Inhaltsverzeichnis:
1 Vorwort 2
2 Kollektives Handeln als soziales Konstrukt 3
3 Die strategischen Konzepte 4
3.1 Strategie 4
3.1.1 Der Freiraum des Akteurs 4
3.1.2 Das strategische Vorgehen 6
3.2 Macht 8
3.2.1 Die Macht des Akteurs 8
3.2.2 Macht und Organisation 10
3.3 Spiel 12
3.3.1 Die Rolle der Formalstruktur 12
3.3.2. Das Spiel als Instrument organisierten Handelns 13
4 Schlußbemerkung 15
Literaturverzeichnis 16
1
1 Vorwort
In ihrem Werk "Die Zwänge kollektiven Handelns: Über Macht und Organisation" versuchen die Autoren Crozier und Friedberg 1) nicht, eine neue Theorie über Organisationen zu entwickeln. Es stellt vielmehr einzig und allein den Versuch dar, eine neue Sichtweise aufzuzeigen, bei der nicht die Organisation im Mittelpunkt steht, sondern das organisierte Handeln der Menschen an sich. Letztlich soll man dieses verstehen als eine "Reflexion über die Beziehungen zwischen sozialem Akteur und System" 2) .
Die zentrale Frage des Buches ist, "unter welchen Bedingungen und verbunden mit welchen Zwängen (..) kollektives, das heißt organisiertes Handeln der Menschen möglich" 3) ist. Dafür ist es unbedingt notwendig, auf die von Crozier und Friedberg behandelten Konzepte Strategie, Macht und Spiel näher einzugehen und diese in ihrem Zusammenhang zu analysieren.
Die Autoren entwerfen hier eine Bürokratiekritik, mit der sie sich sowohl "gegen die Fiktion des (quasi) rationalen Entscheiders, wie auch gegen die totale Determination durch das System" 4) wenden. Aufgrund dessen wird von ihnen der Begriff des Spiels als regulierendes Instrument kollektiven Handelns eingeführt.
Crozier und Friedberg betonen in ihrem Buch vor allem die Dialektik von Freiheit und Zwang innerhalb sozialer Konstrukte. Das bedeutet für sie, dass Freiheit nur in und gegen Zwänge und Strukturen bestehen kann, da Strukturen die individuelle Autonomie des einzelnen zwar be- schränken, jedoch auch eine zwingende Voraussetzung für deren Existenz darstellen. Somit kön- nen sozialer Akteur und System nicht getrennt voneinander untersucht werden, da sie einander bedingen.
Die nun folgenden Ausführungen stützen sich vordringlich auf den ersten Teil des oben genann- ten Buches und versuchen, die darin angeführten strukturellen Zusammenhänge organisatori- schen Handelns aufzuzeigen.
1) Crozier, Michel und Erhard Friedberg: Die Zwänge kollektiven Handelns. Über Macht und Organisation. Frank- furt, Hain 1993.
2) ebenda, S. 3.
3) ebenda, S. 7.
4) Neuberger, Oswald: Mikropolitik. Der alltägliche Aufbau und Einsatz von Macht in Organisationen. Stuttgart 1995, S. 204.
