie kommen die Israeliten nach Elim?). Da dies schl¨ ussig erscheint, umfasst der Textabschnitt f¨ ur die weitere Exegese somit die Verse 22-27.
2.2 Kontext
Der Textabschnitt steht direkt nach der Herausf¨ uhrung Israels aus der Unterdr¨ uckung in ¨ Agypten durch Gott unter der F¨ uhrung von Mose, dem Wunder am Schilfmeer und den darauf folgenden Lobges¨ angen Moses und Miriams. Der
5 [8] DUDEN, S. 2996 6 Vgl. [27] Wilms, S. 248 7 Vgl. [16] ATD Bd. 5, S. 248
Gero W. Waßweiler
Exegese zu Exodus 15,22-27 Seite 3
Vers vor dem Abschnitt ist das sog. Miriamlied 8 . Wenn man das Buch Exodus in drei grobe Teile teilt, die wie folgt heissen 9 : I. Die Befreiung aus ¨ Agypten (Ex
1,1-15,21), II. Die W¨ ustenwanderung (Ex 15,22-18,27) und III. Der Bund am Sinai (Ex 19,1-40,38), stellt der Text die erste Station auf dem Weg durch die W¨ uste zum Gottesberg Sinai und die Ankunft an der n¨ achsten Station dar. Es ist die erste von drei sog. Murrgeschichten. 10 Im Anschluss an diesen Text befinden sich zwei weitere Texte, in denen das Volk murrt 11 . Die Texte befassen sich alle mit Problemen, mit denen Israel in der W¨ uste zu k¨ ampfen hat. 12,13 In der
Calwer Bibelkunde ist eines von vier Themen, welche die Kapitel Ex 15,22-18,27 Die Bewahrung“ zusammengefasst sind: 1. umfassen und unter dem Oberbegriff ”
Durst: 15,22-27, 2. Hunger: Kap. 16, 3. Bedrohung durch Feinde: 17,8-16 und 4. Innere Schwierigkeiten: Kap. 18. 14
3 Gliederung des Textabschnitts
1. V. 22aα Aufford. zum Aufbruch vom Schilfmeer in die W¨ uste.
2. V. 22aβb-25a Wundererz¨ ahlung
2.1. V. 22aβb Aufbruch und der Auszug in die W¨ uste. Dauer und Mangel an Wasser.
2.2. V. 23 Ankunft in Mara und Ortsbeschreibung. Erkl¨ arung des Namens Mara. Ortsnamen¨ atiologie.
2.1. V. 24 Murren des Volkes gegen Mose und damit gegen Gott. 2.2. V. 25a Mose schreit zu Jahwe und ER stillt ihr Bed¨ urfnis indem ER ihnen ein Holz wies.
3. V.25b-26 Gesetzespredigt
4. V. 27 Wandern, Ankunft und Beschreibung Ort Elim
4 Literarkritik
Der Text weist mehrere Br¨ uche auf, was auf mehrere Literaten, Redaktoren bzw. Entstehungsstufen zur¨ uckzuf¨ uhren ist. Auff¨ allig ist zun¨ achst der Bruch in Vers 25 zwischen Wunder und Gesetzespredigt und die beiden Verse 22 und 27. Ein weiterer Einschub k¨ onnte der erkl¨ arende Satz in Vers 23 ” . . . Darum hatte man
(dem Ort) den Namen ,Mara’ gegeben.“ sein, welcher erg¨ anzt wirkt. 15 Wenn
man diesen Vers oder auch die Verse 25b und 26 weglassen w¨ urde, erg¨ abe sich
8 Vgl. Ex 15,21
9 Vgl. [24] Sieger
10 Vgl. [16] ATD Bd. 5, S. 102
11 Vgl. Ex 16,2; 17,3 12 Vgl. [10] Fuß, S. 331 13 [16] ATD Bd. 5, S. 101
14 Vgl. [26] Calwer BK, S. 74f
15 Ex 15,23
Gero W. Waßweiler
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Gero W. Waßweiler, 2005, Exegese zu Exodus 15,22-27, München, GRIN Verlag GmbH
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