Jugendarbeitslosigkeit – Folgen und Auswirkungen in der Jugendphase
1.Einleitung
Was sagt denn Schröder dazu?
Ich glaube ich ruf ihn mal an:
Gerhard schau dir doch unsere Jugend mal an...
Das dritte Drittel hängt perspektivlos rum auf deutschen Straßen...
Wer will schon alt werden in diesem Land In dem es mehr Schatten als es Wege gibt Mehr Mauern stehen als es Brücken gibt Stimmung ist negativ.
Weck mich bitte auf aus diesem Alptraum.
Menschen sehn vor lauter Bäumen den Wald kaum.
Man versucht uns ständig einzureden dass es noch möglich wäre hier frei zu leben. Weck mich bitte auf aus diesem Alptraum.
Menschen sehn vor lauter Bäumen den Wald kaum.
Ich und er und sie und es sind besser dran wenn wir uns selber helfen.
SAMY DELUXE
Immer häufiger werden Aussagen wie diese von jungen Musikern wie auch von vielen Jugendlichen getätigt. Die immer schlechter werdende Lage auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt lässt vor allem junge Menschen immer düsterer in die Zukunft schauen. Ständig steigende Arbeitslosenstatistiken (offiziell sind es derzeit über 4 Millionen Arbeitslose in Deutschland), bei denen vor allem die jüngeren Menschen der Bevölkerung schlecht abschneiden, Hunderttausende fehlende Lehrstellen, Debatten über Maßnahmen wie z.B. Ausbildungsplatzabgabe lassen bei mir die Fragen nach den Folgen und Auswirkungen der Arbeitslosigkeit, gerade im Jugendalter, aufkommen? Wird Jugend ohne Erwerbsarbeit erwachsen? Folgt durch die ansteigende Jugendarbeitslosigkeit eine psychosoziale Krise, erst für das Individuum dann für die Gesellschaft? Wie sind die Folgen für den Einzelnen? Was sind die gesellschaftlichen Auswirkungen?
Ich arbeite während meiner Praxisphasen zur Ausbildung der Sozialarbeit/Sozialpädagogik in einer Außenwohngruppe eines Kinderheimes, dort sind Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren. Ich werde bei Jugendlichen in diesem Alter oft mit dem Thema Ausbildungsplatzsuche und den Aussichten nach der Schulbildung konfrontiert. Es wird immer schwieriger Jugendliche in eine Ausbildung- bzw. Arbeitsstelle zu vermitteln. In meiner Einrichtung wurde mit Jugend und Beruf eine Instanz zwischen Schule und Ausbildung ins Leben gerufen. Dort wird versucht, Jugendliche, die keinen Erfolg bei der direkten Suche eines Ausbildungsplatzes hatten, über verschiedene geleistete Praktika in einen Ausbildungsplatz zu vermitteln. Hier werden auch wichtige Fächer wie Mathematik
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Jugendarbeitslosigkeit – Folgen und Auswirkungen in der Jugendphase
und Deutsch weiter unterrichtet, um einen strukturierten Tagesablauf während der Praktikumsuche beizubehalten und die Jugendlichen zu motivieren. Deswegen kam ich dazu mich mit dem Thema der Jugendarbeitslosigkeit in der Jugendphase zu beschäftigen. Ich fand es interessant, mehr über die Wirkungen der Berufsrolle und den damit verbundenen Auswirkungen der Arbeitslosigkeit auf Jugendliche speziell in der Phase des Erwachsenwerdens in Erfahrung zu bringen. Die Jugendlichen bei uns im Heim kommen oft aus Familien, die aus den unteren Schichten unserer Gesellschaft stammen. Meistens besuchen sie die Haupt- oder die heimeigene Förderschule und haben dadurch eher schlechte Aussichten auf einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz. Wie kann die Zukunft für jemanden aussehen, der sich nicht in diese gesellschaftlichen Vorgaben integrieren kann? In unserem Land herrscht eine hohe Arbeitsethik, deswegen können die Auswirkungen der Arbeitslosigkeit hier sehr gravierend sein.
Im Folgenden wird als Erstes der Begriff der Arbeitslosigkeit geklärt. Um dann einen Zusammenhang auf die Jugendphase zu erstellen, habe ich diese näher erläutert und ihre Funktion im Leben des einzelnen Menschen dargestellt. Als weitere Kapitel folgen die damit verbundenen wichtigen Bedeutungen der Erwerbsarbeit, der Sozialisation durch den Beruf und die Persönlichkeitsentwicklung während der Phase der Berufsfindung und Berufsbildung auf das Individuum. Nach diesen Hervorhebungen wird auf die eigentliche Problemstellung dieser Arbeit eingegangen, den Auswirkungen der Jugendarbeitslosigkeit auf das Individuum und auf die Gesellschaft.
