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1. Einleitung. 3
2. Die Veränderung des griechischen Selbstbewußtseins. 5
2.1. Die politische Entwicklung Griechenlands nach dem Ende des Peloponnesischen
Krieges. 5
2.2. Der Aufstieg Makedoniens. 8
3. Isokrates und die Fremden. 10
3.1. Herkunft und Leben des Isokrates 10
3.2. Isokrates und die Perser. 11
3.3. Das Verhältnis des Isokrates zu den Makedonen 14
4. Demosthenes. 17
4. 1. Herkunft und Leben des Demosthenes. 17
4. 2. Demosthenes und die Makedonen bis zur Dritten Olynthischen Rede 19
4.3. Der Aspekt der Tyrannis als Barbarenmerkmal? 22
4. 4. Demosthenes Dritte Rede gegen Philipp. 24
5. Zusammenfassung 27
Literaturverzeichnis 30
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Ich möchte in meiner Hausarbeit das Verhältnis von Griechen und Fremden im 4. Jh. näher untersuchen. Dabei werde ich mich in der Hauptsache mit der ersten Hälfte des 4. Jh. beschäftigen. Der Zeitraum meiner Betrachtungen beschränkt sich etwa vom Ende des Peloponnesischen Krieges bis zur Schlacht von Chaionara 338 v. Chr. und der damit verbundenen Hegemonie Makedoniens .
In diesen Zeitraum ist der Kontakt der Griechen zu anderen Völkern oder Barbaren im Wesentlichen auf zwei begrenzt. Da wären zum einem die Perser, die schon in der zurückliegenden Zeit eine große Rolle in der griechische Geschichte gespielt hatten, und die Makedonen, die erst im Laufe des 4. Jh. näher in das Blickfeld der Griechen rückten. Es soll die Perser betreffend untersucht werden, ob sich das Bild der Griechen von ihnen im 4. Jh. änderte oder nicht. Bis zu diesem Zeitpunkt erscheint uns der Begriff „Barbar“ noch weitestgehend in seiner ursprünglichen Bedeutung von „Fremdsprachigen“. Die Sicht auf die Perser ist demzufolge auch noch von einer gewissen Achtung und von Toleranz gegenüber dem Fremdartigen geprägt. Auch die Perserkriege, aus denen die Griechen als Sieger hervorgegangen waren, schienen kein Gefühl der Überlegenheit der Griechen gegenüber den Persern hervorgebracht zu haben. Die Reflexion dieses geschichtlichen Ereignisses fand auf verschiedenen Ebenen statt, aber es entstand nirgends ein Bild von gottgewollter Überlegenheit. 1
Mir ist an dieser Stelle bewußt, daß andere Autoren ein anders Bild vom Verhältnis der Griechen zu den Persern während und nach der Perserkriege entworfen haben. So sieht beispielsweise Volker Losemann schon im Perserkrieg die Ursache für ein abwertendes Perserbild und damit auch eine negative Entwicklung des Begriffes „Barbar“. 2 Ich möchte in meiner Arbeit nicht auf die Diskussion über den Barbarenbegriff und das Verhältnis der Griechen zu den Persern im 5. Jh. eingehen. Ich gehe in meinen Ausführungen von den Ansichten Dihles aus und stütze meine Betrachtungen auf seine Einschätzungen des Begriffes >Barbar< und seiner Interpretation des Perserbildes der Griechen im 5. Jh.. Dihle geht davon aus, daß es bis zum Ende des Peloponnesischen Krieges kein negatives Barbarenbild und keine negative Sichtweise den Persern gegenüber gab.
1 Vgl. Dihle, A: Die Griechen und die Fremden, S. 36 ff
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Doch diese Sichtweise der Griechen auf die Perser wird sich ändern. Die Wirren des Peloponnesischen Krieges und die darauffolgende politische Ohnmacht der Griechen wird dazu beitragen, daß sich der Begriff >Barbar< verändert. Diese Veränderung werde ich in meiner Hausarbeit anhand der griechischen Redner Isokrates und Demosthenes zu verdeutlichen versuchen. Wenn die literarischen Werke des 5. Jh. keine unmittelbar negative Interpretation im Hinblick auf den Begriff >Barbar< und die Perser aufweisen, so wird man sie aber in den Reden der großen attischen Rethoriker finden. Aber der Begriff >Barbar< findet nicht nur Anwendung für die Perser. Ein anderes Volk, Stammesverwandt mit den Griechen und doch bis zum 4. Jh. von geringer Bedeutung für die griechische Geschichte, tritt nun auf die Bühne der Weltgeschichte. Wie gehen die Griechen mit der neuen Macht aus dem Norden um? Werden die Makedonen als gleichberechtigte Griechen akzeptiert oder gelten auch sie als Barbaren?
Der Umgang mit den Makedonen wird sich als sehr unterschiedlich darstellen. Es wird sich in Folge meiner Ausführungen zeigen, daß die Makedonen von Isokrates als Retter Griechenlands begrüßt und gefeiert werden. Demosthenes verflucht sie als Barbaren aus dem Norden, die keine wirklichen Griechen sind.
Doch bei allen diesen verschiedenen Bedeutungen des Begriffes >Barbar< und den verschiedenen Sichtweisen auf die Perser und Makedonen dürfen die Quellen, nämlich die griechischen Redner, mit ihren subjektiven Interpretationen nicht außer Acht gelassen werden. Es sollen auch die politischen Ansichten, die die eigentlichen Bedeutungen verdecken können, in die Arbeit Berücksichtigung finden.
Ich möchte also in meiner Hausarbeit versuchen, die Bedeutung des Begriffes >Barbar< und das Verhältnis der Griechen gegenüber Fremden anhand der politischen Reden des Isokrates und des Demosthenes näher zu beleuchten.
2 Vgl. Losemann, Volker: Barbaren, in: Der neue Pauly, Sp. 439 - 443
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Am Anfang meiner Arbeit soll auf die spezifischen Veränderungen des 4. Jh. in Griechenland eingegangen werden. Der Grund dafür liegt darin, daß sich durch die spezielle politische Entwicklung im 4. Jh. auch das Selbstbewußtsein und Selbstwertgefühl der Griechen veränderte.
Ich werde nun versuchen, die einzelnen Entwicklungslinien der Politik jener Zeit schemenhaft zu umreißen und ihre Bedeutung für das Selbstbewußtsein der Griechen herauszustellen. Mit Ende des Peloponnesischen Krieges übernimmt Sparta in Allianz mit Persien die Hegemonie über Griechenland. Doch diese Allianz zerfiel, als Sparta sich zwischen Persien, daß die kleinasiatischen Griechenstädte wieder in sein Reich eingliedern wollte, und den ionischen Griechen, die die Hilfe Spartas forderten, entscheiden mußte. Die Spartaner versprachen den kleinasiatischen Griechen zu helfen und landeten mit einem Heer im Jahr 400 v. Chr. in Asien. Der Krieg wurde aber nur zögerlich geführt und dauerte ohne wichtige Entscheidungen an. Die Perser wußten sich dann auf diplomatischen Weg und durch Bestechung zu helfen. Sie lieferten in einige Griechenstädte Gold und forderten im Gegenzug eine Erhebung dieser Städte gegen die spartanische Hegemonie. Dieser Aufstand brach dann auch aus. Die Spartaner siegten in Griechenland und warfen den Aufstand nieder, wurden aber zur See von Athen und einem persischen Satrapen geschlagen. 3
Hier möchte ich auf eine erste Veränderung im Selbstbewußtsein der Griechen und auf eine Änderung ihrer Sichtweise auf die Perser hinweisen. Es handelt sich um das persische Gold, daß ein immer größeres Gewicht in der innergriechischen Politik gewann. Zum Einen wissen wir, daß Sparta nur mit Hilfe von persischen Gold in der Lage gewesen war eine Flotte zu schaffen. Damit hatten die Spartaner die athenische Seeherrschaft interminiert und letzten Endes den Peloponnesischen Krieg entschieden. Und wir haben gerade wieder gesehen, daß es persisches Gold war, welches zum
3 Vgl.Bengtson, Hermann: Griechische Geschichte, S. 254 ff
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Aufstand gegen die spartanische Hegemonie in Griechenland aufrief. Es scheint also so, als ob die Perser mit ihrem Gold beliebig in Griechenland eingreifen konnten und die Entwicklungen dort lenkten.
So sahen das auch die Griechen. Dieser immer deutlicher hervortretende Einfluß Persiens veränderte auch das Bild der Griechen von den Persern. Es entstand eine Ablehnung Persiens, ein antipersisches Ressentiment.
