Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Die Serie der Seerosen bis 1900 3
3. Die Serie der Seerosen ab dem 20 Jahrhundert 6
4. Zusammenfassender Überblick der Veränderungen innerhalb der Seerosen-Serien 9
5. Die Genese der Abstraktion und Monets Augenleiden 11
6. Schlusswort und Ausblick 13
7. Literaturverzeichnis 15
8. Abbildungsverzeichnis 17
9. Abbildungen 18
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1. Einleitung
Claude Monet wird in der Malerei als eine Schlüsselfigur im Übergang zur Abstraktion betrachtet und darüber hinaus aufgrund der spezifischen Erscheinungsweise seiner Bilder in einen unmittelbaren Zusammenhang mit dem Abstrakten Expressionismus der 50er Jahre gebracht. 1 In meiner Hausarbeit möchte ich auf die Entwicklungen und Veränderungen der Seerosenbilder im Laufe der Jahre eingehen. Monet verbrachte die gesamte zweite Hälfte seines Lebens in Giverny, wo sich sein Seerosenteich und die japanische Brücke, welche über diesen Teich führte, befanden. Er beschäftigte sich viele Jahre lang allein mit diesem Motiv. So entstanden in Giverny etwa 300 Gemälde, auf denen als Motiv Monets Garten zu sehen ist.
Aufgrund des Umfangs an Bildern, auf denen die japanische Brücke oder der Seerosenteich dargestellt sind, werde ich mich in dieser Hausarbeit alleine auf die Gemälde beziehen und Details aus Monets Biografie oder zeitgeschichtliche Aspekte vernachlässigen. Es geht mir im Wesentlichen um die Beleuchtung der Genese der Abstraktion in den Gemälden der Seerosen-Serie. Aufgrund dessen, dass Claude Monet die Angewohnheit besaß, über Jahrzehnte hinweg immer wieder ein und dasselbe zu malen, lassen sich die Bilder gut untereinander vergleichen und durchaus mit seinem Augenleiden in Verbindung bringen, was ich im vorletzten Teil meiner Hausarbeit näher beleuchten werde.
2. Die Serie der Seerosen bis 1900
Wie viele andere Hauptmotive Monets hatten auch die Seerosen ihre Vorläufer in seinen früheren Werken. Sein erster Biograf Gustave Geffroy berichtete, dass das Thema Wassergarten im Jahre 1890 seinen Ursprung fand. Es existieren zwar keine Seerosenbilder, die auf jene Zeit datiert werden können, denn es war die Zeit vor der Erschaffung von Monets Garten, in einem Brief allerdings schrieb Monet an Geffroy etwas über seine Arbeit an Wassermotiven. Er beschreibt eine aquatische Vegetation sanfter sich mit dem Wassersog mitbewegender Pflanzen, wie es im Bild Boot auf der Epte (Abb. 1) aus dem Jahre 1890, das seine Stieftochter in einem Boot zeigt, zu sehen ist. 2 Der Brief, welchen Monet an Geffroy schrieb, ist insoweit von großem Interesse, da er einen wichtigen Punkt im Leben des Malers markiert: Monet beschäftigt sich zum ersten Mal mit dem Motiv der Wasserpflanzen. Das Malen von Pflanzen und Wasser wird Monet von nun an Zeit seines Lebens beschäftigen.
1 Sauer: Cézanne-van Gogh-Monet - Genese der Abstraktion, S. 24
2 Seiberling: Monet’s Series, S. 217
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Zu den ersten Bildern, die Monet je von seinem Teich gemalt hat, gehört die Seerosen-Serie von 1897 - 1899, welche wie ein Stillleben die Gewächse in ihren botanischen Einzelheiten und die Farbe und Form der Blätter wie deren Zahl in richtigem Verhältnis zu den Seerosenblüten in unterschiedlichen Stadien ihres Blühens zeigt.
Monet beginnt im Sommer 1899 in seinem Wassergarten in Giverny mit den Bilderserien der Seerosen (Le Bassin aux nymphéas) und der japanischen Brücke, denen er sich bis zu seinem Tode widmet.
In den Jahren 1899 und 1900 begann Monet seinen Garten auf mindestens siebzehn Leinwänden zu malen. Der Standpunkt des Betrachters war dem anderer Gemälde der 90er Jahre sehr ähnlich, jedoch veränderte er die Komposition. Die Japanische Brücke auf den Bildern wurde durch den rechten Leinwandrand und den Vordergrund - zumeist Wasser - abgeschnitten. Bäume füllten den gesamten Hintergrund aus. Wie auch schon bei den Bildern aus Etretat, den Heuschobern und den Pappeln, rückte Monet näher an sein Motiv heran und erschuf so ein konzentrierteres Bild. Die Wasserlilien, vor allem die vor 1902 gemalten, sind im Vergleich zu späteren Werken Monets sehr gegenständlich und konkret. Sie waren das Produkt sorgfältiger Beobachtung und enthielten viele Details.
Ich möchte auf die Serie der japanischen Brücke von 1897 - 1899 genauer eingehen, da es sich hierbei um die erste Serie zum Thema handelt. Zuerst jedoch etwas zur Vorgeschichte: Bereits 1895 widmete sich Monet dem Motiv der japanischen Brücke. Und zwar entstanden zwei Bilder; eines zeigt die Brücke im Sommer und bei dem anderen handelt es sich um eine Ansicht der Brücke im Winter.
Ab dem Jahre 1897 etwa befasste sich Monet mit den Seerosen auf seinem Teich, so kann man im Werkverzeichnis von Daniel Wildenstein 3 zwischen 1897 und 1899 acht Bilder finden, auf denen lediglich Seerosenblüten und -blätter, welche auf dem Wasser schwimmen, naturgetreu dargestellt sind. Der Betrachter sieht weder Himmel noch Teichumland. Es ist kein Hinweis auf menschliche Existenz in den Bildern zu erkennen. Der Unterschied der ersten Seerosenbilder untereinander, ist die Anordnung der Pflanzen auf der Wasseroberfläche und die Farbgebung. Die ersten Seerosenbilder erscheinen im Vergleich zu späteren Werken, und auch im Vergleich zur Serie der japanischen Brücke von 1899, blass und flächig. Auch sind noch nicht oder nur sehr wenige Reflexionen auf der Wasseroberfläche sichtbar. Der Unterschied der einzelnen Werke liegt in der Lichtstimmung, im Betrachterstandpunkt und in der Komposition. Die Bildelemente bleiben gleich, wie es für eine Serie üblich ist.
Die Serie von 1899 weist dagegen eine farbenfrohe Gestaltung auf. Auch wirken die Bilder sehr viel lebhafter als die vorangegangenen Studien der Seerosen. Abermals sieht der Betrachter weder den 3 Wildenstein: Claude Monet . Catalogue raisonné 1899 - 1926, S. 150 ff.
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Himmel noch ein Anzeichen menschlicher Existenz. In allen zwölf Gemälden fußt der untere Teil auf mehreren waagerechten Streifen, die sich in Ausrichtung, Farbe und Festigkeit von den geschweiften Formen der helleren Rosenflächen abheben. 4 Die Wasserfläche wird von der Brücke durchschnitten und man sieht weder den Ursprung noch das Ende der Brücke, so dass sie fast zu schweben scheint. Die Spiegelung der Brücke selbst sieht man auf den Bildern nicht, nur jene der Seerosen und der Pflanzen des Umlandes.
In der Serie von 1899 bleiben die Bildelemente und Formen gleich; es findet lediglich eine Durchspielung von Varianten statt, indem Farben, Licht, Jahreszeiten und geringfügig die Komposition sich ändern. Den Bildmittelpunkt verkörpert fast überall die gebogene japanische Brücke, die durch den rechten Bildrand abgeschnitten wird.
Die Werke belegen, mit welcher Hingabe Monet sich den Licht- und Farbstimmungen verschiedener Tageszeiten vom immer gleichen Standpunkt aus widmete. Die Kombination der Elemente in den Gemälden ist sehr charakteristisch: ein dreifacher, flacher Kreissegmentbogen - die Brücke, horizontal und in unregelmäßigen Flächen ausgebreitete Seerosenkolonien, Vertikale, die aus Irisblättern, Schilf und Trauerweidenästen gebildet werden, und präzise wiedergegebene Spiegelungen auf der Wasseroberfläche.
Die Größen der meisten Bilder der Serie von 1899 sind ungewöhnlicherweise fast quadratisch; bis auf zwei Leinwände, die 92 x 73 cm und 116 x 89 cm im Hochformat, und einer Leinwand, die 100 x 81 cm im Querformat, messen. Das erstgenannte Bild unterscheidet sich dadurch, dass links die Irisstaude fehlt, über der die japanische Brücke auf allen anderen Gemälden endet. Das zuletzt genannte Bild zeichnet sich durch die Lage der Brücke aus, deren Bogen fast bis an den oberen Rand der Leinwand reicht.