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Jugendarbeitslosigkeit – Folgen und Auswirkungen in der Jugendphase
2. Zum Begriff der Jugendarbeitslosigkeit
2.1 Arbeitslosigkeit
Schmitt definiert arbeitslos laut dem §118 SGB III so, dass jeder Arbeitnehmer der vorübergehend nicht in einem Beschäftigungsverhältnis steht aber eine Beschäftigung sucht oder aber Arbeitnehmer, Selbständige und mithelfende Familienangehörige, die weniger als
15 Stunden wöchentlich einer Beschäftigung oder Tätigkeit nachgehen, als arbeitslos gelten. 1
Auch Neumann greift in seiner Begriffsbestimmung auf das SGB zurück: „Arbeitslose sind Personen, die wie beim Anspruch auf Arbeitslosengeld
1. vorrübergehend nicht in einem Beschäftigungsverhältnis stehen,
2. eine versicherungspflichtige Beschäftigung suchen und dabei den Vermittlungs-
bemühungen des Arbeitsamtes zur Verfügung stehen
3. sich beim Arbeitsamt arbeitslos gemeldet haben (§16 SGB III).“ 2
Menschen, die arbeitslos sind, aber keine der drei vorangegangenen Kriterien erfüllen, gelten dem Gesetz nach nicht als arbeitslos und werden in den Statistiken nicht erfasst. Nicht von arbeitslos sondern von erwerbslos spricht Neumann, der den Begriff der Arbeitslosigkeit als „ undifferenziert und unzutreffend“ beschreibt, da Menschen nicht „arbeitslos im Sinne von tätigkeitslos“ sein können. 3 Die Arbeitslosigkeit wird auch in verschiedene Gruppen unterteilt. Meist sind dies verschiedene Personengruppen wie die Frauenarbeitslosen, Jugendarbeitslosen, Langzeitarbeitslose, Ausländerarbeitslose, ältere Arbeitslose usw. Dies sind Personengruppen, die ein überdurchschnittliches Arbeitslosigkeitsrisiko tragen. 4
2.2 Jugendarbeitslosigkeit
Eine der Risikogruppen der Arbeitslosigkeit sind die Jugendlichen. In den Statistiken werden arbeitslose Jugendliche unter 25 Jahren zu den Jugendarbeitslosen dazugezählt. Die Zahlen 1 Vgl. Schmitt, W.; Fachlexikon der sozialen Arbeit, 2002, S.60 2 Neumann, R.; 1999, S.18 3 Vgl. Neumann, R.; 1999, S.18 4 Vgl. Schmitt, W.; Fachlexikon der sozialen Arbeit, 2002, S.60
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Jugendarbeitslosigkeit – Folgen und Auswirkungen in der Jugendphase
sind in den einzelnen Regionen sehr unterschiedlich, was auf demographische und arbeitsmarktspezifische Situationen in den einzelnen Regionen zurückzuführen ist. 5 Als mögliche Gründe der Jugenderwerbslosigkeit wird Preukert in Neumann zitiert, der einen Punkt in der mangelnden Versorgung an Ausbildungsplätzen und im anderen das unzureichende Angebot an qualitativen und quantitativen Arbeitsplätze n gerade für Jugendliche sieht. 6 Sowohl Neumann als auch Schmitt gehen von einer „verdeckten“ Arbeitslosigkeit bei Jugendlichen aus. Es ist insofern problematisch, da die nicht bei den Arbeitsämtern gemeldeten arbeitslosen Jugendlichen in den Statistiken nicht auftauchen. Gerade diese Jugendliche n haben aber oft resigniert und aufgegeben, sich selber aktiv um Ausbildung oder Arbeit zu bemühen. 7 In Deutschland begann der drastische Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit etwa in der Mitte der siebziger Jahre, besonders Jugendliche, die von der Ausbildung in den Beruf wollten, waren sehr stark betroffen. Besondere Problemgruppen, die in der Jugend von Arbeitslosigkeit betroffen sind, sind vor allem Förderschüler, Jugendliche ohne Hauptschulabschluss, Ausbildungsabbrecher, Ausländer und junge Frauen. 8
3. Die Jugendphase aus soziologischer Perspektive
3.1 Zum Begriff der Jugend
Es ist nicht so einfach die Jugend genau zu definieren und abzugrenzen. Es finden sich weder in der Alltagssprache noch in der Fachsprache der Soziologie, der Psychologie oder der Pädagogik eindeutige Definitionen über den Begriff der Jugend. Jugend setzt laut Schäfers mit der Pubertät um das 13. Lebensjahr ein und endet etwa mit 25 Jahren. Aus soziologischer Sichtweise treten besonders hier typische Verhaltensweisen und Einstellungen auf, die als jugendlich gesehen werden. 9 Durch gesellschaftliche Vorgaben wird Jugend als ein Lebensabschnitt charakterisiert, der durch einerseits noch unselbständige, also kindheitsgemäße und andererseits selbständige schon erwachsenengemäße Handlungsanforderungen bestimmt ist. Bereits in der Kindheit erworbene individuelle 5 Vgl. Schmitt, W.; Fachlexikon der sozialen Arbeit, 2002, S.60 6 Vgl. Peukert in Fachlexikon der Sozialen Arbeit, 1993, S.514/515 zitiert in: Neumann, R.; 1999, S.49 7 Vgl. Schmitt, W.; in Fachlexikon der Sozialen Arbeit, 2002, S.60f 8 Vgl. Mansel, J./Hurrelmann, K.; 1991, S.24ff 9 Vgl. Schäfers, B.; 2001, S.17
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Jugendarbeitslosigkeit – Folgen und Auswirkungen in der Jugendphase
Fähigkeiten sollen in der Jugendphase so weiterentwickelt und entfaltet werden, dass wichtige Kompetenzen für die Übernahme der Erwachsenenrolle erlernt werden. Der Austritt aus der Jugend kann erst dann erfolgen, wenn man in den relevanten Handlungsbereiche n weitreichend oder vollständig in autonomem oder eigenverantwortlichem Grad selbst handelt. 10
3.2 Abgrenzung des Kindesalters von der Jugendphase
Der Übergang vom Kind zum Jugendlichen ist in der Soziologie eine Positions- oder Statuspassage, d.h. laut Hurrelmann erreichen die Veränderungen der sozialen Verhaltensanforderungen ein Ausmaß, das ein Übergang von einer sozialen Position in eine andere stattfindet. Auch der Übergang vom Jugendlichen zum Erwachsenen ist eine solche Statuspassage. In den moderneren Industriegesellschaften ist eine eindeutige Definition und eine zeitliche Fixierung für diese Statusübergänge, auf Grund von zeitlichen Abweichungen in den einzelnen Bereichen der Übergänge und unterschiedlichen Entwicklungsabläufen der Kinder und Jugendlichen, nicht möglich.
Mit dem Erwerb des Status Jugend findet eine Erweiterung der Handlungsspielräume statt, die gleichzeitig eine Erweiterung der gelernten Rollen mit sich bringt. Diese Entwicklung findet schrittweise statt. Das junge Individuum wird mehr und mehr in die Gesellschaft integriert und in ein Netz von sozialen Erwartungen und Verpflichtungen miteingebunden. Dem Prozess vom Übergang Kind/Jugend kann in der soziologischen Perspektive kein festes biologisches Alter zugewiesen werden. Hurrelmann gibt drei Altersstufen an die zum Übergang wichtig sind. Die Erste ist so mit 6 oder 7 Jahren bei der mit der Einschulung die Rolle des selbständig Leistung Erbringenden angenommen wird. Es folgt mit dem Wechsel auf weiterführende Schulen und Bildungsgänge im Alter von etwa 10 bis 12 Jahren eine Intensivierung der Leistungsanforderungen. Diese qualitative Veränderung reicht aber alleine nicht aus, um von einem Statusübergang zu sprechen, dieser erfolgt dann aus soziologischer Perspektive in der dritten Altersstufe so mit 12 bis 14 Jahren. In diesem Alter setzt eine soziale Ablösung von den Eltern ein und es findet eine stärkere Aufnahme der Kontakte zu Gleichaltrigengruppen mit Selbstbestimmung der Sozialkontakte statt. Die beiden Lebensphasen untersche iden sich erheblich voneinander. Der Jugendliche muss in der 10 Vgl. Hurrelmann, K.; 1999, S. 38ff
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Karl-Heinz Vetter, 2004, Jugendarbeitslosigkeit - Folgen und Auswirkungen in der Jugendphase, München, GRIN Verlag GmbH
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