Geschlechtsspezifische Sozialisation - Mit Einblick in die
Sozialisationstheorien, die den Zusammenhang von
Gesellschaft, Institution und Subjektwerdung erfasst
Inhaltsverzeichnis
1. Definition
2. Die biologische Sicht der Zweigeschlechtlichkeit
2.1. Die Unterscheidung zwischen „sex“ und „gender“
2.2. Geschlecht als soziale Konstruktion
2.3. Forschungsperspektiven
3. Die psychischen Instanzen: ES, ICH, ÜBER-ICH
4. Phasen der psycho-sexuellen Entwicklung
5. Die psychischen Folgen des anatomischen Geschlechtsunterschiedes
6. Feministische Theorien jenseits von Freud
6.1. Einordnung
7. Instrumentelles Lernen der Geschlechterrolle
7.1. Instrumentelles Lernen
7.2. Lernen am Modell
7.3. Lernen am geschlechtsspezifischen Modell
7.4. Einordnung
8. Die Entwicklung der sozialen Ungleichheit zwischen Männern und Frauen
8.1. Vergleich: Bundesrepublik und DDR
Literaturverzeichnis
1. Definition: Sozialisation
(nach Drever und Fröhlich; 1972) Sozialisierung bezeichnet den Prozess, in dessen Verlauf ein Individuum (z.B. im Kindesalter) sich den sozialen Erfordernissen der Umwelt gegenüber allmählich anpasst oder dazu veranlasst wird, indem es sich die Normen der sozialen Umwelt zu eigen macht und allmählich lernt diesen kulturellen Normen entsprechend zu handeln. Der Erwerb der Geschlechtsidentität beschreibt den Prozess der Entwicklung zum Jungen oder zum Mädchen. Das Individuum soll als aktiv und handlungsfähig verstanden werden. „Die Kategorie des Geschlechts, die wohl neben dem Alter, der sozialen Schichtzugehörigkeit und der Hautfarbe zu den entscheidenden Bedeutungsfaktoren innerhalb der Sozialisation gehört und das Erleben, die Empfindungen und die Einstellungen der Menschen prägt, also sowohl hinsichtlich psychologischer und soziologischer Dimensionen von weit reichendem Einfluss ist, soll hier nicht nur als biologischer, sondern vor allem auch als sozialer Begriff behandelt werden (Henschel 1993, S.53). Die Geschlechtszugehörigkeit gehört zu den wichtigsten Eigenschaften Bezug nehmend auf Auswirkungen auf Erleben und Verhalten, sowie auf gesellschaftliche Chancen und soziale Erwartungen. Unsere Mitmenschen erleben wir tagtäglich als Männer und Frauen, respektive als Mädchen und Jungen. Selbst erleben wir uns als einem Geschlecht zugehörig und verhalten uns dann auch dementsprechend als Mann oder als Frau.
2. Die biologische Sicht der Zweigeschlechtlichkeit
Das Geschlecht wird in der Biologie definiert durch die bipolar unterschiedlichen Ausprägungen der Keimzellen. Als männlich gelten die Lebewesen, die Spermien produzieren, als weiblich diejenigen, die Keimzellen produzieren. Natürlich gibt es auch andere Unterschiede an denen festgemacht wird, ob es sich um eine Frau oder um einen Mann handelt. Beispielsweise gibt es sichtbare Unterschiede zwischen den Geschlechtern, was den Körperbau betrifft, oder die Anatomie der Geschlechtsorgane. Unterschiede gibt es allerdings nicht nur bei physischen, sondern auch bei Psychischen Merkmalen, wie z.B. räumliches Orientierungs- und Erinnerungsvermögen oder verbale Fähigkeiten. Carol Hagemann-White (1984) bringt einen neuen Gesichtspunkt in die Diskussion ein, indem sie mehrere Möglichkeiten zur biologischen Bestimmung der Geschlechter angibt. Sie verweist darauf, dass die biologische Bestimmung der Geschlechter nicht nur durch eine Zweigeschlechtlichkeit geprägt ist, zumindest was die körperlichen Ausprägungen anbelangt. Es erfolgt also eine Ausdifferenzierung der Geschlechter. Diese beginnt schon während der Schwangerschaft. Ab der 6. Schwangerschaftswoche weisen alle Menschen die gleichen anatomischen Merkmale auf. Das Gehirn differenziert schon vor der Geburt nach geschlechtsspezifischen Mustern aus, welche nicht nur eine Auswirkung auf die körperliche Entwicklung, sondern auch auf die Psyche haben kann.
2.1. Die Unterscheidung zwischen „sex“ und „gender“
Im anglo-amerikanischen Sprachraum lässt sich Geschlecht in „sex“ und in „gender“ übersetzen. Während „sex“ als biologische Kategorie erfasst wird, bestimmt durch Anatomie, Morphologie, Physiologie und Hormone, werden mit „gender“ soziokulturelle Inhalte erfasst, die mit einer Geschlechtszugehörigkeit verbunden sind und die meist mit Begriffen wie „Geschlechtsidentität“ oder „Geschlechterrolle“ bezeichnet werden. Bei der so genannten Sex-Gender-Debatte geht es vornehmlich darum, die These von der „Naturhaftigkeit“ der Geschlechterrollen zurückzuweisen.
2.2. Geschlecht als soziale Konstruktion
Ist das System der Zweigeschlechtigkeit biologisch vorgegeben oder gesellschaftlich geschaffen? Beobachtet man das tägliche Geschehen um sich herum, dann könnte man meinen, dass das Verhalten gesellschaftlich geschaffen wurde. Denn überall da, wo man hinsieht, da wird durch das Verhalten der Menschen dieses System der Zweigeschlechtlichkeit immer wieder bestätigt und neu konstruiert. Ständig ist der Mensch darauf aus, die Geschlechterfrage klar zu beantworten. Daher kommt es auch, dass sich die Menschen meist eindeutig so verhalten und kleiden, wie es von ihrem Geschlecht erwartet wird, so dass eine Zuordnung eindeutig vorgenommen werden kann. Ist dies nicht der Fall, stellen sich rasch Unsicherheiten im Verhalten gegenüber besagter Person ein. Wie soll man sich ihr bzw. ihm gegenüber verhalten? Was geschieht, wenn man sich nicht seinem Geschlecht zugehörig fühlt? Bei Transsexuellen zeigt sich, dass sich das körperliche Geschlecht und die Geschlechterzugehörigkeit durchaus auch unterscheiden können. Ein Individuum fühlt sich also zu einem Geschlecht zugehörig, zu dem ihm aber die körperlichen Merkmale fehlen. Bei diesem Beispiel kommt der Prozess der interaktiven Herstellung von Geschlecht besonders auffällig hervor. Normalerweise verläuft der Prozess wenig bewusst ab. Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass das soziale Geschlecht als ein Bündel von Eigenschaften verstanden wird, sondern als ein ganz spezifisches Handeln. Das „Geschlecht unter unseren gesellschaftlich- kulturellen Bedingungen ist eine erlernte Handlungsweise, durch die eine bestimmte Differenz immer wieder betont wird“ (Tillmann 2001, S55).
2.3. Forschungsperspektiven
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2002, Geschlechtsspezifische Sozialisation - Mit Einblick in die Sozialisationstheorien, die den Zusammenhang von Gesellschaft, Institution und Subjektwerdung erfasst, München, GRIN Verlag GmbH
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