Bei genauerer Betrachtung der gesamten Serie kann man verschiedene Auffälligkeiten beobachten: Sieben Paare von Geländerstäben halten den Brückensteg, jedoch sind es auf den meisten Bildern nur vier. In vier der Bilder erscheint ein fünftes Paar rechts im Bild. Die Darstellung der Stäbe folgt den Gesetzen der Perspektive, so kann man davon ausgehen, dass sie sich verändert, sobald der Maler seinen Standpunkt wechselt. Es lassen sich jedoch nur sehr geringe Abweichungen, was die Stellung der Geländerstäbe betrifft, feststellen. Aufgrund dessen kann man wohl davon ausgehen, dass Monet den Standort der Staffelei nicht wesentlich veränderte. Wahrscheinlich ist, dass Monet zur Ausführung der Serie von 1899 nur an einer Stelle, am Ende des Teiches, gemalt hat.
4 Hayes Tucker/Shackelford/Stevens: Monet im 20. Jahrhundert, S. 23
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3. Die Serie der Seerosen ab dem 20. Jahrhundert
Die Gemälde aus dem Jahre 1900 sind der Fassung vom Vorjahr ziemlich ähnlich. Die Brücke wird etwas nach rechts verlegt, wodurch der Raum des Pflanzenbüschels vorn links im Bild vergrößert wird. Ein anderes Bild dieser Serie betont jene Verschiebung und links erscheint jetzt die Biegung des mit Wasserpflanzen gesäumten Weges. Der Himmel, der bei der ersten Serie völlig fehlte, ist nun links in den neueren Bildern gut sichtbar. Monet ist sich scheinbar der Neuerungen der zweiten Serie seiner Seerosenteich-Bilder bewusst, denn er fügt dem Bildtitel das Wort „Schwertlilien“ hinzu. 5 Die Veränderungen in jenen Bildern werden sehr treffend im Buch „Monet im 20. Jahrhundert“ geäußert, indem gesagt wird, dass „die strenge Symmetrie der Serie von 1899 mehr und mehr einem Panoramaeffekt weicht“ 6 . Die Werke von 1900 zeigen zudem eine größere Lebendigkeit, was ihre Gestaltung betrifft. Die mosaikartigen Texturen von 1899 werden durch lange geschwungene Pinselstriche ersetzt.
Im Jahre 1903 vollendet Monet eine kurze Serie von Seerosenbildern. Die japanische Brücke ist nun fast nutzlos geworden, denn auf keinem der Bilder erscheint sie. Die Gemälde zeigen eine fast traditionelle impressionistische Darstellungsweise von Landschaftsmalerei; auf ihnen erscheint oberhalb der Seerosendecke ein Teil des gegenüberliegenden Teichrandes. Auf einem anderen Bild sieht man diesen Uferrand nur durch verhältnismäßig realistische Spiegelungen von Bäumen angedeutet. Und auf einem Motivausschnitt ist das gegenüberliegende Ufer verschwunden oder nur durch den feinen Schleier der Trauerweiden angedeutet. Eine letzte Gruppe von Gemälden zeigt lediglich den blühenden Seerosenteppich. Man kann sagen, dass Monet sich scheinbar im Jahre 1903 für die wesentlichen Bildthemen seiner Seerosenbilder entschieden hat: Die gleichzeitige Darstellung von Blumeninseln auf dem Wasser, in dem sich Himmel, Wolken und Natur spiegeln. Der Garten ist nun der Mittelpunkt von Monets Schaffen.
Die Seerosenbilder aus dem Jahre 1904 strahlen eine seltene Klarheit und innere Ruhe aus. Man sieht auf den fast quadratischen Bildern ovale Seerosenkissen, die in perspektivischer Abstufung bis zum gegenüberliegenden Ufer immer kleiner werden.
Die Seerosenbilder von 1905 und 1906 zeigen wie schon zuvor lediglich das Wasser mit seinen Spiegelungen in vertikaler Richtung, während die einzelnen Seeroseninseln auf dem Wasser Horizontalen bilden. Abermals ist auf den Bildern kein Umland zu sehen; nur auf einem Gemälde sieht man im Vordergrund des Bildes etwas Schilf angedeutet. Seit dieser Serie kann man auch beobachten, dass Monet in vielen seiner Seerosenbilder die Seerosenkissen in der oberen rechten und der unteren linken Bildecke konzentriert, wodurch die Bildmitte nur mit Spiegelungen ausgefüllt ist.
5 Wildenstein: Monet oder Der Triumph des Impressionismus, S. 349
6 Hayes Tucker/Shackelford/Stevens: Monet im 20. Jahrhundert, S. 118
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Doreen Fräßdorf, 2005, Claude Monets Seerosen-Serien. Genese der Abstraktion, München, GRIN Verlag GmbH
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