Der Krieg zwischen Persien und Sparta wurde dann durch den Königsfrieden von 386 v. Chr. beendet. Nach den Bestimmungen dieses Friedens sollte Persien das gesamte kleinasiatische Festland mit allen darauf befindlichen Griechenstädten sowie Zypern seinem Reich eingliedern können. Außerdem sollten alle Griechenstädte im Mutterland einen Status der Autonomie erhalten. Durch diese Autonomie wurden alle Machtgefüge, die über die Größe einer Polis hinausgingen, in Frage gestellt. Mit diesem Königsfrieden war es dem Großkönig gelungen, die griechischen Städte zu ohnmächtigen Zwergstaaten zu machen. Aufgrund dieses Friedens sollte der Großkönig für die folgende Zeit, etwa bis zur Errichtung des Korinthischen Bundes, eine große Rolle für die Politik der Griechen spielen. Persien hatte durch diesen Frieden, als dessen Garantiemacht es fungierte, Griechenland gelähmt und seinen Einfluß weiter ausgebaut. 4
Doch wie wirkte sich dieser Frieden auf das Verhältnis und die Sichtweise der Griechen gegenüber den Persern aus?
Die erste Bestimmung des Königsfriedens, die Wiedereingliederung der kleinasiatischen Griechenstädte wirkte in Griechenland als ein Schock. So erschien der Perserkrieg, in welchem die Griechen die Perser bezwungen hatten, als nutzlos. Alle Opfer waren scheinbar umsonst gewesen. Auf jeden Fall wurde den Griechen durch diesen Frieden eindrucksvoll vor Augen geführt, wie ohnmächtig und hilflos sie gegenüber den Persern waren. Besonders die Autonomie, die für ganz Griechenland erlassen wurde, rief großen Protest hervor, weil sie dafür sorgte, daß ein stärkeres politisches Gebilde oder eine Veränderung der Vormachtstellung in Griechenland nur mit Einverständnis Persiens entstehen konnte. Die Griechen beginnen aufgrund dieser Situation ihn ihrem Bewußtsein ein Gegengewicht zur persischen Übermacht zu entwickeln. Dabei berufen sie sich auf die Großtaten ihrer Ahnen und berauschten sich an Siegen in ihrer Geschichte. Für diese Zwecke wird häufig auf die Ilias, in der die Griechen schon einmal die Asiaten besiegt hatten, und auf die Perserkriege hingewiesen. Man leitete aus diesen großen Siegen eine Überlegenheit gegenüber den Persern
4 Vgl. Ebenda, S. 260 ff
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oder Barbaren, wie sie in diesem Zusammenhang dann auch genannt wurden, ab. Das Bild eines völlig unabhängigen Griechenlands, daß sich gegen das übermächtige Perserreich behaupten konnte und beinahe gleichberechtigt in der Mittelmeerwelt besteht, ist zerstört. Die Reaktion der Griechen, ihr Überlegenheitsgefühl, bildet sich im Gegenzug aus. Er ist kein Verhältnis von Toleranz und gegenseitigen Respekt wie noch im 5. Jh., weil sich auch die äußeren Umstände aufgrund des persischen Übergewichts geändert haben. Ich möchte nun schemenhaft auf die weitere Entwicklung Griechenlands eingehen. Durch den Königsfrieden wurde die Hegemonie Spartas, das eigentlich diesen Frieden mit dem Perserreich abschloß, bestätigt. Doch diese Herrschaft begann zu zerbrechen. Theben wendete sich als erstes gegen die Vorherrschaft Spartas. Die Thebaner vertrieben 379 v. Chr. die spartanische Besatzung aus der Kadmaia. Sparta gelang es in den darauffolgenden Jahren nicht, Theben und seine Verbündeten im boötischen Bund zu schlagen. Die Entscheidung sollte 371 v. Chr. bei Leuktra fallen. Hier wurden die Spartaner von Epameinodas vernichtend geschlagen. Damit war der Ruf von der Unbesiegbarkeit eines spartanischen Heeres gebrochen. Im Dezember 370 v. Chr. zog dann der erfolgreiche thebanische Heerführer nach Lakonien, ins Herz Spartas. Dort gelang es ihm die Periöken zu Abfall von Sparta zu bewegen und die Heloten zum Aufstand gegen die Spartaner zu ermutigen. Damit war die Grundlage der spartanischen Macht ein für allemal zerschlagen. Sparta sollte sich von diesem Schlag nie wieder erholen. 5
Der Zeitraum von 371 v. Chr. bis 362 v. Chr. wird als die Hegemonie Thebens beschrieben. Es handelt sich dabei wohl eher um den Versuch eine Hegemonie auszubilden. Mit dem Tod des Epameinodas 362 v. Chr. auf dem Schlachtfeld endet diese aussichtsreiche Periode der Bestrebungen Thebens.
