Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung Seite 1
2. Die Pressepolitik der Alliierten 1945-1949
2.1 Die Potsdamer Konferenz Seite 1
2.2 Alliiertes Presseideal und deutsche Pressetradition Seite 2
2.3 Die Organisationsstruktur für eine Neuordnung der Presse Seite 2
2.4 Das Aachener Experiment Seite 3
2.5 Drei Phasen-Konzept für eine „neue“ deutsche Presse Seite 4
3. Das Lizensierungssystem der Allierten Seite 5
3.1 Konzeption Seite 6
3.2.1 Auswahl der Lizenzträger Seite 6
3.2.2 Das System der Gruppenlizenz Seite 6
3.3 Probleme der Praxis Seite 7
3.4 Unterschiede in britischer Zone Seite 8
3.5 Unterschiede in französischer Zone Seite 9
4. Marktzutrittsphase 1949-1954
4.1 Generallizenz Seite 10
4.2 Spannungen durch die Rückkehr der Altverleger Seite 10
5. Zur Auflagenentwicklung 1949-1954 Seite 11
6. Fazit Seite 14
Literaturverzeichnis
1. Einleitung
Nach der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands 1945 und dem damit verbundenen Zusammenbruch des Dritten Reichs, war auch die gleichgeschaltete Presse am Ende. Diese Ausgangsposition einer neu aufzubauenden Presse wird oft als die „Stunde Null“ bezeichnet, und wurde von vielen als eine in der Geschichte einmalige Chance angesehen. Ob die Möglichkeit eines solchen Neuanfangs wirklich bestand, und außerdem genutzt wurde, soll hier auf die BRD beschränkt geklärt werden.
2. Die Pressepolitik der Alliierten 1945-1949
2.1 Die Potsdamer Konferenz
Die Konferenz der „Großen Drei“ fand vom 17.Juli bis 02. August 1945 im Potsdamer Schloß Cecilienhof statt. Es sollten dort die politischen, wirtschaftlichen und territorialen Probleme gelöst werden, die der 2. Weltkrieg hervorgebracht hatte. Über das Schicksal Deutschlands berieten Josef Stalin (UdSSR), Harry S. Truman, der Nachfolger Roosevelts, (USA) und Winston S. Churchill (Großbritannien), der Ende Juli von Clement R. Attlee abgelöst wird. 1 Frankreich war bei dieser Konferenz nicht vertreten. Im Schlußdokument wurden als zentrale Punkte festgelegt:
Die Alliierten waren sich einig darüber, daß Deutschland zur Verwirklichung dieser Punkte zunächst einer Umerziehung unterworfen werden muß. Sie sahen die Deutschen als ein Volk, das daran gewöhnt war, Befehlen zu folgen, aber weder den kritischen Blick, noch das Engagement besaß, das für eine Demokratie nötig ist. Eine Entmilitarisierung sollte vor allem zur Sicherheit der Alliierten erfolgen, und auch eine Art Entmachtung darstellen. Die Entnazifizierung war unerläßlich, da verbleibendes Gedankengut der Demokratisierung entgegenwirken würde. Ebenfalls zum Zwecke der Demokratisierung sind die Ziele Dekartellisierung und Dezentralisierung angelegt. Diese waren Kennzeichen des Nationalsozialismus, die Aufteilung Deutschlands in verschiedene Besatzungszonen war der deutlichste Schritt, um zentrale Stellen für das ganze Gebiet zu vermeiden. Und die
1 Informationen zur politischen Bildung, Heft 259, Internetquelle siehe Literaturverzeichnis
1
Dekartellisierung ist die konsequente Fortsetzung der Dezentralisierung im Bereich der Wirtschaft. Am 07. August 1945 tritt unter Vorbehalten auch Frankreich dem Abkommen bei. Die Medien und ihr Einfluß standen bei der Umsetzung im zentralen Interesse der Alliierten und sollten bei der Verwirklichung ihrer Ziele eine wichtige Rolle spielen.