2
2 Kollektives Handeln als soziales Konstrukt
Für das weiter Verständnis ist es notwendig, zuerst einmal darauf einzugehen, wie Cro- zier/Friedberg kollektives, das heißt organisiertes Handeln definieren. Sie verstehen es als ein nicht natürliches sondern als ein gesellschaftlich herausgebildetes Konstrukt. Das bedeutet, dass kollektive Handlungsweisen weder natürliche Gegebenheiten darstellen, noch dass sie als auto- matisches Ergebnis menschlicher Interaktion anzusehen sind. Sie sind vielmehr die immer spe- ziellen Lösungsmöglichkeiten, die relativ autonome Akteure durch ihre spezifischen Fähigkeiten gefunden haben, um die für den Erhalt des sozialen Konstruktes notwendige Zusammenarbeit zu gewährleisten, ohne dabei ihre eigenen Interessen und Ziele aus den Augen zu verlieren. Diese Lösungen sind letztlich alle willkürlich, aber trotzdem zwingend, da sie ein Minimum an "Organisation" menschlichen Handelns voraussetzen. Gleichzeitig richten sie eine Strukturie- rung ein, an der sich die folgenden Handlungen ausrichten. 5)
Besonders charakteristisch für menschliche Handlungsfelder sind die, jeder Handlung immanen- ten, kontra-intuitiven Effekte, die bewirken, dass man immer "Gefahr läuft", etwas anderes zu erreichen, als ursprünglich beabsichtigt. Dieses Problem ergibt sich vordringlich aus den Mitteln, die verwendet werden. Um es zu lösen, bedarf es einer Abstimmung zwischen dem zu erreichen- den Ziel und den einzusetzenden Mitteln. Diese Vermittlungsaufgabe übernehmen "die (..) Kon- strukte kollektiven Handelns und (..) [die] von ihnen eingesetzten und verkörperten Strukturie- rungen der Handlungsfelder" 6) . Somit bilden also kollektives Handeln und Organisation die un- trennbaren, komplementären Pole des Problems der Strukturierung und somit Einschränkung der Handlungsfreiheit, die als Rahmen für menschliches Handeln anzusehen ist. Demzufolge kann man sagen, dass Organisationen konstruierte, künstliche Lösungen der Probleme kollektiven Handelns sind. 7)
Man muß auch beachten, dass die Handlungen der autonomen Akteure sozialem Wandel unter- liegen. Sowohl die Gründe für das Handeln, als auch die Handlungen an sich unterliegen Verän- derungen, die wiederum Auswirkungen auf das soziale System nach sich ziehen. 8) Die Strukturen, an welchen sich die Handlungsfelder der Akteure innerhalb der geschilderten sozialen Konstrukte ausrichten, bestehen immer aus Machtbeziehungen und Zwängen. Machtbe- ziehungen deshalb, weil jedes soziale Handeln Macht beinhaltet, was zur Folge hat, dass es keine
5) vgl. Crozier und Friedberg: Die Zwänge kollektiven Handelns, S. 7.
6) ebenda, S. 8.
7) vgl. ebenda, S. 8 f.
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unstrukturierten Handlungsfelder gibt. Trotzdem existieren "keine völlig geregelten und kontrol- lierten sozialen Systeme" 9) , da die ihnen angehörenden Akteure immer eine gewisse Freiheit der Entscheidung beibehalten.
Festzuhalten ist demzufolge, dass soziale Konstrukte, wie beispielsweise eine Organisation, aus den Handlungen ihrer sozialen Akteure bestehen, die relativ autonom Entscheidungen treffen, obwohl ihre Handlungsfelder immer Zwängen unterliegen. Diese werden gebildet aus bestehen- den Strukturen und Machtbeziehungen, die regulierend wirken. Um eine tiefergehende Analyse kollektiven Handelns durchführen zu können, muß man sich nun eingehender mit den strategi- schen Konzepten von Crozier und Friedberg beschäftigen: den Begriffen Strategie, Macht und Spiel.
3 Die strategischen Konzepte
3.1 Strategie
3.1.1 Der Freiraum des Akteurs
Wie bereits erwähnt, ist der Begriff der Strategie bei Crozier und Friedberg ein sehr elementa- rer. Ihrer Ansicht nach wird allgemein die Rationalität der Funktionsweise von Organisationen überbewertet. Es wurde bereits erwähnt, dass hier weder das Prinzip der reinen Determination durch das System, noch das des allein rationalen Entscheiders zur Erklärung des Phänomens des kollektiven Handelns ausreichen. Eine Organisation wird erst durch die ihr angehörenden Men- schen gebildet und zum Leben erweckt. Diese Akteure behalten jedoch trotz einer festgelegten Grundstruktur des sozialen Konstruktes immer einen gewissen eigenen Entscheidungsfreiraum, den sie für sich zu nutzen versuchen. Das bedeutet, sie können autonom entscheiden, welche der sich eröffnenden Handlungsstrategien sie verfolgen möchten. Die möglichen Strategien ergeben sich immer aus dem für jeden Akteur individuellen Freiraum, der aus den persönlichen Fähig- keiten und Ressourcen des einzelnen entsteht. Zu betonen ist hierbei, dass es stets mehrere Mög- lichkeiten des Agierens gibt, wobei die Wahl des Handelnden in der Regel auf die Strategie fällt, die ihm zur Verfolgung seiner Ziele am erfolgreichsten erscheint. Man darf allerdings nicht ver-
8) vgl. ebenda, S. 18 f.
9) ebenda, S. 19.
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Arbeit zitieren:
Dipl.-Soz. Susanne Dera, 1998, Organisation und Macht - Der Ansatz von Crozier und Friedberg, München, GRIN Verlag GmbH
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