Inhaltsverzeichnis:
1 Einleitung 1
2 Begriffsklärung 1
3 Genese der Moore 2
3.1 Niedermoor 3
3.2 Übergangsmoor 4
3.3 Hochmoor 4
4 Klassifikation der Moore 5
4.1 Die hydrologischen Moortypen 6
4.1.1 primäre Moorformen 6
4.1.1.1 Verlandungsmoore 6
4.1.1.2 Versumpfungsmoore 7
4.1.1.3 Überflutungsmoore 7
4.1.1.4 Hangmoore 7
4.1.1.5 Quellmoore 8
4.1.2 sekundäre Moorformen 8
4.1.2.1 Durchströmungsmoore 8
4.1.2.2 Kesselmoore 9
4.1.3 tertiäre Moorform 9
4.1.3.1 Regenmoore 9
4.1.3.2 Klassische Hochmoore 11
4.2 Die ökologischen Moortypen 11
4.2.1 Reichmoore 12
4.2.2 Kalk-Zwischenmoore 12
4.2.3 Basen-Zwischenmoore 12
4.2.4 Sauer-Zwischenmoore 13
4.2.5 Sauer-Armmoore 13
5 Eigenschaften der Moore 13
6 Nutzung und Kultivierung von Mooren 14
6.1 Kurzer historischer Abriss über die verschiedenen Nutzungsformen 14
6.2 Beschreibung der Nutzungs- und Kultivierungsformen 15
6.2.1 Raseneisenerznutzung 15
6.2.2 Wiesenkalknutzung 16
6.2.3 Torfnutzung 16
6.2.4 Kultivierung von Mooren 17
6.2.4.1 Moorbrandkultur 18
6.2.4.2 Schwarzkulturen (Niedermoorschwarzkultur) 18
6.2.4.3 Deutsche Hochmoorkultur 19
6.2.4.4 Sanddeckkultur 19
6.2.4.5 Sandmischkultur 19
6.2.4.6 Fehnkultur 20
7 Schutz der Moore 20
8 Verbreitung 21
8.1 Deutschland 21
8.1.1 Moore im Hochharz 21
8.1.1.1 Rotes Moor 22
8.1.1.2 Königsmoor 22
8.1.2 Norddeutsche Moore 23
8.1.3 Moore in den Kammlagen des Thüringer Waldes 24
8.1.4 Moore des Alpenvorlandes 25
8.2 globale Verbreitung 25
8.2.1 Verteilung der Moorzonen in Europa 25
8.2.2 Verteilung der Moore auf der Erde 28
9 Zusammenfassung 28
Literaturverzeichnis
1 Einleitung
Moore stellen besondere naturnahe Ökosysteme dar. Wenn man sich näher mit ihnen befasst, wird man feststellen, dass sie einmalig in Bezug auf Flora und Fauna sind. Ihr Profil gibt Auskunft über ihre Entstehungsgeschichte, die im Vergleich zur Entstehung der Erde extrem jung ist. Sie existieren überall dort, wo Wasser in ausreichenden Mengen vorhanden ist und sind bis auf Wüsten- und Halbwüstengebiete überall auf der Erde verbreitet. Dem Torf ist es (leider) zu verdanken, dass Moore seit vielen Jahrhunderten (land-)wirtschaftlich so bedeutend sind und als einzigartige Lebensräume immer mehr an Bestand verlieren. Im Folgenden soll auf die Entstehung, Bedeutung und Nutzung von Mooren näher eingegangen werden.
