1. Einleitung
Fachsprachen liegen seit Beginn des 19. Jahrhunderts im Interesse der sprachwissenschaftlichen Forschung, die sich allerdings lange Zeit nur auf die Entstehung und Entwicklung der fachsprachlichen Lexik beschränkte. 1 Wissenschaftliches sowie öffentliches Interesse an der Funktion und Vielfalt von Fachsprachen und Fachkommunikation besteht hingegen erst seit Beginn des 20. Jahrhunderts. 2 Lothar Hoffmann definiert den Terminus ‚Fachsprachen’ wie folgt: „Fachsprache - das ist die Gesamtheit aller sprachlichen Mittel, die in einem fachlich begrenzbaren Kommunikationsbereich verwendet werden, um die Verständigung der dort tätigen Fachleute zu gewährleisten.“ 3
Die vorliegende Arbeit thematisiert neben einer Darstellung der gegenwärtigen Bedeutung von Fachsprachen zudem den Einfluss der Fachsprachen auf die Gemeinsprache und untersucht somit eine über Hoffmanns Definition hinausgehende Wirkung von Fachsprache.
2. Die Bedeutung der Fachsprachen in der Gegenwart
Die gesellschaftliche Rele vanz von Fachsprachen ist in der Gegenwart immens. 4 Das Problem, mit dem Sprache im Bereich der Fachsprachen jedoch konfrontiert wird, ist die Spannung zwischen einer natürlich befrachteten Sprache und dem Aufkommen neuer Erkenntnisse und Theorien, da die Sprache den enormen Bezeichnungsbedarf von sich dynamisch entwickelnden Wirtschaftszweigen mit ihrem großen, jedoch begrenzten Wortschatz nicht befriedigen kann. 5 In der
1 Vgl.: Richart, J.R.; Thome, G.; Wilss, W. (Hrsg.): Fachsprachenforschung und Lehre: Schwerpunkt Spanisch, Tübingen 1982, S. 1.
2 Vgl.: Fluck, H.-R.: Fachsprachen und Fachkommunikation, Heidelberg 1998, S. 1.
3 In: Fluck 1998, S. 2.
4 Vgl.: Fluck, H.-R.: Fachsprachen. Einführung und Bibliographie, München 1980, S. 34-46.
5 Vgl.: Pákozdi, I.G.: „Sprachliche Ökonomie, metaphorisch-metonymische Termini in der Fachsprache der Wirtschaftswissenschaften“, in: Weber, S. (Hrsg.): Fachkommunikation in Deutscher Sprache, 1. Aufl., Leipzig 1989, S. 200.
Wissenschaft und der Technik - Bereiche, in denen Sprache grundsätzlich zweckorientiert fungiert - dient die Fachsprache allgemein als Erkenntnisinstrument, da sie zur Fixierung von Beobachtungen, zur Aufstellung von Hypothesen und zur allgemeinen Theoriebildung herangezogen wird. 6 Aufgrund der Neuartigkeit von Erkenntnissen beanspruchen diese Bereiche die Schaffung eigener, spezifischer Begriffe. So führten die Erweiterung von Arbeitsbereichen in den Wissenschaften sowie die Einführung neuer Fachbereiche wie Politik, Soziologie oder Betriebswirtschaft zu einer so genannten ‚verbalen Explosion’, da die Schaffung spezifischer Begriffe für diese neuen Gebiete unumgänglich war.
