Inhaltsverzeichnis
1) Einleitung 1
2) Huntingtons Konzept des Clash of Civilizations 1
1. Kulturelle Konflikte als dominierende Konfliktursache 2
2. Kulturkreise und ihre Struktur 2
3. Konfliktstrukturen 4
4. Abstieg des Westens Machtzuwachs der Herausfordererkulturen 5
3) Überblick über die Kritik an Huntingtons Clash of Civlizations 6
4) Was ist Kultur Diskussion des Kulturverständnisses Huntingtons 8
5) Kultur und wirtschaftliche Entwicklung das Beispiel Islam 9
1. Zwischen Unvereinbarkeit und Irrelevanz Diskussionsüberblick 10
2. Ökonomisch relevante Kulturfaktoren im Islam 11
6) Fazit 12
7) Literaturverzeichnis 13
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1) Einleitung
1993 publizierte der US-amerikanische Politikwissenschaftler Samuel P. Huntington in einem Aufsatz die These, dass nach Ende der Blockkonfrontation zwischen Ost und West nunmehr kulturelle Unterschiede die wichtigste Konfliktursache der Weltpolitik sei. 1 Damit löste er ei- ne heftige Debatte über die Bedeutung kultureller Identitäten für die Weltordnung aus, die auch außerhalb akademischer Kreise in Politik und Medienöffentlichkeit auf große Resonanz stieß. 1996 erschien mit „The Clash of Civilizations and the Remaking of World Order“ Hun- tingtons umfangreich ausgearbeitetes Konze pt als Buch.
Diese Arbeit geht der Frage nach, ob Huntingtons Ansatz, Kultur als zentralen Bestimmungs- faktor der internationalen Beziehungen zu betrachten, auch für die Analyse ökonomischer Fragestellungen nutzbar gemacht werden kann. Wenn Kultur wichtige Unterschiede in Ein- stellung und Verhalten von Individuen und Staaten begründet, dann liegt es nahe, dass sie sich auch sowohl auf das wirtschaftliche Verhalten der Individuen als auch auf die jeweilige Wirt- schaftsordnung auswirkt. Damit stellt sich auch die Frage nach dem Zusammenhang zwischen Kultur und wirtschaftlicher Entwicklung. Im Spannungsverhältnis zwischen den kulturell ge- prägten Besonderheiten einzelner Ökonomien und ihrer Einbindung in die Weltwirtschaft schließlich zeigt sich eine besondere Dimension jenes von Huntington prognostizierten „Zu- sammenpralls“ der Kulturen, die zugleich die Möglichkeit eröffnet, die Beziehungen zwi- schen unterschiedlichen Kulturen unter dem Aspekt des Wettbewerbs zu deuten.
Die hier aufgeworfenen Fragen können im Rahmen dieser Seminararbeit natürlich nur grob gestreift werden. Um mich der Fragestellung anzunähern, werde ich zunächst Huntingtons Konzept des „Clash of Civilizations“ darstellen (Abschnitt 2) und es mit einigen zentralen Kritikpunkten kontrastieren (Abschnitt 3). Dann werde ich näher auf die zentrale Frage einge- hen, was Kultur überhaupt ausmacht (Abschnitt 4). Abschließend wird die oben skizzierte Fragestellung am Beispiel des islamischen Kulturkreises wieder aufgegriffen (Abschnitt 5).
2) Huntingtons Konzept de s „Clash of Civilizations“
Huntington Anspruch ist es, „eine Interpretation der Entwicklung der globalen Politik nach dem Kalten Krieg“ 2 zu liefern, die als neues Paradigma anderen Modellen wie dem der uni- versalen Weltordnung, der Ablösung des Ost-West-Konflikts durch den Nord-Süd-Konflikt oder der anarchischen Staatenwelt überlegen sei 3 . Damit möchte er einen Orientierungsrah-
1 Vgl. Huntington 1993: 22.
2 Huntington 2002: 12.
3 Vgl. zur Diskussion alternativer Erklärungsmodelle Huntington 2002: 33-42.
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men gleichermaßen für wissenschaftliche Analysen wie für politisches Handeln bereitstellen. 4 Die wichtigsten Thesen seines Konzeptes werden im Folgenden skizziert.
