INHALTSVERZEICHNIS
1. EINLEITUNG S 1
2. DIE ENTSTEHUNGSGESCHICHTE DES FORTUNATUS S 2
2.1 DIE ERSTAUSGABE VON 1509 S 2
2.2 DIE QUELLENPROBLEMATIK S 3
2.3 DER ENTSTEHUNGSORT S 5
2.4 DIE AUTORINDIZIERUNG S 6
3. WIRTSCHAFTSGESCHICHTE DES 15 UND 16 JAHRHUNDERTS S 7
3.1 KULTURELLES LEBEN UM 1500 S 7
3.2 DER ADEL UND DAS GELD DER FUGGER S 8
3.2.1 DIE FUGGER UND KAISER MAXIMILIAN I S 8
3.2.2 DIE KAISERWAHL KARL V S 10
3.3 DER ADEL UND DAS GELD DER WELSER S 11
4. ADEL UND GELD IM FORTUNATUS S 13
4.1 DAS VERHÄLTNIS THEODORUS ZUM ADEL S 13
4.2 DAS VERHÄLTNIS FORTUNATUS ZUM ADEL S 14
4.3 DAS VERHÄLTNIS ANDOLOSIAS ZUM ADEL S 16
5. SCHLUSS S 21
6. LITERATURVERZEICHNIS S 23
1. Einleitung
Zu Anfang des 15. Jahrhunderts entstand mit der Sibille von Elisabeth von Nassau- Saarbrücken und einige Jahrzehnte später mit dem deutschen Werk Fortunatus eine bislang völlig neuartige literarische Gattung. Vergleicht man diese Werke mit den Ausführungen Michail Bartlins und George Lukacs über gattungstypische Merkmale, so können sie durchaus als Vorläufer heutiger Prosaromane bezeichnet werden. Pil- gerfahrten und kaufmännischer Unternehmergeist stellen unter anderem die zentralen Thematiken des Fortunatus-Romans dar, wobei auf letzteres in dieser Ausarbeitung näher eingegangen werden soll.
Einleitend wird die Entstehungsgeschichte des Fortunatus beschrieben, wobei insbe- sondere auf die Erstausgabe von 1509, die Quellenproblematik, die Diskussion über den möglichen Entstehungsort und die Autorindizierung eingegangen wird. Beson- ders das Quellenproblem und die damit verbundene Autoridentifizierung sind dahin- gehend für den weiteren Verlauf dieser Arbeit von Bedeutung, da sie klären sollen, aus welchen gesellschaftlichen Kreisen der Autor stammt und woher seine exakte Kenntnis über das Verhältnis politischer und finanzieller Macht existiert. Daraufhin folgt ein Abstecher in die Wirtschaftsgeschichte des 15. und Anfänge des 16. Jahr- hunderts, wobei zuerst ein kurzer Einblick in das kulturelle Leben deutscher Han- delsstädte um 1500 gegeben wird, da die Hauptschauplätze des Romans Handelsstäd- te sind. Im Anschluss wird die Beziehung der feudalen Herrscher zu Kaufleuten wie den Welsern und Fuggern beschrieben. Beide Familien sollen dabei sinnbildlich für sämtliche Kaufmannsfamilien stehen, die mit ihrem enormen Reichtum die Politik des 15. und 16. Jahrhunderts maßgeblich beeinflusst haben. Ein besonderes Auge n- merk wird dabei auf die Beziehung der Fugger zu Kaiser Maximilian I. und die Kai- serwahl Karl V. gelegt, da diese sinnbildlich für finanzielle Macht und Korruption der damaligen Zeit stehen. Anschließend soll ebenfalls am Beispiel der Welser ver- deutlicht werden, welche finanziellen Quellen der feudalen Obrigkeit zur Verfügung standen.
Dem gegenüber wird das Verhältnis der Kaufleute zum Hofe beschrieben, wie es im Roman wiedergegeben wird. Angefangen mit Theodorus, über Fortunatus, bis Ando- losia soll der Vergleich zur Wirtschaftgeschichte gezogen werden. Zentrale Thematik
1
in dieser Ausarbeitung ist daher, ob das literarisch gestaltete Verhältnis Adel und Kaufmann der tatsächlichen faktischen Historie entspricht und wer von beiden in der Machthierarchie weiter oben anzusiedeln ist, sprich ob Adel oder Kaufmannschaft politisch einflussreicher gewesen sind.
2. Entstehungsgeschichte Fortunatus
2.1 Die Erstausgabe von 1509
Der Erstdruck des Fortunatus erscheint 1509 in Augsburg und wird von Johann Heybler herausgegeben. Der Drucker dieser Erstausgabe ist Johann Ottmar, wie dem Kolophon zu entnehmen ist.