2 Begriffsklärung
Moore
„Ökosysteme, in denen organische Substanz, vor allem im Wurzelbereich unter anaeroben Zersetzungsbedingungen schneller produziert als abgebaut wird. Natürliche Moore stellen eine Abteilung in der deutschen Bodenklassifikation dar. Die gleichnamige Klasse unterteilt sich in zwei Typen, Niedermoor und Hochmoor, die sich jeweils noch in verschiedene Subtypen untergliedern lassen“ (Lexikon) Anmoor (Anmoorgley) Das Anmoor ist ein saurer Mineralbodentyp, der zwischen dem Gley und Moorboden steht; er entsteht in Quellmulden am Hang und in Talniederungen und Senken, in denen das Grundwasser bis nahe an die Bodenoberfläche heranreicht. (MEYERS KLEINES LEXIKON, 1986, S. 34) Es handelt sich um Böden mit geringerer Torflage bzw. Humusgehalte. (Scheffer, 2002, S. 515) Gley „Der Gley ist ein infolge Grundwassereinfluss vernäßter, überwiegend mineralischer Bodentyp in Senken und Talungen mit einem … Grundwasserhorizont in etwa 80 cm Tiefe…“ (MEYERS KLEINES LEXIKON, 1986, S. 143) Torf „Torf ist ein unter Luftabschluss hauptsächlich in Mooren gebildetes Zersetzungsprodukt überwiegend pflanzlicher Substanzen; er stellt die erste Stufe der Inkohlung dar 1 . Torf enthält im Unterschied zu Braunkohle noch freie Zellulose. Als Hauptbestandteil liegen bis zu 50 % Huminsäuren vor… Torf enthält in frisch gewonnenem Zustand bis zu 90 % Wasser, lufttrocken noch 25-30 %.“ (MEYERS KLEINES LEXIKON, 1986, S. 349)
1 siehe Abbildung 1 oben
Man sollte Torf nicht mit Humus verwechseln. Während Torf eine fossile, schlecht zersetzte
organische Substanz ist, handelt es sich bei Humus um eine Neubildung organischer
Substanz.
Das Torfprofil gibt Aufschluss über die Entwicklungsgeschichte des Moores. Torfschichten
können eine jährliche Zuwachsrate von 0,5 bis 1 mm besitzen.
Die größte Torfmächtigkeit Europas besitzen Moore in Spanien mit 70 m und in Griechenland
mit 200 m. Möglich war dieses Wachstum, da diese Gebiete von der letzten Eiszeit nicht
betroffen waren. Die Torfschichten in unserem Gebiet sind alle nacheiszeitlich entstanden und
besitzen eine maximale Torfmächtigkeit von 13 m.
Die Bildung von Torf erfolgt nur in feucht-kühlen Klimaten mit bodenüberstauendem,
nährstoffarmem Wasser. Geringe Temperaturen, sowie Nähr- und Sauerstoffmangel bremsen
den mikrobiellen Abbau der Pflanzenstreu 2 . Die Humifizierung erfolgt nur unvollständig und
es kommt zur Anreicherung von schwer zersetzbaren Huminsäuren, die dem Torf die
gelbbraune bis schwarze Färbung verleihen und den typisch sauren Charakter bedingen. Torf
ist sehr energiereich und ein wertvolles Brennmaterial, worauf an anderer Stelle genauer
eingegangen wird. (COLDITZ, 1994, S. 67 f)
3 Genese der Moore
Unter Moore werden hydromorphe Böden verstanden, deren Torfhorizont über 3 dm mächtig
ist und dessen Mineralkörper teilweise stark reduziert ist. Neben dem Torfhorizont besitzen
Moore bis zu mehreren Metern mächtige Humushorizonte, die einen organischen Anteil von
30 % und mehr aufweisen. (vgl.: Wales, 2001, Moor)
Die Bildung der mitteleuropäischen Moore setzte nach dem Ende der letzten Eiszeit
(Weichseleiszeit; Jungpleistozän) vor ca. 10.000 Jahren ein 3 . (vgl.: SCHEFFER, 2002, S. 515 f)
Ausgangspunkt waren im Spätglazial (11.500 – 8.100 v.Chr.) bzw. Präboreal (8.100 – 6.800
v.Chr.) vorhandene subhydrische Böden, die „in Toteisseen und Schmelzwasserrinnen der
Moränen- und Sander-Landschaften“ empor wuchsen. Subhydrische Böden sind mit
Unterwasserböden zu übersetzen, d.h., es handelt sich hierbei um Böden eines
Gewässergrundes. Sie „weisen einen humosen Horizont auf, der aus humifizierten Plankton
besteht…Der Abbau organischer Substanz ist im Gewässer aufgrund des geringen
Gasaustausches mit der Atmosphäre verlangsamt. Aufgrund der verschiedenen humosen
Lagen werden die tieferen kaum noch belebt, sodass sie durchaus fossil sein können…“
2 siehe Abbildung 1 unten
3 siehe Abbildung 2
2
Durch die Erwärmung, die im Boreal (6.800 – 5.500 v.Chr.) fortsetzte, kam es zu einem
verstärkten Einsetzen des Pflanzenwuchses, welches bedingte, dass die flachen Seen
verlandeten. Schilf, Rohrkolben und einige Seggen lieferten das Ausgangsmaterial. Die
Verlandung von Seen folgt einer bestimmten Reihenfolge. Als Voraussetzung muss eine
Eutrophierung stattgefunden haben. Durch ein wachsendes Nährstoffangebot überwiegt die
Primärproduktion der Verarbeitung durch heterotrophe Organismen. Als Folge lagert sich
immer mehr organische Substanz auf dem Untergrund ab, die zu einer Verbreiterung der
Uferbänke führt. Auf diese Weise dringen die Uferbänke immer mehr in den See vor, bis die
Pflanzenbestände die Mitte des Sees erreicht haben und Niedermoore entstanden sind 4 . (vgl.:
SCHEFFER, 2002, S. 515 f)
3.1 Niedermoor
Die Entstehung der Niedermoore begann im Boreal mit der langsamen Erwärmung.
Da die Entstehung von Niedermooren meist subhydrisch im Uferbereich stehender Gewässer
erfolgt, werden sie auch als topogen bezeichnet. Das organische Ausgangsmaterial wird von
Schilf und Rohrkolben geliefert. Schilf ist eine anspruchslose Pflanze, die sowohl in saurem
wie in kalkreichen, oligotrophen und eutrophen Gewässern vorkommt. Die Phase seiner
Entstehung wird bereits zu den Niedermooren gezählt. Die absterbenden Pflanzenteile lagern
sich auf dem Gewässergrund ab. Da die Biomasseproduktion sehr schnell von statten geht und
am Gewässergrund Sauerstoffmangel herrscht, wird das abgestorbene organische Material nur
langsam zersetzt. Die unvollständig abgebauten Pflanzenreste führen zur Torfbildung. Der
Torfkörper hebt sich allmählich an und die Niedermoorbildung wird seewärts verschoben.
Der neu gewonnene Boden fällt zunehmend trocken und bildet Lebensgrundlage für Pflanzen,
die einen geringeren Wasserbedarf haben. In der Regel handelt es sich hierbei um
Sauergräser, wie zum Beispiel Seggen 5 . Der Prozess der Niedermoorbildung entspricht im
Prinzip der Verlandung. Da der Kontakt mit dem mineralische Untergrund erhalten und die
Versorgung durch das Grundwasser bestehen bleibt, können sich, wenn der Boden extrem
nass und basisch ist, am äußeren Rand Erlen- und Weiden-Bruchwälder entwickeln, bzw.,
wenn es sich um saure Moore nährstoffarmer Gebiete handelt, Birken- oder
Kieferbruchwälder 6 . (vgl.: SCHEFFER, 2002, S. 515; REICHHOLF, 1988, S. 150)
Topogene Niedermoore können sich auch in Senken unter dem Einfluss des
Grundwasserspiegelanstieges entwickeln. Bei diesen Mooren fehlt allerdings ein fossiler
4 siehe Abbildung 5
5 siehe Abbildung 6
6 siehe Abbildung 3
3
Unterboden. Zu diesem Moortyp gehören zum Beispiel Auen-, Quell- oder Hangmoore, auf
die an anderer Stelle näher eingegangen wird. (SCHEFFER, 2002, S. 515 f)
Allgemein sind Niedermoore dadurch gekennzeichnet, dass aufgrund der Geländestruktur ein
Wasserüberschuss herrscht, der nicht ausreichend entwässert werden konnte. Sie sind sehr
nährstoffreich, was zur Ansiedlung zahlreicher Pflanzen führte. Die zur Entstehung von
Hochmooren wichtigen Torfmoose können sich gegen diese Konkurrenz nicht behaupten,
womit der Übergang zu einem Hochmoor nicht möglich ist. (REICHHOLF, 1988, S. 150)
In der Abbildung 7 ist ein Profil durch ein Niedermoor dargestellt 7 .
3.2 Übergangsmoor
Übergangsmoore, oder auch Zwischenmoore genannt, entstehen sowohl zeitlich, als auch
räumlich zwischen einem Nieder- und einem Hochmoor. Es handelt sich hierbei um eine
Übergangsphase, in der das Moor noch vom Grundwasser gespeist wird. Da die in ihrer
Mächtigkeit zunehmenden Torflagen allerdings die unteren Schichten durch ihr Gewicht so
stark zusammendrücken, dass die Wasserleitfähigkeit immer mehr sinkt, ist das Moor
zunehmend auf den Input von Niederschlagswasser angewiesen, was als ombrogener Einfluss
bezeichnet wird. Da mit dem Einsetzen des Pflanzenwachstums der oberen Torfschicht
permanent Nährstoffe entzogen werden, die durch das Niederschlagswasser nur unzureichend
wieder zugeführt werden, kommt es zu einer Nährstoffverarmung, die ideale
Lebensbedingungen für das Torfmoos schafft. (vgl.: WIKIMEDIA FOUNDATION INC., 2001, Zwischen- oder
Übergangsmoor)
3.3 Hochmoor
Dem Boreal schloss sich das Atlantikum (5.500 – 2.500 v.Chr.) an. In dieser postglazialen
Periode herrschten warme, mäßig feuchte Klimaverhältnisse vor. Wie dem Punkt 2 zu
entnehmen ist, bilden Wärme und eine mäßige Feuchtigkeit keine optimalen Voraussetzungen
für die Torfentstehung. Die Torflagen zum Zeitpunkt der Hochmoorbildung sind daher stärker
humifiziert. Im Zentrum des Moores siedelten sich Binsen, Wollgräser und Torfmoose an.
Letztere bedingen das Emporwachsen der Moore (Abb.8). In Europa gibt es rund 30
Torfmoosarten, von denen zwei Drittel an nährstoffarme und saure Standorte gebunden sind.
Sie besitzen die Eigenschaft mit Hilfe spezialisierter Zellen das Zwanzig- bis Vierzigfache
ihres Eigengewichtes an Wasser zu speichern. Zudem besitzen sie die Fähigkeit, Alkali- und
Erdalkalimetall-Ionen unter Abgabe von Protonen auszutauschen. Diese Protonen führen zu
einer Ansäuerung des umgebenden Milieus. Auf diese Weise verschlechtern sie die
7 siehe Abbildung 7
4
Lebensbedingungen für eventuell konkurrierende höhere Pflanzenarten und können sich so
durchsetzen. Torfmoose sind polsterbildende Pflanzen. Der stengelartige, zarte
Pflanzenkörper wächst aufrecht nach oben, wobei die tiefer liegenden Pflanzenteile von der
Basis her absterben. Dass heißt, der untere Teil des Moospflänzchens stirbt ab und auf ihm
wächst ein neues Pflänzchen. Die oberen Mosspflänzchen haben keinen Kontakt mehr mit
dem Grundwasser. Sie müssen von nun an ihre Nährstoffe ausschließlich dem
Niederschlagswasser entnehmen, weshalb Hochmoore auch als ombrogen bezeichnet werden.
Bei dieser Nährstoffaufnahme werden durch die oben beschriebene Ionenaustauschfähigkeit
vermehrt Protonen abgegeben. Die Folge ist, dass der pH-Wert sinkt, was wiederum zu einer
stetigen Verschlechterung der Abbaubedingungen für im Boden befindliche Mikroorganismen
führt. Es kommt zur Anhäufung organischen Materials und dadurch bedingt zur Aufwölbung
des Hochmoores, die uhrglasförmig von den Rändern her erfolgt. Das Hochmoor sackt
aufgrund des eigenen Gewichtes zusammen und die unteren Schichten werden stark
verdichtet. Aus dem ursprünglich dicken weichen Moospolster an der Oberfläche bildet sich
also in den tieferen Schichten Torf. Torfmoose können ihren Wasserhaushalt nicht von selber
regeln und sind daher überwiegend an nasse oder feuchte Standorte gebunden. (vgl.: COLDITZ,
1994, S.77 f)
Die Hochmoore wölben sich nach und nach uhrglasförmig, ausgehend von den Rändern her,
hoch. Der Nährstoffgehalt und der pH-Wert der Hochmoore werden zum Zentrum hin immer
geringer, sodass höhere Pflanzen kaum eine Möglichkeit haben, sich anzusiedeln, und die
hochspezialisierten Torfmoose in diesem Bereich dominieren 8 . (SCHEFFER, 2002, S. 516)
Neben der Entstehung von Hochmooren aus Niedermooren über Zwischenmoore können sie
auch direkt aus Versumpfungsmooren hervorgehen. Diese Moore werden dann als
wurzelechte Hochmoore bezeichnet. (SUCCOW, 1990, S. 67)
In der Abbildung 9 ist ein Hochmoor dargestellt. Gut zu erkennen, sind die Mooraugen, die
später aber durch weiteres Emporwachsen des Torfkörpers sehr wahrscheinlich verschwinden
werden 9 .