Athen gelang es 377 v. Chr. wieder ein Seebund zu gründen, der fast auf den gleichen Mitgliederstand wie der erste Attische Seebund zählen konnte. Allerdings mußte Athen diesmal Kompromisse eingehen. So war seine Stellung bei weitem nicht so stark wie im ersten Seebund. Aber auch Athens Bestrebungen wieder die Vorherrschaft in Griechenland zu erringen, wurden zerschlagen. Es kam 357-355 v. Chr. zum Bundesgenossenkrieg innerhalb des 2. Attischen Seebundes. Aus diesem Konflikt ging Athen stark geschwächt hervor. In Griechenland sind somit 3 etwa gleich starke Mächte mit Athen, Sparta und Theben entstanden. Keine dieser 3 Mächte ist in der Lage, eine Vormachtstellung gegenüber dem
5 Vgl. Berve, H.: Griechische Geschichte, Bd. 2, S. 104 ff
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anderen beiden zu erreichen. Ist eine Macht im Vorteil, dann verbünden sich die anderen beiden miteinander und sind damit unbesiegbar. Griechenland befindet sich in einem Zustand der Lähmung und Schwäche. Im Gegensatz zu dieser politischen Situation steht das wirtschaftliche, wissenschaftliche und auch das demographische Potential der Griechen. Die Wirtschaft der Griechen galt bei ihren Nachbarn als beispielhaft, besonders auf den Gebieten Kriegswesen und Staatsverwaltung. Griechische Handwerker und Wissenschaftler war überall gefragte Fachleute. Zudem scheint es im 4. Jh. trotz der ständigen Kriege ein Bevölkerungswachstum bei den Griechen gegeben zu haben. Man kann also sagen, daß griechisches Wissen und Können die Welt zu verändern begann, dagegen aber die griechische Staatenwelt in Machtlosigkeit versank. Und gerade an diesen Punkt sollte die Publizistik in Griechenland anknüpfen. Aufgrund dieses Mißverhältnisses zwischen Politik und wirtschaftlichen - wissenschaftlichen Bereichen riefen die Publizisten dieser Zeit zur Vereinigung der Griechen auf und forderten einen Rachefeldzug gegen die Perser, die für die momentane Situation der Griechen verantwortlich erschienen. Und so entstand das Gefühl der Griechen den Fremden, die auch als Barbaren bezeichnet wurden, überlegen zu sein. Mit dieser Überlegenheit beginnt die negative Interpretation des Begriffes >Barbar<. Er steht nun nicht mehr nur für Fremde, sondern ihm werden von den Griechen klar negative Attribute zugeordnet.
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Während sich in Griechenland die 3 Mächte Athen, Sparta und Theben weitestgehend neutralisierten und das Land damit politisch ohnmächtig war, entstand im Norden des Balkans eine neue Macht, die bald in Griechenland eingreifen sollte.
Makedonien war in der frühen Zeit der griechischen Geschichte nahezu vollständig isoliert. Obwohl die Makedonen der modernen Sprachwissenschaft zu Folge in der Hauptsache von den Nordwestgriechen abstammten, nehmen sie kaum Anteil an der frühen griechischen Geschichte. Sie mußten sich allerdings den Persern unterwerfen, als diese 480 v. Chr. Griechenland besetzten. Makedonien bestand im Wesentlichen aus wehrhaften Bauern, die für ihre Stammesfürsten die Felder bestellten und in den Krieg zogen. Die Menschen waren nicht reich, aber zufrieden, zumal sie keine Bekanntschaft mit den Errungenschaften der griechischen Zivilisation gemacht hatten. Städtische Kultur gab es in Makedonien bis ins 5.
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Reiner Heubach, 1999, Griechen und Fremde im 4. Jh. Der peorative Barbarenbegriff, München, GRIN Verlag GmbH
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