2
Inhalt
1. Einleitung. 3
2. Vergesellschaftung und Austritt aus dem Naturzustand. 3
2.1 Erste Formen von Zivilisation. 3
2.2 Ende des Naturzustands. 4
2.3 Arbeitsteilung als endgültiger Schritt in die Abhängigkeit. 5
3. Die drei Stufen der Ungleichheit. 6
3.1. Die erste Form der Ungleichheit: Reichtum. 6
3.1.1 Die Entwicklung von Eigentum und Entfremdung des
Menschen von sich selbst. 6
3.1.2 Verlust der individuellen Freiheit als Folge der
Vergesellschaftung. 7
3.1.3 Errichtung einer von Ungleichheit geprägten
Gesellschaftsordnung. 8
3.2 Die zweite Form der Ungleichheit: Macht. 8
3.2.1 Das établissement politique’ als Betrug der Reichen an
den Armen. 8
3.2.2 Errichtung von Magistratsämtern. 9
3.3 Die dritte Form der Ungleichheit: Herrschaft. 10
3.3.1 Bildung eines Herrschaftssystems in Erbfolge. 10
3.3.2 Festigung der Willkürherrschaft durch Verbreitung von
Ungleichheit im Volk. 11
4. Eintritt in den negativen Naturzustand. 11
5. Kritik an der Gesellschaft und dem absolutistischen Herrschaftssystem des
franz ösischen Königreichs und Aufruf zu Revolution. 12
5.1 Gesellschaftskritik anhand idealisierter Darstellung des ’Wilden’ 12
5.2 Versteckte Kritik am französischen Königshaus. 13
5.3 Aufforderung zur Revolution 15
3
1. Einleitung
Bereits in der Einleitung seiner “Abhandlung über den Ursprung und die Grundlagen der Ungleichheit unter den Menschen” rückt Jean-Jacques Rousseau das zentrale Objekt seines Werks in den Vordergrund: den Menschen und seine Entwicklung vom Naturzustand zur Zivilisation 1 .
Im ersten Teil seiner fiktiv-anthropologischen Darstellung versucht der Genfer Philosoph darzulegen, wie der Mensch im Naturzustand gelebt haben soll. Der zweite Teil, auf den sich diese Arbeit bezieht, geht auf die Auswirkungen der Vergesellschaftung des Menschen, die Entwicklung des Eigentumsbegriffs und die daraus resultierende Ungleichheit ein. Denn “für [Rousseau] ist derjenige, der als erster gesagt hat: «Ceci est à moi», der wahre Erfinder der Gesellschaft.“ 2
Diese Hausarbeit soll anhand von Rousseaus Zweitem Diskurs belegen, wie die Errichtung einer von Ungleichheit geprägten Gesellschaft durch die Zerstörung der natürlichen Ordnung vonstatten gegangen sein soll und in welche Stufen sie sich unterteilen lässt. Außerdem wird beleuchtet, inwiefern man seine Thesen als indirekten Angriff auf das Herrschaftssystem des absolutistischen Frankreichs und einen Aufruf zum Umsturz werten kann.
2. Vergesellschaftung und Austritt aus dem Naturzustand
2.1 Erste Formen von Zivilisation
Nach Rousseau zeichnet sich der ursprüngliche Zustand des Menschen vor allem durch völlige Autarkie und Gleichgültigkeit gegenüber seinen Artgenossen aus. Allein um seine Erhaltung bemüht, kümmere sich der natürliche Mensch lediglich um die Beschaffung von Nahrung und die Befriedigung seines Fortpflanzungstriebs. Diese “Begierde” sei jedoch “bar jeder Empfindung des Herzens” und ein “rein animalischer Akt“ 3 . Später habe es dann zwar bereits Zusammenschlüsse zwischen Menschen gegeben, allerdings nur, aus “Liebe zum Wohlbefinden”, d.h., wenn ein “[gemeinsames] Interesse ihn auf die Hilfe seiner Mitmenschen zählen lassen konnte” 4 . Außerdem seien diese ______________________________
1 Rousseau, S. 31
2 vgl. www.raffiniert.ch/
3 Rousseau, S. 74
4 a.a.O., S. 75
4
Vereinigungen von Unverbindlichkeit geprägt gewesen. Wenn an diesem Punkt der Entwicklung des menschlichen Wesens Konflikte auftraten, seien diese zwar unter anderem auch mit “offener Gewalt” 1 ausgetragen, jedoch ohne größere Folgen, “denn die Voraussicht galt ihnen nichts (...) sie dachten nicht einmal an den folgenden Tag” 2 .
