*OLHGHUXQJ Erkenntnisinteresse und These 2
1. Stand der Forschung 3
1.1 Quellen 3
1.2 Literatur und Forschung 3
2. Argumente für die Arbeitshypothese 4
2.1 Angst der Parteiführung vor Verhaftungen und Repressalien 4
2.2 Anti-Sozialdemokratische Stimmung im Reichstag 5
2.3 Erfahrungen aus der Frühzeit der politischen Arbeiterbewegung im Reich 5
2.4 Überraschender Kriegsausbruch 6
3 Argumente gegen die Arbeitshypothese 7
3.1 Reale Bedeutung der Arbeiterbewegung im Reich 7
3.2 Nationalismus in der Arbeiterbewegung 8
3.3 Der innerparteiliche Schwelbrand: Revisionisten und Radikale 9
3.4 Das Kalkül für die Zeit nach dem Kriege: Do, ut des 10
4 Fazit: Zur Würdigung der Burgfriedenspolitik 12
4.1 Ablehnung der Hypothese 12
4.2 Ausblick: Die historischen Folgen der Burgfriedenspolitik 13
4.3 Gab es Alternativen zur Burgfriedenspolitik? 14
Literaturverzeichnis 15
1
(UNHQQWQLVLQWHUHVVHXQG7KHVH
Der „Burgfrieden“, den die deutsche Sozialdemokratie am 4. August 1914 mit den bürgerlichen und nationalen Kräften im Reich schloß, bildet eine Zäsur in der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung. Zum ersten Mal in ihrer Geschichte überhaupt kooperiert die SPD als parteipolitische Trägerin der Arbeiterbewegung im Deutschen Reich mit genau den Kräften, welche sie noch vor wenigen Jahrzehnten auf das Schärfste bekämpft hatten. Um so spannender ist natürlich die Frage, welche Ziele und Motive hinter dieser Kooperation standen. Diese Thematik wird, unter Beachtung des mündlichen Vortrags des Autors am 7.11.2001, im Folgenden erörtert werden.
Zur Strukturierung des Themas dient die Leitfrage: Warum stimmten die „vaterlandslosen Gesellen“ (Wilhelm II.) der Bewilligung der Kriegskredite zu, obwohl das bürgerlich-liberalkonservative Lager im Reichstag auch ohne die Sozialdemokraten die Stimmenmehrheit hätte liefern können? Die Hypothese hierfür lautet: 'LH63'5HLFKVWDJVIUDNWLRQVWLPPWHDP$XJXVWIUGLH%HZLOOLJXQJGHU.ULHJVNUHGL WHÄ%XUJIULHGHQ³GDVLHLP)DOOHHLQHU$EOHKQXQJGLH5FNQDKPHGHUVHLWHUUHLFKWHQ VR]LDOHQ(UUXQJHQVFKDIWHQEHIUFKWHWH
Dies ist eine These, die auch in der Literatur häufiger angetroffen wird 1 . Diese Arbeit stellt jedoch die Behauptung auf, daß der o.a. Grund nebensächlich ist und andere, viel gewichtigere Faktoren die zentrale Rolle spielten. Es wird durch Quellenbelege und Erkenntnisse der Forschung bewiesen werden, daß die Hauptbeweggründe einem komplexen innenpolitischen Kalküldenken folgten, welches vor allem die demokratische Reform des preußischen Wahlrechts und die vollständige Parlamentarisierung des Deutschen Reiches zum Ziel hatte. Nach einer kurzen Übersicht über relevante Quellen wird der aktuelle Forschungsstand in der Literatur erläutert. Danach folgen Argumente, die die Hypothese unterstützen. Die Gegenargumente werden jedoch zeigen, daß die wirklich ausschlaggebenden Gründe anderer Natur waren. Das Fazit schließlich wird erweisen, daß die Hypothese in dieser Form nicht bestätigt werden kann.
Besondere Berücksichtigung im Rahmen dieser Arbeit finden die historischen Folgen des Burgfriedens, die bis weit in die Geschichte der Weimarer Republik reichen. Der abschließende Ausblick wird zudem die Frage aufwerfen, ob es Alternativen zur Burgfriedenspolitik hätte geben können.
1 etwa in: Miller, Susanne: Burgfrieden und Klassenkampf, Droste: Düsseldorf 1974, S.72, Fußnote 14
2
6WDQGGHU)RUVFKXQJ
Das Zustandekommen des Burgfriedens läßt sich nicht von der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, des Parlamentarismus und insbesondere der Geschichte der SPD trennen. Eine eigenständige „Historie des Burgfriedens“ gibt es daher nicht. Vielmehr müssen die Motive, Prozesse und Vorgänge, die schließlich in den Burgfrieden mündeten, in ihrem Gesamtzusammenhang betrachtet werden. 4XHOOHQ 2 In dem o.a. Zusammenhang sind zunächst einmal die Protokolle der SPD-Reichstagsfraktion eine Quelle ersten Ranges, da sie neutral und ohne Einfluß persönlicher Meinungen die parteipolitischen Strömungen und Richtungen in Fraktion und Partei der SPD widerspiegeln. Eine stark subjektiv gefärbte, jedoch für das Verständnis der Motive der Burgfriedenspolitik unverzichtbare Quelle ist Eduard Davids „Kriegstagebuch“ 3 . Es gibt zudem Einblicke in die tiefe Rußlandfeindschaft der deutschen Sozialdemokratie der damaligen Zeit. Weiterhin geben die Anmerkungen der Bearbeiter des Tagebuchs Hinweise auf Aufzeichnungen anderer hochrangiger Parteifunktionäre. Das Kriegstagebuch ist zudem unverzichtbar für das Verständnis des revisionistischen, „rechten“ Flügels der SPD-Reichstagsfraktion, dessen Hauptprotagonist Eduard David war.
Als Kontrast hierzu bieten sich die beiden Thronreden Wilhelms II. am 3.8.1914 (vor der Bevölkerung Berlins) und am 4.8.1914 (vor den Mitgliedern des Reichstags) als Quelle an 4 . In ihnen ist das bekannte Zitat „Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche“ zum ersten Mal zu hören. Zudem taucht wiederholt das verhängnisvolle Argument auf, das Reich befände sich in einem „gerechten“ Verteidigungskrieg, der ihm von außen aufgezwungen worden sei.
Im Gegensatz zu Eduard David vertrat Philipp Scheidemann zunächst eine eher gemäßigte, um nicht zu sagen unentschlossene, Haltung zur Burgfriedenspolitik. Gerade vor diesem Hin-tergrund bilden seine Memoiren 5 eine Quelle, die eine andere Sichtweise als die Davids ins Bewußtsein des historisch Forschenden einfließen läßt. /LWHUDWXUXQG)RUVFKXQJ
Von diesen Quellen ausgehend, bildet Susanne Millers Monographie 6 das auch noch heute quasi unumstrittene - obwohl sehr weit links stehende - Standardwerk zum Spezialthema der deutschen Arbeiterbewegung und ihrer Politik im Zeitraum 1914-1918. Die Burgfriedenspolitik stellt sicherlich nur einen Teil dieser Epoche dar, wird von Miller jedoch sehr ausführlich behandelt. Gleichzeitig eröffnet der Anmerkungsapparat eine Fülle an Tertiärliteratur. 2
2 Conze, Werner, Matthias, Erich (Hrsg.); Matthias, Erich, Pikart, Eberhard (Bearb.): Quellen zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien, Erste Reihe, Bd. 3/II: Die Reichstagsfraktion der deutschen Sozialdemokratie 1898 bis 1918, Düsseldorf 1966: Droste
3 Conze, Werner, Matthias, Erich (Hrsg.); Miller, Susanne (Bearb.): Quellen zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien, Erste Reihe, Bd. 4: Das Kriegstagebuch des Reichstagsabgeordneten Eduard David 1914 bis 1918, Düsseldorf 1966: Droste
3
Arbeit zitieren:
Marcus Matthias Keupp, 2002, Sozialdemokratie und Burgfrieden - Illusion oder politisches Kalkül?, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Gründe für den Zerfall. Die Figur des Elis Fröbom in E.T.A. Hoffmanns ...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 11 Seiten
Wasserpolitik als Teil der globalen Entwicklungspolitik
Die Suche nach einem Weg aus d...
Geowissenschaften / Geographie - Politische Geographie
Hausarbeit (Hauptseminar), 33 Seiten
Der sozialdemokratische Burgfriedensschluss 1914
Gesch. Europa - Deutschland - I. Weltkrieg, Weimarer Republik
Seminararbeit, 16 Seiten
Die Bedeutung des Evian Wasser–G8 Aktionsplans für die Wasserpolitik i...
Politik - Internationale Politik - Thema: Int. Organisationen u. Verbände
Hausarbeit (Hauptseminar), 41 Seiten
Kriegskredite, Burgfrieden und...
Gesch. Europa - Deutschland - I. Weltkrieg, Weimarer Republik
Hausarbeit, 23 Seiten
Die Millenniumsentwicklungsziele und ihr Bezug zu Wasser
Geowissenschaften / Geographie - Sonstiges
Seminararbeit, 15 Seiten
Presse und Zensur um das Jahr 1800
Geschichte Europa - and. Länder - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung
Seminararbeit, 33 Seiten
Afrika im Geschichtsunterricht - Eine Analyse hinsichtlich Bedeutung u...
Hausarbeit (Hauptseminar), 19 Seiten
Die Spaltung der deutschen Sozialdemokratie im Ersten Weltkrieg. Vom 4...
Gesch. Europa - Deutschland - I. Weltkrieg, Weimarer Republik
Seminararbeit, 20 Seiten
Eine Untersuchung der Gründe für die Bewilligung der Kriegskredite dur...
Geschichte Europa - Deutschland - Neuere Geschichte
Seminararbeit, 33 Seiten
Illegitimität in Spanisch-Amerika
Amerikanistik - Kultur und Landeskunde
Hausarbeit (Hauptseminar), 29 Seiten
Die Bedeutung des Nationalstaates im Zeitalter der Globalisierung
Das transnationale Unternehmen...
Geowissenschaften / Geographie - Wirtschaftsgeographie
Hausarbeit (Hauptseminar), 25 Seiten
Der Wilde im Zettelkasten: Quellen, Einflüsse und Methode in Sigmund F...
Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)
Hausarbeit (Hauptseminar), 26 Seiten
Wirtschaftgeographische Strukturanalyse und Entwicklungsperspektiven v...
Seminararbeit, 24 Seiten
Napoleon - Vom Soldaten zum französischen Kaiser
Geschichte Europa - and. Länder - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung
Seminararbeit, 20 Seiten
Marcus Matthias Keupp's Text Sozialdemokratie und Burgfrieden - Illusion oder politisches Kalkül? ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Marcus Matthias Keupp hat den Text Sozialdemokratie und Burgfrieden - Illusion oder politisches Kalkül? veröffentlicht
Marcus Matthias Keupp hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare