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0.1 Problemstellung und Thematische Abgrenzung
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1. kurze Einleitung zum Wernicke- Syndrom6
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2. phonematische Paraphasien
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3. ein psycholinguistischer Ansatz zur Erklärung
phonematischer Paraphasien
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SKRQHPDWLVFKH)HKOEHUHFKQXQJHQLP0RGHOO6
B. Glossar S.25 C. Literaturverzeichnis S.27
III
0.1 Problemstellung und Thematische Abgrenzung
Die vorliegende Arbeit will ein zusammenfassendes Gesamtbild phonematischer Paraphasien entwerfen. Hierzu werden, nach einer kurzen Einleitung zur Wernicke-Aphasie, phonematische Paraphasien zunächst in ihren verschiedenen Erscheinungsformen vorgestellt. Anhand einiger empirischer Untersuchungen soll gezeigt werden, worin sich phonematische Paraphasien von sprachgesunden Versprechern unterscheiden und welche charakteristischen Eigenschaften phonematische Paraphasien zueigen sind. Auf der Basis eines modularen Sprachproduktionsmodells soll dann geklärt werden, wie phonematische Paraphasien im Sprachproduktionsprozess entstehen können. Die Beispieldaten sind sämtlich der angegebenen Literatur entnommen. Sie stammen ausschließlich von Wernicke-Aphasikern. Die Wernicke-Aphasie wurde hier speziell heraus gehoben, da für sie eine ausgeprägte Jargonbildung charakteristisch ist, welche im besonderen auch durch ein gehäuftes Auftreten von Neologismen gekennzeichnet ist. Phonematische Neologismen werden im Rahmen einer Relevanz für phonematische Paraphasien in dieser Arbeit ebenfalls berücksichtigt.
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1. kurze Einleitung zum Wernicke-Syndrom
$OOJHPHLQHV
Unter einer Aphasie versteht man eine zentrale Sprachstörung, welche auf eine Läsion oder Durchblutungsstörung in der linken, sprachdominanten Hemisphäre zurückzuführen ist. Nach Poeck(2000) entstehen etwa 80% der Aphasien durch einen zerebralen Insult. Seltener sind auch Schädel-Hirn-Traumen, Tumore, Enzephalitis so wie Hirnabbauprozesse Auslöser für eine Aphasie.
Oben bezeichnete Sprachstörungen betreffen unterschiedliche Komponenten des Sprachsystems. Es finden sich Störungen im Bereich der Semantik, der Syntax aber auch im Bereich des Lexikons und der Phonologie. 1 diagnostiziert und klassifiziert. Im weiteren Verlauf Aphasien werden mittels geeigneter Tests
sollen vorrangig phonologische Störungen am Beispiel der Wernicke-Aphasie aufgezeigt werden, weshalb sie hier Gegenstand einer gesonderten Betrachtung ist. GLH:HUQLFNH$SKDVLH
Die Wernicke-Aphasie geht auf eine Läsion im Bereich der A.temporalis posterior zurück, welche sich aus der A.cerebri media in den Temporalbereich der linken Hemisphäre verzweigt. (s. Abb.1, VII.). Nach Poeck(2000) soll ein Vorherrschen von semantischen Paraphasien sich mehr nach temporal erstrecken, wohingegen ein Vorherrschen von phonematischen Paraphasien eher auf eine Läsion deutet, welche sich von der A.temporalis posterior nach parietal hin erstreckt.
Die Wernicke-Aphasie hat ein vielfältiges Erscheinungsbild, welches sich aber in vier Gruppen einteilen lässt:
1. Wernicke-Aphasie mit vorwiegend semantischen Paraphasien 2. Wernicke-Aphasie mit vorwiegend semantischem Jargon 3. Wernicke-Aphasie mit vorwiegend phonematischen Paraphasien 4. Wernicke-Aphasie mit vorwiegend phonematischem Jargon
die Verschränkung von Sätzen äußert, die ohne sprachliches Suchverhalten in einem
1 zur genaueren Beschreibung dieser Testbatterien siehe Poeck(2000), S.88-104 2 normale Sprechgeschwindigkeit: 100 und mehr Wörter pro Minute, in zusammenhängenden Phrasen von durchschnittlich 4 Wörtern
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zusammenhängenden Intonationsbogen geäußert werden. Es treten viele semantische Paraphasien auf. Diese können in den einfachen Fällen noch einen gut erkennbaren Bezug zum Zielwort aufweisen, beziehungsweise eine Umschreibung für das Zielwort sein, oder in schweren Fällen zum ‚wild paraphrasic missnaming’ führen, in dem jeglicher semantischer Bezug aufgehoben ist. Geschieht dieses vorwiegend und über größere Sprechabschnitte hinweg, so spricht man von einem semantischen Jargon. Ebenso sind Äußerungen phonematisch unterschiedlich entstellt, worauf in Teil 2 genau eingegangen werden soll, weshalb hier auf eine nähere Beschreibung verzichtet wird. Werden Wörter bis zur 3 aber nicht Unkenntlichkeit deformiert beziehungsweise Wörter erzeugt die zwar möglich existent sind, so spricht man von einer Neologismenbildung. Sind die Äußerungen vorwiegend bis zur Unkenntlichkeit entstellt, so spricht man von einem phonematischen oder neologistischen Jargon.
