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Shintô, der nationale Glaube Japans, ist unter den Religionen der Welt relativ unbekannt. Viele Leute sind mit den 7RULL, den typischen Toren der Shintô-Schreine, vertraut, haben aber nur eine vage Vorstellung von der Shintô-Religion. Für die Mehrheit der Japaner ist Shintô dagegen wie die Luft, die sie umgibt. Shintô bildet die Basis ihres Lebens.
Der frühe Shintô auf seinem Weg bis zum gegenwärtigen Shintô ist durch vielerlei Einflüsse geformt worden. Er hat während der Jahrhunderte mal an Bedeutung gewonnen, mal verloren. Form und Gehalt des Shintô wurden durch historische Erfahrungen und Ereignisse verändert, wie zum Beispiel die im 6.Jh. vorgenommene, förmliche Einführung des Buddhusmis. Wie so oft in der Geschichte des japanischen Volkes, weigerten sich die Shintôisten, sich in ihrem Glauben und ihren Praktiken den fremden Einflüssen des Buddhismus zu beugen. Die im 7.Jh.aufkommenden kaiserlichen Erlasse hielten die Vorschriften des nationalen Shintô-Kultes fest. Deutliche Einflüsse sind auch von dem im 12./13.Jh. aus China kommenden Neukonfuzianismus zu verzeichnen, der eine Wiederauflebung des Shintôismus verursachte.Weiterhin wurde der Shintô durch die große Reform des Schrein- und Priesterwesens geformt, die die Regierung 1871 erließ. Die Schichtung der Shintô-Priesterschaft und die Festlegung von Schrein-Rängen schufen eine von der damaligen Regierung gewünschte Einheitlichkeit. Mit der Restauration der Regierung in der Meiji-Zeit durch den Kaiser war eine Neuorganisation des Shintô eng verbunden. Man benutzt ihn, um dem Land Einigkeit und Solidarität zu geben.
Im Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg verdammte man den Shintô, d.h. den Staats-Shintô, als eine Art japanischen Faschismus. Mit dem Sieg über Japan 1945 wurde der Shintô als Institution abgeschafft. Im Verlauf dieser und anderer Erfahrungen entstanden mehrere Formen des Shintô, denen hier Beachtung geschenkt werden soll. Die Shinto-Geschichte wurde stark durch die chinesische Zivilisation, besonders durch Konfuzianismus und Buddhismus, beeinflußt.
Die geschichtlichen Erfahrungen und die fremden Einflüsse der langjährigen Shintô-Tradition sind heute offensichtlich. Für Nicht-Japaner ist deshalb schwer nachzuvollziehen, warum sie sich bis heute in so tiefgreifender Form im alltäglichen Leben des japanischen Volkes durchgesetzt hat.
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Der Begriff Shintô bezeichnet die nationale Volksreligion der Japaner. Er wird meist mit „Wege der Götter“ (NDQQDJDUD) übersetzt.
Das chinesische Schriftzeichen „shin“ bedeutet unergründliche geistige Kraft oder göttliches Wesen. Das chinesische Schriftzeichen „do“ oder „to“ steht für Weg, Pfad oder Lehre. Zusammen ergibt „shen dao“ im Chinesischen den uns bekannten Begriff Shintô. Er wurde im 6.Jahrhundert, zur Zeit der Einführung des Buddhismus in Japan, geprägt. Die damals lose organisierte Shintô-Tradition sollte vom deutlicher ausgeformten Buddhismus (%XWVXGR) unterschieden werden. Er umschreibt Religionsformen aus der Zeit vor der Einführung des Buddhismus in Japan, das heißt er steht für religiöse Institutionen und Praktiken mit Ursprung in der alten eigenständigen, religiösen Tradition Japans.
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Die Shintô-Ausrichtung zum Leben ist mit einer positiven Lebenseinstellung verbunden. Anhänger des Shintô haben ein sehr positiv und optimistisch ausgerichtetes Menschenbild. Die gegenwärtige Welt wird als Schauplatz des Guten und des Schönen gesehen. Gruppenarbeit, Nachbarschaftshilfe und Gemeinschaftsarbeit sind von großer Bedeutung. Der Mensch gilt von Anfang an als rein und unschuldig.
