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Wintersemester 2001/2002
Hauptseminar: Sozialformen des Lernens in der Weiterbildung
Dozent: Prof. Dr. U. Heyder
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Gliederung:
1. Einleitung
1.1. Entstehung des Konzepts
1.2. Gegenwärtige Situation
1.2.1. Das Konzept Lebenslangen Lernens-
Pers önliche Chance oder gesellschaftliche Zumutung
1.2.2. Lebenslanges Lernen unter organisatorischen Aspekten
1.2.3. Risiken in der neuen Lebensführung
2. Konzeptioneller Wandel
3. Lebenslanges Lernen aus Adressaten- und Aneignungsperspektive
4. Analytische Horizonte Lebenslangen Lernens
4.1. Selbstgesteuerte Bildung/ Selbstgesteuertes Lernen
4.2. Neue Medien- Neue Möglichkeiten
4.2.1. Medienkompetenz
5. Ergebnisse/ Aussichten
Literaturverzeichnis
3
1. Einleitung
Lernen ist eine allgemeine Lebensfunktion.
Ihre Bedeutung nimmt in dem Maße zu, in dem Lebens-, Arbeits- und Mediensituation komplexer, unbeständiger und undurchschaubarer werden. Die Entwicklung unseres Verstehens muß Schritt halten mit diesem Wandel. Eine allgemeine Einsicht hat sich etabliert, daß wir am Anfang des einundzwanzigsten Jahrhunderts quasi in „beschleunigten Zeiten“ 1 leben. In Anbetracht der schnellen technologischen Entwicklungen und der immensen Wissensakkumulation stellt sich in Bezug auf Bildung und Bildungssystem die Frage, welches Lernen das Leben heute braucht.
Das Konzept „Lebenslanges Lernen“ ist inzwischen zu einer popularisierten Formel geworden, das auf die umfassende Bildungsreform im Übergang der 60er zu den 70er Jahre zurückgeht. Beim lebenslangen Lernen wirddie gesamte Lebensspanne als ein Möglichkeitsraum für Bildungsprozesse erkannt. In der heutigen Bildungspolitik spielt lebenslanges Lernen insofern eine große Rolle, als es die permanente Anpassung der Qualifikation der arbeitenden Menschen an neue Techniken und Anforderungen verspricht und dem interkontinentalen Konkurrenzdruck Rechnung trägt.
In den folgenden Ausführungen soll das Konzept lebenslangen Lernens vorgestellt werden. Dargestellt werden soll, welche bildungspolitischen Überlegungen maßgeblich zu seiner Entwicklung beitrugen, wofür das Konzept ursprünglich stand (1.1) und wie es sich gegenwärtig durch einen Wandel in der eigenen Konzeption darstellt (1.2). Ferner soll auf die Fragen eingegangen werden, wie lebenslanges Lernen organisiert ist oder in naher Zukunft sein sollte und an welchen Lernorten es stattfindet (1.2.2). Es werden außerdem der Wandel in den Biographien und daraus resultierende Risiken thematisiert (1.2.3). Unter Punkt 3 sollen tendenzielle Sichtweisen und Einstellungen der Bildungssubjekte in Bezug auf das Konzept dargestellt werden.
Im Anschluß werden Zukunftsaussichten analysiert: Zum einen wird hierbei im Rahmen von Individualisierung und Pluralisierung der bereits begonnene Trend zum „selbstgesteuerten Lernen“ (4.1), einem dem lebenslangen Lernen inhärenten Konzept, thematisiert. Zum anderen wird der Einfluß neuer Medien auf das gesamte Bildungssystem und mithin auf die
1 Vgl. Künzel, Klaus (Hg.): Internationales Jahrbuch der Erwachsenenbildung, 2001, S.9
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sich für den Einzelnen ergebenden Umstellungen im Lernverhalten in groben Zügen diskutiert.
Abschließend wird der Begriff „Medienkompetenz" als Schlüsselbegriff der Informationsgesellschaft (4.2.1) auf seinen heutigen und zukünftigen Gehalt hin untersucht. Unter Punkt 5 sollen Ergebnisse dargestellt und Aussichten diskutiert werden.
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Ursprüngliche Hintergründe für das Entstehen des Konzepts lebenslangen Lernens können in der Rezession Mitte der 60er Jahregesehen werdenZusätzlich bildeten ein im Bildungssystem nicht einkalkulierter rasanter technischer Fortschritt und eine wachsende internationale Konkurrenz weitere Hintergründe für die Einführung des Konzepts. Die Einführung des Begriffs vollzog sich im Kontext der bildungspolitischen Debatten über grundlegende Strukturreformen im gesamten Bildungswesen. Hinter diesem Begriff stand die Erwartung, die Erwachsenenbildung als Teil des allgemeinen Bildungswesens zu etablieren. Der deutsche Bildungsrat gab im Jahre 1970 zur bildungsreformerischen Begründung der Weiterbildung an: „Der Begriff der ständigen Weiterbildung schließt ein, daß das organisierte Lernen auf spätere Phasen des Lebens ausgedehnt wird und daß sich die Bildungsmentalität weitgehend ändert. Die traditionelle Vorstellung von zwei Lebensphasen, die ausschließlich und voneinander getrennt entweder mit der Aneignung oder mit der Anwendung von Bildung zusammenfallen, wird abgelöst durch die Auffassung, daß organisiertes Lernen sich nicht auf eine Bildungsphase am Anfang des Lebens beschränken kann. Weiterbildung [...] ergänzt die herkömmlichen geschlossenen Bildungsgänge und setzt sie unter nachschulischen Bedingungen fort.“ 2
Ursprüngliche Ziele der Reform waren neben der Behebung der genannten wirtschaftlichen Probleme zahlreiche Neuordnungsaspekte, die sich auf das gesamte Bildungssystem bezogen: Durch eine neue Ordnung sollte sich ein Entlastungseffekt für den schulischen und universitären Bereich ergeben. Die Beschränkung von Lernprozessen auf die kindlichen und jugendlichen Lebensphasen, sprich: die Zeit der schulischen Bildung und der beruflichen Ausbildung, sollten aufgehoben werden.
Mithin sollte eine Neuordnung von vorschulischem, schulischem und nachschulischem Lernen eintreten.Der Gesamter Lebenslauf des Menschen sollte fortan als Bezugspunkt pädagogischer Praxis und Reflexion dienen.
2 Deutscher Bildungsrat 1970, S.51 in: Brödel, Rainer: Lebenslanges Lernen- lebensbegleitende Bildung, 1998,
S.6
5
Arbeit zitieren:
Matthias Rischer, 2002, Das Konzept lebenslangen Lernens / Der Lebenslauf als Bezug der Weiterbildung, München, GRIN Verlag GmbH
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