Warhol war sich bewusst ,daß der American Way of Life nicht in Europa verstanden wird und das er sein Publikum mit den Seriellen drucken des Elektrischen Stuhls und seinen anderen Bilder der Disasters Serie schockieren musste um das Interesse der Leute zu wecken.
Warhol konnte seine Brillo Boxes/Campell Soup Cans in Paris nicht ausstellen, weil das Publikum seine Kunst aufgrund des fehlenden Bezugs zum American way of life nicht verstanden hätten.
Das Bild des Elektrischen Stuhls zeigt einen Leeren Raum in dem fast mittig der Elektrische Stuhl abgebildet ist. Unter dem Foto befindet sich eine Bildlegende die uns über das Schicksal eines Ehepaars aufklärt, dass unschuldig auf dem Elektrischen Stuhl hingerichtet wurde. Warhol will mit der Legende nicht Kritik an den USA üben. Und auch nicht die Einzelschicksale in den Vordergrund stellen ,sondern uns die Anonymität und Leere vor Augen führen und uns zeigen ,dass der Stuhl potentiell allen zugedacht sein kann. Hinter dem Elektrischen Stuhl steht die anonyme Instanz und das Ausmaß des Gesetzes. Das Bild zeigt ein Spannungsverhältnis zwischen der Banalität und der Monumentalität des „Gebrauchsgegenstands“ des Elektrischen Stuhls und der Leere des Raumes auf. Der Betrachter scheint die rolle eines Zuschauers der Exekution eingenommen zu haben und hat damit zwangsläufig die Vorstellung selbst auf dem Stuhl zu sitzen
Big Electric Chair: „Blow Up“
Das nächste Bild zeigt den eben besprochenen „electric chair“ stark vergrößert. Diese Form der Vergrößerung wird „Blow Up“ genannt. Mit „Blow Up“ bezeichnet man ein Bild oder einen Bildausschnitt, das/der stark vergrößert wiedergegeben wird. Dadurch werden wichtige Details erkennbar, die unter Umständen auf einem großen Bild nicht gleich ins Auge gefallen wären. Hier zum Beispiel stechen in der Vergrößerung die Gurte und Schnallen hervor, mit denen man den Todgeweihten auf den Stuhl fesselt. Auch das am Boden liegende Kabel zieht nun die Aufmerksamkeit des Betrachters auf sich, weil eben dieses, wäre es nicht durchgerissen, den tödlichen Strom leiten würde. Durch die Vergrößerung gewinnt das Photo somit an Realität, und bringt dem Betrachter das Schreckliche des Abgebildeten näher. Im Falle des vorliegenden „Blow Up“ des „electric chair“ tritt der Stuhl stark in den Vordergrund und der Raum, von dem in der Komposition des Originalbildes reichlich vorhanden war, wird in den Hintergrund gedrängt. Es ist weder ein Eingang noch ein Ausgang zu sehen im Gegensatz zum vorher betrachteten Bild. Die Ausweglosigkeit der Situation in der sich der Todeskandidat befindet, wird dadurch unterstrichen. Er hat keine Möglichkeit durch den Ausgang zu fliehen und auch niemand anderes kann ihm durch den Eingang zur Hilfe kommen. Weiterhin wird man feststellen, dass der Stuhl nicht mittig platziert, sondern nach links verschoben ist, wodurch die rechte Bildhälfte völlig leer ist. Dadurch verhindert Warhol, dass sein Motiv den Charakter eines gestellten Ausstellungsstücks bekommt. Der Stuhl wirkt realer. Ausserdem ermöglicht sich der Künstler dadurch die Leere, Stille und Einsamkeit, die den Stuhl und den darauf Sitzenden umgibt, in der rechten freien Bildhälfte zum Ausdruck zu bringen.
Serieller Druck des Electric Chair
Auf diesem Bild sind zwölf Fotos des electric chair zu sehen, die jeweils zu dritt in einer Reihe angeordnet sind. Sie sind durch weiße Streifen voneinander getrennt, die
als Rahmen fungieren. Dadurch erscheint jedes der Bilder als Einzelbild. Man sieht diese eingefärbt in weiß-grau, rot, blau, gelb und grün - kalte und warme Farben im Wechsel. Warhol benutzte in seinen Werken sehr häufig starke Farben und stellte sie meist in starken Kontrast zu seinen Bildinhalten. Durch die verschiedenen Farben entsteht der Eindruck, dass es sich hierbei um ein Kirchenfenster handeln könnte, in dessen Mitte sogar ein Kreuz zu erkennen ist. Die Mitte des Kreuzes bildet das rote Bild des electric chair, der imaginäre Querbalken wird durch die beiden hellen Bilder gebildet, die das rote flankieren. Die Gesamtdarstellung besteht aus zwölf Einzelbildern. Diese Zahlensymbolik spielt vermutlich auf die zwölf Apostel an. Der Stuhl rückt in diesem Bild durch die serielle Reproduktion nun mehr in den Hintergrund und die Aufmerksamkeit des Betrachters liegt jetzt nicht mehr auf dem Stuhl selbst. Der Betrachter erlangt hier größere Distanz zum Einzelbild. Man nimmt das Kunstwerk mehr als Ganzes war. Das todbringende Instrument hat somit seinen Schrecken verloren – ihm ist die Tragik genommen.
Selbstmord Serie:
Um seine Selbstmord und Disaster – Serien zu verwirklichen besaß Andy Warhol zahlreiche Photos zum Thema Tod. Seine Sammlung umfasste sowohl professionelle Pressephotos wie auch zufällige Laienphotographien und gerne hätte er sie noch um ein paar Polizeiphotos erweitert, aber man hat ihm Zugang zu diesen nicht gestatten wollen.
Zum Thema Selbstmord wird dem Kurs ein Bild gezeigt, welches insgesamt neun verschiedene Aufnahmen von sogenannten Fensterstürzen zeigt. Auch bei diesen handelt es sich entweder um Pressephotos oder um zufällig entstandene Aufnahmen von Privatpersonen, die am Geschehen teilgenommen haben. Warhol ruft durch diese Bilder die Existenz des Phänomens Selbstmord ins Gedächtnis der Menschen. Jeder Mensch hat eine Vorstellung davon, wie ein Selbstmord abläuft, aber man findet dieses Ereignis selten auf Bildern, noch seltener auf tatsächlich echten Photos. Der Selbstmord ist in gewisser Weise auch ein Tabu – Thema und man spricht eigentlich nicht darüber. Für den Betrachter beinhalten diese Bilder eine gewisse Faszination, da man das Geschehene nicht selbst erleben kann und auch nicht möchte. Durchaus besteht aber die Möglichkeit, dass man sich für das Gefühl des Fallenden interessiert. Der passive Zuschauer kann nicht vorhersehen, wie der Sturz
Arbeit zitieren:
MA Daniel Spindler, 2002, Andy Warhols "Disasters Serie", München, GRIN Verlag GmbH
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