2.2 Alliiertes Presseideal und deutsche Pressetradition
Die alliierte Pressepolitik, wurde auf der Grundlage von Werturteilen über das deutsche und amerikanische Pressewesen. gestaltet, dabei wurde das amerikanische Pressewesen im Zuge des durch den Krieg geprägten Schwarz-Weiß-Denkens idealisiert betrachtet, und das deutsche fast ausschließlich auf die Zeiten autoritärer Kontrolle reduziert. 2 Beide Länder hatten unterschiedliche Vorstellungen von der Funktion ihrer Zeitungen, dies führte zu einigen Konflikten bei der Umstrukturierung, in denen nicht immer die Amerikaner die Oberhand behielten. 3
Für einen anglo-amerikanischen Journalisten stellte die strikte Trennung von Nachricht und Kommentar das oberste Gebot dar 4 , Deutschland hatte dagegen eine lange Tradition politisch engagierter Zeitungen, in denen die persönliche Meinung des Journalisten in jeden Artikel einging. Außerdem wollte die Amerikaner eine klare Quellenangabe zu jeder Nachricht. Da die deutsche Bevölkerung sich nach dem Krieg von den Nazis in die Irre geführt fanden, fiel es den Alliierten recht leicht, diese Änderungen durchzusetzen. Den hohen Stellenwert des Feuilletons mußten sie jedoch ebenso akzeptieren, wie das Ressortsystem. Ein durch den sog. „copy desk“ vereinheitlichtes Zeitungsbild hätte ihren Vorstellungen ehr entsprochen.
2.3 Die Organisationsstruktur für eine Neuordnung der Presse
Da die Invasion Europas im Zweiten Weltkrieg durch britisches und amerikanische Armeen unter einem gemeinsamen Oberkommando erfolgte, gab es mit der PWD (Psycological Warfare Division) auch einen von den Amerikanern und Engländern betriebenen Planungsstab für psychologische Kriegsführung. Seine Position in der militärischen Befehlsstruktur war etwas peripher, und räumte ihm einen gewissen Grad der Unabhängigkeit ein. Innerhalb des Alliierten Obersten Hauptquartiers (SHAEF, Supreme Headquarters of the Allied Expeditionary Force) stellte die PWD eine besondere Stabseinheit dar, die im Unterschied zu anderen Einheiten sowohl planende als auch ausführende Funktionen hatte. 5
2 Hurwitz, H.: Die Stunde Null..., S. 34
3 Hurwitz, H.: Die Stunde Null..., S. 40
4 Liedtke: Die verschenkte Presse, S. 25
5 Hurwitz, H.: Die Stunde Null..., S. 24
2
Nach Kriegsende sollte die Information Control Division (ICD) als Teil der US-Militärregierung die Verantwortung für Aufbau und Kontrolle der deutschen Medien übernehmen. Zunächst war es jedoch die PWD, die neben Propagandaaufgaben bereits während des Krieges Pläne für die Organisation und den Wiederaufbau der deutschen Medien entwarf.
Abb. 1: Übersicht PWD und untergeordnete Heeresgruppen 6
Die Übersicht zeigt, daß sich die Heeresgruppen aus Armeen verschiedener Nationalitäten zusammensetzen. Die US-Armee ist dabei jedoch überdurchschnittlich oft vertreten. Das ist wahrscheinlich auch ursächlich für die Dominanz der US-Amerikaner in der Durchführung der von der PWD geplanten psychologischen Kriegsführung. Die 1. Französische Armee war außerdem für derartige Aufgaben nicht ausgerüstet, und die kanadische wie britische Armee der 21. AG handelte oft nach ihren eigenen Befehlen, sie erwies sich damit nicht als sonderlich zuverlässig.
Das Programm, das die PWD für den Neuaufbau der deutschen Presse entwickelte, war geprägt von den Berichten über nationalsozialistische Verbrechen in Konzentrationslagern, und wurde mit der Zeit etwas gemildert. Die aktive Mitwirkung deutscher Publizisten war zunächst jedoch ausgeschlossen. 7
2.4 Das Aachener Experiment
Aachen, das gleich hinter der holländischen Grenze lag, wurde von den westlichen Alliierten zuerst eingenommen, und war für ein paar Monate die einzige größere von Westalliierten besetzte Stadt. In dieser Zeit gründeten die Amerikaner die erste deutsche Nachkriegszeitung.
6 aus: Matz, E.: Die Zeitungen der US-Armee für die deutsche Bevölkerung, S. 23
7 Koszyk, Pruys: Wörterbuch zur Publizistik, S 228
3
Arbeit zitieren:
Miriam Nuschke, 2003, Lizenzpresse und Marktzutrittsphase 1949 - 1954. Stunde Null der deutschen Presse und Entstehung des Pressemarktes in der Bundesrepublik , München, GRIN Verlag GmbH
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