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Seminararbeit, 1999, 18 Seiten
Autor: Dipl.-Soz. Susanne Dera
Fach: Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Details
Institution/Hochschule: Johannes Gutenberg-Universität Mainz (Institut für Politikwissenschaften)
Tags: Begriff, Gewalt, Galtung, Vergleichende, Regierungslehre
Jahr: 1999
Seiten: 18
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 2 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-48018-5
Dateigröße: 146 KB
Die folgende Arbeit beschäftigt sich vorwiegend mit dem Begriff der strukturellen Gewalt und der Abgrenzung derselben von der personalen Gewalt. Der Begriff strukturelle Gewalt wurde von dem norwegischen Geisteswissenschaftler und Friedensforscher Johan Galtung geprägt und in die wissenschaftliche Diskussion eingeführt. Er entwickelte diesbezüglich einen eigenen analytischen Ansatz, mit welchem er die sozialen und politischen Tatsachen der Wirklichkeit zu erklären suchte.
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Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Institut für Politikwissenschaften
Seminar: Vergleichende Regierungslehre
Der Begriff der strukturellen Gewalt bei Galtung
von: Susanne Dera
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Allgemeine Definition von Frieden 2
3. Allgemeine Definition von Gewalt 3
4. Dimensionen von Gewalt 4
5. Strukturelle und personale Gewalt 7
5.1. Typologie der personalen Gewalt 7
5.2. Typologie der strukturellen Gewalt 8
6. Zum Verhältnis von struktureller und personaler Gewalt 10
7. Frieden und Friedensforschung nach Galtung 15
Literaturverzeichnis 17
1. Einleitung
Die folgende Arbeit beschäftigt sich vorwiegend mit dem Begriff der strukturellen Gewalt und der Abgrenzung derselben von der personalen Gewalt. Der Begriff „strukturelle Gewalt“ wurde von dem norwegischen Geisteswissenschaftler und Friedensforscher Johan Galtung geprägt und in die wissenschaftliche Diskussion eingeführt. Er entwickelte diesbezüglich einen eigenen analytischen Ansatz, mit welchem er die sozialen und politischen Tatsachen der Wirklichkeit zu erklären suchte.
Im Rahmen dieser Hausarbeit wird zunächst eine Begriffsklärung der Variablen „Frieden“ und „Gewalt“ vorgenommen. Anschließend werden die verschiedenen Dimensionen der Gewalt aufgezeigt und analysiert. Neben die direkte, personale Gewalt, die bis dato die wissenschaftliche Literatur und Diskussion beherrschte, stellt Galtung eine andere Gattung: die indirekte, strukturelle Gewalt, welche für ihn einen genauso starken Einfluß auf die Menschen ausübt. Im weiteren Verlauf werden einige Überlegungen zur Erklärung des Verhältnisses personaler und struktureller Gewalt angeführt, um eventuelle Abhängigkeiten aufzuzeigen. Außer der Differenzierung zwischen direkter und indirekter Gewalt wird auf die Entwicklung der Friedensforschung eingegangen, da dies das Feld ist, in dem der Begriff der strukturellen Gewalt zur Anwendung kommt. Ausgehend von den Anfängen dieser Forschungsrichtung werden die Veränderungen derselben aufgezeigt und näher beleuchtet. Abschließend wird kurz auf aktuelle Theorien der Friedensforschung eingegangen. Dabei wird auch auf den Begriff des Konfliktes näher eingegangen, da dieser die Abwesenheit von Frieden beinhaltet und somit untrennbar mit der Friedensforschung verbunden ist. In einer Schlußbemerkung werden die zentralen Aussagen dieser Arbeit nochmals aufgegriffen und zusammengeführt. Der vorliegenden Arbeit liegt fast ausschließlich das Buch Johan Galtungs „Strukturelle Gewalt. Beiträge zur Friedens- und Konfliktforschung“ zugrunde, was bedeutet, dass ich mich primär auf dieses beziehe.