1. Kulturelle Konflikte als dominierende Konfliktursache
Die zentrale These Huntingtons lautet, dass nach dem Kalten Krieg „Kultur und die Identität von Kulturen […] die Muster von Kohärenz, Desintegration und Konflikt“ 5 in der Welt prä- gen und die internationale Politik primär durch die Interaktionen und Konflikte zwischen den großen Kulturkreisen mit ihren zugehörigen Gruppen und Staaten strukturiert werden. Kultu- relle Auseinandersetzungen nähmen die Rolle als dominierende Konfliktursache in der heuti- gen Welt ein, die in den Jahrhunderten zuvor von anderen Faktoren (Fürsten, Nationen, Ideo- logien) besetzt gewesen sei. 6 Huntington stellt heraus, dass das internationale System dabei gänzlich am Westen ausgerichtet war, der spätestens seit dem 15. Jahrhundert den weltweit dominierenden Kulturkreis darstellte und seine territoriale Herrschaft bis nach Ende des Ers- ten Weltkrieges kontinuierlich über den Großteil der Welt ausbreitete. 7 Danach setzte Hun- tington zufolge der relative Machtverlust des Westens ein, der seinen Ausdruck nicht nur im territorialen Verlust fand, sondern im zunehmenden Aufbegehren anderer Kulturkreise gegen universale westliche Führungsanspr üche. Nach Ende des Ost-West-Konfliktes werde nun die Funktion kultureller Identitäten als zentrales ordnungsstiftendes Element in der internationa- len Politik deutlich: das internationale System von heute sei multipolar und multikulturell ge- prägt. 8
2. Kulturkreise und ihre Struktur
Huntingtons Konzept stützt sich auf Kulturkreise (civilizations) als umfassendste Gruppie- rung von Menschen mit einer gemeinsamen kulturellen Identität. Diese sieht er „durch ge- meinsame objektive Elemente wie Sprache, Geschichte, Religion, Sitten, Institutionen“ 9 de- finiert, wobei er in der Religion die wichtigste Determinante erblickt. 10
Kulturkreise bzw. Zivilisationen seien selbst keine politischen Einheiten, sondern ihnen ge- hörten je nach Raum und Zeit politische Einheiten in unterschiedlicher Zahl an. In einigen Kulturkreisen existiere dabei ein sogenannter Kernstaat (manchmal auch mehrere), der als kulturell zentraler und mächtigster Staat von den anderen zu diesem Kulturkreis zählenden 4 Vgl. ebd.: 12.
5 Ebd.: 19.
6 Vgl. ebd.: 68-70.
7 Vgl. ebd.: 65-68.
8 Vgl. ebd.: 70-72.
9 Ebd.: 54.
10 Vgl. ebd.: 52. Der Kulturbegriff wird ausführlicher unten in Abschnitt 4 behandelt.
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Staaten als führende Macht akzeptiert werde. 11 Neben Kern- und Mitgliedsstaaten untersche i- det Huntington ferner einsame, gespaltene und zerrissene Länder. Während einsame Länder keinem umfassenderen Kulturkreis zugehören, existieren in gespaltenen Ländern große Be- völkerungsgruppen mit unterschiedlicher Zivilisationsangehörigkeit. Zerrissene Länder nennt Huntington schließlich solche Länder, die zwar eindeutig einem Kulturkreis angehören, des- sen Eliten aber einen Wandel der kulturellen Identität und demnach den Anschluss an eine andere Zivilisation anstreben. 12 Nationalstaaten blieben daher weiter die wichtigsten Akteure im internationalen System 13 , wobei ihr Verhalten von der kulturellen Zugehörigkeit abhänge. Huntington identifiziert sieben bis acht Kulturkreise, welche die heutige Welt strukturieren. 14 In Asien sieht er die sinische, die japanische und die hinduistische Kultur angesiedelt. Der si- nische oder konfuzianische Kulturkreis werde vom Kernstaat China dominiert, ferner gehör- ten ihm andere chinesische Gemeinschaften und die Kulturen Vietnams und Koreas an. Ge- prägt sei er durch das konfuzianische Weltbild. Japan bilde ei nen eigenständigen Kulturkreis, zum hinduistischen Kulturkreis zählten viele Volksgruppen des indischen Subkontinents mit Indien als Kernstaat. Nordafrika, der Nahe und Mittlere Osten sowie Teile Asiens gehörten dem islamischen Kulturkreis an, der seit dem Ende des Osmanischen Reiches keinen Kern- staat mehr habe und der besonders viele Subkulturen aufweise. Auch die Türkei (Beispiel ei- nes zerrissenen Staates) rechnet Huntington diesem Kulturkreis zu.
Die gemeinsame „euroamerikanische Kultur“ 15 des Westens sie ht Huntington durch die late i- nisch-christliche Religion geprägt. Sie umfasse Europa mit der historischen Grenze 16 zw i- schen Orthodoxie und westlichem Christentum sowie Nordamerika und einige von Europäern besiedelte Staaten wie Australien und Neuseeland. Kernstaaten seien neben den USA in der Europäischen Union Frankreich und Deutschland. 17 Vom westlichen Kulturkreis unterschei- det er Lateinamerika als eigenen Kulturkreis, der sich aufgrund stark katholischer Prägung sowie die Absorption einheimischer Kulturen deutlich anders entwickelt habe, aber dennoch eng mit dem Westen verbunden sei. Einen Kernstaat kann er hier nicht ausmachen. Dem sla- wisch-orthodoxen Kulturkreis mit Russland als Kernstaat gehörten große Teil Osteuropas
11 Vgl. zur Funktion der Kernstaaten als zentrale ordnungsstiftende Mächte ebd.: 247ff. 12 Vgl. ausführlich ebd.: 211-218.
13 Vgl. ebd.: 38.
14 Vgl. zur folgenden Darstellung der Kulturkreise ebd.: 57-62.
15 Ebd.: 60.
16 Vgl. ebd.: 251.
17 Vgl. ebd.: 250.
Arbeit zitieren:
Diplom-Politologe Florian Wanke, 2005, Wettbewerb der Kulturen nach S. Huntington: Konsequenzen für die wirtschaftliche Entwicklung, München, GRIN Verlag GmbH
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