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Seminararbeit, 2003, 16 Seiten
Autor: Kristina Müller
Fach: Germanistik - ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Details
Institution/Hochschule: Universität Trier
Tags: Zustand, Reiches, Perspektive, Sangspruchdichtung, Walther, Vogelweide, Proseminar
Jahr: 2003
Seiten: 16
Note: 1,0 sehr gut
Literaturverzeichnis: ~ 11 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-47441-2
Dateigröße: 172 KB
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Textauszug (computergeneriert)
Der Zustand des Reiches aus der Perspektive der
Sangspruchdichtung von Walther von der Vogelweide
von: Kristina Müller
1. Vorinformation 2
2. Sprachliche und inhaltliche Analyse von Walthers Spruchdichtung 3
2.1. Philipp von Schwaben 3
2.1.1. Die Reichsklage L 8,4 3
2.1.2. Die Weltklage L 8,28 4
2.1.3. Kronenspruch L 18,29 5
2.1.4. Magdeburger Weihnacht L 19,5 6
2.2. Otto IV 7
2.2.1. Kreuzzugsermahnung L 12,18 7
2.2.2. Otto-Friedrich-Vergleich L 26,33 9
2.3. Friedrich II 10
2.3.1. Gut und Ehre L 31,13 10
2.3.2. Feinde des Heiligen Landes L 10,9 11
2.4. Heinrich VII. 12
2.4.1. Erziehungsschwierigkeiten L 101,23 12
2.4.2. Werteverlust L102,15 13
3. Auswertung 14
4. Literaturverzeichnis 16
1. Vorinformation1
Walther von der Vogelweide gilt als der erste mittelalterliche Dichter, der sowohl Minnelyrik als auch politische Sangspruchdichtung verfasst. In seinen Tönen spielt er oftmals auf die politische Situation im Reich an. Er übt Kritik an dem jeweiligen Herrscher oder lobt diesen und bittet um finanzielle Unterstützung. Zu Walthers Lebzeiten gibt es genügend wichtige politische Ereignisse, die es wert sind, besungen zu werden. Drei große Ereignisse, die Walther ausführlich kommentiert, sind die Doppelwahl von 1198, die Krönung Ottos IV. nach der Ermordung des Staufers Philipp von Schwaben und das Doppelkönigtum von Otto IV. und Friedrich II., das zur Abdankung Ottos und der Krönung des Kindkönigs Heinrich VII. führte.
Man nimmt an, dass Walther dem niederen Adel entstammt und somit die Möglichkeit hatte, eine Schule zu besuchen. Die Dichtkunst erlernt er eventuell am Wiener Hof. Er ist nicht belehnt, hat also keinen festen Wohnsitz. Dies zwingt ihn dazu, im Reich herumzureisen um an verschiedenen Höfen Station zu machen, um sich den Lebensunterhalt zu „ersingen“. Als fahrender Sänger ist er darauf angewiesen, potente Mäzene zu haben, die ihn unterstützen. Er bezieht in seinem Leben politische Stellung zu verschiedenen Herrschern als Kritiker und wechselt dabei häufig seinen Standpunkt.
Die vorliegende Hausarbeit zum Thema „Der Zustand des Reiches aus der Perspektive der Sangspruchdichtung Walthers von der Vogelweide“ soll einen Überblick über die politische Sangspruchdichtung geben. Die Analyse ist in vier Aspekte untergliedert, weil es hauptsächlich die vier Könige und Kaiser dieser Zeit sind, die Walther in seinen Texten erwähnt und die reichspolitisch relevant waren. Kleinere Fürsten und der Papst werden nicht behandelt. In der Hausarbeit werden Strophen bearbeitet, in denen die Reichsherrscher direkt angesprochen werden oder indirekt erwähnt werden. Außerdem sind sowohl positive als auch negative Strophen dargestellt, um zu zeigen, wie weitgefächert das Spektrum von Walthers Dichtkunst war. Es werden Strophen zu Philipp von Schwaben, Otto IV., Friedrich II. und Heinrich VII. aus Walthers Sangsprüchen vorgestellt, kommentiert und analysiert, so dass Walthers politische Einstellungen und der geschichtliche Hintergrund deutlich werden. Hierzu wird Fachliteratur zu Rate gezogen und zu jeder Strophe zusammenfassend dargestellt. Die Hausarbeit ist der Versuch, die politischen Ereignisse von ungefähr 1198 bis 1230, die durch Walther kommentiert werden, aufzuzeigen und mit Hilfe der Fachliteratur einen Überblick über Walthers politische Sangspruchdichtung zu geben.
2. Sprachliche und inhaltliche Analyse von Walthers Spruchdichtung
2.1. Philipp von Schwaben
Der Staufer Philipp von Schwaben (1178-1208) gehört zu den Nachfahren Friedrichs I. (1152-1190), auch Barbarossa genannt. Barbarossa einigt sich mit dem Anführer der welfischen Partei, Heinrich dem Löwen, als es um Machtansprüche im Reich geht. Sein Nachfolger, Kaiser Heinrich VI. (1165- 1197), plant, dass die Staufer den alleinigen Herrschanspruch im deutschen Reich haben, dieses Vorhaben scheitert jedoch am Widerstand einiger deutscher Fürsten. So bleibt die Tradition des Kaiserwahlrechts erhalten und die Einführung der Erblichkeit der Reichslehen bleibt auf der Strecke. Heinrich VI. herrscht über das damalige Deutschland, Italien, Burgund und Sizilien. Nach seinem plötzlichen Tod 1197 ist sein Sohn Friedrich Roger erst 3 Jahre alt und damit zu jung für den Kaisertitel. Der Erbstreit zwischen Welfen und Staufern entbrennt aufs neue (vgl. Hug 180f).
2.1.1. Die Reichsklage L 8,4
Die Reichsklage (L 8,4) ist der bekannteste Text aus Walthers politischer Dichtung. Außerdem gehört Strophe L 8,4 zu den ersten der deutschen politischen Sangspruchdichtung (vgl. Wilmanns 71). Es handelt sich hierbei um eine „allgemeine Zeitklage“ (Schweikle 336), mit welcher der Dichter die politischen Umstände um 1200 aufzeigt. Er beschreibt das Land als ein von Unruhe und Bürgerkrieg gebeuteltes Reich, das von Untreue und Gewalt beherrscht wird. Er beginnt mit einer stereotypen Eingangsformel, wie sie schon in der Antike (vgl. Schweikle 338) und in der Bibel gebräuchlich war: Im Alten Testament sitzen Abraham, Jakob und Joseph während ihrer Visionen ebenfalls auf Steinen (vgl. Scholz 45). Walther zeichnet hier also keinesfalls ein Selbstporträt, sondern will die Aufmerksamkeit des Zuhörers gewinnen: Das „Ich“ (L 8,4) steht für „etwas Überindividuelles“ (Scholz 45) und verkörpert eine Autorität (vgl. Scholz 45). Der Sänger setzt sich mit dieser Eingangsformel mit den Denkern und Philosophen der Vergangenheit auf eine Stufe.
[...]
1 vgl. Schweikle13-31
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