Gliederung
I Einleitung (S 3)
II Lebenswelt als Rückkehr zum Eigentlichen (S 4)
III Grundsatzproblematiken bezüglich eines Umgangs mit Lebenswelt (S 5)
IV Versuch des Nachweises der Berechtigung kritische Ansätze (S 6 12)
IV 1 Transformatives Lernen (S 6 9)
IV 1 1 Transformatives Lernen in seiner Ähnlichkeit und Abgrenzung zum
reflexiven Lernen (S 6)
IV 1 2 Kritik am transformativen Lernen (S 8)
IV 1 2 1 Handlungsdruck (S 8)
IV 1 2 2 Distanz und Anonymität (S 9)
IV 2 Deutungslernen (S 10 12)
IV 2 1 Kritik an Deutungslernen als Wissensvermittlung (S 11)
IV 2 2 Kritik am Deutungslernen als Erfahrungsaustausch (S 12)
IV 2 3 Kritik am Deutungslernen nach Schüßler (S 12)
V Schluss (S 14)
2
I. Einleitung
In der vorliegenden Arbeit werde ich mich mit Konzeptio nen verschiedener Autoren der Erwachsenenbildung beschäftigen, deren Denken durch die theoretischen Überlegungen zur Lebenswelt beeinflusst sind.. Darüber hinaus werde ich im ersten Teil zur Lebenswelt als philosophischen Versuch Stellung nehmen. Dies aber nur als ergänzender Hinweis. Die gleiche Funktion erfüllen die psychologischen, bzw. soziologischen Überlegungen dazu. Im Hauptteil wird nach der Vorstellung andragogischer Theorien, ein Versuch der Kritik an denselben folgen. In einer Auswahl bestimmter Texte von Erwachsenenbildnern, die sich von einer lebensweltorientierten Erwachsenenbildung kritisch distanzieren, soll dies erfolgen. Dass der Lebensweltansatz in der Erwachsenenbildung seine Berechtigung hat, ist Ausgangspunkt dieser kritischen Auseinand ersetzung. Zwei Thesen, (Vgl. Siebert, 1988, S. 147) die ohne eine weitere Untersuchung ihrer quantitativen Berechtigung aufgestellt werden können, verdeutlichen dies in aller Klarheit.
1. Jeder Lehrende würde von seiner Art des Lehrens behaupten, lebens weltorientiert zu
sein.
2. Die Auswahl der Lernangebote durch die Teilnehmer ist von Anfang an
lebensweltlichen Kriterien unterworfen.
In der Feststellung dieser grundlegenden Berechtigung der lebensweltlichen Orientierung der Erwachsenenbildung, sowohl auf Seiten der Lehrenden, als auch auf Seiten der Lernenden, grenzt sich die kritische Stellungnahme dieser Arbeit ein. Sie zielt nicht auf eine grundsätzliche Absprechung jeglicher Relevanz des Lebensweltbegriffes in der Erwachsenenbildung ab, sondern versucht vielmehr einzelne Aspekte der praxisorientierten Umsetzung herauszugreifen. Diese sollen in ihrer Problematik dargestellt werden. Es wird sich im Verlaufe dieser Auseinandersetzung zeigen, dass Freiheits- und Autonomitätsbestreben immer wieder auf Einschränkungen stößt. Bezogen auf die lebensweltorientierte Erwachsenenbildung sind diese festzumachen am System, das in vielen Bereichen der Bildung der Antagonist der Lebenswelt ist. (Vgl. Allheit, 1983, S. 155 – 166) Weiter wird deutlich werden, dass im Lebensweltansatz als Theorie, selbst ein Impuls liegt, System zu werden, bzw. sich systemischen Strukturen anzugeichen und somit, zumindest teilweise, in dasjenige umzuschlagen, was Anlass der Abgrenzung
3
war. Um diese spezifische Entwicklung und die sich damit ergebende Problemstellung vollständig erfassen zu können, scheint es sinnvoll, sich über die Grundlagen des Lebensweltansatzes klar zu werden. Dies erfordert einen kurzen Ausblick über die Erwachsenenbildung hinaus, hin zur Philosophie, Psychologie und Soziologie.
Lebenswelt als Rückkehr zum Eigentlichen
I.
Zu verstehen ist der Lebensweltansatz in der Philosophie als eine Reaktion auf eine zunehmende Entfremdung. Entfremdung hier nicht im marxschen Sinne verstanden, sondern eher als im erkenntnistheoretischen Bereich angesiedelte Entfernung von alltäglichen Gegebenheiten. Ohne weiter auf diese der Phänomenologie vorläufige Entwicklung einzugehen, erscheint dann die Rückkehr zu den Dingen als eine an der Lebenswelt orientierte Philosophie. Nach Husserl, dem Begründer derselben, ist Lebenswelt, „der aller objektiv- logischen Wissenschaft vorgegebene, intersubjektive in ursprünglicher Evidenz erfahrene und sich in der Praxis bewährende Weltzusammenhang“ (Schischkoff, 1991, S. 421). Da alle Wissenschaften auf diese ursprüngliche Wirklichkeit verwiesen sind, „ist das philosophische Problem der Lebenswelt, [...] das philosophische Universalproblem, da in ihr alle anderen Gegebenheiten wurzeln.“ (Ebd., S. 421). Selbst ohne weitere Ausführungen wird aus dieser kurzen Definition vor allem eines deutlich: Die Hoffnung auf Antworten. Berechtigt ist diese gerade eben durch die Fokussierung der Überlegungen auf vorhandene Dinge, d.h. dem Menschen ursprünglich zugängliche. Damit schien die anfangs angesprochene Entfremdung überwunden. Relevanz erhält diese Ausführung in Bezug auf die Erwachsenenbildung durch die Bemühung um die Nähe zum Menschen. Dies ist trotz allen Unterschieden der verbindende Punkt, der rückwirkend die hier erbrachten Ausführungen rechtfertigt.
