Inhaltsverzeichnis:
Seite
1. Einleitung 2
2. Allgemeine Definition von Frieden 2
3. Allgemeine Definition von Gewalt 3
4. Dimensionen von Gewalt 4
5. Strukturelle und personale Gewalt 7
5.1. Typologie der personalen Gewalt 7
5.2. Typologie der strukturellen Gewalt 8
6. Zum Verhältnis von struktureller und personaler Gewalt 10
7. Frieden und Friedensforschung nach Galtung 15
Literaturverzeichnis 17
1
1. Einleitung
Die folgende Arbeit beschäftigt sich vorwiegend mit dem Begriff der strukturellen Gewalt und der Abgrenzung derselben von der personalen Gewalt. Der Begriff „strukturelle Gewalt“ wurde von dem norwegischen Geisteswissenschaftler und Friedensforscher Johan Galtung geprägt und in die wissenschaftliche Diskussion eingeführt. Er entwickelte diesbezüglich ei- nen eigenen analytischen Ansatz, mit welchem er die sozialen und politischen Tatsachen der Wirklichkeit zu erklären suchte.
Im Rahmen dieser Hausarbeit wird zunächst eine Begriffsklärung der Variablen „Frieden“ und „Gewalt“ vorgenommen. Anschließend werden die verschiedenen Dimensionen der Ge- walt aufgezeigt und analysiert. Neben die direkte, personale Gewalt, die bis dato die wissen- schaftliche Literatur und Diskussion beherrschte, stellt Galtung eine andere Gattung: die indi- rekte, strukturelle Gewalt, welche für ihn einen genauso starken Einfluß auf die Menschen ausübt. Im weiteren Verlauf werden einige Überlegungen zur Erklärung des Verhältnisses personaler und struktureller Gewalt angeführt, um eventuelle Abhängigkeiten aufzuzeigen. Außer der Differenzierung zwischen direkter und indirekter Gewalt wird auf die Entwicklung der Friedensforschung eingegangen, da dies das Feld ist, in dem der Begriff der strukturellen Gewalt zur Anwendung kommt. Ausgehend von den Anfängen dieser Forschungsrichtung werden die Veränderungen derselben aufgezeigt und näher beleuchtet. Abschließend wird kurz auf aktuelle Theorien der Friedensforschung eingegangen. Dabei wird auch auf den Beg- riff des Konfliktes näher eingegangen, da dieser die Abwesenheit von Frieden beinhaltet und somit untrennbar mit der Friedensforschung verbunden ist. In einer Schlußbemerkung werden die zentralen Aussagen dieser Arbeit nochmals aufgegriffen und zusammengeführt. Der vorliegenden Arbeit liegt fast ausschließlich das Buch Johan Galtungs „Strukturelle Ge- walt. Beiträge zur Friedens- und Konfliktforschung“ zugrunde, was bedeutet, dass ich mich primär auf dieses beziehe.
Allgemeine Definition von Frieden
2.
Zur Bestimmung des zentralen Begriffes „Gewalt“ ist es aus Gründen der Abgrenzung zu- nächst notwendig, „Frieden“ näher zu definieren. Kaum ein Wort wird so häufig und wenig spezifiziert gebraucht, wie Frieden. Um wissenschaftlich damit arbeiten zu können, ist jedoch eine genaue Definition unabdingbar. Galtung geht dabei von drei Grundsätzen aus: Zunächst soll der Begriff „Frieden“ für solche sozialen Ziele gelten, die wenn möglich von den meisten,
2
zumindest von vielen, als solche anerkannt werden. Das bedeutet, die Allgemeinheit soll ge- samtheitlich von Frieden sprechen können. Diese Ziele dürfen zwar komplex sein, müssen aber prinzipiell erreicht werden können. Das Hauptmerkmal von Frieden ist jedoch die Abwe- senheit von Gewalt. 1 Für diese Definition spricht, dass sie mit der allgemeinen Verwendung übereinstimmt. Außerdem
„(...) definiert (sie) eine friedliche Gesellschaftsordnung nicht punktuell, sondern regional: als den weiten Bereich von Gesellschaftsordnungen, in denen es keine Gewalt gibt.“ 2 Entsprechend diesen Überlegungen ist Handeln für den Frieden stets Handeln gegen die Ge- walt. Genau aus diesem Grund ist es, bei der Bestimmung des Gewaltbegriffes unabdingbar, eine Definition von Frieden zu leisten.
Allgemeine Definition von Gewalt
3.
Auch der Begriff der „Gewalt“ zeichnet sich durch eine Vielzahl von Definitionen aus. In der Regel versteht man in den Sozialwissenschaften unter Gewalt die Anwendung von physi- schem und/oder psychischem Zwang, entweder als Ausdruck von Aggressivität oder als legi- times oder auch unrechtmäßiges Mittel zur Begründung, Aufrechterhaltung oder Überwin- dung bestimmter Macht- und Herrschaftsverhältnisse. 3 Nach Galtung liegt Gewalt genau dann vor, „wenn Menschen so beeinflußt werden, dass ihre aktuelle somatische und geistige Verwirklichung geringer ist als ihre potentielle Verwirkli- chung“ 4 . Das bedeutet, Gewalt ist mehr, als die bloße körperliche Verletzung eines Menschen. Immer dann, wenn sich das potentiell Mögliche und das aktuell Vorhandene voneinander der- art unterscheiden, dass das Potentielle größer ist als das Aktuelle, liegt Gewalt vor. Durch das Einwirken von Gewalt – welche Art Gewalt auch immer – wird der Abstand zwischen dem Möglichen und dem Aktuellen vergrößert oder zumindest eine Annäherung derselben verhin- dert. Ein wichtiger Aspekt der Gewaltdefinition Galtungs ist neben dem Verhältnis von Aktu- ellem und Potentiellem die Tatsache, dass es sich nur dann um Gewalt handelt, wenn das Ak- tuelle zudem vermeidbar wäre. Ist dem nicht so, liegt auch keine Gewalt vor, selbst wenn sich
1 Vlg. Galtung, Johan: Strukturelle Gewalt. Beiträge zur Friedens- und Konfliktforschung. Reinbek bei Hamburg 1975, S. 8.
2 Ebenda.
3 Vgl. Hillmann, Karl-Heinz (Hrsg.): Wörterbuch der Soziologie. 4. überarb. und erg. Aufl., Stuttgart 1994, Stichwort: Gewalt, S. 293 f.
4 Galtung, Johan: a.a.O., S. 9.
3
das Aktuelle auf einer sehr niedrigen Ebene bewegt. 5 Galtung definiert das „potentielle Maß der Verwirklichung“ als das Maß, das durch eine gewisse Einsicht und unter Verwendung angemessener Hilfsmittel möglich ist. Das bedeutet, es handelt sich hier nicht um einen völlig fiktiven Maßstab, sondern um einen an die Realität und deren Begebenheiten angepaßten. Gewalt läßt sich unterteilen in direkte und indirekte Gewalt. Werden die oben genannten Ein- sichten und Hilfsmittel von nur einer Gruppe innerhalb eines Systems (sei es nun eine Gesell- schaft oder bspw. eine Organisation) angewandt und zweckentfremdet gebraucht, spricht man von indirekter Gewalt, da dadurch bei denjenigen, die nicht über diese eingesetzten Mittel verfügen, das Aktuelle unter das Potentielle sinkt. Direkte Gewalt liegt hingegen dann vor, wenn die Möglichkeit der Verwirklichung nicht nur verringert, sondern vollständig unter- drückt wird. Als Beispiel direkter Gewalt führt Galtung den Kriegsfall an und zwar insofern, als dass Menschen getötet bzw. verletzt werden und somit die aktuelle physische Verwirkli- chung eindeutig unter die potentiell mögliche sinkt. 6 Galtung versteht Gewalt als Einflußnahme auf ein Objekt. Dies setzt voraus, dass drei Dinge existieren: etwas, das beeinflußt wird, etwas, das beeinflußt und eine spezifische Methode der Einflußnahme. Das bedeutet, es gibt stets ein Subjekt, ein Objekt und eine Handlung, die ge- trennt voneinander betrachtet werden können.
Der hier dargestellte erweiterte Gewaltbegriff Galtungs ist deshalb nötig, da Frieden in unse- rer Zeit als ein hohes Ideal propagiert wird. Wäre Gewalt nur als Angriff bzw. Beschädigung der Physis eines Menschen definiert und Frieden die einfache Negation desselben, wäre zu- wenig ausgeschlossen. Auch inakzeptable Gesellschaftsordnungen wären noch mit diesem Friedensbegriff vereinbar, obwohl eindeutig ein Zwang auf die Menschen solcher Gesell- schaften ausgeübt wird (Bsp.: Diktaturen). => Fußnote!
4. Dimensionen der Gewalt
Die erweiterte Gewaltdefinition umschließt zunächst sechs wichtige Dimensionen. Eine sehr wichtige ist zunächst die Trennung in physische und psychische Gewalt. Wendet man physi- sche Gewalt an, fügt man Menschen Schmerzen zu. Diese Art der Gewalt ist weiter unterteil- bar „(...) in ‚biologische Gewalt‘, die die physischen Fähigkeiten vermindert (...) und in ‚phy-
5 Galtung führt in diesem Zusammenhang die menschliche Lebenserwartung an. Eine Lebenserwartung von 30
Jahren war in anderen Zeitaltern keine Gewalt, wobei eine solche jedoch heute aufgrund der technischen Stan-
dards als Gewalt zu bezeichnen wäre.
6 Vgl. Galtung, Johan: a.a.O., S. 9 f.
4
Arbeit zitieren:
Dipl.-Soz. Susanne Dera, 1999, Der Begriff der strukturellen Gewalt bei Galtung, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Zu: Johan Galtung: "Strukturelle Gewalt"
Geschichte Europa - and. Länder - Neueste Geschichte, Europäische Einigung
Hauptseminararbeit, 26 Seiten
Kooperatives Lernen in der Erwachsenenbildung
Pädagogik - Pädagogische Psychologie
Seminararbeit, 35 Seiten
Johan Galtung und der Afghanistan-Krieg
Politik - Internationale Politik - Region: Naher Osten, Vorderer Orient
Hausarbeit, 10 Seiten
Aggression und Gewalt - Galtungs Ansatz zur Gewaltdiskussion
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Referat (Handout), 10 Seiten
Modelle der sozialen Gruppenarbeit nach Bernstein & Lowy
Pädagogik - Pädagogische Soziologie
Seminararbeit, 17 Seiten
Methoden der qualitativen Inhaltsanalyse
BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung
Hauptseminararbeit, 22 Seiten
Positivismusstreit in der deutschen Soziologie
Soziologie - Kultur, Technik und Völker
Vordiplomarbeit, 28 Seiten
Übergänge gestalten - Jugendliche mit besonderem Förderbedarf in Arbei...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Diplomarbeit, 90 Seiten
Projektunterricht - eine umfassende Betrachtung
Referat (Ausarbeitung), 26 Seiten
Sozialisation und Benachteiligung von Jungen in der Schule
Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter
Hauptseminararbeit, 26 Seiten
Ko- und Monoedukation: Von der Benachteiligung von Jungen in der Schul...
Psychologie - Sozialpsychologie
Zwischenprüfungsarbeit, 30 Seiten
Susanne Dera hat den Text Der Begriff der strukturellen Gewalt bei Galtung veröffentlicht
Susanne Dera hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare