Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung S 3
Rollenbegriff Identifikation
Inter-Rollen Konflikt Konfliktgehalt
Entscheidungszwang
2. Hauptteil
2.1. Theoretische
Grundannahmen S 5
Intentionen Varianten des Rollenspiels
Bedingungen und Kriterien
2.2. Rollenspielpraxis
Rollenspiel: Aus Conrad seinem Sohn
wird mal was
Vernünftiges S 9
Vorbereitung Informationsphase Vorbereitungsphase
Rollenspielphase Rollendistanzierung
Diskussionsphase Ergebnisphase Transferphase
Rollenveränderung
3. Fazit S 17
4. Anhang
Literaturliste S 18
3
1. Einleitung:
Analysiert man der Begriff „Rollenspiel“ einmal genauer, kristallisiert sich folgende interessante Eigenschaft heraus: man stößt auf die Termini „Rollen“ und „Spiel“, wobei der Begriff „Rollen“ eher auf die Soziologie verweist und der Begriff „Spiel“ auf die pädagogische Kategorie.
Der Rollenbegriff besagt, dass jeder Mensch in einer Gesellschaft Inhaber von Rollen und Positionen ist, um so die Orientierung am Verhalten anderer möglich zu machen. „In allen Gesellschaften sind Menschen nach Positionen klassifiziert. Sie sind zum Beispiel: Väter, Mütter, Jugendliche, Lehrer, Politiker, Jäger, Krieger, Medizinmänner usw.“ 1 Jedoch kann man auch eine weitere Differenzierung innerhalb größerer und kleinerer sozialer Gruppen vornehmen. So ist ein Parteimitglied nicht einfach ein Parteimitglied; hierbei gibt es einen Parteivorsitzenden, einen Parteivorstand, einen Parteisprecher, einen Parteitagsdelegierten, Parteimitglieder, usw. Von den Inhabern solcher und anderer sozialer Positionen wird ein bestimmtes Verhalten oder Handeln erwartet, nach denen man sich dann im eige nen Handeln richten kann. Hierbei sind keine detaillierten Kenntnisse über den Einzelnen nötig, um zu wissen, wie er in etwa handeln wird. Die Rollen sind demnach auf jedes Individuum gleichsam gültig. Jedoch kann ein Einzelner auch mehrere Rollen innehaben; so ist ein Jugendlicher auf der einen Seite ein Kind seiner Eltern und auf der anderen Seite gleichsam ein Schüler.
Man kann bei einem Rollenspiel demnach zwei Rollenmerkmale 2 differenzieren; zum einem das der Identifikation und zum anderen des Konfliktgehaltes und des Entscheidungszwanges. Identifikation bedeutet hier, dass der Schüler die thematisch und situativ festgelegte Rolle durch vollen Einsatz seiner Persönlichkeit gestalten muss. Zudem muss er so spielen, dass er das Problem in der fiktiven Realität lösen kann; das heißt, er muss mit der zugewiesenen oder spontan eingefühlten Rolle agieren und reagieren können. Um dies zu bewältigen, ist eine Identifikation mit der Rolle nötig. Für den Lehrer ist es hierbei wichtig zu wissen, wie die relevanten Bedingungsfaktoren der Zielgruppe sind, um eine
1 Massing, Peter (1998): Handlungsorientierter Politikunterricht. S.13. Z.19ff.
2 Kolb, Gerhard (1981): Methoden der Arbeits-, Wirtschafts- und Gesellschaftslehre: praktische
Beispiele für den Unterricht. S.28.
4
Identifikation zu ermöglichen. Denn in Situationen, die fern des
Erfahrungsbereiches oder Vorstellungsvermögens der Schüler liegen, können sich die Schüler nur sehr bedingt oder gar nicht hineinversetzen und somit auch nicht damit identifizieren.
Wenn die Anforderungen an die Rollen, die einer inne hat, verschieden sind, kann es zu Konflikten kommen. Dies nennt man einen Inter – Rollen – Konflikt 3 . Konflikte können ebenfalls auftreten, wenn verschiedene Ansprüche an eine Rolle gestellt werden. Hiermit ist der Intra – Rollen – Konflikt 4 gemeint. Diese Konflikte sind jedoch lebendige Grundelemente des sozialen Lebens. Beim Rollenspiel wird eine Lösung eben dieser Konflikte gefordert. Um eine sozial gerechte Lösung oder argumentativ ausgehandelte Kompromisse zu finden, besteht der Zwang, den sachlichen Gehalt des Konfliktes zu finden.
Vorraussetzung, dass die Schüler diesen Schritt vollziehen können, ist natürlich, dass auch der Lehrer das Problem oder den Konflikt als Sachproblem 5 begreift. Zudem muss auch er im eigenem Verständnis jegliche Vorurteile ablegen; das bedeutet, auch er muss begreifen, dass es sich nicht um Machtprobleme handelt. Denn es ist nicht das Ziel dem Gegenüber verbal zu „besiegen“ und ohne Kompromissfähigkeit seine persönlichen Interessen ohne Rücksicht auf Verluste durchzudrücken; vielmehr ist es das Ziel, eine möglichst für alle Beteiligten gerechte Lösung zu finden. Und letztlich ist es hierbei auch Aufgabe des Lehrers, die Art, den Umfang und die Komplexität des Konfliktes festzulegen und darzustellen. Auch ist es wichtig für die Spielenden, zu begreifen, dass soziale Rollen einen verschieden großen Interpretationsspielraum haben. So muss man hier unterscheiden zwischen hoch institutionalisierten Rollen, wie zum Beispiel der eines Richters oder Polizisten, in denen ein eher geringerer Interpretationsspielraum gegeben ist, und gering strukturierten Positionen, wie zum Beispiel der eines Jugendlichen, in denen ein sehr großer Interpretations spielraum vorliegt. 6 So bedeutet der Konfliktgehalt einer Rolle für den Schüler nicht einfach nur die Umsetzung von vorgegebenen Handlungsmustern; es bedeutet, auch die Fähigkeit zu besitzen oder zu
3 Massing, Peter (1998): Handlungsorientierter Politikunterricht. S.14.
4 ebd.
5 vgl. Giesecke, Hermann (1973): Methodik des politischen Unterrichts. S.77.
6 vgl. Massing, Peter (1998): Handlungsorientierter Politikunterricht. S.15 f.
5 entwickeln, Entscheidungen zu treffen, da zumeist eine Vielzahl von Handlungsvarianten vorliegt.
Der Spielbegriff kann aus der pädagogischen Sicht gleichsam Motivation, wie auch Informationsvergrößerung 7 bedeuten.
So lässt sich vermerken, dass das Rollenspiel einen Beitrag zur Entwicklung von Problemlösungsverha lten von Schülern beitragen kann. Um dies erfolgreich als Lehrer durchführen zu können, ist es von Bedeutung, sich der Intentionen des Rollenspiels bewusst zu sein, die Rollenspielarten zu kennen, um dann, in Hinsicht der Zielgruppe und des Zwecks, einen entsprechend geeigneten Typus auswählen zu können, sowie die Kenntnis über Vorbereitungsaufgaben und Hinweise für die Durchführung, um sich sicher mit dieser Methode bewegen zu können. Auf diese Punkte werde ich im Folgenden eingehen.
7 vgl. Kolb, Gerhard (1981): Methoden der Arbeits-, Wirtschafts- und Gesellschaftslehre:
praktische Beispiele für den Unterricht. S.29.
Arbeit zitieren:
Regine Riedel, 2002, Rollenspiel - Theoretische Begründung und praktisches Beispiel, München, GRIN Verlag GmbH
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