Ausarbeitung zum Referat vom 04.01.2005: Afghanistan - Krieg und Neuanfang
Seminar: Der 11.September und seine Folgen
WS 2004/2005
Dozent: Herr Siebert
Referentin: Simone Kotarra
1. Einleitung
In meiner Ausarbeitung zum Thema „Afghanistan - Krieg und Neuanfang“ werde ich mich mit der Entwicklung seit der Intervention der USA und den Vereinten Nationen nach dem 11. September 2001 bis zu den Präsidentschaftswahlen 2004 auseinandersetzen und versuchen einen kleinen Ausblick in die Zukunft des Landes zu geben.
Weiterhin werde ich in diesem Zusammenhang folgende Gesichtspunkte näher beleuchten:
• Wie kommt es zum Krieg in Afghanistan?
• Wie entwickelt sich der Kriegsverlauf und welche politischen Geschehnisse sind in diesem Zeitraum für das Land von Bedeutung?
• Welche Interessen anderer Nationen stehen mit Afghanistan unmittelbar in Verbindung, die den Kriegsverlauf und den Wiederaufbau beeinflussen?
• Wie ist die Situation in Afghanistan vor den Präsidentschaftswahlen 2004 im Hinblick auf
- die dortigen Machtverhältnisse
- die Sicherheit
- die Situation in der Übergangsregierung
- die Einstellung der Bevölkerung zum Antiterrorkrieg und
- die Lebensbedingungen der Bevölkerung
Diese Punkte werde ich folgender Frage gegenüberstellen:
• Wie ist die Situation nach den Präsidentschaftswahlen in Bezug auf
- die Machtverhältnisse im Land
- die Sicherheit
- die Situation in der Regierung und
- die Lage und Einstellung der Bevölkerung
Als Abschluss werde ich einen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung Afghanistans wagen.
Bevor ich ins Thema einsteige, gebe ich zunächst einige Erläuterungen über die wichtigen Gruppierungen und Personen.
2. Gruppierungen und Personen
Nordallianz
Diese Bezeichnung steht für „Nationale Islamische Vereinigte Front zur Rettung Afghanistans“.
2
Sie kämpft gegen das Taliban-Regime und besteht aus einer ungleichen Ansammlung von Kriegsherren und Mudschahedinführern.
Einige der dort versammelten Mudschahedinführer werden dafür verantwortlich gemacht, Kabul zu sowjetischen Zeiten zerstört und Massenvergewaltigungen ausgeübt zu haben. 1 Ihr Wortführer ist Yunus Quanunis, der Schwager von Abdul Sattar Sirat. Als ihre Truppen am 13. November Kabul einnehmen, richten sie zahlreiche Talibankämpfer hin. 2
Rom-Gruppe
Die Rom-Gruppe besteht aus einem erweiterten Klientel um Ex-König Zaher Schah. Ihr Wortführer ist Abdul Sattar Sirat.
Zypern-Gruppe
Die Zypern-Gruppe steht dem Iran nahe und ist ein lockerer Verbund von Politikern, die sich sporadisch auf Zypern getroffen haben.
Peschawar-Gruppe
Die Peschawar-Gruppe ist erst im November 2001 für die Petersberger Konferenz gegründet worden und soll Pakistans Interessen vertreten.
Taliban
Die Taliban erobern 1996 die Macht in Afghanistan. Ihr Kern rekrutiert sich aus Afghanistan und Pakistan. Zumeist sind dies Männer einfacher Herkunft aus ländlichen Gebieten - oft Waisen.
Ein großer Teil von ihnen sind geflohene Paschtunen, die in pakistanischen Koranschulen ausgebildet worden sind.
Die Taliban verkörpern eine radikal-islamische Organisation mit dem Ziel, ein wahabitisches Kalifat in der islamischen Welt zu errichten. Nicht-islamische Einflüsse - auch der nichtwahhabitische Islam- sollen aus allen islamischen Ländern verdrängt werden. 3
Al Quaida (= Die Basis) 4
Die Al Quaida ist eine Organisation, die ursprünglich von den USA zur Bekämpfung sowjetischerTruppen in Afghanistan hochgerüstet worden ist. Sie stellt ein internationales Geflecht verschiedener Terrorgruppen da.
Ihr Anführer ist vermutlich noch immer Osama bin Laden - ein Saudi. Die Mitglieder der Organisation werden in Afghanistan auf Durchführung von Terrorangriffen ausgebildet.
Coalition against Terrorism
Die Vereinigung gegen Terrorismus wird von den USA direkt in der Zeit nach dem
11. September aufgebaut. Involviert sind nicht nur die NATO-Mitglieder sondern auch Russland, Saudi-Arabien und Pakistan.
1 Siehe: http://www.lpb.bwue.de/aktuell/terrorusa/terrorusa.htm
2 siehe: New York Times, S.161 Ein aufgespürter Talibankämpfer wird dabei fotografiert, wie er um sein Leben bettelt und dann von Soldaten der Nordallianz hingerichtet wird.
3 Wahabit: Angehöriger einer puritanischen Reformsekte des Islam (seit 18 Jh. Bes. in (Saudi-)Arabien);
entnommen aus: Duden Das Fremdwörterbuch 5. Mannheim, Wien, Zürich: Meyers Lexikonverlag 1990
4 siehe: : http://www.lpb.bwue.de/aktuell/terrorusa/terrorusa.htm
3
Paschtunen
Die Paschtunen sind von den vielen Volksstämmen in Afghanistan der zahlenmäßig größte und vor dem Einmarsch der Sowjets auch der einflussreichste gewesen. Sie stellten die Elite und hoffen durch die Taliban wieder an Macht zu gewinnen.
Sie vertrauen auf Lippenbekenntnisse der Taliban, den König Zaher Schah wieder ins Amt zurückzubringen.
Hamed Karzai
Hamed Karzai ist paschtunischer Herkunft, hat aber mehrere Jahre in den USA zugebracht. 1992 war er stellvertretender Außenminister unter Rabbani, 1994 unterstütze er die Taliban und seit 1996 gehört er zur Rom-Gruppe.
Seit der Zeit der Petersberger Konferenz im Jahr 2001 kämpft er gegen die Taliban. Im Oktober 2001 ist er durch Südafghanistan gereist, um Paschtunenführer im Kampf gegen die Taliban zu gewinnen. 5
Sein Vater, Abdul-Ahad Karzai, stammte aus der alten paschtunischen Elite und wurde 1999 von unbekannten Tätern umgebracht.
Mullah Mohammed Omar
Mullah Mohammed Omar ist der Führer der Taliban und hat die gleiche Stammeszugehörigkeit wie der Gründer des ersten paschtunischen Reiches. Er bezeichnet sich als 2.Omar und hat den Titel „Herrscher der Gläubigen“ angenommen. Er versucht somit eine Anknüpfung an das letzte rechtmäßige islamische Reich und die Legitimierung seitens seiner Person als Errichter eines Gottesstaates. Er wird im Dezember 2004 von afghanischen Sicherheitskräften gefasst. 6
3. Wie kommt es zum Krieg in Afghanistan?
Nach dem Anschlag vom 11. September 2001 richtet sich der Verdacht der USA sehr schnell gegen das Oberhaupt des internationalen Terrornetzwerkes Al Quaida - Osama Bin Laden. Nur ihm traut man zu, logistisch und finanziell in der Lage zu sein, einen solchen Anschlag vorzubereiten.
Hinzu kommt, dass Osama Bin Laden schon 1998 für die Anschläge auf US-Botschaften in Dar-es-Salam und Nairobi als Drahtzieher verantwortlich gemacht wurde, von den USA aber nicht gefasst werden konnte.
Da der Aufenthaltsort Osama Bin Ladens in Afghanistan vermutet wird - das Land hatte sich unter den Taliban zu einer Drehscheibe des internationalen Terrorismus herausgebildet - stellt der US-amerikanische Präsident George W. Bush zehn Tage nach dem Anschlag in seiner Rede vor dem Kongress ein Ultimatum an die Taliban, Osama Bin Laden auszuliefern. Daraufhin reagiert der Taliban-Botschafter in Pakistan, Abdul Salam Saif, mit der Aussage: "Wir würden den Islam beleidigen, wenn wir Osama an Amerika übergeben oder aus Afghanistan ausweisen würden» und erklärt, Afghanistan sei bereit, einem US-Angriff die Stirn zu bieten.“ und im ganzen Land rufen Prediger zum „Heiligen Krieg“ auf.
5 siehe: New York Times
6 Die Erläuterungen zu Gruppierungen und Personen stammen aus Schetter, C.
4
Arbeit zitieren:
Simone Kotarra, 2005, Afghanistan - Krieg und Neuanfang, München, GRIN Verlag GmbH
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