2. Allgemeine Definition von Frieden
Zur Bestimmung des zentralen Begriffes „Gewalt“ ist es aus Gründen der Abgrenzung zunächst notwendig, „Frieden“ näher zu definieren. Kaum ein Wort wird so häufig und wenig spezifiziert gebraucht, wie Frieden. Um wissenschaftlich damit arbeiten zu können, ist jedoch eine genaue Definition unabdingbar. Galtung geht dabei von drei Grundsätzen aus: Zunächst soll der Begriff „Frieden“ für solche sozialen Ziele gelten, die wenn möglich von den meisten, zumindest von vielen, als solche anerkannt werden. Das bedeutet, die Allgemeinheit soll gesamtheitlich von Frieden sprechen können. Diese Ziele dürfen zwar komplex sein, müssen aber prinzipiell erreicht werden können. Das Hauptmerkmal von Frieden ist jedoch die Abwesenheit von Gewalt.1 Für diese Definition spricht, dass sie mit der allgemeinen Verwendung übereinstimmt. Außerdem „(...) definiert (sie) eine friedliche Gesellschaftsordnung nicht punktuell, sondern regional: als den weiten Bereich von Gesellschaftsordnungen, in denen es keine Gewalt gibt.“2 Entsprechend diesen Überlegungen ist Handeln für den Frieden stets Handeln gegen die Gewalt. Genau aus diesem Grund ist es, bei der Bestimmung des Gewaltbegriffes unabdingbar, eine Definition von Frieden zu leisten.
3. Allgemeine Definition von Gewalt
Auch der Begriff der „Gewalt“ zeichnet sich durch eine Vielzahl von Definitionen aus. In der Regel versteht man in den Sozialwissenschaften unter Gewalt die Anwendung von physischem und/oder psychischem Zwang, entweder als Ausdruck von Aggressivität oder als legitimes oder auch unrechtmäßiges Mittel zur Begründung, Aufrechterhaltung oder Überwindung bestimmter Macht- und Herrschaftsverhältnisse.3
Nach Galtung liegt Gewalt genau dann vor, „wenn Menschen so beeinflußt werden, dass ihre aktuelle somatische und geistige Verwirklichung geringer ist als ihre potentielle Verwirklichung“ 4. Das bedeutet, Gewalt ist mehr, als die bloße körperliche Verletzung eines Menschen. Immer dann, wenn sich das potentiell Mögliche und das aktuell Vorhandene voneinander derart unterscheiden, dass das Potentielle größer ist als das Aktuelle, liegt Gewalt vor. Durch das Einwirken von Gewalt – welche Art Gewalt auch immer – wird der Abstand zwischen dem Möglichen und dem Aktuellen vergrößert oder zumindest eine Annäherung derselben verhindert. Ein wichtiger Aspekt der Gewaltdefinition Galtungs ist neben dem Verhältnis von Aktuellem und Potentiellem die Tatsache, dass es sich nur dann um Gewalt handelt, wenn das Aktuelle zudem vermeidbar wäre. Ist dem nicht so, liegt auch keine Gewalt vor, selbst wenn sich das Aktuelle auf einer sehr niedrigen Ebene bewegt.5 Galtung definiert das „potentielle Maß der Verwirklichung“ als das Maß, das durch eine gewisse Einsicht und unter Verwendung angemessener Hilfsmittel möglich ist. Das bedeutet, es handelt sich hier nicht um einen völlig fiktiven Maßstab, sondern um einen an die Realität und deren Begebenheiten angepaßten. Gewalt läßt sich unterteilen in direkte und indirekte Gewalt.
[...]
1 Vlg. Galtung, Johan: Strukturelle Gewalt. Beiträge zur Friedens- und Konfliktforschung. Reinbek bei Hamburg 1975, S. 8.
2 Ebenda.
3 Vgl. Hillmann, Karl-Heinz (Hrsg.): Wörterbuch der Soziologie. 4. überarb. und erg. Aufl., Stuttgart 1994, Stichwort: Gewalt, S. 293 f.
4 Galtung, Johan: a.a.O., S. 9.
5 Galtung führt in diesem Zusammenhang die menschliche Lebenserwartung an. Eine Lebenserwartung von 30 Jahren war in anderen Zeitaltern keine Gewalt, wobei eine solche jedoch heute aufgrund der technischen Standards als Gewalt zu bezeichnen wäre.
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