Mythos Tom Ripley -
Zur Identifikation der Autorin und des Lesers mit einem Mörder anhand
Patricia Highsmiths Kriminalroman
Der talentierte Mr. Ripley
Inhalt
1. Einleitung 2
1.1. Über Patricia Highsmith 2
1.2. Ripley fast forward 3
2. Die Kreation einer Identität 3
2.1. Ripleys Geburt 3
2.2. Highsmith alias Ripley 4
3. Tom Ripley lebt 6
3.1. Ripleys Talente 6
3.2. Leser alias Ripley 7
3.2.1. Ripleys Psyche 8
3.2.2. Ripley wird zum Mörder 10
3.2.3. Ripleys Flucht 13
4. Exkurs: Ripley versus klassischer Detektivroman 15
5. Literaturverzeichnis 17
1
Ripley ist weder gut noch böse, er ist einfach ungewöhnlich 1
Patricia Highsmith
1. Einleitung
Mit Tom Ripley hat Patricia Highsmith eine einzigartige literarische Figur geschaffen - den amoralischen Gentleman. Den sympathischen Mörder, der das Kunststück zuwege bringt, immer unter Verdacht zu stehen und nie erwischt zu werden. Einfach deshalb, weil niemand ihm in letzter Konsequenz ein Verbrechen zutraut. Aber nicht nur seine fiktiven Gegenspieler werden von Tom Ripley getäuscht, auch der Leser kann nicht anders, als eine Identifikation mit Ripley aufzubauen und ihm wünschen, er möge aus jeder Falle einen Ausweg finden. Diese Arbeit beschäftigt sich mit den Gründen der Identifikation des Lesers mit dem Mörder Ripley, die in der literarischen Darstellung, als auch in einer besonderen Affinität der Autorin zu ihrem Protagonisten zu finden sein wird.
1.1. Über Patricia Highsmith
Patricia Highsmith wurde am 1921 in Fort Worth, Texas, geboren. 1934 zog die Familie nach New York City. Nach dem Besuch der High School studierte Patricia Highsmith Zoologie und Englische Literaturwissenschaft. Ab 1943 textete sie Comics. Die Modezeitschrift Harpers Bazaar veröffentlichte im August 1945 die Kurzgeschichte The Heroine, die Patricia Highsmith noch in ihrer College-Zeit geschrieben hatte. Ihr erster Roman erschien 1950 unter dem Titel Strangers on a Train (Zwei Fremde im Zug) und wurde im Jahr darauf von Alfred Hitchcock verfilmt. Weil Patricia Highsmith sich nach dem Erfolg ihres Debütromans als Thriller-Autorin etablieren und der Öffentlichkeit nicht ihre lesbischen Neigungen preisgeben wollte, benützte sie 1952 für The Price of Salt (Salz und sein Preis), das von einer lesbischen Beziehung handelt, das Pseudonym Claire Morgan.
Patricia Highsmith schrieb vorwiegend Kriminalromane, in denen es nicht um die Frage nach dem Täter, dem whodunit, sondern um die psychologische Entwicklung
1 Franz Cavigelli (Hrsg.), Patricia Highsmith. Leben und Werk. Diogenes 1980, S. 191
2
geht, durch die eine Person zum Mörder werden kann. Bekannt wurde sie vor allem mit fünf Romanen über die Figur Tom Ripley.
Die Autorin lebte trotz ihrer amerikanischen Herkunft vorwiegend zurückgezogen in der Schweiz und in Frankreich, wobei ihre ausgeprägte Tierliebe, insbesondere zu Katzen und Schnecken nicht unerwähnt bleiben sollte.