Das Sprachverständnis ist stark gestört. In der Kommunikationssituation wird das mangelnde konkrete Verständnis durch das gut erhaltene Intonationsverständnis teilweise kompensiert. Ausgeprägter zeigt sich die Verständnisstörung bei der Zuordnung einzelner Wörter und am stärksten beim Satzverständnis.
Bei der Rückbildung der Wernicke-Aphasie bessert sich die Verständnisstörung schneller als die gestörte Sprachproduktion. Nach Poeck(2000) ist ein häufiger „Übergang von einer Sprachproduktion mit reichlich phonematischen Paraphasien zu vorwiegend semantischen Paraphasien“ zu beobachten, andersherum aber nicht. 2. phonematische Paraphasien
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4 festzustellen. Phonematische Paraphasien sind als Begleitsymptom bei fast allen Aphasien Diese Tatsache misst ihnen eine gewisse Bedeutung bei der Beschreibung psycholinguistischer Vorgänge zu, welche auch Rückschlüsse auf die Sprachverarbeitung Sprachgesunder zulässt. Abschnitt 3.2 geht auf der Basis eines geeigneten Sprachproduktionsmodells der Frage nach, in wie weit sich beschriebene Fehler auf die verschiedenen Modellebenen einreihen lassen. Zunächst aber sollen auftretende Fehler beschrieben und von lautlichen Fehlleistungen Sprachgesunder abgegrenzt werden. Ein weiterer Abschnitt geht auf strukturverändernde Fehler im Rahmen einer nicht-linearen Phonologie ein. .ODVVLIL]LHUXQJ
Blumenstein(1973) kategorisiert phonematische Paraphasien in Substitution, Vereinfachung, Addition und Umgebungsirrtümer. Substitution meint in diesem Fall die Ersetzung eines Segments durch ein anderes. Unter Vereinfachung wird sowohl die Tilgung eines Segments 5 als auch einer ganzen Silbe verstanden . Ebenso wird die Addition als Hinzufügen eines
Segments oder einer Silbe gedeutet. In die Kategorie Umgebungsirrtümer fallen Antizipationen, Perseverationen und Metathesen.
3 da auch bei schweren Störungen spezielle sprachliche Beschränkungen so gut wie nie verletzt werden kommt es fast ausnahmslos nur zu möglichen Formen, siehe hierzu auch den Abschnitt 2.2.1 über die natürlichen Beschränkungen
4 Eine Ausnahme hierzu ist zum Beispiel die Amnestische-Aphasie, welche vorrangig als eine Wortfindungsstörung auftritt
5 Leuninger(1989a) erweitert die Bedeutung der Vereinfachung, indem sie nicht nur von einem bloßen Weglassen von Segmenten und Silben ausgeht, sondern zusätzlich die Vereinfachung der Silbenstruktur durch Weglassen oder auch Hinzufügen von Segmenten untersucht, hierauf wird aber in Abschnitt 2.2.3 noch näher eingegangen.
3
Aus Rücksicht auf das in Abschnitt 3 vorgestellte Sprachproduktionsmodell soll hier auch einer etwas anderen, theoretischen Einteilung Raum gegeben werden, welche sich vorwiegend an Buckingham(1991) orientiert. Er klassifiziert die phonematischen Paraphasien grob als Addition, Tilgung und Substitution, zu welcher indirekt auch Antizipation, Perseveration und Metathese gehören. 2.1.1 Substitution
Substitutionen zerfallen zunächst in zwei Unterkategorien, den source-Substitutionen und den non-source-Substitutionen. Die non-source-Substitutionen resultieren aus einem
Auswahlproblem zwischen sehr ähnlichen Segmenten, bei dem fälschlicher Weise ein 6 Segment ausgewählt wird, welches nicht in die Planungseinheit gehört . Im Gegensatz dazu
sind source-Substitutionen Transpositonen bei denen Segmente vertauscht werden, die ihren Ursprung innerhalb der Planungseinheit haben und darin verschoben werden. Das einfachste Beispiel ist hier die reine Vertauschung wie beispielsweise bei /HLWHU ± 5HLGHO. Antizipationen wie 6FKPHWWHUOLQJ 6FKOHWWHUILQN oder Perseverationen wie Psal/m/ - Psal/p/ sind nur teilweise ausgeführte Vertauschungen. Dieser Umstand wird später noch erläutert. Antizipationen und Perseverationen können entweder additiv oder substituiv sein, je nachdem, ob ein Segment dabei ausgetauscht oder hinzugefügt wird. Eine weitere Art von Transposition ist die Metathese, bei der nicht nur zwei Segmente die Plätze tauschen, sondern viele Segmente innerhalb des Wortes oder der Phrase wechseln. 2.1.2 Addition und Tilgung
Bei der Addition werden eine oder mehrere segmentale Einheiten zu einem Wort oder einer Phrase hinzugefügt. Auch hier haben wir die Einteilung in source-Addition und non-source-Addition. Source-Additionen sind additive Antizipationen oder Perseverationen, wie oben 7 schon erläutert. Bei den non-source-Additionen liegt ein Abruffehler zugrunde .
