Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition: Bioethik
3. Zur Notwendigkeit der Bioethik
4. Moraltheorien zur Bewertung einer Handlung
4.1 Deontologie
4.2 Utilitarismus
5. Wann beginnt das Leben?
6. Ethische Argumentationen am Beispiel des Schwangerschaftsabbruchs
6.1 Potentialitätsargument
6.2 Identitätsargument
6.3 Kontinuitätsargument
7. Fazit
8. Literaturverzeichnis
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1. Einleitung
Seit Menschengedenken existiert die Vorstellung des perfekten Menschen bzw. der perfekten Gesellschaft. Angestrebt werden Kriterien wie eine hohe Intelligenz und Gesundheit sowie ein Körper, ein Geist und eine Seele in Vollkommenheit. Im Zuge des medizinischen Fortschritts und auf dem Weg zu einer solchen Utopie gelingt es dem Menschen seither, Krankheiten zu heilen, Leben zu verlängern und Gesundheit zu fördern - das biologische Schicksal des Menschen ist planbar und korrigierbar geworden.
Dieser Tage herrscht wohl weitgehend gesellschaftlicher Konsens über die Unbedenklichkeit klassischer medizinischer Methoden und Verfahren. Abgesehen von einigen Gegnern der Schulmedizin wird sich offenbar jeder Mensch, der beispielsweise an Krebs erkrankt ist oder unter einem Herzfehler leidet in ärztliche Behandlung begeben, um seine Gesundheit wiederherzustellen bzw. sein Leben zu retten.
Doch bezüglich des Themas moderner Biomedizin und Biotechnologie ist die Gesellschaft von Unsicherheiten und Unverständnis geprägt, da es sich hier um eine äußerst komplexe und sich rasant entwickelnde Materie handelt und noch keine anerkannten kulturspezifischen Richtlinien darüber existieren , was der Mensch „darf“ bzw. was er nicht „darf“ und nicht abzuschätzen ist, welches Potential die neuen Erkenntnisse in sich tragen. Daher ist es unausweichlich, unsere ethischen Grundprinzipien neu zu überdenken und gegebenenfalls zu modifizieren.
Im Ra hmen dieser Arbeit möchte ich einen Einblick in bioethische Überlegungen bieten und ausgewählte Moraltheorien und ethische Argumentationen auf den Bereich der Bioethik anwenden. Darüber hinaus werde ich mich der in diesem Zusammenhang immerzu diskutierten Frage zum Beginn des Lebens und der menschlichen Würde widmen.
Die zentrale Fragestellung ist, ob die Bioethik in Bezug auf Moral in der Wissenschaft eine Hilfe sein kann und ob „wahre“ Antworten überhaupt gefunden werden können.
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2. Definition: Bioethik
Im Allgemeinen wird unter Bioethik „die ethische Reflexion jener Sachverhalte verstanden, die den verantwortlichen Umgang des Menschen mit Leben betreffen“ (Korff 1998, 7). Es werden also moralische Prinzipien auf einen speziellen Bereich, und zwar den alles Lebendigen, bezogen. Demnach handelt es sich bei der Bioethik um eine Subdisziplin der angewandten Ethik (vgl. Ach, Runtenberg 2002, 14).
Die Bioethik beschäftigt sich mit drei Bereichen. Der erste ist die Natur- bzw. Ökologieethik, die sich allem Lebendigen widmet. Die Tierethik als zweites Gebiet der Bioethik beschäftigt sich mit allen nicht menschlichen Lebewesen, die Empfindungen haben. Der dritte Bereich ist die Medizinethik, die sich mit dem Umgang mit Leben und Sterben menschlicher Lebewesen befasst (vgl. Mohr 2005, 3).
Ich werde mich in dieser Arbeit auf Fragen der Medizinethik beschränken. Diese bezieht sich auf die Disziplinen Biomedizin und Biotechnologie und soll allgemein gültige und objektive Handlungsrichtlinien und Urteilsgrundlagen für den Umgang mit den genannten Disziplinen diskutieren und bestenfalls formulieren (vgl. Schramme 2002, 8). Aufgabenbereich der Medizinethik sind Fragen zu den Themen, um nur einige zu benennen, Stammzellenforschung, Klonen, pränatale Diagnostik, Schwangerschaftsabbruch, Euthanasie und Gentechnologie.
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3. Zur Notwendigkeit der Bioethik
Durch immer fortschreitende Technologisierung in den Bereichen der Biomedizin und Biotechnologie entstehen noch nie dagewesene moralische Grundsatzfragen bezüglich dieser Disziplinen.
Da bei den oben genannten biomedizinischen und biotechnologischen Praktiken immer der Mensch und sein Leben Gegenstand sind, stehen diese im besonderen Interesse der Öffentlichkeit. Daher wird ein permanenter, öffentlicher und vom Alltagsdenken der Menschen geprägter Diskurs über moralisch vertretbare Handlungsweisen im Umgang mit menschlichem Leben geführt. Dieses Interesse rührt daher, dass dieser Teilbereich der Medizin und Biologie nicht nur bestimmte oder einzelne Menschen, sond ern die gesamte Menschheit betrifft. „Wir werden zu Mitspielern der Evolution. Gleichzeitig werden Ängste wach [und kollektive Unsicherheit entsteht]“ (Rau 2001, 1).
Die Gründe für diese Ängste und Unsicherheiten der Gesellschaft und den öffentlichen Diskurs sind wohl auf den mangelnden Synchronismus der Entwicklung unserer gesellschaftlichen Dimensionen zurückzuführen. In Anlehnung an Van der Loo und Van Reijen kann die Gesellschaft in die Dimensionen Struktur, Kultur, Person und Natur gegliedert werden, die wiederum den Handlungsspielraum einer Gesellschaft determinieren (vgl. Huinink 2004, 16). Was die Kluft zwischen biologischer/medizinischer Machbarkeit und vorhandenen moralischen Richtlinien in diesen Bereichen angeht, ist anzunehmen, dass sich im Zuge des Modernisierungsprozesses die Natur schneller beherrschen ließ als sich neue kulturelle Normen und Werte bilden konnten. Auf Grund dieses Ungleichgewichts zwischen den Dimensionen Natur und Kultur sind sowohl die „Person“ als auch die Struktur (soziale Interaktion) im Umgang mit den neuen Entwicklungen in der Biomedizin gewissermaßen handlungsunfähig, da ihnen kulturelle (und somit auch ethische) Verhaltensnormen fehlen. Dieses Ungleichgewicht gilt es aufzubrechen, indem die Dimension der Kultur mittels der bioethischen Diskussion adäquate Richtlinien für Handeln und Verhalten entwickeln muss.
Stelle man sich vor, in einiger Zeit würde es möglich sein, Designer-Babys auf die Welt zu bringen. Bei der Schaffung eines Designer-Babys ist es möglich mittels pränataler Diagnostik und Genselektion beispielsweise das Geschlecht, die
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Arbeit zitieren:
Nina Jenk, 2005, Bioethik, München, GRIN Verlag GmbH
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