Das permanente Anwachsen von Fachsprachen in einer Zeit der zunehmenden Technisierung und Globalisierung 7 und die daraus resultierende, stetig steigende Anzahl neuer Fachwörter stellt heutzutage ein großes Kommunikationsproblem dar. 8 So gestaltet sich nicht nur die Kommunikation zwischen Fachleuten oder Vertretern unterschiedlicher Wissenschaftsgebiete immer schwieriger, vor allem wird zunehmend die Kommunikation zwischen Fachleute und Laien erschwert, was zu einer Entstehung von Informationsbarrieren führen kann. Bei völliger Transparenz ließe die sprachliche Bezeichnung einen Sachverhalt bzw. einen Gegenstand klar erkennen, eine genauere Untersuchung fachsprachlicher Ausdrücke zeigte jedoch eine mangelnde Übereinstimmung im Verhältnis der Fachwörter zu den von ihnen benannten Dingen. 9 Das Resultat einer nicht hinreichend aufeinander abgestimmten Kommunikation zwischen Fachleuten und Laien bilden somit Aneinandervorbeireden oder ein schlichtes Nichtverstehen. 10 Zum einen verfügen Fachleute folglich über eine gewisse Macht, da nur sie die Fachsprache beherrschen und sich somit bei der Vermittlung von Wissen als Sender in der entscheidenden Position befinden. Zum anderen sind jedoch auch
6 Vgl. hierzu und im Folgenden: Fluck 1980, S. 34-46.
7 Vgl.: Fluck 1998, S. I.
8 Vgl. hierzu und im Folgenden: Fluck 1980, S. 34-46.
9 Vgl.: Goffin, R.: „Die Fachsprachenforschung zwischen Interlinguistik und Strukturalismus“, in: Richart, J.R.; Thome, G.; Wilss, W. (Hrsg.): Fachsprachen-forschung und -lehre: Schwerpunkt Spanisch, Tübingen 1982, S. 33.
10 Vgl. hierzu und im Folgenden: Fluck 1980, S. 34-46.
Fachleute häufig benachteiligt, da sie oftmals nicht mehr in der Lage sind die Allgemeinsprache anzuwenden und sich somit ausgrenzen. Wird von Seiten der Fachleute eine Auseinandersetzung mit den Laien verhindert, tendieren Fachsprachen in ihrem öffentlichen Ansehen zu elitären, demokratiefeindlichen Herrschaftssprachen.
Fachsprachen sind nur dann von öffentlichem Interesse, wenn das Leben der Allgemeinheit unmittelbar betroffen ist. So entstehen auch Kommunikationsstörungen nur unter der Vo raussetzung, dass Fachsprachen in gesellschaftliche Diskussionen eingreifen, ohne die Thematiken allgemein zu vermitteln. Diesbezüglich sind die Fachsprachen der Verwaltungs- und Rechtssprache zu nennen, die in erhöhtem Maße in den Alltag der Bevölkerung eindringen. Mehr als andere Fachsprachen verpflichtet sich die Rechtssprache für jeden verständlich zu sein, da sie einen Transfer zwischen Gemeinsprache und Fachsprachen gewährleisten muss. Jedoch wird selbst in diesem Bereich der Adressat, verkörpert durch den Bürger, oftmals aufgrund einer zu abstrakten Sprache nicht erreicht. Zudem besteht des Weiteren offenbar ein großes Bedürfnis an der Rezeption fachsprachlicher Informationen in allgemeinverständlicher Form, da zunehmend gemeinverständliche Texte aus Bereichen wie Medizin, Psychologie, Geschichte oder Linguistik publiziert werden. 11
Die progressive Spezialisierung einzelner Wissenschafts- und Berufszweige hat ein immenses Anwachsen des Spezialvokabulars zur Folge. 12 Dies stellt den Menschen vor eine schwierige Aufgabe, da sich die Terminologien innerhalb weniger Jahre verdoppelt und verdreifacht haben. Voraussetzung für eine funktionierende Kommunikation ist darüber hinaus jedoch nicht nur das Verstehen des Vokabulars, sondern auch seine richtige Anwendung. Die über Massenkommunikationsmittel in den Alltag dringenden Fachwörter verschiedenster Wissensgebiete führen zu einer Überforderung des Menschen, so dass in der Konsequenz Wörter oftmals falsch oder gar nicht gebraucht werden.
11 Vgl.: Spillner, B.: „Interlinguale Stilkontraste in Fachsprachen“, in: Spillner, B. (Hrsg.): Stil in Fachsprachen, Frankfurt am Main 1996, S. 125.
12 Vgl. hierzu und im Folgenden: Fluck 1980, S. 34-46.
Arbeit zitieren:
Katharina Lang, 2005, Fachsprachen, München, GRIN Verlag GmbH
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