Mit der Entwicklung erster sprachlicher Strukturen, die sich allerdings noch in dem Artikulationsrahmen von Tieren befunden hätten, seien nun schnellere Fortschritte einher gegangen. Die allmähliche Ausprägung handwerklicher Fähigkeiten und somit des Hausbaus habe die Entstehung von Familien, also erster sozialer Strukturen, bewirkt und eine erste Art von Eigentum eingeführt 3 .
Langsam seien nun “Muße” und “Bequemlichkeit” und in Folge “Verweichlichung” als “erstes Joch“ der Menschheit über diese gekommen 4 . Rousseau sieht die Gefahr der neu gewonnenen Annehmlichkeiten des Lebens vor allem darin, dass “ihr Verlust viel qualvoller [war], als ihr Besitz wohltuend” 5 , obwohl sie objektiv betrachtet nicht lebensnotwendig seien.
2.2 Ende des Naturzustands
Mit zunehmender Vergesellschaftung durch die Entstehung lockerer Dorfgemeinschaften habe man nun stärkere emotionale Regungen und “das Gefühl von Vorlieben” entwickelt und zwischenmenschliche Kontakte hätten sich intensiviert, um den Menschen in die nach Rousseau “beständigste” und “glücklichste” Epoche zu führen 6 :
“So lange sie sich nur Arbeiten zuwandten, die einer allein ausführen konnte, und nur solchen handwerklichen Künsten, die nicht das Zusammenwirken mehrerer Hände nötig machten, lebten sie so frei, gesund, gut und glücklich, wie sie es ihrer Natur nach nur sein konnten, und genossen untereinander weiterhin die Wonnen eines unabhängigen Umgangs miteinander.” 7
Das Ende des Naturzustandes habe sich hier jedoch bereits angebahnt, da das Leben in Gemeinschaft unweigerlich erstmals Wertvorstellungen in den menschlichen Geist _______________________________
1 Rousseau, S. 77
2 ebd.
3 vgl. a.a.O., S. 78
4 vgl. a.a.O., S. 79
5 a.a.O., S. 80
6 vgl. .a.O., S. 83
7 a.a.O., S. 84
5
injiziert habe. Plötzlich habe “das öffentliche Ansehen (...) einen Wert [erhalten]. (...) Aus (...) ersten Bevorzugungen erwuchsen einerseits die Eitelkeit und die Verachtung, andererseits die Scham und der Neid” 1 .
Racheakte und Bestrafungen seien erstmals vorgekommen und belägen, dass “die dem reinen Naturzustand entsprechende Güte nicht mehr diejenige sein konnte, die der entstehenden Gesellschaft angemessen war” 2 . Das ursprüngliche “natürliche Mitleid” 3 , mit dem Rousseau sein Konstrukt menschlichen Geistes im Naturzustand ausstattet, sei hier zwar noch vorhanden gewesen, habe jedoch “bereits einige Veränderungen erlitten” 4 .
2.3 Arbeitsteilung als endgültiger Schritt in die Abhängigkeit
Den endgültigen Austritt aus dem Naturzustand siedelt der Autor in der Bearbeitung von Metall und dem Ackerbau an. Bezug nehmend auf die Eingeborenen in der Neuen Welt, die er zivilisatorisch im Endstadium des Naturzustandes sieht, versucht er, seine These zu untermauern:
“So war auch beides den Wilden Amerikas unbekannt, die daher stets Wilde geblieben sind; die anderen Völker scheinen selbst dann Barbaren geblieben zu sein, wenn sie nur eine dieser Künste oder die andere ausgeübt haben; und vielleicht einer der Gründe dafür, daß Europa, wenn auch nicht früher, so doch zumindest besser und beständiger zivilisiert ist als die anderen Weltteile, liegt darin, daß es zugleich der reichste an Eisen und der fruchtbarste an Getreide ist” 5
Die Entdeckung von Metall und seinen Verwendungsmöglichkeiten sei, so Rousseau, der Grund gewesen, warum sich die Menschen erstmals in eine unumkehrbare Abhängigkeit von einander begeben hätten. Denn “sobald Menschen benötigt wurden, um das Eisen zu gießen und zu schmieden, wurden andere Menschen nötig, um jene zu ernähren” 6 Die Schmiedewaren seien schnell als Mittel zur Vermehrung des agrarischen Ertrags entdeckt worden - in der jungen Zivilisation sei es dadurch unumgänglich geworden mit einander zu leben und sich zu arrangieren.
______________________________
1 Rousseau, S. 81
2 a.a.O., S. 83
3 ebd.
4 ebd.
5 a.a.O., S. 84
6 a.a.O., S. 86
Arbeit zitieren:
Marco De Martino, 2004, Zu: Jean-Jacques Rousseau - "Abhandlung über den Ursprung und die Grundlagen der Ungleichheit unter den Menschen", München, GRIN Verlag GmbH
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