Tilgungen sind Auslassungen von Segmenten, aber auch von Silben. Auffällig oft sind Konsonantencluster anfällig für Segment-Tilgungen, was zur Vereinfachung der Cluster und 8 führt. Additionen können diesem Zweck auch dienen damit der Wort- und/oder Silbenstruktur
und zwar vorrangig im Bezug auf eine Silbenstrukturvereinfachung - dazu später. 2.1.3 Neologismen
Neologismen sind keine eigene Klasse von Paraphasien. Bei Neologismen handelt es sich um phonologisch mögliche Wortbildungen, die aber in der Standardsprache nicht vorkommen. Man unterscheidet semantische Neologismen von phonologischen Neologismen. Semantische Neologismen entstehen aufgrund von Wortformationen, die zwar möglich sind aber keine konkrete Bedeutung besitzen (Bsp.:Haartelefon → gemeint war ein Kamm).
Schwieriger wird die eindeutige Abgrenzung phonologischer Neologismen von Wörtern, die durch phonematische Paraphasien entstellt sind. Der Übergang zwischen diesen beiden Begriffen ist fließend, und häufig wird die Abgrenzung durch eine willkürliche Festlegung der 9 (Peuser/Winter (1992)). Eine solche Abgrenzung setzt allerdings voraus, Quantität definiert
dass das Zielwort entweder bekannt ist oder aufgrund einer gewissen Ähnlichkeit aus dem Neologismus erschließbar ist. Jedoch finden sich auch Neologismen, die sich keinem der beiden oben beschriebenen Typen zuordnen lassen. Sie werden als abstruse Neologismen bezeichnet (Christman/Buckingham(1991)).
Zusammenfassend kann man phonologische Neologismen also in drei Gruppen einteilen:
6 In Abschnitt 2.2.2 ergibt sich dieses Auswahlproblem aus der Analyse des Kriteriums der Merkmalsähnlichkeit (F), für genauere Erläuterungen siehe dort Abschnitt a) 7 genauere Erläuterung siehe unter 3.2.2 Punkt 2. 8 je nachdem ob X-Positionen oder C-Positionen betroffen sind
9 Beispielsweise wird festgelegt, dass es sich um einen Neologismus handelt, sobald über die Hälfte der Segmente vom Zielwort abweicht
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1. Neologismen als ein Synonym für eine übermäßige Veränderung eines Wortes durch phonematische Paraphasien, bis hin zur Unkenntlichkeit
2. übermäßig entstellte Wörter, welche aber zusätzlich erkennbare Teile von realen Wörtern der Standardsprache enthalten
3. abstruse Neologismen, die keinerlei Rückschlüsse mehr auf die beabsichtigte Zielform erkennen lassen
Neologismen an sich sind also sinnleere Wortformen, die dennoch den abstrakten Regeln und Beschränkungen der jeweiligen Sprache unterliegen. Dies ist insofern interessant, als hier die Semantik in einer nicht unerheblichen Weise von der bloßen Form der Äußerung differenziert wird, was dem Sprachsystem eine gewisse Autonomie verleiht und charakteristisch für seine effiziente Arbeitsweise ist. 2.1.4 Zusammenfassung
Nachfolgend soll noch einmal anhand eines Schemas eine Zusammenfassung über die zuvor beschriebenen phonematischen Paraphasien und deren generelle Zuordnung gegeben werden. Die Einteilung nach Blumenstein folgt einer Strukturierung, welche die Basis für eine empirische Untersuchung bildet, während Buckingham einer etwas anderen Struktur den Vorzug gibt, welche die Grundlage für theoretische Überlegungen zur Pathologie eines Sprachproduktionsmodells vorzeichnet. In diesem Teil werden zunächst Ergebnisse empirischer Analysen zu den phonematischen Paraphasien vorgestellt, so dass hier die Einteilung nach Blumenstein vorteilhaft sein wird. Folgendes Schema gibt einen zusammenfassenden Überblick:
Im dritten Abschnitt sollen phonematische Fehlleistungen und ihre Ursache im Sprachproduktionssystem genauer beleuchtet werden. Hierzu ist die Einteilung nach Christman/Buckingham(1991) vorteilhaft. Zur Orientierung soll auch hier ein zusammenfassendes Schema weiterhelfen:
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Arbeit zitieren:
Dipl. Inf. Hermine Reichau, 2002, Phonematische Paraphasien - am Beispiel der Wenicke-Aphasie, München, GRIN Verlag GmbH
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