Die Wertvorstellungen der Japaner hängen mit den alten shintôistischen Kulten zusammen und fußen auf drei Säulen: .DPL, Volk und Natur.
Die Säule 1DWXU steht für die Verehrung von Bäumen, Bergen und Naturphenomenen. Dieses alte Wertgefühl rührt noch aus vorshintôistischer Zeit her, d.h. aus dem 1.Jh. nach Chr. Ein alter schamanistischer Baumkult besagt die Verehrung alter, hochgewachsener Bäume und die Kennzeichnung dieser durch Papierstreifen. Die Baumwurzeln werden als Unterwelt, der Baum selbst als Oberwelt und die Krone als Himmel betrachtet. Der 6DNDNLBaum ist beispielsweise ein verehrter Baum des Familien-Shintô.
Der Begriff .DPL steht als Mittelpunkt und Triebkraft allen Seins. .DPList das Schlüsselwort für das Göttliche im Shintô. Im weiteren Sinne können mit .DPL auch menschliche Wesen, Tiere, Bäume und Pflanzen, Berge, Flüsse und Meere gemeint sein. Der Begriff ist bis heute grundlegend für den Shintô. Seit Urzeiten verehrt das japanische Volk .DPL als Ausdruck ihres einheimischen, rassischen Glaubens, der im fernen Altertum aufkam. Der .DPL-Glaube
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entwickelte sich über Jahrzehnte hinweg und durchfährt auch heute noch diverse Veränderungen.
1956 wurde von der Vereinigung der Shinto-Schreine eine Zusammenfassung des Shintô-Glaubens unter dem Titel „Keishin seikatsu no koryo“ (Allgemeine Charakteristika eines Lebens in Verehrung der Gottheiten) veröffentlicht. Sie vermittelt die Grundlagen der shintôistischen Lebenshaltung. Ich möchte hier einige Hauptpunkte anführen: 1. Man soll dankbar sein für die Segnungen der Gottheiten und die Wohltaten der Vorfahren und sorgfältig bei der Beachtung des Shintô-Rituals, indem man sich selbst ihnen in Aufrichtigkeit, Willigkeit und reinem Herzen zuwendet. 2. Man soll hilfreich gegenüber anderen sein und gegenüber der Welt im ganzen durch dienendes Handeln ohne Gedanken an Verdienst und den Fortschritt der Welt suchen wie einer, dessen Leben der Vermittlung des Willens der Gottheit dient. 3. Man soll sich mit anderen in einem gemeinsamen Bekenntnis zum Willen des Tenno verbinden, beten, daß das Land gedeihen möge und auch andere Völker in Frieden und Wohlstand leben mögen.
Die Grundlagen der shintôistischen Lebenshaltung sind also die Segnungen und der Wille der Gottheiten, der Vorfahren, des 7HQQR, der Nation und der Welt. Der Japaner soll danach trachten, dies alles in seinem eigenem Leben zu beherzigen und zu verwirklichen.
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Die Shintô-Tradition besitzt keinen Begründer und keine offiziellen Schriften. Es existiert kein festgeschriebenes, shintôistisches Lehrsystem. Eine Anzahl ethnischer Gruppen von unterschiedlichen Religionen und sozialen Charakteristika kam während des vorhistorischen Zeitalters vom ostasiatischen Festland nach den japanischen Inseln. Allmählich kam es zu einer Verschmelzung der verschiedenen Elemente, und in der frühgeschichtlichen Zeit, d.h. etwa seit dem 3.Jh., gewannen die Japaner ein solches Maß an Selbstbewußtsein, daß sie sich als ein Volk einer gemeinsamen Kultur fühlten.
Die gesellschaftliche Basis bildete das Clan-System, und jeder Clan hatte seine eigenen Mythen. Ein Clan bildete eine soziale, ökonomische und politische Einheit und eine religiöse Solidarität. Im Mittelpunkt eines jeden Clans stand die Clan-Gottheit, die zumeist als Vorfahr des Clans angesehen um von dem Clan-Oberhaupt verehrt wurde. Das Clan-Oberhaupt war
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Katja Kruschel, 2000, Shintoismus - die Ursprungsreligion der Japaner, München, GRIN Verlag GmbH
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