4 Klassifikation der Moore
Die geläufigste Gliederung der Moore ist die, wie gerade erfolgt, in Nieder-, Zwischen- und
Hochmoor. Diese Unterteilung ist jedoch sehr oberflächlich. Sowohl nach ökologischen als
auch nach hydrologisch-entwicklungsgeschichtlichen Gesichtspunkten sind weitere Subtypen
8 siehe Abbildung 8
9 siehe Abbildung 9
5
zu unterscheiden, worauf in den folgenden Punkten näher eingegangen wird. (vgl.: COLDITZ, 1994,
S. 61)
4.1 Die hydrologischen Moortypen
Die hydrologischen Einteilung der Moore gibt eine Gliederung in Versumpfungs-, Hang-,
Quell-, Überflutungs-, Verlandungs-, Durchströmungs-, Kessel- und Regenmoore vor.
Ausgangspunkt der Unterteilung sind die verschiedenen Gegebenheiten in Bezug auf
Wasserhaushalt, Klima, Untergrund und der umgebenden Landschaft. Man kann diese
Moortypen zusätzlich den primären, sekundären und tertiären Moorformen zuordnen. (vgl.:
COLDITZ, 1994, S. 63)
4.1.1 primäre Moorformen
Zu den primären Moorformen zählen Versumpfungs-, Hang-, Quell-, Überflutungs- und
Verlandungsmoore. Sie entsprechen den Niedermooren.
4.1.1.1 Verlandungsmoore 10
Verlandungsmoore entstehen, wie der Name schon sagt, durch den Prozess der Verlandung
eines stehenden Gewässers, wie es in Punkt 3 bereits beschrieben wurde. Neben dem
Biomassezuwachs gibt es noch zwei weitere Möglichkeiten, wie diese Verlandung von statten
gehen kann. Ist das Ufer des Sees zum Beispiel steil, kann es zum Abrutschen von
Gesteinsmaterial kommen, sodass der See vom Rand her immer mehr aufgefüllt wird. Eine
weitere Möglichkeit der Verlandung besteht darin, dass eben beschriebene Erdmassen durch
Kalk gefestigt werden. Kalk entsteht, in dem Pflanzen dem im Wasser gelösten
Hydrogencarbonat das CO 2 entziehen:
Ca(HCO 3 ) 2 < CaCO 3 + H 2 O + CO 2
Calciumhydrogencarbonat Kalk
(Calciumcarbonat)
(REICHHOLF, 1988, S. 136)
Calciumcarbonat (Kalk) selber ist in reinem Wasser kaum löslich.