4
Grundsatzproblematiken bezüglich eines Umgangs mit Lebenswelt
II.
In Darstellungen psychologischer, bzw. soziologischer Überlegungen zur Lebenswelt, stellt sich ein Grundmuster von Problemzusammenhängen dar, das durch seine Darstellung den Umgang mit spezifischen, erwachsenenbildnerischen Problemen im Lebensweltkontext erleichtert. Es sei hier in Aufzählung der einzelnen Momente dargestellt und kann für die folgenden Teile dieser Arbeit immer wieder als Schablone dienen, um spezielle Problembereiche auf die ihnen immanenten Grundstrukturen. zurückzubeziehen (Vgl. Legewie, 1993, S. 271-295).
1. Komplexität und Vernetztheit: Die Beeinflussung eines Merkmals bleibt nicht isoliert,
sondern führt meist zu übersehenen Neben- und Fernwirkungen.
2. Dynamik: die Lebenswelt der Teilnehmer ist nicht als statische Größe zu betrachten, d.h.
sie ändert sich ohne Zutun des Lehrenden und steht in Wechselwirkung mit der Eigendynamik des Systems ? Unsicherheit.
3. Intransparenz: Der Lehrende besitzt weder die erschöpfende Erkenntnis über die
Strukturen der Lebenswelten der Teilnehmer noch über die des Systems ? Unsicherheit.
4. Unbestimmtheit der Ziele: In der Realisierung des Lebensweltzusammenhangs ergibt sich
eine Pluralität der Ziele der Teilnehmer. Diese sind aber in ihrer Ganzheit nicht zu erreichen.
5. Geschichtlichkeit: Wegen der Historizität sind die Erfahrungsberichte aus dem
Diskurskontext nicht gesetzmäßig übertragbar, sondern nur als „Beispielfälle“, deren Geltungsbereich im neuen historischen Kontext geprüft werden muss.
6. Im selben Sinne die Kontextgebundenheit, d.h. Sozial-, bzw. Diskurswelten (struktureller
Kontext).
7. Sprach- und Symbolhaftigkeit: Die in der Kommunikation enthaltene Normstruktur muss
für ein gemeinsames Verständnis herausgearbeitet werden. Schwierigkeit: Oft ist das den Akteuren selbst nicht explizit bewusst.
5
Arbeit zitieren:
M.A. Mirko Jungkunz, 2004, Kritische Betrachtung der lebensweltorientierten Erwachsenenbildung, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Kreislauforientierte Entsorgungslogistik
Ingenieurwissenschaften - Wirtschaftsingenieurwesen
Studienarbeit, 40 Seiten
Gesundheit und Krankheit als Gegenstand der wissenschaftlichen Forschu...
Hausarbeit, 9 Seiten
Wie entwickelt sich die Wahrnehmung des Menschen in den ersten drei Le...
Psychologie - Entwicklungspsychologie
Studienarbeit, 24 Seiten
Die Weiterbildungsschere: Entwickelt sich die deutsche Gesellschaft zu...
Vordiplomarbeit, 23 Seiten
Die Inhaltsanalyse - Eine allgemeine Kennzeichnung des Verfahrens, sei...
Seminararbeit, 16 Seiten
Doing Gender als Ergebnis der geschlechtsspezifischen Sozialisation
Pädagogik - Pädagogische Soziologie
Hauptseminararbeit, 15 Seiten
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Die FDP - sozialliberale Vergangenheit und Zukunft?
Politik - Politische Systeme - Politisches System Deutschlands
Seminararbeit, 22 Seiten
Die Frau in der männlichen Bedeutungsökonomie: Luce Irigarays „Das Ges...
Frauenstudien / Gender-Forschung
Seminararbeit, 23 Seiten
Fremdsprachenlernen im höheren Erwachsenenalter
Deutsch - Deutsch als Fremdsprache / Zweitsprache
Seminararbeit, 17 Seiten
Die Motivationstheorien Sigmund Freuds und Abraham Maslows
Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen
Hausarbeit, 17 Seiten
Gesundheit und Kommunikation - Ansätze zur Gesundheitsförderung und Pr...
Hausarbeit, 22 Seiten
Pricing-Prozesse in der Automobilindustrie
BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung
Hauptseminararbeit, 36 Seiten
Die Fallstudie - Theoretische Grundlagen und Gestaltung nach konstrukt...
Pädagogik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden
Seminararbeit, 17 Seiten
Motivation - welche Einflussfaktoren sind notwendig, damit Motivation ...
Psychologie - Allgemeine Psychologie
Seminararbeit, 13 Seiten
Betriebliche Gesundheitsförderung im Kontext der Sozialen Arbeit - Mot...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Magisterarbeit, 101 Seiten
Konstruktivismus und der klassische Bildungsbegriff
Pädagogik - Erwachsenenbildung
Hausarbeit, 21 Seiten
Mirko Jungkunz hat den Text Kritische Betrachtung der lebensweltorientierten Erwachsenenbildung veröffentlicht
Mirko Jungkunz hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare