Sprechakttheorie
von: Corinna Schücke
In den Dreiziger Jahren des letzten Jahrhunderts stand vor dem philosophisch analytischen Hintergrund im Zentrum des Interesses der Sprachforschung das Problem des Wahr- oder Falschseins. J. L. Austin setzte sich das Ziel, diese fokussierte Wahrheitsbedingung des Sprachverstehens zu widerlegen und präsentierte hierzu seine später von J. R. Searl systematisierte Theorie, die zur Veranschaulichung des Sprachhandeln sowie der Verbindung von sprachlichem Ausdruck, Proposition und kommunikativer Funktion innerhalb des Sprechaktes dienen sollte. Jede Art sprachlicher Kommunikation enthält sprachliche Akte. Die Produktion sprachlicher Zeichen im Vollzug des Sprachaktes konstituiert die Basis jeglicher sprachlicher Kommunikation.
Austins Grundlage seiner später durch Searl als Sprachakttheorie bekannt gewordenen Theorie basierte auf der Unterscheidung zwischen konstativen und performativen Sätzen. Der konstative Satz ist durch die Aufstellung von Behauptungen kennzeichnet, die wahr oder falsch sind. Der Wahrheitsaspekt ist also hierbei entscheidend. Bsp.: Die Sonne scheint. Der performative Satz hingegen stellt eine gewisse Handlung dar, die nur unter Verwendung spezifischer Sprachmittel vollzogen werden kann und deren Bildung unter Verwendung sogenannter performativer Verben (üblicherweise in der 1. Person Präsens Indikativ Aktiv) erfolgt. Hierbei wird der Handlungsaspekt fokussiert. Die Reaktion auf performative Sätze mit "Das stimmt/das ist wahr" oder "Das stimmt nicht/das ist unwahr" ist hierbei eher schwierig. Austin untergliederte die performativen Sätze zudem in explizit performativ, welche zur Unterstreichung der Tatsache, dass die Handlung gerade in diesem Moment vollzogen wird, oft von dem Wort ′hiermit′ begleitet werden (Bsp.: Ich taufe Dich auf den Namen Karl.) und primär performativ, für alltägliche bzw. gebräuchlichere Formen (Bsp.: Ich werde das Buch morgen zu Ende lesen.)
Wie Austin jedoch selbst erkannte, war seine Theorie nicht ganz ausgereift. Er stelle unter anderen fest, dass beispielsweise es nicht die Sätze sind, die konstativ oder performativ sind, sondern die Äußerungsakte. Außerdem, dass konstativ nicht zwingend von performativ getrennt werden kann. Searl nahm später die nachfolgend aufgeführte erweiterte respektive veränderte Klassifizierung der Sprechakte vor, deren Ausmaß jedoch auch weiterhin – wie schon bei Austin – nur den Einzelsatz betrifft. Er unterschied in:
1. Repräsentativa: Sprechakte, in denen der Wahrheitsgehalt fokussiert wird (bei Austin konstative Sätze)
2. Direktiva: Sprechakte, die Aufforderungen eines Sprechers an einen Hörer darstellen (Fragen, Bitten, Befehle etc.)
3. Kommissiva: Sprechakte, die Verpflichtungen eines Sprechers zu einer zukünftigen Handlung sind
4. Expressiva: Sprechakte, die Handlungen sozialer Kompetenz (danken, sich entschuldigen) darstellen
5. Deklarativa: institutionalisierte, offizielle oder ritualisierte Sprechhandlungen (taufen, kündigen, den Krieg erklären).
"Eine sprachliche Äußerung lässt sich unter dem Gesichtspunkt ihres lokutionären, ihres illokutionären und ihres perlokutionären Aktes beschreiben." (Harras: 1983, S. 119) Diese von Austin gemachte Feststellung präzisierte Searl dahingehend, dass es sich bei einem Sprechakt um die Gleichzeitigkeit der v i e r nachfolgend genannten Teilakte handele.
[...]
Arbeit zitieren:
Corinna Schücke, 2003, Sprechakttheorie, München, GRIN Verlag GmbH
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