Internationalisierung in der Wasserbranche
von: Thorsten Lampe
INHALT
1. Einleitung 1
2. Weltweiter Wassermarkt – Wassermärkte weltweit 1
2.1. Das Lebenselixier Wasser als Wirtschaftsgut 1
2.2. Rahmenbedingungen der Wassermärkte 3
2.2.1. Nationale Regulierung 3
2.2.2. Globales Oligopol, lokale „natürliche“ Monopole 4
2.2.3. Grundformen der Privatisierung im Wassersektor 5
2.3. Internationale Konzerne der Wasserbranche im Profil 7
2.3.1. Suez/Ondeo 8
2.3.2. Veolia Environment 9
2.3.3. RWE Thames-Water 10
3. Internationalisierung transnationaler Wasserunternehmen 10
3.1. Internationalisierungsstrategien der Wasserunternehmen 11
3.2. Taktische Instrumente der Eroberung internationaler Märkte 13
3.3. Einfluss internationaler politischer Akteure 15
4. Aktuelle Probleme und Ausblick 18
4.1. Wasser – Recht oder Bedürfnis? 18
4.2. Erfolgskonzept Internationalisierung? 19
5. Fazit 21
Literatur: 22
Internetquellen 22
1. Einleitung
Wasser ist eine außergewöhnliche Ressource. Es ist nicht nur Bestandteil allen Lebens, sondern wird seit einigen Jahren zunehmend als Wirtschaftsgut betrachtet. Damit tragen Weltpolitik und Wirtschaft aktuellen demographischen Entwicklungen, wirtschaftlichen Erfordernissen und Umweltschutzaspekten Rechnung. Diese Rahmenbedingungen machen das weltweite Wassergeschäft zu einer anspruchsvollen und spannenden Branche. Die Internationalisierung transnationaler Wasserkonzerne ist ebenfalls ein junger Prozess. Voraussetzungen für ihn ist die erst seit wenigen Jahren stattfindende Öffnung und Deregulierung weltweiter Wassermärkte, die einem komplexen Zusammenspiel politischer, humanitärer und wirtschaftlicher Interessen folgt. In dieser Arbeit wird die Internationalisierung privater Wasserunternehmen sowohl aus einzelwirtschaftlicher als auch aus gesamtwirtschaftlicher Sicht analysiert. Dafür gilt es zunächst, Wasser als Gut zu charakterisieren und den Markt für Wasser mit seinen Besonderheiten zu umreißen. Anschließend soll betrachtet werden, welche Akteure in der Wasserbranche operieren und welche grundsätzlichen Formen der Leistungserbringung durch private Konzerne im Wassersektor bestehen. Kern der Arbeit ist die Auseinandersetzung mit allgemeinen Strategien der Internationalisierung sowie speziellen Taktiken zur Eroberung von Wassermärkten und der Rolle der Politik. Im letzten Teil der Arbeit werden zwei ausgewählte Probleme der internationalen Liberalisierung der Wassermärkte beleuchtet. Dabei handelt es sich zum einen um die Diskussion der Interpretation von Wasser als Bedürfnis oder Recht und zum anderen um die wechselhaften Erfolge internationaler Engagements der Wasserkonzerne.
2. Weltweiter Wassermarkt – Wassermärkte weltweit
2.1. Das Lebenselixier Wasser als Wirtschaftsgut
Wasser ist nicht im Überfluss vorhanden, sondern eine begrenzt verfügbare Ressource. Es bedeckt zwar 70 Prozent des Erdballs, doch sind nur 2,5 Prozent des weltweiten Vorkommens Süßwasser. Der Großteil des vorhandenen Süßwassers ist in Eis und Schnee im Bereich der Polarkappen sowie in fossilen Grundwasservorkommen und als Feuchtigkeit im Boden gespeichert. Letztendlich verbleibt nur ein knappes Prozent des Süßwassers oder 0,02 Prozent der gesamten Wassermenge der Erde für den Menschen nutzbar. Diese knappen globalen Süßwasserressourcen sind durch Klima und Geomorphologie asymmetrisch verteilt.1
Wasser ist ein kritischer Faktor des Stoffwechsels von Lebewesen und damit lebensnotwendiges Gut. Menschen sind darauf angewiesen, regelmäßig Wasser in ausreichender Menge und Beschaffenheit zu sich zu nehmen. Wenn es ihnen an Wasser mangelt oder dieses verunreinigt ist, dann können für sie innerhalb kurzer Zeit schwerwiegende gesundheitliche Folgen bis zum Exitus eintreten. Doch nicht nur zur Lebenserhaltung benötigen Menschen Wasser. Es ist auch ein wichtiger Faktor für Entwicklung und Wirtschaft.2 Demgegenüber besitzen heute mehr als eine Milliarde Menschen keinen oder nicht ausreichenden Zugang zu Trinkwasser. Fast zweieinhalb Milliarden Menschen leben ohne ausreichende Sanitäre Einrichtungen. 3 Das Problem der Wasserknappheit betraf zu Beginn des 21. Jahrhunderts mehr als achtzig Länder und etwa vierzig Prozent der Weltbevölkerung, so dass bereits von einer globalen Wasserkrise gesprochen wird. Die bereits heute gravierenden und teilweise sogar lebensbedrohlichen Probleme werden in Zukunft weiter zunehmen. Steigende Bevölkerungszahlen, weltweit wachsende Lebensstandards sowie die Bedeutung von Wasser in der Nahrungsmittelproduktion und der Freizeitindustrie werden für die global steigende Nachfrage nach Wasser verantwortlich gemacht. Es ist zu befürchten, dass bis zum Jahr 2025 zwei Drittel der Weltbevölkerung unter Wasserknappheit oder Wassermangel leiden werden4, während der Bedarf nach Wasser im gleichen Zeitraum um 40 Prozent steigen könnte.5
Die Versorgung mit sauberem Trinkwasser ist in den verschiedenen Teilen der Welt ein Problem unterschiedlicher Qualität. In Entwicklungsländern und ariden Regionen, in denen oft nicht mehr als 20 Liter sauberen Trinkwassers pro Kopf und Tag zur Verfügung stehen, gilt es, quantitative Verfügbarkeit und Qualität des Wassers sowie Behandlung des Abwassers deutlich zu verbessern. Industrienationen wie die USA, in denen durchschnittlich 2000 Liter Wasser pro Kopf und Tag konsumiert werden, besitzen generell genügend Wasser in guter Qualität.6 Hier bestehen Probleme eher im Aufrechterhalten der Trinkwasserqualität und der ökologisch nachhaltigen Behandlung des Abwassers. Grundsätzlich besteht damit nicht nur in Entwicklungs- und Schwellenländern, in denen oft keine Versorgungsinfrastruktur vorhanden ist, sondern auch in den industrialisierten Nationen ein großer und zukünftig steigender Bedarf an Investitionen in die Netz- und Anlageninfrastruktur. Hier wie dort gilt es, bestehende Netze zu erweitern, marode Leitungsnetze zu sanieren und Anlagen zu modernisieren, um umfassenden Zugang bei hoher Trinkwasserqualität und Versorgungseffizienz zu gewährleisten. Um dem öffentlichrechtlichen Auftrag der Wasserversorgung gerecht werden zu können, erscheint es angesichts knapper kommunaler Kassen als erwägenswerte Option, die Wassermärkte für private inländische und ausländische Investoren zu öffnen und so neben frischem Kapital auch moderne und effiziente Verwaltungsmethoden und Organisationsformen zu importieren.7 Tatsächlich nehmen weltweit immer mehr Kommunen, Städte und Regionen die Leistungen privater Wasserunternehmen in Anspruch.
[...]
1 Vgl. Deutscher Naturschutzring (2004), S. 4 und Schluchter/Elkins (2003), S. 11f.
2 Dabei korrelieren der erreichte Lebensstandard und der Wasserverbrauch. Um ein Kilogramm Käse zu erzeugen werden unter Einbeziehung aller Produktionsschritte 5000 Liter Wasser aufgebracht. Die Produktion eines Automobils erfordert sogar 400.000 Liter Wasser.
3 Vgl. Deckwirth (2004), S. 3 und http://www.icij.org
4 Wasserknappheit bedeutet, dass pro Einwohner weniger als 1.700m³ Süßwasser im Jahr zur Verfügung stehen. Wassermangel liegt bei weniger als 1.000m³ Süßwasser pro Kopf und Jahr vor. Eine weitere Steigerung der Knappheit wird mit „Wasserstress“ beschrieben, der bei unter 500m³ Süßwasser pro Kopf und Jahr vorliegt.
5 Vgl. Schluchter/Elkins (2003), S. 12.
6 Vgl. Deutscher Naturschutzring (2004), S. 4f sowie: http://www.icij.org
7 Vgl. Deckwirth (2004), S. 5.
Arbeit zitieren:
Thorsten Lampe, 2005, Internationalisierung in der Wasserbranche, München, GRIN Verlag GmbH
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