„Zu trucken verordnet durch Johannßen Heybler Appotegker in der kay- serlichen stat Augspurg in dem grossen schießen der mindern jartzal christi im neünden jar“ 1
Die Einträge in Steuerlisten aus der besagten Zeit lassen erkennen, dass das Ko- lophon bezüglich seiner Namensnennungen stimmt, da die oben erwähnten Personen tatsächlich in Augsburg lebten und ebenfalls mit ihrer beruflichen Tätigkeit vermerkt waren. Der Autor bleibt jedoch, ähnlich wie beim Ulenspiegel oder Faustbuch unbe- kannt, was schon frühzeitig die Suche nach der Autorenpersönlichkeit auslöste, da in Leseranreden, Kommentaren und moralisierenden Passagen der Ich-Erzähler beson- ders deutlich hervortritt. Es bleibt festzuhalten, dass die ergebnislose Autorens uche für die weitere Textbearbeitung nur minderschwere Folgen mit sich bringt, zumal Verlegern, Korrektoren und Druckern die Möglichkeit zum Texteingriff abermals offen stand. 2 Der Erfolg des Fortunatus-Textes, so wie er 1509 in Augsburg erschienen war, ist beträchtlich. Durch Übersetzungen ins Italienische, Französische, Englische, Polni-
1 Vgl. Roloff, Hans-Gert. Fortunatus. Mit Materialien zum Verständnis des Textes. Studienausgabe nach der Editio Princeps von 1509. Stuttgart. 1996. S. 199.
2 Vgl. Kästner, Hannes. Fortunatus. Peregrinator Mundi. Welterfahrung und Selbsterkenntnis im ers- ten deutschen Prosaroman der Neuzeit. Freiburg. 1990. S. 239f.
2
sche, Ungarische, Niederländische, Dänische und Schwedische wurde das Volksbuch zu einem der beliebtesten Romane der kommenden drei Jahrhunderte. 3
2.2 Die Quellenproblematik
Neben dem Kolophon bieten die in den Erzähltext eingefügten Itinerare Ansatzpunk- te, den Entstehungsort und die Autoridentität herauszufinden. Besonders Reisebe- richte der Nürnberger Patrizier Muffel, Tetzel, Rieter und Tucher scheinen als Aus- gangspunkt gedient zu haben. Aufgrund der engen verwand tschaftlichen Verhältnisse dieser Familien lassen sich nur geringe Abweichungen der Reiseberichte in den je- weiligen Handschriften feststellen.
Der Reisebericht des Gabriel Muffel, Sohn des berühmten Nürnberger Patriziers Ni- kolaus Muffel, besteht zunächst aus Beschreibungen über Pilgerfahrten in das Heili- ge Land und nach Ägypten. Dieses Itinerar ist innerhalb der Pilge rberichte des 14. und 15. Jahrhunderts von besonderem Stellenwert, da es eine Mischung aus tradier- tem mittelalterlichem Orientwissen und detaillierten Eigenbeobachtungen darstellt. Jedoch kam die Forschung über dieses Itinerar zu der Erkenntnis, dass es sich nicht um Reiseberichte des Nürnbergers Gabriel Muffel handelt, sondern um eine Überset- zung des frühesten italienischen Pilgerberichts aus dem Heiligen Land vom Franzis- kaner Niccolo da Piggibonsi. Dieser hatte 1346-50 eine Pilgerreise in das Heilige Land und nach Ägypten unternommen und aufbauend auf den Erlebnissen seine Re i- seberichte verfasst. Später wurden sie von einem unbekannten Passauer übersetzt und als Muffels Itinerare überliefert. Der Eintrag „Anno 1464 die octavo decembris ivit ad terrem sanctam Gabriel Muffel filius tertius Nicolai Muffell“ im Codex stammt von einer Hand, die nicht die der Reiseberichte ist, und gab Grund zu der Annahme, dass das Itinerar auf Gabriel Muffel zurückgeht. 4 Leo von Rozmital unternahm seine Ritter- und Pilgerreisen 1465-67 durch ganz Eu- ropa. Neben der Darstellung fürstlicher Macht und dem Abhalten von Festen an Hö- fen des europäischen Hochadels, die mit Gastmählern, Tanz und Turnieren verbun-
3 Vgl. Roloff, Hans-Gert. Materialien zum Verständnis des Textes. In: Roloff, Hans-Gert. Fortunatus.
Studienausgabe nach der Editio Princeps von 1509. Stuttgart. 1996. S. 207-322. S. 207.
4 Vgl. Kästner. Fortunatus. S. 258f.
3
den waren, unternahm Leo seine Pilgerfahrt auch um Heiligtümer zu verehren. In seinem Gefolge befand sich der Nürnberger Gabriel Tetzel, der die Reiseberichte anfertigen sollte. Zudem nahm, auf Bitten Tetzels auch noch sein Verwandter Gab- riel Muffel an der Pilgerfahrt teil. Die Reise begann in Nürnberg und führte die Pil- ger nach England an den Hof Eduards IV. in London. Danach wurde Nantes, der französische, spanische und portugiesische Königshof bereist, bevor man Mailand und Venedig ansteuerte. Dort stellte Leo allerdings fest, dass er in Geldnöte geraten war und ohne das Heilige Land zu bereisen nach Prag zurückkehren musste. Der tetzelsche Reisebericht steht in einer Handschrift aus dem 15. Jahrhundert im An- schluss an die Berichte einer Romreise, welche Nikolaus Muffel 1492 unternahm. Beide Berichte wurden von derselben Hand verfasst, so dass die Handschrift sich vermutlich im Besitz der Familie Muffel befand. Zudem muss angenommen werden, dass die Itinerare Tetzels aus einem erhaltenen Familienbuch der Muffels aus dem
15. Jahrhundert bzw. aus einer verlorengegangenen Handschrift abgeschrieben wur-
den. 5 Neben der Tatsache, dass die Re iseberichte Tetzels die Hauptschauplätze des Fortunatus-Romans, wie Flandern, London, Burgund und Nantes erwähnen, müssen sie immer in Zusammenhang mit den Reiseberichten Muffels gesehen werden.
Im Jahre 1479 brachen die Nürnberger Hans Tucher und Sebald Rieter mit ihrer Re i- segesellschaft nach Venedig auf, um ebenfalls das Heilige Land zu bereisen. Sie konnten dabei auf die Reiseberichte des Vaters und Großvaters von Sebald Rieter zurückgreifen, die bereits im Jahre 1464 bzw. 1436 in Jerusalem waren. Die beiden Patrizier kehrten nach einem Jahr Pilgerfahrt in die Heimat zurück und veröffentli- chen ihre Reiseberichte, wobei Tuchers Aufzeichnungen mehrfach gedruckt und handschriftlich überliefert wurden, Rieters Berichte lediglich handschriftlich verbrei- tet wurden. Der Reisebericht Tuchers nach Palästina und zum Katharinenkloster mit Sebald Rieter sind auffällig detailliert, so dass beispielsweise Angaben über Reise- kosten und Za hlungsmittel gemacht werden. Zudem konnte nachgewiesen werden, dass Hans Tucher sowohl die Reiseberichte von Vater und Großvater Sebald Rieters besaß und diese mit Zusätzen und Erweiterungen vervollständigte. Ebenso wahr- scheinlich ist die Tatsache, dass Tucher das rietersche Itinerar übernahm. Allerdings veränderte er z.B. Entfernungsangaben, aufgrund Erfahrungen, die er auf seiner Ori-
5 Vgl. Kästner. Fortunatus. S. 260ff.
4
entreise machte. Das Fortunatus-Itinerar folgt gerade diesen Veränderungen der tu- cherschen Variante, so dass S. Sachse zu der Annahme kam, dass Hans Tuchers Schriften als Hauptquelle für den Fortunatus-Autor dienten. Ein weiteres Indiz für diese These sind die im 15. und 16. Jahrhundert weitverbreiteten Drucke der tucher- schen Reiseberichte. 6 Besonders die Reiseberichte Hans Tuchers aus der fragmentarischen Coburger Hand- schrift weisen aufgrund seiner als Lesefehler erkennbaren Unstimmigkeiten auf die vom Roman-Autor benutzte Vorlage hin. Diese geringen, jedoch vorhandenen Diffe- renzen beziehen sich hauptsächlich auf Orts- bzw. Länderbeschreibungen und Ent- fernungsangaben. 7
2.3 Der Entstehungsort
Durch die Analyse der Textsegmente des Kolophons und der Itinerare lässt sich zu- mindest der Entstehungsort des Fortunatus eingrenzen. Bei Nachforschungen zur Herkunft des Romans fiel des Öfteren der Name der Nürnberger Arztfamilie Schedel auf. Ebenfalls stützen sich die Untersuchungen von Y. Luoma, aufgrund des Gebrauchs der Vergangenheitstempora, auf Nürnberg als Entstehungsort des Fortu- natus. Luoma kommt zu dem Schluss, dass die extensive Verwendung des Präteri- tums und der geringe Anteil des Perfekts bei der vermuteten Umschreibung in die Augsburger Druckersprache eine sprachliche Besonderheit erhalten hat. 8 Somit liegt die Schlussfolgerung nahe, dass der Autor des Romans eher ein Nürnberger als ein Augsburger ist. Luomas These beruht auf dem Vergleich Augsburger und Nürnber- ger Chroniken, sowie dem Itinerar der Nürnberger Familie Rieter. Besonders bei der handschriftlich überlieferten Form der Reiseberichte der Familie Rieter lässt sich, so Luoma, eine deckungsgleiche Verteilung des Präteritums erkennen, allerdings zieht Luoma eine dritte Möglichkeit bezüglich der Klärung des Entstehungsortes nicht in Erwägung. Diese Alternative bestünde darin, nicht nur den Augsburger Verleger
6 Vgl. Kästner. Fortunatus. S.262ff.
7 Vgl. ebd. S. 265 ff.
8 Vgl. Luoma, Y. Zum Gebrauch der Vergangenheitstemp ora im Volksbuch `Fortunatus´. Pro-Gradu-
Arbeit. Helsinki. 1968. S. 74ff.
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Daniel Pater, 2005, Fortunatus als Vertreter des Kaufmannsstandes, München, GRIN Verlag GmbH
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