Kalk setzt sich daher als Seekreide am Gewässergrund ab und sorgt dafür, dass der Seeboden
allmählich emporgehoben wird und somit die Verlandung beschleunigt. (vgl.: COLDITZ, 1994, S.64)
Verlandungsmoore entstanden im Jungmoränengebiet und Alpenvorland. (vgl.: KUNTZE et.al, 1994,
S. 72) Das Torfprofil eines Verlandungsmoores sieht demnach wie folgt aus: Die unterste
Schicht wird von Sedimentablagerungen des ehemaligen Gewässerbodens gebildet. Darauf
10 siehe Abbildung 10/1
6
folgt die erste Torfschicht, die aus Seggen- und Schilfresten besteht. Selbige stammen aus der Verlandungsphase des Gewässers. Die nächste Schicht wird von Wollgrasresten gebildet. Die Hochmoorbildung ist dadurch erkennbar, dass dicke Torfschichten mit stark zersetzten Torfmoosen durchzogen sind. Dieses Material bezeichnet man Schwarztorf. Die oberste Schicht wird von den jüngeren Hochmoortorfen gebildet. Ihre Torfmoosreste sind weniger zersetzt und werden auch als Weiß- oder Streutorf bezeichnet. Die oberste Schicht trägt zugleich die lebende Vegetationsschicht des Moores. Kam es auf dem Moor bereits zur Bruchwaldbildung, befinden sich im Torf zusätzlich Blätter und Nadeln. (COLDITZ, 1994, S. 68)
4.1.1.2 Versumpfungsmoore 11
Zur Bildung der Versumpfungsmoore kam es vor ca. 10.000 bis 12.000 Jahren im Spätglazial. In Niederungen und Tälern kam es aufgrund eines Anstieges des Grundwasserspiegels zur Versumpfung großer Flächen, die zur Entstehung der Versumpfungsmoore führte. Versumpfungsmoore sind durch ein reichhaltiges Nährstoffangebot gekennzeichnet. Nach einem länger andauernden Input von Niederschlagswasser kann es zur Überflutung der Moorfläche kommen. Folgen anschließend trockene Klimaverhältnisse, sinkt der Grundwasserspiegel wieder. Aufgrund dieser Schwankungen ist der Nährstoffeintrag relativ groß. (COLDITZ, 1994, S.63)
4.1.1.3 Überflutungsmoore 12
Überflutungsmoore entstehen, wie der Name schon sagt, durch regelmäßige Überflutungen. Bevorzugte Überflutungsorte sind Auen von Fließgewässern mit geringem Gefälle und Küstenregionen. Demnach werden Auen- und Küstenüberflutungsmoore unterschieden. Da das Überflutungswasser dann nur langsam wieder abfließt, können sich Moore bilden. Aufgrund der regelmäßigen Ablagerungen nährstoffhaltiger Sedimente ist die Versorgung mit Nährstoffen besonders gut und führt zur Entstehung eutropher Moore. Die Torfbildung wird durch Röhrichte, Erlen- und Weidenbrüche geprägt. (vgl.: COLDITZ, 1994, S. 64; KUNTZE et.al, 1994, S. 71)
4.1.1.4 Hangmoore 13
Hangmoore entstehen an flach geneigten Hängen, die einen hohen Input an mineralstoffhaltigem Wasser haben. „Ihr Wachstum erfolgt, dem herabfließenden Wasser entgegen, von unten nach oben. Wenn ein Moor auf diese Weise bis zu einem Gebirgskamm
11 siehe Abbildung 10/2
12 siehe Abbildung 10/3
13 siehe Abbildung 10/4
7
herauf, bzw. über diesen hinaus wächst, spricht man von einem Kammmoor 14 . Innerhalb des
Moores kommt es hangabwärts häufig zu einer zunehmenden Nährstoffverarmung, da nur die
oberen Moorbereiche von den Niederschlägen mit Nährstoffen versorgt werden.“ (COLDITZ, 1994,
S.63)
Hangmoore sind noch relative jung. Ihre Entstehung ist erst nach mittelalterlichen Rodungen
einzuordnen. Sie sind in der Regel mit Solifluktionsmaterial durchsetzt. Unter Solifluktion
wird das Fließen des Bodens ab einer Hangneigung von mehr als 2° verstanden. (KUNTZE et.al,
1994, S. 72)
4.1.1.5 Quellmoore 15
Quellmoore besitzen eine eher kleine Fläche. Sie entstehen an Quellen, vor allem am Fuß von
Hängen und sind an gespanntes Grundwasser gebunden. „Dieses Druckwasser ermöglicht
ständig ergiebige Grundwasseraustritte, die … nach Druckentlastung zur Vermoorung
führen.“ (KUNTZE et.al, 1994, S. 72) Quellmoore sind in der Regel in Verbindung mit anderen
Moortypen zu betrachten. Ihre Verbreitung beschränkt sich auf Randlagen von Endmoränen.
(vgl.: KUNTZE et.al, 1994, S. 72)
4.1.2 sekundäre Moorformen
Sekundäre Moore entsprechen den Zwischenmooren und bilden demnach die anschließende
Phase der primären Moore. Zu ihnen zählen die Durchströmungs- und Kesselmoore.
4.1.2.1 Durchströmungsmoore
Kommt es bei primären Moortypen (ausgenommen Überflutungs- und Verlandungsmoore) zu
einem erhöhten Grundwasserspiegel bzw. zu vermehrten Niederschlägen, entwickeln sich
Durchströmungsmoore – sie werden also von einem (Grund-) Wasserstrom durchflossen.
Die Bildung erfolgt bevorzugt auf geneigten Flächen und in Tälern, wo dieser Moortyp große
Niederungen ausfüllen kann.
Da es sich um eine sekundäre Moorbildung handelt, sind Durchströmungsmoore
entstehungsgeschichtlich jünger als die primären Moortypen und in etwa in den Zeitraum von
7.000 bis 8.000 v.h. einzuordnen. Wir befinden uns somit nicht mehr im Spätglazial, sondern
im Postglazial, wo das Klima allmählich feuchter wurde. (vgl.: COLDITZ, 1994, S. 64 f)
Durchströmungsmoore sind vor allem in der Jugmoränenlandschaft sowie im Mittelgebirge
und Alpenvorland weit verbreitet. (vgl.: KUNTZE et.al, 1994, S. 72)
14 siehe Abbildung 11 unten
15 siehe Abbildung 10/4
8
4.1.2.2 Kesselmoore Die in der Regel sehr kleinen Kesselmoore bilden sich vorwiegend auf Versumpfungsmooren
in der Moränenlandschaft. Die genaue Entstehung ist allerdings nicht bekannt. Es wird
vermutet, dass sich die Kesselmoore nach der letzten Eiszeit aus Toteisblöcken gebildet
haben.
Es handelt sich um einen nährstoffarmen Moortyp. Zu Zeiten lang andauernder Feuchtigkeit
steigt der Grundwasserspiegel, sodass eine Versorgung mit Grundwasser erfolgt. Dies
wiederum fördert das Torfmooswachstum, und das Kesselmoor wächst etwas empor.
Folgen anschließend trockene Jahre, sinkt der Grundwasserspiegel und das Kesselmoor sackt
wieder zusammen. Die „Ernährung“ erfolgt dann vorwiegend durch Regenwasser. In
trockenen Perioden können sich Gehölze ansiedeln, die in feuchten Perioden wieder
absterben. (COLDITZ, 1994, S. 65)
4.1.3 tertiäre Moorform
Tertiäre Moorformen gehen aus den sekundären Moortypen hervor und sind den Hochmooren
gleich zu stellen. „Hochmoore konnten sich nach der Eiszeit erst entwickeln, als das Klima
warm und regenreich genug geworden war. In relativ feuchten Klimazonen bildeten sich die
tertiären Moore bevorzugt auf Versumpfungsmooren, in trockeneren Gebieten auf
Verlandungsmooren.“ 16 (COLDITZ, 1994, S. 76)
4.1.3.1 Regenmoore
Regenmoore sind stark abhängig vom Klima. Sie können nur in einem gemäßigten humiden
Klima entstehen. Wie der Name sagt, werden Regenmoore ausschließlich von Regenwasser
gespeist und können nur wachsen, wenn der Niederschlag größer ist als die Verdunstung und
der Abfluss. Diese Abhängigkeit bedingt, dass sich nur sehr gut angepasste Vegetation
entwickeln kann. Deshalb gibt es in solchen Mooren nur wenige Pflanzenarten.
Regenmoore lassen sich in Abhängigkeit von klimatischen und morphologischen Faktoren
weiter unterteilen. (COLDITZ, 1994, S. 65)
Deckenmoore sind durch eine geringe Torfmächtigkeit gekennzeichnet. Sie kommen in den
niederschlagsreichsten Gegenden im äußersten Nordwesten Europas vor, und zwar
überwiegend in bergigem Gelände, überall dort, wo eine gleichmäßige Verteilung der
Niederschläge vorherrscht und ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen milden, frostarmen
Wintern und kühlen Sommern existiert. (COLDITZ, 1994, S. 65)
16 siehe Abbildung 11 oben
9
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Doreen Wünsche, 2004, Genese, Nutzung und Verbreitung von Mooren, München, GRIN Verlag GmbH
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