1.2. Ripley fast forward
Tom Ripley ist nach dem Unfalltod seiner Eltern bei der Schwester seiner Mutter in kleinbürgerlichen Verhältnissen aufgewachsen. Einige Versuche Toms, in bürgerlichen Berufen Fuß zu fassen, schlagen fehl. In seiner Not versucht er es mit kleinen Betrügereien. Sein Leben nimmt eine Wende, als der V ater eines seiner Schulfreunde ihn aufspürt und ihn bittet, ihm zu helfen, seinen Sohn aus Europa in die USA zurückzuholen. Mit Tickets und Geld des Vaters Herbert Greenleaf versehen, reist Tom nach Mongibello, südlich von Neapel. Schnell freundet er sich mit Dickie Greenleaf an, nachdem er ihm den Zweck seiner Reise eröffnet hat. Die Freundschaft wird beeinträchtigt durch Marge Sherwood, einer Bekannten Dickies. Tom ist fasziniert von Dickie und seinem Leben und verwirft, seine ursprüngliche Aufgabe, Dickie mit zurück nach Amerika zu bringen, sondern träumt von einer gemeinsamen Zukunft. Das Motiv der Homosexualität klingt hier wie in vielen Romanen Highsmiths an, ohne jedoch weiter ausgeführt zu werden. Als die beiden jungen Männer eine gemeinsame Reise unternehmen, behandelt Dickie Tom, der sich dessen Freundschaft ersehnt, mit Herablassung. Woraufhin Tom ihn aus Enttäuschung während einer Bootsfahrt erschlägt und die Leiche über Bord wirft. Nach der Tat nimmt Tom Dickies Identität an um in den Besitz dessen Vermögen zu gelangen. Trotz Ripleys ständiger Furcht vor Entdeckung gelingt es ihm durch geschickte Täuschungen und weitere Morde nicht verdächtigt zu werden und unter der Identität Dicke Greenleafs ein luxuriöses Leben zu führen, das er je nach Bedarf wieder in sein eigenes zurück verwandelt. So bleiben sämtliche Mordfälle in diesem Roman ungeklärt. Wobei einzig der Leser zum Komplizen von Tom Ripley wird. Eine Thematik, die durch alle fünf Ripley-Romane weiterverfolgt werden kann und doch nie zu einer Aufklärung im Sinne eines traditionellen Kriminalromans führen wird.
3
2. Die Kreation einer Identität
2.1. Ripleys Geburt
Die Autorin Patricia Highsmith und literarische Mutter von Tom Ripley wird häufig mit ihrer populärsten Romanfigur identifiziert.
Der Ursprung zur Geburt dieser Figur muss eine Begegnung während ihrer ersten Europareise im Spätsommer 1951 gewesen sein. In Positano sah sie einmal in aller Frühe einen einsamen jungen Mann den Strand entlang laufen. Dieses Bild kam Highsmith in der Folge immer wieder ins Bewusstsein und wurde schließlich zum Keim ihrer Romanfigur. Zur weiteren Entstehung der Geschichte sagt Highsmith selbst: Es war, als ob Ripley selbst es schriebe, es kam einfach so aus mir heraus. 2 Bereits hier ist die hohe Identifikation der Autorin mit ihrem Protagonisten zu erkennen, was im Sinne einer besonders tiefen psychologischen Nähe, als auch als tatsächlicher Akt einer Geburt gedeutet werden kann. Auf Grund der verschlossenen Persönlichkeit Patricia Highsmiths wird sich dieses Rätsel wohl niemals vollständig aufklären lassen. Eine weitere Parallele zieht Highsmith auch mit der Geschichte Tom Ripleys zu dem Roman Die Gesandten von Henry James, in dem ein Lambert Strether von einer Mrs. Newsome beauftragt wird, ihren Sohn Chad in Paris ausfindig zu machen um ihn wieder nach Amerika zu bringen. Der Plot dieses Romans erschien Patricia Highsmith jedoch als umständlich und langatmig. Highsmith bezieht sich in Der talentierte Mr. Ripley trotzdem sogar zweimal auf Die Gesandten: 3
Haben Sie Die Gesandten von Henry James?“ fragte Tom den Offizier, der für die Bordbibliothek der ersten Klasse zuständig war. [...] Tom war enttäuscht. Mr. Greenleaf hatte ihn gefragt, ob er dieses Buch gelesen habe. 4
2.2. Highsmith alias Ripley
Das Buch wurde zu einem großen Erfolg bei Lesern und Kritikern. Highsmith erhielt mehrere Preise für dieses Buch, unter anderem den Preis der Mystery Writers of America (Edgar Allan Poe Award), bei dessen Verleihung sie die Urkunde mit Mr. Ripley und Patricia Highsmith unterschrieb. 5 Als sie später von Ripley sprach, redete sie von ihm wie von einem Menschen, der ihr sehr nahe stand. Sie verteidigte ihn und fragte sich, was er zu einer bestimmten Situation sagen würde. Einen Brief an eine Freundin unterschrieb Highsmith mit: Pat H. alias Ripley.
