INHALTSVERZEICHNIS
1.) Einleitung 3
2.) Die Ausgangslage unter Marcus Aurelius 4
2.1) Die Adoptionspraxis seit Nerva 4
2.2) Die Designation des Commodus 5
3.) Befunde der antiken Quellen 6
3.1) Marcus Aurelius’ Entscheidung zugunsten Commodus’
und dessen Tauglichkeit 6
3.1.1) Herodian 6
3.1.2) Cassius Dio 6
3.1.3) Historia Augusta 7
3.1.4) Fazit und Quellenkritik 8
3.2) Commodus’ Regiment und dessen Rezeption in Quellen
und Forschung 9
4.) Alternativen zu Commodus und die Beständigkeit des
Adoptivkaisertums 11
5.) Schlussbetrachtung 12
Auswahlbibliographie 14
2
1.) Einleitung:
Mit dem Umbruch des Römischen Reiches am Ende des zweiten Jahrhunderts nach Christus befasst sich diese Arbeit unter dem Titel „Von Marcus Aurelius zu Commodus - Das Ende des Adoptivkaisertums“. Im Mittelpunkt der Betrachtung stehen die Hintergründe der Machtübergabe des „Philosophenkaisers“ an seinen leiblichen Sohn und deren Bedeutung für das Principat. Unter der Fragestellung „Beinhaltete die Nachfolgeregelung Marcus Aurelius’ ein Scheitern des Adoptivkaisertums?“ soll auf den nächsten Seiten erörtert werden, was aufgrund der negativen Prägung der Commodus-Regierung nicht selten als beginnender Niedergang des Römischen Reiches wahrgenommen worden ist.
Der erste Gliederungspunkt dient der historischen Einordnung des thematischen Gegenstands, indem zunächst die Adoptionspraxis in der Form, wie sie seit dem Ende des ersten Jahrhunderts n. Chr. bestand, und danach die Designation des Commodus erläutert werden. Das folgende Kapitel ist von der Erkenntnisabsicht geleitet, ob Marcus Aurelius gänzlich von Commodus’ Eignung für das Principat überzeugt war, oder ob er trotz der schon früh getroffenen Entscheidung, seinen leiblichen Sohn die Nachfolge antreten zu lassen, auch Zweifel an dessen Tauglichkeit hatte. Darüber hinaus soll herausgearbeitet werden, ob es in Commodus’ Biographie vor Herrschaftsbeginn Anzeichen für seine mangelnde Befähigung gab. Um dies zu beantworten, hat der Verfasser die drei Hauptquellen für das 2. Jahrhundert n. Chr. zu Rate gezogen: das Werk Geschichte des römischen Kaisertums seit Mark Aurel Herodians aus Syrien, die Römische Geschichte Cassius Dios und die Commodus-Biographie der Historia Augusta.
Ob es andere Optionen für den Thron als Commodus gegeben hätte und welche Auswirkungen es gehabt hätte, wenn Aurelius diese gezogen hätte, damit beschäftigt sich Kapitel drei, bevor in der Schlussbetrachtung die abschließende Bewertung dieser bedeutenden „Personalentscheidung“ vorgenommen wird.
Bei der Bearbeitung der Fragestellung hat sich neben den oben aufgeführten Quellen auch der Panegyricus (Lobrede auf den Kaiser Trajan) Plinius’ des Jüngeren als wichtig erwiesen. An Sekundärliteratur hilfreich für die Anfertigung dieser Arbeit waren vor allem folgende Werke: Commodus von Michael Stahl, Grundriss der römischen Geschichte mit Quellenkunde I: Republik und Kaiserzeit bis 284. n. Chr. von Hermann Bengtson, Geschichte der römischen Kaiserzeit von Augustus bis zu Konstantin von Karl Christ sowie Römische Geschichte von Alfred Heuss.
3
2.) Die Ausgangslage unter Marcus Aurelius
2.1) Die Adoptionspraxis seit Nerva:
Marcus Aurelius (121 - 180 n. Chr.) war der letzte römische Kaiser, der in der Tradition des Adoptivkaisertums stand, einem Merkmal, das das zweite Jahrhundert n. Chr. entschieden geprägt hat. Diese Periode des Principats, die mit der Adoption Trajans (Marcus Ulpius Traianus) durch Nerva (Marcus Cocceius Nerva) wegen dessen Kinderlosigkeit am 27. Oktober 97 n. Chr. begann, schuf kein neues Mittel der Herrschaftsübertragung, denn Adoptionen waren bereits seit der julisch-claudischen Dynastie (14 - 68. n. Chr.) bekannt. Aber durch den Grundsatz, den für das Regiment am besten geeigneten Herrscher auszuwählen, wich die Adoptionspraxis davon ab, die Nachfolger dem direkten Verwandschaftskreis zu entnehmen und erweiterte somit die Kandidatenauswahl. 1 Die moralische Legitimierung dieser Form von Adoption erfolgte vor allem im Panegyricus Plinius’ des Jüngeren, der im vierten Jahr der Herrschaft Trajans, genauer: am 19. September 100 n. Chr., gehalten wurde und Nervas Machtübertragung auf ihn rückwirkend begründete und ideologisierte. In seiner Lobrede entwirft Plinius das Bild des idealen Herrschers und münzt es auf den bereits inthronisierten Trajan. Zunächst erörtert Plinius die Unvollkommenheit vorangegangener Regenten, bis er zu dem Schluss kommt, dass Trajan alle Tugenden, die einen idealen Princeps ausmachen, auf sich vereint: „[…], keinen haben wir noch gehabt, dessen rühmliche Eigenschaften durch keine angränzende Flecken wären verdunkelt worden. Aber bei unserem Fürsten, wie harmonisch ist da alles vereint, was lobenswürdig und rühmlich ist!“ 2 Nachdem Plinius charakterliche und äußerliche Vorzüge Trajans aufgezählt hat, betont er in einem impliziten Vergleich den qualitativen Unterschied seines Regierungsantritts zu früheren Machtübernahmen: „Und so mußte auch der Regent seyn, den nicht Bürgerkriege, nicht Waffen, […], sondern den Friede, den Adoption, den die Götter nach langem Seufzen dem Erdkreis verliehen haben.“ 3
Im Panegyricus nahm also die Ideologie der „Adoption des Besten“ ihren Ausgang, wurde quasi das Anforderungsprofil für künftige Herrscher umrissen. 4 Was jedoch nicht offiziell festgeschrieben wurde, war das Vorgehen bei der Auswahl der Principes. Keine Regelung sah vor, dass Senat und Volk ein Mitspracherecht bei der Kür der künftigen Herrschers erhalten sollten. 5 Dementsprechend behauptet der Verfasser dieser Arbeit, dass die Adoptionen von
1 Vgl. Karl Christ, Geschichte der römischen Kaiserzeit von Augustus bis zu Konstantin, München 1988, S. 288.
2 Plin. paneg. 4.
3 Plin. paneg. 5.
4 Vgl. Werner Dahlheim, Geschichte der römischen Kaiserzeit, München 1984, S. 18.
5 Vgl. Christ 1988, 288.
4
Trajan bis einschließlich Marcus Aurelius dann auch vornehmlich aus persönlichen Motiven, beispielsweise dem der Sicherung der Fortführung der eigenen Regierungspolitik, und schlicht aus der fehlenden Alternative, einen leiblichen Sohn zu designieren, erfolgtenwenngleich sich diese Personalentscheidungen als positiv erwiesen, was nicht zuletzt durch die von der Forschung beziehungsweise Zeitgenossen für das zweite Jahrhundert n. Chr. erteilten Prädikate wie humanitäres Kaisertum 6 und „goldene[s] Kaisertum“ 7 belegt werden kann.
2.2) Die Designation des Commodus:
Nach Nerva, Trajan, Hadrian und Antoninus Pius war Marcus Aurelius der erste Princeps, der wieder die Möglichkeit hatte, einen leiblichen Sohn zu seinem Nachfolger bestimmen zu können. Der Kaiser und seine Frau Faustina die Jüngere hatten gemeinsam dreizehn Kinder, darunter sieben Söhne. Als zehntes Kind kam am 31. August 161 n. Chr. in Lanuvium nahe Rom Commodus (Lucius Aurelius Commodus Antoninus) zur Welt, der als einziger Sohn nicht im Kindesalter starb. Sein Vater war erst im März desselben Jahres zum Princeps proklamiert worden; die Geburt Commodus’ bedeutete also per se die Designation zum Kaiser, denn er kam als erster römischer Thronfolger schon als Kronprinz auf die Welt. 8 Die Handlungsweise Marcus Aurelius’ signalisierte, dass sein Sohn unweigerlich der nächste Herrscher werden würde: Durch offizielle Akte wurde Commodus’ spätere Regierungsübernahme in der Folgezeit vorbereitet und auch nach außen hin kenntlich gemacht. Schon 166 n. Chr. - Commodus war zu diesem Zeitpunkt fünf Jahre alt - wurde er zum Caesar ernannt. Neun Jahre später erfolgte seine Aufnahme in die Priesterkollegien. Den entscheidenden Schritt zu seinem späteren Principat tat Commodus schließlich 177 n. Chr., als er den Titel des Augustus sowie sein erstes Konsulat verliehen bekam und damit faktisch die Teilhabe an der kaiserlichen Gewalt erlangte. 9
Die Mitregentschaft Commodus’ dauerte gut drei Jahre bis zum Tod seines Vaters. Während der zweiten Phase des Krieges gegen die germanischen Stämme starb Marcus Aurelius am 17. März 180 n. Chr. im Feldlager Vindobona in der Nähe Wiens im Alter von 59 Jahren. 10 Schon auf dem Sterbebett liegend, hatte er die Nachfolge seines Sohne noch einmal bekräftigt und
6 Vgl. Alfred Heuss, Römische Geschichte, 4., ergänzte Aufl., Braunschweig 1976, S. 342ff.
7 Cass. Dio, 72, 36, 4.
8 Vgl. Michael Stahl, Commodus, in: M. Clauss (Hrsg.): Die römischen Kaiser, München 1997, S. 160f.
9 Vgl. ebd., S. 161.
10 Vgl. ebd., S. 159.
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Arbeit zitieren:
Folko Damm, 2005, Von Marcus Aurelius zu Commodus - Das Ende des Adoptivkaisertums, München, GRIN Verlag GmbH
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