2 Andrew Wilson, Schöner Schatten. Das leben von Patricia Highsmith. Berlin Verlag 2003, S. 273
3 Vgl. :Andrew Wilson, Schöner Schatten. Das leben von Patricia Highsmith. Berlin Verlag 2003, S. 274
4 Patricia Highsmith, Der talentierte Mr. Ripley. Diogenes 2002, S. 53f
5 Vgl.: Franz Cavigelli (Hrsg.), Patricia Highsmith. Leben und Werk. Diogenes 1980, S. 147
4
Arbeit zitieren:
Joern Beck, 2005, Mythos Tom Ripley - Zur Identifikation der Autorin und des Lesers mit einem Mörder anhand Patricia Highsmiths Roman "Der talentierte Mr. Ripley", München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Hausarbeit, 15 Seiten
Franz Kafka: Das Urteil. Vier Interpretationsansätze
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 26 Seiten
Kommunikative Gattungen in der institutionellen Kommunikation
Eine emplarische Analyse der d...
Medien / Kommunikation - Sonstiges
Hausarbeit, 28 Seiten
Otto III. und die Slawen zwischen Elbe/Saale und Oder - Der Mecklenbur...
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Seminararbeit, 21 Seiten
Triuwe und ere als Grundlagen des Feudalismus und ihre Problematisieru...
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Hausarbeit (Hauptseminar), 21 Seiten
Die veränderte Funktion der NSDAP im Krieg
Geschichte Europa - Deutschland - Nationalsozialismus, II. Weltkrieg
Hausarbeit, 20 Seiten
Gesprächssequenezen, mit besonderer Berücksichtigung von Frage-Antwort...
Seminararbeit, 40 Seiten
Otto III. und der Akt von Gnesen
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Hausarbeit (Hauptseminar), 15 Seiten
Was ein Lehrer können muss - Lehrerbildung in Deutschland
Pädagogik - Der Lehrer / Pädagoge
Hausarbeit, 25 Seiten
Das Gottesurteil Im Tristan Gottfrieds von Straßburg
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Hausarbeit (Hauptseminar), 22 Seiten
Die slawischen Nachbarn der Ottonen - Das politische, soziale und reli...
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Seminararbeit, 26 Seiten
The Sublime in the English Gothic Novel: Horace Walpole´s The Castle o...
Hausarbeit (Hauptseminar), 14 Seiten
Das Motiv der Liebestrennung in den Tristanromanen Eilharts und Gottfr...
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Examensarbeit, 95 Seiten
Psychologie - Persönlichkeitspsychologie
Referat (Ausarbeitung), 12 Seiten
Working with a Literary Text: Planung einer Unterrichtsstunde zu James...
Hausarbeit (Hauptseminar), 19 Seiten
What was the Harlem Renaissance? What effect did it have on American C...
Amerikanistik - Kultur und Landeskunde
Wissenschaftlicher Aufsatz, 10 Seiten
Die Usurpation Constantins III. - Gründe, Verlauf und Ziele
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Hausarbeit, 18 Seiten
Einführung des Relativsatzes in Klasse 6 (Gymnasium)
Erarbeitet anhand des Jugendbu...
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Unterrichtsentwurf, 8 Seiten
Joern Beck's Text Mythos Tom Ripley - Zur Identifikation der Autorin und des Lesers mit einem Mörder anhand Patricia Highsmiths Roman "Der talentierte Mr. Ripley" ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Joern Beck hat den Text Mythos Tom Ripley - Zur Identifikation der Autorin und des Lesers mit einem Mörder anhand Patricia Highsmiths Roman "Der talentierte Mr. Ripley" veröffentlicht
Joern Beck hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare